QWERTY-Phänomen

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Das QWERTY-Phänomen beschreibt den Begriff der Pfadabhängigkeit, der aus der Wirtschaftsgeschichte stammt.

Bekannt wurde dies v.a. durch Paul A. Davids Interpetation der Entstehung und Fortbestehens des QWERTY-Tastaturlayouts von 1985. Obwohl das QWERTY-Tastaturlayout (benannt nach der Anordnung der 6 ersten Tasten der obersten Reihe im englischsprachigen Raum) nicht auf die effizientes Tippen ausgelegt ist, bekam dieses Tastaturlayout durch verschiedene Faktoren gegenüber anderen Layouts einen Vorsprung. Dieser Vorsprung wiederum wurde durch eine positive Rückkoppelung verstärkt: Büros wurden zumeist mit Schreibmaschinen jenes Tastaturlayouts ausgestattet, da viele Bürokaufleute das Tippen auf der QWERTY-Tastatur beherrschten. Das bedingte seinerseits wieder, dass neu auszubildende Bürokräfte das Tippen auf der QWERTY-Tastatur lernten und diese zum Standard wurde und sich auch gegen bessere Tastaturlayouts (z.B. Dvorak Simplified Keyboard von 1932) etablieren konnte. Die Wahl der Tastatur sei also nicht durch ökonomische oder ergonomische Effienz, sondern durch Geschichte gesteuert.

Für Davids ist die Pfadabhängigkeit eine dynamische Eigenschaft eines Allokationsverfahrens, unabhängig davon, ob das dabei herauskommende Ergebnis effizient ist.


Kritik

Kritiker dieser Theorie wie S.J. Liebowitz oder Stephen E. Margolis (1990) interpretierten Pfadabhängigkeit jedoch eher als eine Quelle von Marktversagen, ausgelöst durch ein lock-in in eine suboptimale Technologie. Liebowitz und Margolis kritisieren Davids Interpretation der Pfadabhängigkeit dahingehend, dass die Überlegenheit der Dvorak-Tastatur nur unzureichend bewiesen ist. So haben Forschungsergebnisse auch gezeigt, dass es kaum Unterschiede in der ergonomischen Effizienz zwischen Dvorak- und QWERTY-Layout gibt. Weiters führen sie an, dass der Vorsprung der QWERTY-Tastatur nicht durch, wie David meint, "historische Zufälle" zustande gekommen sei, sondern vielmehr ein Produkt starker Konkurrenz mit anderen Layouts und zielbewussten Handelns und Markttests der relativen Eignung verschiedener Tastaturen sei.

Kontextualisierung

Im Rahmen der Vorlesung Interpretieren oder Verändern? kontextualisiert, bezeichnet das QWERTY-Phänomen Pfadabhängigkeiten, an denen sich Veränderungen bzw. Versuche von Veränderungen des Ist-Zustandes abarbeiten (müssen). Jede Veränderung setzt Dynamiken in Gang, die selbstständig weiterlaufen und nicht mehr (einfach) verändert werden können.


Weblinks