Protokolle zum Vortrag Ramharter - MuD09 - Gruppe4 - 13.01.

Aus Philo Wiki
Version vom 13. Januar 2010, 01:56 Uhr von AnnaLena (Diskussion | Beiträge) (Janowiak, Anna Lena)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu:Navigation, Suche

Zurück



Protokolle zum Vortrag Ramharter

Lang-Muhr Lucas

Die Ringvorlesung vom 10.12.09 stand ganz im Zeichen der Gottesbeweise. Am Beginn gab es eine kurze Einführung in die Logik und ihre Bedeutung als Wissenschaft. Laut Georg Christoph Lichtenberg kann man die Wissenschaften einteilen, je nachdem ob sie Brot oder Ehre bringen. Unglücklicherweise steht der Logik nach dieser Definition beides nicht zu. Heute wird die Logik in 3 Aufgabenbereiche aufgespalten: Teildisziplin der Philosophie, Teildisziplin der Mathematik und Werkzeug der Philosophie. Die beiden ersten Kategorien überlappen oft, können aber auch getrennt behandelt werden und haben dieselben Wurzeln (wurden erst im 19. Jahrhundert voneinander getrennt). Die Aufgabe der Logik gegenüber anderen Wissenschaften ist es zu kontrollieren ob wissenschaftlich vorgegangen und geschlussfolgert wird. Betrachtet man die Rolle der Logik in den Gottesbeweisen stößt man auf zeitlich bedingte Differenzen. Zu Zeiten der klassischen Beweise lag der Schwerpunkt der Argumentationen darin die tatsächliche Existenz Gottes zu beweisen. Die dabei angewandte Logik trat eher in den Hintergrund. Heute hingegen ist es umgekehrt, d.h. die Anwendung der Logik hat Priorität in den Gottesbeweisen. Es wurde auch erwähnt, dass es bis heute keine eindeutige Definition der Logik gibt. Eine Vielzahl von Logikern und Philosophen haben sich daran versucht, aber keine Beschreibung setzte sich durch. zB. Definitionsversuch: Logik ist die Lehre von Denkgesetzen. Kontra: Frege (Begründer der modernen Logik): Das wirkliche Denken ist mit den logischen Gesetzen nicht immer im Einklang, darum sollte der Begriff Denkgesetze in der Logik vermieden werden.

Um Anselms Gottesbeweis zu verstehen benötigte es an dieser Stelle eine kurze Einführung in die Notation der Prädikatenlogik. Beispielsatz:

             Tiger Woods ist reich  →	Rt

R…………………………Prädikat (etwas, dass man über etwas anderes aussagt=Kleinbuchstabe) t…………………………Individuum (Eigenname/Person=Großbuchstabe)

Es gibt einstellige und mehrstellige Prädikate, je nachdem auf wie viele Individuen sie sich beziehen.

2-stelliges Prädikat:

Martin liebt Hannah → Lmh

m.... Martin h.... Hannah L....lieben

Fehlen noch die Quantoren:

    ∀………………alle	∃………………… mindestens einer
  
  	∀xRx => alle sind reich (für alle x gilt, x ist reich)

2-stellige Prädikate:

    ∀xLxh => alle lieben Hannah
    ∃xLxh => es gibt mindestens 1 Ding, das Hannah liebt

Nach dieser Erläuterung wurden einige wichtige Verfasser von Gottesbeweisen genannt: • Anselm von Canterburry (1033-1109) • Thomas von Aquin (hat insgesamt 5 Gottesbeweise verfasst) • Descartes (hat 2-3 Gottesbeweise geschrieben, brauchte die Existenz Gottes für seine Argumente) • Leibnitz • Gödel. Die ersten vier Philosophen dieser Auflistung haben „klassische Beweise“ verfasst, nur Gödel stammt aus der „Neuzeit“ und beschäftigte sich in seinen Beweisen hauptsächlich mit der zugrunde liegenden Logik. An dieser Stelle wurden einige diesbezügliche Literaturhinweise eingeschoben, wobei bei dem Buch Proof of God betont wurde, dass es zwar unterhaltsam aber philosophisch falsch ist.

Nun kommen wir zu Anselms ontologischem Argument. Anselm liefert 2 Beweise: 1. Beweis, dass Gott existiert 2. Beweis, dass Gottes Nichtexistenz nicht gedacht werden kann (Gottes Existenz ist notwendig) Wir beschäftigen uns nur mit dem 2. Beweis, da er für viele schlüssiger ist. Um ihn nachvollziehen zu können muss die Modallogik verwendet werden. Hier wird die Prädikatenlogik um ein Zeichen für Notwendigkeit erweitert. Anselms Argumentation wurde im Original vorgetragen und danach zu Deutsch erklärt. In der lateinischen Version fiel auf, dass oft die selben Wörter verwendet wurden. Der Grund dafür ist, dass Anselm nur ein schmales Set von klar definierten Begriffen verwendete um möglichst eindeutig zu sein. Anselm sagt aus, dass es Gott im Verstand geben muss als das worüber nichts Größeres gedacht werden kann. Dieses muss aber in Wirklichkeit existieren, denn würde es das nicht könnte man die Existenz in der Wirklichkeit hinzufügen und es wäre dann größer. Das wäre aber ein Widerspruch, dass nichts größeres als es gedacht werden kann. Also muss es das Größte in Wirklichkeit geben. Um dieses Argument anschaulicher zu machen wurde es formalisiert:

• mit der Prädikatenlogik 1. Stufe:

¬∃xGxg → Rg

es gibt nichts größer Gott => Gott existiert

Diese Herleitung funktioniert leider nicht, da statt g (Gott) alles andere auch eingesetzt werden kann. Für einen gültigen Beweis braucht man noch zusätzliche Prämissen die wir aber nicht haben. So kommen wir zur:

• Prädikatenlogik 2. Stufe

¬∃F¬Fg → Rg

Es gibt keine Eigenschaft die Gott nicht hat(=Gott hat alle Eigenschaften) => Gott existiert, denn er hat auch die Eigenschaft zu existieren

Dieser Schluss ist zwar logisch gültig, ergibt sich aber aus der Definition Gottes. Zudem ist die Prädikatenlogik 2. Stufe unbefriedigend für die Logik.

Danach wurden die Probleme des Gottesbeweises durchleuchtet:

1. Ein Beweis ist ein Beweis im Rahmen einer Theorie

Hier wurde besprochen, ob man für einen gültigen Beweis eine Theorie braucht, oder ob es alternative Formen der Einsicht wie zb. eine intuitive Einsicht gibt. In unserem Beispiel wäre zb. ein Wunder ein Ereignis, welches unmittelbar und einleuchtend von der Existenz Gottes überzeugt. Früher wurde alles (zb. Natur) als Wunder betrachtet. Im Mittelalter wurden die Ereignisse in 3 Gruppen geteilt: natürliche, außernatürliche (zuwider Üblichkeiten der Natur) und übernatürliche (von Gott, Engel, …). Später wurde die außernatürliche Kategorie von Francis Bacon mit dem Argument widerlegt, dass wenn wir auf etwas treffen, was nicht in unsere Gesetze passt, das Gesetz angepasst werden muss. Im 17/18 Jahrhundert wurde auch noch unterschieden, ob das Wunder von Gott oder vom Teufel stammt. Später wurde auch versucht das Menschenwerk aus den Wundern herauszufiltern. Dazu wurde festgelegt, dass wenn das Wunder mit der Bibel (bzw. katholische Lehre) übereinstimmt, es von Gott ist. Hier ergibt sich das Problem, dass die katholische Meinung bestimmt was Wunder sind.

2. Was ist Existenz?

Existenz ist logisch gesehen kein Prädikat sondern ein Quantor. Auch Kant bemerkte, dass es nichts an der Sache ändert, wenn man existenz dazu sagt. Ein weiteres Problem ist wie man die Existenz von etwas „rechnerisch“ hervorbringen kann. Hier bietet sich ein Vergleich mit der Physik an, in der Wissenschaftler, ausgehend von der Existenz anderer Teilchen, auf neue Teilchen schließen. Bleibt nur die Frage von welchem Ausgangspunkt aus der Gottesbeweis ansetzen soll?

3. Totalitäten

Hier wurde auf die Schwierigkeit hingewiesen Gesamtheiten und unendliche Dinge (zb. Gott) zusammenzufügen.

4. Indirekter Beweis

In einem indirekten Beweis wird das Gegenteil angenommen und auf einen Widerspruch geführt. Diese Art der Beweisführung bereitet uns insbesondere im Zusammenhang mit einem Existenzbeweis ein Problem.

Hierzu ein Bsp.: Ich will die Existenz einer Zahl indirekt beweisen.

Ich nehme an es gibt keine Zahl mit der Eigenschaft und führe diese Annahme auf einen Widerspruch

=>die Zahl muss es geben

Aber: ich weiß aus diesem Beweis nur, dass es die Zahl geben muss, weiß aber keine Eigenschaften über sie. Vielen Logikern ist diese Art der Existenz zu schwach.

5. deduktive/induktive Beweise

deduktive Beweise: aus gegebenen Annahmen folgt etwas

induktive Beweise: ich finde möglichst viele Indizien die nachweisen, dass etwas so ist

Anselm hat sehr viele induktive Beweise für die Existenz Gottes gefunden, wollte es aber auch deduktiv beweisen (mit zwingenden Argumenten).

6. Logisches Beweisen als ars inveniendi?

Schon Frege hat in Frage gestellt, ob man mit der Logik etwas Neues herausfinden kann, oder ob sie nur aufzeigt was man schon immer gewusst hat (vgl. Syllogismus). Genau das versucht aber Anselm mit seinem Gottesbeweis.

7. Ästhetische Aspekte

In der Logik darf auch die Ästhetik nicht vergessen werden. Anselm wollte einen „schönen“ bzw. effizienten Gottesbeweis liefern.

Am Ende der Vorlesung wurden noch einmal die verschiedenen Absichten hinter den Gottesbeweisen hervorgehoben (früher: Existenz beweisen; heute: angewandte Logik). Darüberhinaus stellte MMag. DDr. Ramharter noch die These auf, dass das Interesse an Beweisen, bei denen man das was sie beweisen für sicher falsch hält ein sehr junges Phänomen ist.


Janowiak, Anna Lena

In ihrem Vortrag am 10.12.09 referierte Dr. Ramharter über Logik und Gottesbeweise. Im speziellen beschäftigte sie sich mit dem Gottesbeweis von Anselms. Im Rahmen der Vorbemerkungen zur Logik als Disziplin, problematisierte die Vortragende die Definition von Logik und zeigte, dass diese alles andere als eindeutig und einfach ist.

Zur Einleitung in das Thema benutzte die Vortragende die Einteilung von Wissenschaften von Georg Christoph Lichtenberg, in der Lichtenberg die Logik zu den Wissenschaften zählt, die weder „Brod“ noch Ehre bringen. Bringen die Philosophie und die Mathematik wenn auch kein „Brod“ so doch wenigstens Ehre, zählt die Logik zu den Wissenschaften die keines von beidem mit sich bringen.

Heute stellt die Logik einen Teilbereich der Philosophie als auch der Mathematik dar. Gleichzeitig ist sie aber auch als Werkzeug der Philosophie zu verstehen. Sie ist also nicht nur eine Teildisziplin der Philosophie, sondern immer auch ein methodisches Werkzeug, das für philosophische Argumentationen unerlässlich ist. Dieser verschiedenen Disziplinen der Logik haben sich allerdings in ihren Ursprüngen im gleichen Entstehungskontext entwickelt. Inhaltlich gibt es viele Überschneidungen zwischen den heutigen Teilbereichen der Logik, jedoch ist im Rahmen der disziplinären Trennung auch eine deutliche Abgrenzung zu erkennen. Anschließend an diese Ausführungen stellte Dr. Ramharter die Frage, ob Logik als das ausschlaggebende Kriterium für Wissenschaftlichkeit verstanden werden kann. Also die Frage, ob Logik methodische Notwendigkeit von Wissenschaften ist, an der sich Wissenschaftlichkeit messen lassen kann? Diese Auffassung, dass Logik die Fundierung der Methode und Sprache der Wissenschaft ist, wurde v.a. Carnap und dem Wiener Kreis vertreten.

Weiterhin wurde die Frage in den Raum gestellt, ob Gottesbeweise durch Logik einen wissenschaftlichen Anspruch bekommen können. Bei den klassischen Gottesbeweisen sind zwar auch logische Aspekte zu identifizieren, jedoch standen diese Elemente anfangs nicht im Zentrum der Gottesbeweise. In der heutigen Auseinandersetzung mit Gottesbeweisen ist die Betrachtung der logischen Argumentationsweise aber zentral geworden.

Anschließend an diese Fragestellungen widmete sich Dr. Ramharter wieder der Definition von Logik zu. Eine mögliche Definition von Logik ist die der „Logik als die Lehre von den Denkgesetzen“ . Gerade diese scheinbar geeignete Definition von Logik wird von einem ihrer Gründungsvätern Gottlob Frege allerdings abgelehnt. Auch die Definitionen als „richtiger Gebraucht des Wortes ‚also‘“; „die Anatomie des Denken“, und die „Lehre vom (deduktiven) Schließen“ können nicht als allumfassende Definitionen betrachtet werden. Eine genau Definition von Logik ist deswegen nur schwer zu erbringen.

Um das Verständnis für Anselms Gottesbeweis zu ermöglichen, stellt die Referentin anschließen kurz einige Grundzüge der Notation der Prädikatenlogik vor.

Bei der prädikatenlogischen Notation, wird der Satz „Tiger Woods ist reich“ wird mit „Rt“ notiert. R steht für das Prädikat „reich sein“ und t für „Tiger Woods“. R ist dabei ein einstelliges Prädikat, da es sich nur auf ein Subjekt bezieht. Ein zweistelliges Prädikat, eine Relation wäre zum Beispiel das Prädikat „x liebt y“. „Martin liebt Hannah“ könnte somit mit „Lmh“ notiert werden. Außerdem gibt es in der Sprache der Prädikatenlogik noch Quantoren, die es ermöglichen ein Prädikat auf alle Dinge x (ein Diskursuniversums) oder auf mindestens ein Ding x zu beziehen. Mit dem Allquantor ‚∀‘, lässt sich in der Prädikatenlogik ausdrücken, dass ein Prädikat für alle Elemente (des Diskursuniversums) gilt. Mit dem Existenzquantor '∃' lässt sich notieren, dass ein Prädikat auf mindestens ein Element zutrifft.

Nach den einführenden Bemerkungen zu der Notation der Prädikatenlogik, widmete sich die Referentin der Erläuterung von verschiedenen Gottesbeweisen. Thomas von Aquin hat mindestens fünf Gottesbeweise geführt, wobei diese teleologischer Art sind. Von Descartes sind zwei (oder drei) Gottesbeweise überliefert. Bei Descartes hat der Beweis Gottes allerdings einen sehr funktionalen Charakter, da Descartes Gott eine bestimmte Funktion für die Sicherheit und Verlässlichkeit von Erkenntnis zuschreibt und somti die Existenz Gottes auch um seiner Theorie willen "braucht".

Gödel unterscheidet sich von den vorhergehenden Gottesbeweisen nicht nur in der zeitlichen Einordnung, sondern auch in seiner Zielsetzung. Während Thomas von Aquin, Descartes und Leibniz tatsächlich die Existenz Gottes unter Beweis stellen wollten, geht bei Gödels Schriften aus seinem Nachlass nicht klar hervor, ob er ernsthaft Gott beweisen, oder ob er nur Leibniz‘ Beweis formallogische rekonstruieren wollte. Ab dem 20. Jahrhundert beschäftigen viele LogikerInnen auch mit Gottesbeweisen, obwohl sie damit nicht tatsächlich einen Existenzbeweis Gottes anstreben.

Nach einigen biographischen Angaben und Hinweisen für weiterführende Literatur, kam Dr. Ramharter schließlich in ihren Ausführungen zu Anselm von Canterbury Ontologischem Argument. Anselms Gottesbeweis – das ontologische Argument - findet sich im zweiten Kapitel des Proslogion. Zusätzlich zu diesem Kapitel zeigt von Canterbury in der gleichen Schrift im dritten Kapitel, dass die Nichtexistenz Gottes nicht einmal gedacht werden kann. Dass also Gott nicht nur existiert, sondern dass die Nichtexistenz Gottes noch nicht einmal gedanklich vollzogen werden kann. Ramharter trug das Argument Anselms zunächst auf Latein vor, um zu demonstrieren, dass auch ohne Lateinkenntnisse das formelhafte des Beweises schon an der Sprache zu erkennen ist. Im Gegensatz zu dem literarischen Stil von Thomas von Aquin, ist Anselm Argument sehr formal gehalten. Mit wenigen genau definierten Begriffen versucht Anselm den Beweis rein formallogische zu führen.

Das Argument lautet (in meinen eigenen Worten): Wenn Gott im Verstand, als das über das nichts Größeres gedacht werden kann (als das Ding mit den meisten Eigenschaften), existiert, muss er auch in Wirklichkeit existieren. Denn wenn er nicht in Wirklichkeit existieren würde, könnte man seinen Eigenschaften, die Eigenschaft der Existenz in der Wirklichkeit hinzufügen. Das wäre aber ein Widerspruch dazu, dass nichts Größeres als Gott gedacht werden kann. Folglich existiert Gott auch in Wirklichkeit.

Die formallogische Rekonstruktion des Arguments der ersten Stufe der Prädikatenlogik sieht folgendermaßen aus:

(mit G: „größer sein als“; g: Gott)


┐∃xGxg „Es gibt kein Ding x, das die Eigenschaft hat größer zu sein als Gott“

Oder anders ausgedrückt: ∀x┐Gxg „Für alle Dinge x gilt, dass sie nicht größer sind als Gott“

Daraus folgt Rg ("Gott existiert")


Zusammen also:

┐∃xGxg → Rg "Es gibt kein Ding x, das die Eigenschaft hat größer zu sein als Gott, also existiert Gott"

Bzw.

∀x┐Gxg → Rg „Für alle Dinge x gilt, dass sie nicht größer sind als Gott, also existiert Gott"

(hier fehlen natürliche noch wichtige Teile des vollständigen Arguments und der logischen Schlussfolgerung. U.a. die Annahmen „Gott existiert im Verstand“ (z.b. Ig) und „Für jedes Ding x gilt, dass wenn es im Verstand und nicht in Wirklichkeit existiert, dann gibt es ein Ding y, dass größer ist als dieses Ding x“ (z.b. ∀x(Ix ˄ ┐R) →(∃yGyx))


Eine andere Möglichkeit wäre das Argument im Rahmen der Prädikatenlogik zweiter Stufe zu notieren. Die Schreibweise ist dann Folgende:

┐∃F ┐Fg → Fg „Es gibt keine Eigenschaft, die Gott nicht hat, also existiert Gott“

oder

∀F Fg → Fg „Für alle Eigenschaften gilt, dass Gott sie hat, also existiert Gott“


Problematiken:

Die Notierung in der Prädikatenlogik erster Stufe bringt einige Probleme bei der logischen Folgerung dieses Arguments mit sich. „G“ als das Prädikat „größer sein als“ ist eine Relation von der die Folgerung der Existenz Gottes inhaltlich unabhängig ist. Der gleich Schluss der Existenz Gottes, müsste also zum Beispiel auch aus der Voraussetzung „Es kein Ding x, das geldgieriger ist als Gott“ folgen. Wie oben erwähnt sind also weiter Voraussetzungen notwendig um damit die Schlussfolgerung des Arguments logisch gültig ist.

Die Notation in der Prädikatenlogik zweiter Stufe eine bessere Rekonstruktion des Arguments. Gott ist hier definiert, als das Ding zu dem sich keine Eigenschaften mehr hinzufügen lassen. Hier folgt also logische auf der Annahme ┐∃F ┐Fg die Schlussfolgerung Rg, ohne zusätzliche Annahmen. Jedoch merkte die Vortragende auch an, dass diese Rekonstruktion unbefriedigender für LogikerInnen ist und die „schlechtere“ Theorie darstellt. Fraglich ist zudem, ob Existenz als Prädikat verstanden werden kann. Außerdem ist auch zu hinterfragen ob das Konzept der „Menge aller Mengen“ (hier: die Menge aller Prädikate, als Gott) überhaupt widerspruchsfrei zu denken ist.


Anknüpfende an diese Erläuterungen wurden noch allgemeine Überlegungen zu Beweisen angestellt. Mit den beiden Rekonstruktionen wurde deutlich gemacht, dass ein Beweis immer innerhalb einer Theorie vollzogen wird. Ein anderer Beweis für die Existenz Gottes wären "göttliche" Wunder. Außerhalb des theoretischen Bezugsrahmens, scheint es die möglich Alternative der intuitiven Erkenntnis oder Gotteserfahrungen zu geben. Vor allem Wunder lassen sich als ein solches Beispiel betrachten. Man könnte argumentieren, dass Wunder eine unmittelbare Einsicht in die Existenz Gottes gewähren und dabei kein theoretischer Bezugsrahmen notwendig ist. Die Vortragende erläuterte den historischen Umgang mit Wundern und dessen Entwicklung und nahm dabei Bezug auf ein Buch von Lorrain Daston. Thomas Aquin und Augustinus betrachteten alle Erscheinungen der Natur als Wunder; alle Erscheinungen wurden also so etwas wie das dauerhaftes Wunder der Natur betrachtet.

In der Theologie des Mittelalters kam es zu einer Teilung von Erscheinungen in die Natürlichen, die Außernatürlichen und die Übernatürlichen. Man versuchte die Unregelmäßigkeiten der Natur (Außernatürliches) von den göttlichen Wundern (Übernatürliches)zu trennen. Ein Beispiel einer außernatürlichen Erscheinung zu dieser Zeit wäre zum Beispiel die „natürliche Abneigung der Elefanten gegen Drachen“.

Die Definition von Wundern, die Gott beweisen sollte wurde immer spezifischer und problematischer, denn das Wunder musste übernatürlich sein und zudem musste bewiesen werden, dass es sich tatsächlich um ein Wunder handelt, dass von Gott und nicht etwa vom Menschen oder anderen Kräften bewirkt worden ist. Außerdem mussten die Wunder mit den Lehren der katholischen oder der Bibel übereinstimmten. Somit vollzog sich der Beweis Gottes durch ein Wunder aber wieder innerhalb Theoriegebäudes und waren nicht mehr frei von einem theoretischen Bezugsrahmen. In diesem Kontext erfüllen Wunder nicht mehr die Kriterien einer intuitiven Einsicht in die Existenz Gottes.


Anschließend an diesen kleinen Exkurs über Wunder als Beweise Gottes, wendete sich die Referentin wieder den Problematiken und Methoden von logischen Beweisen, am Beispiel des ontologischen Gottesbeweises zu. Dabei stellte sich u.a. die Frage ob Existenz als Prädikat betrachtet werden kann.

Ein gängiger Einwand gegen Anselms Argumentation ist, dass Existenz keine Eigenschaft sondern ein Quantor (nämlich ∃) ist. In Anselms Argument sind verschieden Arten von Existenz zu identifizieren: die Existenz als Begriff, die Existenz im Verstand und die Existenz in der Wirklichkeit. Im Mittelalter gab es Versuchte diese Problematik durch die Einführung verschiedener Existenzquantoren zu lösen. Eine andere Lösung des Problems stellte der Versuch dar, nur eine Existenz zuzulassen, allerdings zwischen ihren verschiedenen Ausprägungen zu differenzieren. Fraglich ist allerdings wie diese Differenzierung gelingen soll. Ob nach der Verortung der Existenz oder nach der Art und Weise wie etwas existiert differenziert werden soll. Außerdem stellt sich die Frage ob es Existenz geben kann, die nicht (auch) im Verstand ist und inwiefern evtl. die Existenz im Verstand Voraussetzung für die anderen Arten der Existenz ist.

Einen weiteren wichtigen Einwand gegen Anselm Argument brachte Kant. Er argumentierte, dass Existenz eben kein Prädikat sein kann. Er argumentierte, dass es nicht von Bedeutung ist, ob von einer Sache die Existenz ausgesagt wird oder nicht. Zusätzlich wird häufig kritisiert, dass Anselm in seinem Argument versucht durch rein begriffliche und logische Arbeit die Existenz zu „errechnen“. Dabei muss aber die Existenz von Etwas schon vorausgesetzt werden. Ein Einwand gegen Anselm Argument ist also, dass sein Beweis schon voraussetzt, dass etwas existiert und gleichzeitig Existenz als Prädikat verwendet.

Eine weitere Problematik ist die der Totalitäten, also die Problematik eine unendliche Anzahl von Dingen als eine Gesamtheit zu behandeln. Dieses Problem stellt sich also auch erst im Bereich des Unendlichen. Im Fall des ontologischen Gottesbeweises definiert man Gott, als das Ding mit den meisten Eigenschaften, über das nichts Größeres gedacht werden kann. Die Eigenschaft alle Eigenschaften zu haben ist aber eine Eigenschaft die in dieser „größten Menge“ der Eigenschaften noch nicht enthalten ist. Hier entsteht also schon bei dem Konzept von Gott als die Menge aller Eigenschaften ein Widerspruch.

Außerdem problematisierte die Vortragende Anselms Argument als indirekten Beweis. Anselms Argument beweist die Gültigkeit einer Annahme, indem er die Widersprüchlichkeit des Gegenteils aufzeigt. Folglich ist in Anselms Argument also die ursprüngliche Annahme gültig. Diese Beweisführung ist wird von einigen LogikerInnen als problematisch betrachtet, da ein solcher Beweis über die bewiesen These nur geringfügige Schlüsse zulässt und einen schwachen Existenzbegriff darstellt. Um diese Problematik zu illustrieren zitierte Ramharter einen kurzen Dialog von Austin, der sich mit dieser Art der logischen Argumentation auseinandersetzt:

A: „There are a lot of bones six feet under my backyard. “darauf hin B: “Well, what about them?” A:”Nothing, they are just there, that’s all” B: “You mean you haven’t looked at them yet?” A: “No, it’s not that I haven’t found out anything about them, yet. There is nothing to find out except that they are there.”

Anschließend daran griff die Referentin die Unterscheidung von deduktiven und induktiven Beweisen auf. Bei induktiven Schlüssen wird ausgehenden von mehreren Einzelfällen auf etwas Allgemeineres geschlossen. In deduktiven Argumentationsweisen folgt auf logische Weise aus den gegebenen Prämissen etwas anderes. Anselm verwendet beide Arten von Beweisen. In einer weiteren Schrift zählt er Gründe auf wieso er die Existenz Gottes für plausible hält. Zusätzlich zu dieser induktiven Indiziensammlung, wollte Anselm aber noch ein deduktives Argument erbringen, das die Exitenz Gottes zwingen beweist.

Bei dem Punkt „logisches Beweisen als ars inveniendi“ erläutert Ramharter die Frage, ob durch deduktive Schlüsse in der Logik überhaupt etwas Neues herausgefunden werden kann. Oder ob man nur etwas offenlegt, was man vorher sowieso schon gewusst hat. Vor allem der aristotelischen Syllogistik wird oft mit diesem Vorwurf, sie würde keine neuen Erkenntnisse produzieren konfrontiert. Die deduktive Ableitung eines bestimmten Satzes von den vorausgesetzten Prämissen wäre lediglich eine Spielerei, die kein neues Wissen produziert. Auch diese Kritik lässt sich auf Anselms ontologisches Argument beziehen.

Ein weiterer Aspekt den die Vortragende thematisierte, war der der Ästhetik von Beweisen. Häufig wir ein deduktiv zwingendes Argument als „schöner“ betrachtet als eine induktive Indiziensammlung. In der Mathematik oder in der Physik werden oft Beweise, durch einer schöner, elegantere Variante ersetzt. Dieser Anspruch auf einen ästhetischen Gottesbeweis kann bei Anselm kritisiert werden.

Abschließend stellt Ramharter noch eine persönliche These in den Raum. Wie zuvor schon erwähnt, lässt sich das Interesse an Gottesbeweisen nach dem Ziel und der Methode der Beweisführung differenzieren. Während sich einige für das tatsächliche Ergebnis des Beweises interessieren, gilt das Interesse anderer eher der Art und Weise wie der Beweis geführt wird. Die Vortragende stellte hierzu die eigene These in den Raum, dass das Interesse an Beweisen obwohl man das, was sie beweisen sollen, für sicher falsch hält, ein sehr neues Phänomen ist.

Nachname, Vorname

Text

Nachname, Vorname

Text

Nachname, Vorname

Text



Zurück