Semantik des Abbildungsverhältnisses (4): Unterschied zwischen den Versionen

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Für das Verhältnis der Elementarsätze zur Welt lassen sich diese Erläuterungen geben:
 
Für das Verhältnis der Elementarsätze zur Welt lassen sich diese Erläuterungen geben:
Elementarsätze entstehen aus Bildradikalen, indem ihr Vordergrund und Hintergrund bestimmt wird.
 
  
Solche Sätze präsentieren eine Tatsache, indem sie eine präzise bestimmte, komplementäre Tatsache auslassen.
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* Elementarsätze entstehen aus Bildradikalen, indem ihr Vordergrund und Hintergrund bestimmt wird.
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* Solche Sätze präsentieren eine Tatsache, indem sie eine präzise bestimmte, komplementäre Tatsache auslassen.
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* In diesem grundlegenden Fall ist jede präsentierte (positive) Tatsache von einem negativen Pendent begleitet. Man kann in dieser Hinsicht von negativen Tatsachen sprechen.
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* Diese erkenntnistheoretische Konstruktion verbindet den Negationsoperator mit einem ontologischen Dualismus. Sätze, zwischen deren Wahrheit und Falschheit umgeschaltet werden kann, bilden Tatsachen ab , die durch eine Komplementärstruktur charakterisiert sind.
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* Dabei ist zu beachten, dass Wahrheit nicht mit Positivität zusammenfällt. Ein negativ formulierter Satz kann wahr sein, wenn nämlich die Negation einer Ausprägung des Bildradikals die (positive) Tatsache präsentiert, welche der Fall ist. 
  
In diesem grundlegenden Fall ist jede präsentierte (positive) Tatsache von einem negativen Pendent begleitet. Man kann in dieser Hinsicht von negativen Tatsachen sprechen.
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Im "Tractatus" lassen sich die vorgestellten Unterscheidungen terminologisch auf folgende Weise festmachen:
  
Diese erkenntnistheoretische Konstruktion verbindet den Negationsoperator mit einem ontologischen Dualismus. Sätze, zwischen deren Wahrheit und Falschheit umgeschaltet werden kann, bilden Tatsachen ab , die durch eine Komplementärstruktur charakterisiert sind.
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* Das Bild repräsentiert eine <b>Sachlage</b>. Sie ist die Möglichkeit des Bestehens <i>und</i> Nichtbestehens von Sachverhalten. (T 2.11)
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* Der Sinn des Bildes wird durch die Form seiner Abbildung angegeben. Er besteht in der Möglichkeit des Bestehens und Nichtbestehens jener Sachverhalte, welche das Bild mitteilen kann. (T 2.201 - 2.222)
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* Sätze sind Bilder von Sachlagen, darin besteht ihr Sinn. (T 4.021, 4.03) "Ein Satz stellt das Bestehen und Nichtbestehen der Sachverhalte dar." (T 4.1)
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* "Das Bestehen und Nichtbestehen von Sachverhalten ist die Wirklichkeit. (Das Bestehen von Sachverhalten nennen wir auch eine positive, das Nichtbestehen eine negative Tatsache." (T. 2.06)
  
Dabei ist zu beachten, dass Wahrheit nicht mit Positivität zusammenfällt. Ein negativ formulierter Satz kann wahr sein, wenn nämlich die Negation einer Ausprägung des Bildradikals die (positive) Tatsache präsentiert, welche der Fall ist.
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In der hier vorgeschlagenen Terminologie kann man es so ausdrücken: Ein Bildradikal entspricht einer Sachlage, die Bildpräsentation stellt eine Form in den Vordergrund. Sie ist die bestehende (positive) Tatsache, wenn das Bild wahr ist.
 
 
Im "Tractatus" lassen sich die vorgestellten Unterscheidungen terminologisch auf folgende Weise festmachen:
 
  
Das Bild repräsentiert eine <b>Sachlage</b>. Sie ist die Möglichkeit des Bestehens <i>und</i> Nichtbestehens von Sachverhalten. (T 2.11)
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[[Darstellungssinn und Richtungssinn (1)]]
  
Der Sinn des Bildes wird durch die Form seiner Abbildung angegeben. Er besteht in der Möglichkeit des Bestehens und Nichtbestehens jener Sachverhalte, welche das Bild mitteilen kann. (T 2.201 - 2.222)
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Sätze sind Bilder von Satzlagen, darin besteht ihr Sinn. (T 4.021, 4.03) "Ein Satz stellt das Bestehen und Nichtbestehen der Sachverhalte dar." (T 4.1)
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"Das Bestehen und Nichtbestehen von Sachverhalten ist die Wirklichkeit. (Das Bestehen von Sachverhalten nennen wir auch eine positive, das Nichtbestehen eine negative Tatsache." (T. 2.06)
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zurück zu '''[[Negation, Wahrheit und Darstellung im Tractatus]]'''
 
 
In der hier vorgeschlagenen Terminologie kann man es so ausdrücken: Ein Bildradikal entspricht einer Sachlage, die Bildpräsentation stellt eine Form in den Vordergrund. Sie ist die bestehende (positive) Tatsache, wenn das Bild wahr ist.
 
  
[[Darstellungssinn und Richtungssinn]]
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zurück zu '''[[Wittgenstein (W)]]'''

Aktuelle Version vom 18. Mai 2005, 14:59 Uhr

Für das Verhältnis der Elementarsätze zur Welt lassen sich diese Erläuterungen geben:

  • Elementarsätze entstehen aus Bildradikalen, indem ihr Vordergrund und Hintergrund bestimmt wird.
  • Solche Sätze präsentieren eine Tatsache, indem sie eine präzise bestimmte, komplementäre Tatsache auslassen.
  • In diesem grundlegenden Fall ist jede präsentierte (positive) Tatsache von einem negativen Pendent begleitet. Man kann in dieser Hinsicht von negativen Tatsachen sprechen.
  • Diese erkenntnistheoretische Konstruktion verbindet den Negationsoperator mit einem ontologischen Dualismus. Sätze, zwischen deren Wahrheit und Falschheit umgeschaltet werden kann, bilden Tatsachen ab , die durch eine Komplementärstruktur charakterisiert sind.
  • Dabei ist zu beachten, dass Wahrheit nicht mit Positivität zusammenfällt. Ein negativ formulierter Satz kann wahr sein, wenn nämlich die Negation einer Ausprägung des Bildradikals die (positive) Tatsache präsentiert, welche der Fall ist.

Im "Tractatus" lassen sich die vorgestellten Unterscheidungen terminologisch auf folgende Weise festmachen:

  • Das Bild repräsentiert eine Sachlage. Sie ist die Möglichkeit des Bestehens und Nichtbestehens von Sachverhalten. (T 2.11)
  • Der Sinn des Bildes wird durch die Form seiner Abbildung angegeben. Er besteht in der Möglichkeit des Bestehens und Nichtbestehens jener Sachverhalte, welche das Bild mitteilen kann. (T 2.201 - 2.222)
  • Sätze sind Bilder von Sachlagen, darin besteht ihr Sinn. (T 4.021, 4.03) "Ein Satz stellt das Bestehen und Nichtbestehen der Sachverhalte dar." (T 4.1)
  • "Das Bestehen und Nichtbestehen von Sachverhalten ist die Wirklichkeit. (Das Bestehen von Sachverhalten nennen wir auch eine positive, das Nichtbestehen eine negative Tatsache." (T. 2.06)

In der hier vorgeschlagenen Terminologie kann man es so ausdrücken: Ein Bildradikal entspricht einer Sachlage, die Bildpräsentation stellt eine Form in den Vordergrund. Sie ist die bestehende (positive) Tatsache, wenn das Bild wahr ist.


Darstellungssinn und Richtungssinn (1)




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