Protokolle - MuD09 - Gruppe4 - 28.10.

Aus Philo Wiki
Version vom 27. Oktober 2009, 14:16 Uhr von Roland Lukesch (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu:Navigation, Suche

Zurück



Tekook, Frederick

In der zweiten Ringvorlesung knöpft Professor Gotz an die Inhalte der Letzten, die er zu Anfang zusammengefasst wiederholt, an. In der letzten Stunde befasste er sich mit der Frage, wie Reflektion und Denken zustande kommen, siehe dazu die Protokolle der vergangenen Woche.

In dieser Vorlesung ging es Professor Gotz darum, zu beleuchten, wie es nun von einem Gedanken zu einer Handlung kommt.

Den ersten Anstoß zum Handeln gibt uns unser Körper, da er gewissen Trieben unterliegt, die es zu erfüllen gilt. Um sie erfüllen zu können, bedürfen wir der Natur, die uns mit allem Nötigen versorgen kann, die jedoch ihrerseits auch zu einer Gefahr werden kann. Erkennen wir beispielsweise eine Bedrohung, werden wir unmittelbar reagieren.

Die Natur ihrerseits entzieht sich unserer Reflektion aber nicht, wir können also unsere Triebe und die Natur in einen Zusammenhang bringen, wodurch wir unsere Triebe, und später auch uns selbst in unserer Gänze, relativieren. Das heißt, wir können uns selbst durch Reflektion im Hier und Jetzt relativieren. Deshalb aber nehmen die Triebe für uns an unmittelbarer Bedeutung ab; wir können also darüber nachdenken, wie, wo, wann und so weiter wir unsere Triebe am günstigsten befriedigen. Durch diese Überlegungen ergeben sich unsere mehrere Möglichkeiten, wir brauchen also nicht mehr spontan zu sein, können bedacht handeln und aus unseren Möglichkeiten eine auswählen. Durch diese Vielfalt an Möglichkeiten und dadurch, dass wir darüber nachdenken bedingen sich gewisse Ansprüche, die ihrerseits jedoch auch wieder bedacht und reflektiert werden können.

Wie aber kommt es nun zu einer Handlung? Durch Denken und Reflektieren bemühen wir uns nun, aus den uns gebotenen Möglichkeiten die ideale herauszufinden, wir bewerten Handlungen und Mittel nach ihrem Zweck. Somit wird der Zweck zum Handlungsgrund erhoben. Jedoch stößt unsere Reflektion nun erneut auf eine Vielfalt von Zwecken. Sei es auch auf einer höheren Reflektionsebene, die Vielfalt an Zwecken bedeutet doch, dass jeder einzelne Zweck auch wieder eine Möglichkeit, also nicht zwingend notwendig, ist. Also können wir auch die Zwecke reflektieren und bedenken. Professor Gotz beschrieb den Zweck als die „die Metaebene zu Handlung, die aber im Medium der Möglichkeit enthalten ist“ (frei zitiert). Natürlich können wir die Zwecke noch weiter reflektieren, aber die Reflektion wird nie zu einem Ergebnis kommen, sondern uns immer nur noch mehr Möglichkeiten aufweisen, sie ist also unendlich. Wir handeln also nicht aus der Reflektion heraus. Dennoch aber handeln wir.

Der Grund dazu ist, dass es die Wirklichkeit als Maßstab gibt. Wir können also unser ICH als Wert und als Handlungsgrund nehmen. Unser ICH ist in sich differenziert, es ist sich selbst über-, und gleichzeitig unterlegen. Es unterliegt nämlich auf der einen Seite den unmittelbaren Trieben, die wir erfüllen müssen, auf der anderen Seite aber sind wir zu Reflektion und zum Denken befähigt. Eine Spannung, eine radikale Differenz, ist die Folge daraus. Unmittelbarkeit und Reflexion scheinen unvereinbar.

Professor Gotz führt an dieser Stelle theoretisch aus, wohin eine dieser beiden Seiten, als absolut gesetzt, führen würden und beginnt mit der Unmittelbarkeit. Wenn die Unmittelbarkeit Zweck, also Handlungsgrund, ist, strebt jedes ICH nach einem Maximum an Lust und einem Minimum an Unlust. Das heißt, die Reflektion muss zum mittelbaren Zweck werden, nur der optimalen Befriedigung der Triebe dienen. Man spricht in diesem Falle von Egoismus. Beiläufig erwähnt Professor Gotz eine Folgerung aus dem bis jetzt Vorgetragenen, nämlich, dass es Egoismus nur beim Menschen, nämlich ob seiner Fähigkeit zur Reflektion, geben kann. Der Egoist erhebt sein Ich zum Zweck, seine Umwelt dient ihm als Mittel, es vereinzelt sich also wieder aus dem Gesamtzusammenhang der Natur. Dadurch eribt sich dem ICH in der Vielfalt der gegebenen Möglichkeiten ein Ziel, und wenn nicht ein konkretes Ziel, dann doch zumindest eine Richtung. Das ICH versinkt also nicht mehr in neutraler und unendlicher Reflektion. Das ICH wird den Egoismus allerdings reflektieren. Egoismus wird von der Außenwelt weithin abgelehnt, auf die das ICH jedoch angewiesen ist. Das egoistische Ich, das ein Höchstmaß an Lust anstrebt, wird sich selbst folglich zurücknehmen (Zurückhaltung), um seinen Egoismus zu überdecken und die anderen ICHs und seine Umwelt besser für sich nutzen zu können, also die eigene Lust zu steigern. Auf diese Weise bleibt das egoistisch denkende ICH sich selbst Handlungszweck; aber dadurch, dass es sich (scheinbar) zurücknehmen muss, erhebt es jedoch auch sich selbst, seinen Körper, zum Mittel. Das heißt, dass der Körper beansprucht wird, also trotz möglicher Pflege verschleißt, was natürlich der Lustgewinnung im Wege steht. Der Egoismus geht also mit einer ihm immanenten Problematik einher, die sich der Reflektion nicht entzieht. Professor Gotz bewertete den Egoismus als „absurd“. Er ist also somit nicht perfekt, weshalb er nicht der Zweck schlechthin sein kann.

Man kann nun also an die Stelle des Egoismus ein allgemeines Weltbild, eine Ideologie setzen, an die Stelle der Unmittelbarkeit das Denken. Die der Ideologie immanente Schwäche ist, dass sie gewisse Axiome (voraus) setzt, die man nicht erklären kann, sondern die ein jedes ICH glauben muss. Das gestaltet sich dann nicht schwer, wenn sich diese Lücken mit der Realität des ICHs decken, weil das ICH sie dann emotional stopfen kann. Jedoch resultiert aus dieser Schwäche, dass auch eine Ideologie nicht perfekt bzw. absolut ist, was wiederum bedeutet, dass auch eine Ideologie bzw. der Egoismus nur Möglichkeiten sind.

Da wir jedoch darum wissen, könnten wir möglicherweise über dem Problem stehen. Somit bestünde die Möglichkeit, dass Wissen an sich unser höchster Grund ist. Wissen aber wird uns erst durch Denken klar und dem Denken sind, das geht aus der vergangenen Argumentation hervor, Grenzen gesetzt. Es relativiert alle Zwecke und findet kein oberstes Ziel. Wir haben also noch keinen Handlungsgrund.

Dennoch aber handeln wir. Es muss also ein weiteres Moment geben, wir scheinen nicht ausschließlich auf Unmittelbarkeit oder Reflektion beschränkt zu sein. Diese höhere Instanz ist unser Wille, der über unser Denken herrscht und sich über die Risiken der Zwecke, nämlich womöglich den falschen zu wählen, hinweg setzt und uns ein Ziel setzt. Natürlich kann dieses Ziel auch falsch sein, aber der Wille beendet unsere Reflektion und ermöglicht uns das Handeln; er ist also unser Handlungsprinzip (nicht Handlungsgrund) und setzt sich als solcher über unsere Reflektion und unsere Unmittelbarkeit hinweg.

Und dennoch verfügt der Wille über eine gewisse Eigen-Reflektion. Professor Gotz beschrieb ihn als „individiduelle Kraft, die zwei Seiten vereint, eine Brücke zwischen ihnen schlägt“ (frei zitiert). Der Wille bewertet die zur Auswahl stehenden Möglichkeiten und Zwecke und selektiert sie. Das heißt natürlich auch, dass er ein jedes ICH einschränkt, aber damit können wir in der Regel leben, da uns ja unser Wille, also wir uns selbst, eingeschränkt hat, immerhin bringt der Wille Ordnung in diese Vielfalt Möglichkeiten.

Über die Beschaffenheit des Willens lässt sich mit Sicherheit sagen, dass der Wille entweder eine Kraft ist oder diese von einer noch höheren Instanz bezieht. Nun ergibt sich die Frage, woran sich der Wille orientieren kann bzw. soll, wie wir also handeln sollen. Gotz bezeichnet dies als „philosophische Frage“. Natürlich kann sich der Wille an sich selbst beziehen, sich also selbst absolut setzen. Dem widerspricht allerdings die Tatsache, dass er nicht sein eigenes Produkt ist, sondern erst aus der radikalen Differenz aus Reflektion und Trieb entspringt und diese Wirklichkeit nicht selbst herstellen kann. Also hat auch der Wille Grenzen und kann somit kein Selbstgrund sein, was bedeutet, dass dieser absolute Grund noch über ihm liegen muss.

Am Ende haben wir also keine Sicherheit. Diese Ebene, die alles mit einschließen und absolut sein muss, zu finden, so Gotz, sei Aufgabe der Philosophie.

Ganz am Ende seines Gedankenganges erklärt Professor Gotz den Anwesenden, er habe sie nun in diese „geheimnisvolle Burg“ (eine Anspielung auf einen zum Beginn der vorher gegangen Vorlesung gezogenen Vergleich) geführt und ihnen gezeigt, wie die Philosphie vorgehen müsse, nämlich systematisch, nachvollziehbar, absolut begründend und keinesfalls willkürlich. Die Spannung im Hörsaal lockert sich und Professor Gotz warnt die Zuhörerschaft, die natürlich primär aus erstsemestrigen Philosophie Studenten besteht, abschließend, nun aber nicht die Realität aus den Augen zu verlieren, sie seien noch lange keine ausgereiften Philosophen, sondern hätten lediglich erste Gehversuche in der Philosophie unternommen.


Dvornikovich Gertrude

Kurze Zusammenfassung der 1. VO, nämlich wie Reflexion und Denken zustande kommen. Philosophie gehört in den Bereich subjektiver Befindlichkeit. Wenn echte Erkenntnis, dann müssen wir uns objektiv an die Erfahrungswissenschaft wenden. Auch der Mensch ist ein Gegenstand der Erfahrungswissenschaft. Es gibt auch Gegenströmungen in Religionen z.B., und allen verschiedenen Richtungen der Phil.,die den Menschen von woanders her interpretieren, von der geistigen Seite, eine unsterbliche Seele zubilligen und in einer überempirischen Welt ansiedeln. Von der realistischen Sicht her, sind das Illusionen und Trugbilder. Wie kann eine Illusion entstehen? Faktum ist nicht nur, dass wir Lebewesen sind, sondern auch wissen, dass wir wissende, reflexive Lebewesen sind. Ein „Ich“ bedeutet, etwas was sich auf sich selbst bezieht, Subjekt und Objekt zugleich. In diesem Menschsein ist die radikale Differenz impliziert. Auf der einen Seite das unmittelbare Selbsterleben unserer Sinnes- und Gefühlsqualitäten, auf der anderen Seite dieses allgemeine sprachlich gefasste Wissen des Wissens, ist zugleich Denken. Weiters eingeschlossen ist die Reflexion der eigenen Begrenztheit. Wir wissen auch verschiedene Stufen dieser Begrenztheit. Wir gehen in unserer Körperlichkeit, Sinnlichkeit nicht auf, stehen auf einer Metaebene über unsere Sinnlichkeit. Das Wissende steht über dem Gewussten. Daraus ergeben sich bestimmte Reflexionsstufen. Verschiedene Art von Stufen: die eigene Wahrnehmung, führt dann zur persönlichen Erfahrung, dann zu einer Meinung, in einer überempirischen, religiösen Weise und realisiert sich sprachlich in der Gesellschaft. Aus der Selbstreflexion hat sich die Möglichkeit für die Illusion der Religion ergeben. Trotz aller Bemühung ist keine objektive Erkenntnis der Wirklichkeit möglich. Gründe sind nicht beobachtbar und beweisbar, sind nur eine intersubjektive Meinung. Die Wirklichkeit selbst wird nur konstruktiv hineingedacht. Deshalb kann es keine Garantie geben, dass unser Handeln richtig ist. Wir müssen selbst aus unserer Meinung die Handlung setzen. Wir wissen über unsere Begrenztheit unserer Macht, unseres Wissens und müssen damit praktisch umgehen und diese Unsicherheit bewältigen.

Möglichkeit dieses Handelns? Wir betrachten die tierisch-leibliche Seite. Der unmittelbare Anstoß erfolgt von unserem Körper, den sinnlichen Trieben, Gegenständen außer uns. Wir sind von Nahrungsmitteln abhängig, können bedroht sein von außen, also in doppelter Weise gefährdet durch uns selbst, weil wir Bedürfnisse haben, und andererseits durch die Umwelt. Mit unserem Wissen von uns selbst sind wir in allgemeine Reflexionsstufen eingebaut. Wir leben nicht unmittelbar nur nach unseren Antrieben. Wir wissen über das Kräftespiel der Naturgegenstände, zwischenmenschliche Beziehungen, bauen uns in gesellschaftliche Normen, in ideologische Weltbilder ein. Dies ergibt eine Relativierung unserer sinnlichen Antriebe. Handlung entsteht erst, wenn die Reflexion ins Spiel kommt. Wir können jenes oder dieses tun.So unmittelbar wie Tiere reagieren wir normalerweise nicht. Wir stehen immer vor einer Wahl. Die persönlichen Motive spielen eine Rolle. Eine Unzahl von Möglichkeiten, die dann zu einer wirklichen Handlung führen. Wir brauchen einen Zweck (Kriterium) an dem wir sie messen können. Der Zweck ist ein Handlungsgrund, ohne diesen könnten wir aus den Handlungsmöglichkeiten nicht raus kommen. Es ist nicht einfach einen Zweck zu haben, denn Zwecke gibt es eben so viele wie Handlungsmög-lichkeiten. So wie die Möglichkeiten gewusst werden, werden auch die Zwecke gewusst. Kein Zweck ist ein notwendiger, sondern nur möglicher Zweck. Die Zwecke sind eine Metaebene zu den Handlungsgründen, sind im Medium der Möglichkeiten enthalten. Durch einen höheren Zweck müssen wir die Auswahl treffen, wir finden immer mehrere,verschiedene, höhere Zwecke. All diesen Möglichkeiten ist eine Wirklichkeit vorausgesetzt. Das Ich überlegt sich die Handlungsmöglichkeiten und -gründe. Dieses Ich müsste auf seine eigene Wirklichkeit zurückgreifen. Das Ich selber ist der wirkliche Wert und Handlungsgrund. Ich ist in sich differenziert, über- und unterordnet sich selbst, ein reflexives Lebewesen, steht in einer radikalen Differenz. Unmittelbarkeit auf der einen Seite und Reflexivität und Allgemeinheit auf der anderen Seite. Dieses Spannungsverhältnis liegt der Problematik zugrunde. Wir nehmen an, dass die Unmittelbarkeit der höchste Zweck ist, der Handlungsgrund für das Ich. Die Unmittelbarkeit, die eigene Leiblichkeit hat ein Ziel viel Lust zu gewinnen und möglichst Unlust zu vermeiden.

Diese praktische Haltung können wir mit Egoismus bezeichnen. Tiere leben unmittelbar, haben keine Reflexion. Egoismus gibt es nur beim Menschen. Für die egoistische Person ist sie selbst in ihrer Leiblichkeit der oberste Zweck, alles andere wie Kultur, Mitmenschen, Natur, Gesellschaft usw., ist nur Mittel. Die Lust kann nicht nur leiblich, sondern auch geistig sein. Von der Zielvorstellung des Egoismus, möglichst hoher Lustgewinn, können wir bestimmte Handlungsmöglichkeiten auswählen,kommen zu wirklichen Handlungen. Ich bin für mich oberster Zweck, aber nicht für die Außenwelt.Ich muss mich, alles was außer mir ist, in verschiedener Weise beugen. Menschen nützen einander aus in egoistischer Weise. Der Egoismus muss die Gelüste seines Herzens zähmen, wir müssen selber auf die Situation achten. Freud hat dem Lustprinzip das Realitätsprinzip entgegen gestellt. Mit Geschick, List oder auch Gewalt kann man die Natur oder andere Menschen zum Mittel für sich selbst machen. Jede Person ist Mittel für sich selbst, muss selbst ihre Ziele anstreben, nicht nur Reflexion, auch der eigene Körper ist Mittel. Ich muss gewisse Kenntnisse haben, muss meinen Leib disziplinieren, üben, muss ihn verbrauchen indem ich mich einsetze. Es ist ein Selbstwiderspruch im Egoismus enthalten, dass sein höchstes Gut nur ein endlicher, bedingter Gegenstand, der eigene Leib, ist. Egoismus ist eine illusorische, absurde Position. Wegen seiner immanenten Problematik kann er sich der anderen Seite des Menschen zuwenden, der Reflexivität. Die Reflexivität ist die Allgemeinheit des Ich. Wenn wir die Reflexivität zum Zweck machen, dann machen wir die Wirklichkeit des Zusammenlebens der Menschen, die Einigung auf bestimmte Werte, Sichtweisen zum obersten Zweck, ebenso die Verständigung über gedankliche Argumente zu einer gemeinsamen Sicht der Welt, zu einer gemeinsamen Praxis.

Das Ich kann an Stelle des Egoismus auch zur Ideologie greifen, sie zum höchsten Zweck machen. Mit Ideologie meint Prof. Gotz nicht nur Religionen, sondern auch Sozialismus, Rassismus, Nationalismus … Das sind bestimmte Gedankengebäude, die sich als oberster Wert anbieten. Manko dieser Ideologie ist, dass sie bestimmte Axiome voraussetzt, die nicht mehr reflektiert werden, somit geglaubt werden. . Die Ideologien sind nur relative oberste Zwecke. Da sie auf die Situation abgestimmt sind, gibt es sie vielfach, es gibt viele Ideologien. Wenn wir Egoismus und Ideologie gegenüber stellen, dann sehen wir, dass sie in Konkurrenz stehen, daher sind es nur mögliche Zwecke. Wenn sich das Ich auf die eigene Wirklichkeit zurück bezieht, dann gerät es in die Problematik, dass es keinen wirklichen, praktischen Halt gibt. Die Frage ist, wenn wir das einsehen, das es so ist, ob wir nicht als Wissende dieser Problematik schon über der Problematik stehen. Es scheint, dass das Wissende der Grund dafür ist, dass sich eine praktische Orientierung ermöglicht. Das Wissende scheint der Grund für die ganze Endlichkeit, für die Spannung im Menschen zu sein. Weil wir uns selber reflektieren, tritt diese Spannung auf. Durch Selbstreflexion entsteht die radikale Differenz. So könnte man glauben, dass Wissen der oberste Grund und daher die Möglichkeit für eine Zwecksetzung sei. Das ist nicht der Fall. Das Wissen kann nicht in die Unmittelbarkeit hinein, kann selbst der Grund nicht sein. Das Denken ist die Selbstreflexion der eigenen Endlichkeit, sowohl des Leiblichen als auch der verschiedenen Metaebenen und auch letztlich des Denkens. Das Denken reflektiert nur, stößt auf die Endlichkeit, eröffnet Möglichkeiten, relativiert damit nur die Zwecksetzungen, alle dogmatischen Absolutsetzungen, alle möglichen Zwecke. Es kann keine positive Zwecksetzung hervorbringen, ist nicht imstande selbst einen Zweck zu setzen. Es gibt eine negative Freiheit, durch die Reflexion wird alles aneinander begrenzt, ist nicht imstande selbst einen Zweck zu setzen.Trotz intensiver Suche nach einem Grund wissen wir nicht wie wirkliches Handeln zustande kommt. Wirkliches Handeln ist Faktum, ist immer schon geschehen. Es kann nicht sein, dass wir auf unsere Unmittelbarkeit beschränkt sind. Die Reflexion selber ist nicht imstande einen Zweck zu setzen.

Weil wir gehandelt haben, muss es in uns noch eine weitere Instanz geben, was über diese Differenz darüber steht, das ist der Wille. Der Wille ist eine Kraft, Tätigkeit, die über das Denken herrscht. Wille setzt sich über die beiden Risiken, der Zwecksetzung, der Mittel, ob Handlung gelingt, bleibt riskant, hinweg. Der Wille hört irgendwann auf zu reflektieren und probiert es eben. Der Wille ist das eigentliche Handlungsprinzip. Der Wille ist zu unterscheiden von einem unmittelbaren Antrieb, muss über diese Problematik stehen, muss Reflexion in sich haben. Der Wille ist unsere eigene individuelle Kraft und Tätigkeit. Der Wille muss, dass was sinnlich vorliegt, durch allgemeine Begriffe ordnen und in Werte umsetzen. Der Wille wird eingeschränkt durch jede Handlung. Wille verbindet Unmittelbarkeit und Reflexion. Wenn wir handeln, schaffen wir neue sinnliche Eindrücke. Das Erkennen und das Tun ist durch den Willen geprägt. Der Wille nimmt eine absolute Festsetzung vor, müsste selbst eine absolute Kraft sein oder sie von irgendwo her beziehen. Wie sollen wir handeln? Das ist eine philosophische Frage. Woran soll er sich orientieren? Welche Werte soll er setzen? Wille muss sich an sich selbst wenden, ist so imstande die radikale Differenz zu bewältigen. Wille muss die Wirklichkeit des Ich immer schon voraussetzen. Wille selbst ist endlich und er ist nie sein eigener Grund. Wenn er völlige Maßlosigkeit wäre, dann wäre er auch völlige Ratlosigkeit, wüsste nicht, was er setzen sollte. Weil sich der Wille immer schon entschieden hat, muss es einen absoluten Grund über dem Willen geben. Die absolute Ebene muss alles einschließen, alle Sinnebenen harmonisch zusammen stimmen, nur dann ist es eine absolute Sinngebung. Das Individuum hat einen eigenen Sinn und die Gesellschaft ihren Sinn. Das wäre eine gegenseitige Einschränkung. Es kann nicht sein das die Geschichte der Menschheit ihren Sinn hat und die Natur hat einen anderen Sinn. Es liegt ein absoluter Sinn zugrunde, der alles Seiende umfasst. Von dem her wird unser Handeln erst sinnvoll. Das heißt für die Philosophie, dass sie eine universale Grundlagenwissenschaft sein muss, soll Praxis sinnvoll gestalten, indem sie aufzeigt, was der Gesamtsinn ist. Von dort könnten wir dann sinnvoll handeln. Von dort her müsste auch alle Endlichkeit interpretiert sein, so dass sie sinnvoll, praktisch behandelt werden kann. Die Philosophie steht nicht nur unter dem Gebot der universalen Allgemeingültigkeit, sondern unter dem Gebot der absoluten Begründung. Prof. Gotz meint, dass wir die Zinnen der ersten Außenmauern noch nicht blinken sehen. Gleichgültig aus welchem Glauben heraus wir handeln, es steht immer eine Entscheidung des Willens dahinter, setzt einen absoluten Grund voraus. Einfach weil wir handeln, bestätigen wir, dass ein absoluter Grund, absolute Kraft, die wir von irgend woher beziehen (Gott, Natur) voraus gesetzt ist. Die Erstellung dieses Grundes wäre die Aufgabe der Philosophie.

Zum Ende kommt Prof. Gotz zu der Ausführung, dass Philosophie methodisch vorgehen müsse, kann zeigen, dass die Erfahrungswissenschaft keine gültige Wahrheit über die Wirklichkeit ist, obwohl wir nicht wissen was die Wahrheit ist. Nach diesen beiden Vorlesungen warnt uns Prof. Gotz, dass wir noch lange keine Philosophen sind, sondern lediglich ein Schnuppern in die Materie uns er gegeben hat.

Nachname, Vorname

Text

Nachname, Vorname

Text



Zurück