Diskussion:Annäherungen (T)

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Polyzentrismus und Standpunkte

Die kluge Toleranz

„Die eben heraufbeschworene Dummheit erweist sich, bei näherer Prüfung, in vielen Fällen als die überlegene Einstellung. Offenheit und Lernfähigkeit übertrumpfen Dogmatismus. Und darin kann man erst recht ein Gegenargument gegen die Fürsprecher der Toleranz machen. Nur wenn es mir nicht an den Kragen geht, eröffnet sich die Freiheit, vom Andersartigen zu profitieren. Toleranz ist ein Erfolgsrezept für Besserverdienende, denen eine normverbürgte Leitkultur eher als Hindernis erscheint.“

Mir leuchtet die Verknüpfung von Toleranz mit nicht unmittelbar gegebener Bedrohung bzw. Besserverdienertum hier nicht ganz ein. Man könnte im Ausgang von den ersten beiden Sätzen des obigen Zitates und der These, daß „Offenheit und Lernfähigkeit“ zumeist größere Erfolgsaussichten haben als ein allzu plumper Dogmatismus, noch weitreichender argumentieren: Gerade, wenn es mir an den Kragen geht, ich schlechte Chancen auf die unmittelbare Durchsetzung meiner dogmatischen Ansprüche habe, komme ich nicht umhin, diese durch die Maske von „Offenheit und Lernfähigkeit“ zu tarnen, um sie vielleicht wenigstens teilweise und durch Kompromisse etablieren zu können. Demgemäß müßte man die These umkehren: Nur, wenn es mir gelingt, vom Andersartigen zu profitieren, geht es mir nicht an den Kragen. --Jakob 8:55, 26.10.05

Ein "Gegenargument gegen die Fürsprecher der Toleranz", das ist leider eine furchtbare Formulierung. Gemeint ist: Toleranz muss man sich leisten können. Jakob hält dagegen, dass es für Benachteiligte empfehlenswert sein kann, sich tolerant zu verhalten, um davon zu profitieren. Ganz einverstanden, aber das kommt wieder auf die Lernfähigkeit hinaus. Wieviel Spielraum zur Modifikation eines Glaubenssystems ist vorhanden? In der Regel stoßen gut situierte Personen weniger leicht an ihre Grenzen. --anna 10:34, 27. Okt 2005 (CEST)


@ Jakob: Mich würde interessieren, von wem das zweite Zitat ist (eigentlich würds mich auch beim ersteren interessieren) und wie der Zusammenhang dieses Textes aussieht, weil ich manches nicht wirklich verstehe. Z.B. was die "eben heraufbeschworene Dummheit" ist, wenn sie im nächsten Satz mit "Offenheit und Lernfähigkeit" gleichgesetzt wird. Und wie man aus "Offenheit und Lernfähigkeit übertrumpfen Dogmatismus." ein Gegenargument gegen die Toleranz (oder ihre Fürsprecher) machen kann, versteh ich auch nicht. Ich würde den Zusammenhang zwischen Besserverdienertum/"Nichtbedrohtwerden" und Toleranz in diesem Fall so verstehn: Der Autor meint, daß Toleranz ein Akt der Freiheit ist, und daß ein gutes (oder "besseres") Einkommen und "wenn es mir nicht an den Kragen geht" einen manche Hindernisse leichter überwinden lassen. Aber der Textzusammenhang mag das alles in ein anderes Licht rücken... --Himmelsmeister 01:05, 27. Okt 2005 (CEST)

Beide Zitate stammen von Prof. Hrachovec, aus dem Artikel, zu dem diese Diskussionsseite gehört (einfach oben auf "artikel" klicken, um dorthin zu gelangen). Ich habe die Passagen in die Diskussionsseite kopiert, um nicht den Hauptartikel durch meine etwas abschweifenden Erwägungen zu korrumpieren. Tut mir leid, wenn dadurch Verwirrung entstanden ist. --Jakob 08:23, 27. Okt 2005 (CEST)


Toleranz und Leitkultur

Ich würde obige Überlegungen gerne mit einem recht aktuellen politischen Thema verknüpfen, nämlich dem Wahlkampf der FPÖ Wien. Die Parolen der Wahlwerbung und das Parteiprogramm thematisieren eindeutig das "einem an den Kragen gehen" und die Toleranz. Die "Offenheit und Lernfähigkeit", die sich im Normalfall auf den Toleranten beziehen, werden an dieser Stelle umgekehrt und als Forderung an Einwanderer gerichtet. Sie haben sich laut FPÖ Wien der Leitkultur(-> Parteiprogramm: "Verpflichtendes Anerkennen der Leitkultur") anzupassen, sonst geht es ihnen an den Kragen. An diesem Projekt kann man sicher viel kritisieren, ich möchte den Fokus aber auf folgendes lenken. Was bei diesem Konzept ausgeblendet ist und was meiner Ansicht nach ein wesentlicher Bestandteil von (funktionierender) Toleranz ist, ist die Wechselseitigkeit, auf der das Funktionieren beruht. Wenn man den Zuwanderern in einem Rechtsstaat auf Verordnung eine "Leitkultur" (laut FPÖ Wien: "[...] die deutsche Sprache lernen und die auf der abendländischen Tradition beruhenden Grundwerte sowie die Gleichheit von Mann und Frau achten."), was auch immer "unsere Werteordnung" auch sei, überzustülpen versucht, so ist das einerseits nicht sonderlich kreativ, andererseits steht es an Dogmatismus dem im übernächsten Satz als Feindbild zitierten "islamischen Fundamentalismus" um nichts nach. --Himmelsmeister 01:05, 27. Okt 2005 (CEST)


Zwei (aus vielen) Versionen des Toleranzbegriffes:

  • Ein herrschendes Regime toleriert Abweichungen: jüdische Ansiedlungen im Mittelalter, Homosexuelle in der Armee
  • Wechselseitige Toleranz als Eingeständnis der jeweils eigenen Beschränktheit.

Der erste Fall hat einen Beigeschmack von Herablassung, der zweite spielt in den sozialethischen Bereich hinein. Was ich im Moment versuche ist (siehe oben), die Konstellation des "lokal verankerten Absolutheitsanspruches" zu durchleuchten.

Hier eine Glosse zur Leitkultur.

--anna 11:04, 27. Okt 2005 (CEST)


Dialektik: Dogmatismus und Toleranz

Imperativ zur Toleranz?

Ethische Toleranzbegründung

Toleranz im liberalen Rechtsstaat

Inklusion und Exklusion

Toleranz und Rechtsansprüche

Recht, Verstehen, Mehrheit, Macht