Protokolle zum Vortrag Puhl - MuD09 - Gruppe4 - 13.01.

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Protokolle zum Vortrag Puhl

Pöschko, Mathias

Philosophie als Lebenskunst, als Sorge um sich selbst

Besonders in der Antike, ließ uns Mag. Klaus Puhl gleich zu Beginn der Vorlesung wissen, spielte diese Form der Philosophie eine wesentliche Rolle. Seit dem Bestehen des Christentums ist sie aber wieder zurückgedrängt worden und gewann erst in den letzten Jahrzehnten wieder an Bedeutung (zb durch Michel Foucault). Zentral in dieser Vorlesung war also die Frage nach dem guten Leben. Und diese ließe sich aufgliedern in 3 weitere, die besprochen werden sollten, nämlich:

Wie soll man leben? Was soll ich tun? Wie könnte unser Leben aussehen?

Nach Gilles Deleuze besteht eine philosophische Theorie aus einer Antwort auf eine Grundfrage. Und die Grundfrage der Philosophie sei, so Klaus Puhl, Wie soll man leben? Ddie Frage nach dem guten Leben sei oft als philosophische Scheinfrage oder als Scheinproblem verstanden worden. Vermutlich deshalb, weil die analytische Philosophie generell ganz anders angesetzt hätte. Im Gegensatz zur Kontinental- Philosophie: Diese habe jene Fragen philosophisch ernst genommen.

Dann kamen wir wieder zur Unterscheidung der drei Fragen nach dem Guten Leben: Zunächst erklärte uns Klaus Puhl, dass es dabei im Kontext der antiken Philosophie um die Anpassung des Lebens bzw. des Handelns an bestimmte Strukturen- wenn man will- an die kosmische Ordnung, gehe. Platon habe ja behauptet, dass Normen und Prinzipien unabhängig, etwa von der Gesellschaft, existierten. Dann gab es da aber einen großen Sprung zur Neuzeit: Die Rolle des Individuums in der Gesellschaft habe sich da stark verändert- die Demokratie wurde etabliert. Nun antworte der Mensch als Einzelner vor Gott, und die Frage laute jetzt: "Was will Gott von mir?"; "Was soll ich tun?" sei zur Privatsache geworden. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass die antike Gesellschaft eine Statusgesellschaft war; es gab Sklaven, die Frau war unterdrückt und frei waren nur die Männer. An der Frage Wie leben? bzw Was tun? wurde oft kritisiert, dass sie normativ sei, das heißt, dass sie sich nur auf die Ausrichtung des Handelns konzentriere. Würde dabei die Moralität vom Rest des Lebens getrennt?

Die Frage Wie könnte man leben? wurde, wie wir hörten, zuerst von Friedrich Nietzsche gestellt, und zwar im Zusammenhang mit der Metapher vom Tod Gottes (in Nietzsches "Zarathustra" kehrt ein Einsiedler nach langer Zeit wieder in die Zivilisation zurück und erfährt dort, dass Gott tot sei). Aber damit meinte Nietzsche nicht nur Gott, sondern auch beispielsweise den Vater in jedem Menschen, kurz, jegliche Strukturen, die vorgeben, wie er zu leben hätte. Nietzsche trat also für das Ablegen aller transzendentalen Bezüge für das menschliche Handeln ein, weil das die Voraussetzung für das Fragen nach dem guten Leben sei. Auch für Jean- Paul Sartre sei dieser Punkt sehr wichtig gewesen: "Der Mensch selbst ist seine Freiheit!" pflegte er zu behaupten. Ein weiterer Theorie Nietzsches sei gewesen, dass im Menschen sowohl aktive als auch reaktive Kräfte existieren; Die aktiven schafften Neues, wohingegen die reaktiven begrenzten. Prof. Puhl machte dies am Beispiel der Sexualität klar: Die aktiven Kräfte wollten hier an ihre Grenzen gehen, und die reaktiven- möglicherweise die Kirche oder die Religion- wollten diesem Menschen dafür ein schlechtes Gewissen machen, kurz, verhindern, einschränken- Was könnte ich tun? verhindern. Ganz am Ende dieses Teils fügte Prof. Puhl noch an, dass das, was Nietzsche im Menschen herbeigesehnt hatte, genau das war, wovor sich ein anderer großer Philosoph, Hegel, gefürchtet hatte, eben der Tod Gottes.

Wie soll der Philosoph leben? Um den Seelenfrieden zu erreichen, genüge es, das kosmische Bewusstsein zu erreichen, und das durch Übungen: durch Fasten, auch durch geistige Übungen. Askese bedeutet eigentlich "etwas exakt betreiben". Die Praxis bezog sich auf das Denken, das Wollen und das Tun einer Person. Platon bezeichnete Übende als Athleten. Nach Platon und Aristoteles sollte man es aber auch nicht verabsäumen, andere Disziplinen wie Rhetorik, Dialektik oder Physik zu studieren. Für die Mehrzahl der antiken Philosophen stand die Arbeit an sich selbst im Vordergrund. Verständlich wird dies vielleicht durch Platon, wenn er sagt, dass maßvolles Verhalten Selbsterkenntnis erst ermöglicht. Und mit dem Wissen um diesen Zustand wird auch klarer, weshalb man in der Antike sogar ein Philosoph genannt wurde, wenn man gar keine Bücher geschrieben hatte.

Dann wandte sich Klaus Puhl im Vortrag weiter Platon zu: Das Sein sei die Ideen der Dinge (die sich im Ideenhimmel befinden), Ideen und Dinge existieren getrennt voneinander, aber das Wesen der Dinge sei trotzdem in den Dingen enthalten. Die Dinge seien die Abbilder ihrer Ideen und die Schau dieser Ideen ist bei Platon Erkenntnis. Der wichtige Punkt dabei: Im Phaidon sagt Platon, dass alle wahrnehmbaren Dinge Urbilder sein wollen, und dass, wenn wir Urbilder denken, auch das Gute erfassen. Aristoteles, der Platon nur allzuhäufig widersprach (und so etwa eine Trennung von Körper und Seele ablehnte), für diesen Aristoteles war das Gute aber auch eng gebunden an die Schau.

Schließlich gelangten wir beim Zusammenhang von Selbstsorge und dem Erkenne dich selbst! an. Wir erfuhren von der Geschichte des Alkibiades: Dies war ein junger Mann, der für ein politisches Amt vorgesehen war, und kurz vor seiner ersten öffentlichen Rede stand und wegen seiner Unsicherheit Sokrates aufsuchte. Und diesem sagte er, dass er das Erkenne dich selbst" als recht schwer empfand. Woraufhin Sokrates ihm entgegnete, dass das vielleicht so sein mag, dass aber man nur dann um die Selbstsorge wissen kann, wenn man um das Erkenne dich selbst! weiß. Es bestehe da also ein großer Zusammenhang. Welcher aber? Für Platon muss sich die Seele sich selbst zuwenden und sich an ihre göttliche Natur erinnern. Auf diese Weise würde das Subjekt gerecht. Platon wurde später entgegnet, dass es auch nötig sei, Selbsterkenntnis durch äußere Einflüsse zu erreichen, nicht nur durch Erinnerung. Und im Zuge dessen wurde der Aspekt der Übung wieder gewichtiger. Am Beispiel von Plutarch und Marc Aurel machte Prof. Puhl das fest: Zweiterer kannte folgende drei methodische Schritte: zuhören, Tagebuch führen und regelmäßige Reflexion. Marc Aurel befand es auch als sehr wichtig, einfach darauf zu achten, was man denkt, sagt, tut usw. Einfach aus folgendem Grund: Die dabei gemachten Erfahrungen konnten mit dem, was man an Philosophischem gelesen, gehört etc. hat, verglichen werden. Und die angeeigneten Wahrheiten konnten überprüft werden. Das Resultat dieser Übungen, zumindest das erhoffte, war stets eine Änderung des Lebens.



Nachname, Vorname

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