Protokolle - MuD09 - Gruppe4 - 09.12.

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Version vom 7. Dezember 2009, 18:11 Uhr von Barczaa9 (Diskussion | Beiträge) (Barcza, Astrid)
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Barcza, Astrid

Protokoll zur VO-Einheit von Dr. Matthias Flatscher mit dem Titel „Überlegungen zur Gegebenheit der Welt – Zugänge der Phänomenologie und Dekonstruktion“

Als Ziel dieses Vortrages wurde die Einführung in Fragestellungen der Phänomenologie und in epistemologische Überlegungen von einer methodischen Seite der Erkenntnistheorie formuliert und vorangestellt.

Einleitung

Die Phänomenologie als eine philosophische Strömung hat das 20. Jahrhundert weitreichend und über das eigene Fach hinaus geprägt. Als ihr Begründer wird Edmund Husserl (1858-1938) gesehen, nachhaltige Bedeutung erhielt sie aber auch durch dessen Schüler und Nachfolger Martin Heidegger (1889-1976). Außerhalb der Philosophie hat die Phänomenologie bspw. in der Psychoanalyse, Ethnologie oder den Literaturwissenschaften weite Kreise gezogen. Rezeptionen fand sie – sei es in kritischer Ablehnung oder in positiver Zustimmung – unter anderem bei Foucault, Derrida, Sartre oder Merleau-Ponty. Was die Übersetzung des Begriffs (aus dem Griechischen) als die „Lehre von den Erscheinungen“ betrifft, so dürfen wir dieses Scheinen, nicht als bloßen Schein verstehen. Es geht vielmehr um ein Erscheinen als sich Seiendes und als Sichzeigen, vor allem aber darum, WIE es sich zeigt. Die Phänomenologie versucht auf die Erscheinungsweisen des Seienden einzugehen.

Husserl und der Begriff der Intentionalität

Ein zentraler Punkt seiner phänomenologischen Auseinandersetzung stellt die Intentionalität des Bewusstseins dar. Methodischer Ausgangspunkt dieses Ansatzes ist der Doppelsinn bzw. die Doppelwendigkeit von Erscheinungen: Etwas erscheint mir – als Subjekt und mit Objektbezug gleichzeitig. Die Verschränkung von Subjekt und Objekt ist zentral und wurde zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen zur Phänomenologie, die sich somit auch eines Subjektivismus oder reinen Objektivismus verwehrt.

Zugleich möchte Husserl darauf aufmerksam machen, dass das Bewusstsein immer intentional ist, auf etwas gerichtet ist d.h. Bewusstsein von etwas ist. Das Erscheinen eines Gegenstandes bleibt für das Bewusstsein immer rückgebunden. Ein Bewusstseinsvollzug ist somit auch nur als Bezug zu einem Gegenstand möglich. Damit versuchte Husserl auch zu verdeutlichen, dass das Bewusstsein zunächst nicht als ein „leeres“ verstanden werden kann. Zugleich muss jedoch der Dualismus zwischen Subjekt und Objekt oder eine nachträgliche Zusammenführung beider zurückgewiesen werden. Es bleibt eine intentionale Spannung zwischen beiden bestehen. Durch unsere Bewusstseinsbezüge sind wir gegenüber unserer Umwelt immer schon aufgeschlossen – wir sind in einer unmittelbaren Weise zum Seienden gerichtet. Diese Offenheit und Gerichtetheit muss sich mit dem Bewusstsein mitentwickeln. Unser Bewusstsein kann somit als eine Bezogenheit zur Welt verstanden werden und stellt nicht ein an sich bereits Seiendes dar.

Über die Wahrnehmung

Ohne einen subjekt-relativen Vollzug gäbe es kein Sein von Gegenständen; es handelt sich dabei aber nicht um immanent subjektive oder intentionale Prozesse. Unsere Wahrnehmungsvollzüge, mögen sie noch so unterschiedlich sein, werden uns raum-zeitliche Gegenstände nie in einer Totalität erschließen können, sondern sie uns notwendigerweise nur in Abschattungen d.h. perspektivisch zeigen. Unsere Wahrnehmung ist durch perspektivische Zugänge und jene implizite Unvollständigkeit charakterisiert, Dinge erscheinen uns nie vollends gegeben oder allseitig. Um etwas als Wahrnehmung kennzeichnen zu wollen, müssen wir diese Abschattung ernst nehmen. (vgl. Maurice Merleau-Ponty: „Ein Sehen von nirgendwo ist kein Sehen.“)

Wahrnehmung kann also als der subjektiv-relative Wahrnehmungsvollzug gesehen werden. Daraus lässt sich schließen, dass keine bloße Repräsentation eines „echten“ Dinges für uns möglich ist, sondern ein sich Geben in Abschattungen kennzeichnet die Wahrnehmung als solche. Dahinter gibt es keine seiende Wirklichkeit, die sich uns dadurch erschließen könnte, oder anders formuliert, hinter der phänomenalen Welt gibt es keine andere wahre. Trotz der unterschiedlichen „Ansichten“, erweist sich der Gegenstand uns doch als der eine. Denn obwohl wir immer nur einen Ausschnitt wahrnehmen, sprechen wir von einer konkret ganzheitlichen Erfahrung. Das ist möglich, da wir immer das Mehr mit-sehen. Wir können Gegenstände immer wieder anders sehen, unsere Wahrnehmung erschöpft sich nicht unbedingt in einer einzigen. Und doch erkennen wir eine Identität des Gegenstandes. Das Ding erweist sich trotz unterschiedlicher Bezugnahme als das Selbe. Diesen Moment nennt Husserl Synthesis – von Erinnerungen und Erfahrungen – die sich im Bewusstsein vollzieht (synthetisches Bewusstsein). Diese Synthesis-Leistung wird nie bewusst oder ausdrücklich überlegt, auch nicht nachträglich hinzugezogen, sie vollzieht sich prä-reflexiv.

Wir sind somit auch nicht auf den einen Wahrnehmungsakt angewiesen, sondern das Mehr- und Mitmeinen geschieht automatisch. In der Interaktion mit anderen kann eine intersubjektive Übereinstimmung über die Gegenstände gesucht und diese Wahrnehmung sozusagen „ausgehandelt“ werden, jedoch nie der Anspruch einer absoluten Wahrheit gestellt werden. In der Welt Seiendes als raum-zeitliche Dinge kann uns immer nur perspektivisch erschlossen werden. Gegenstände zeigen sich also nie in Isolation und verweisen immer schon auf etwas anderes – es ist ihnen ein ganzer Horizont mitgegeben. In der Vorstellung zeigen sie sich in einem Kontext, einem Erfahrungshintergrund, der uns aktuell nie vollständig gegeben sein kann („Hof von Hintergrundsanschauungen“). Für Heidegger ist dieser Hintergrund später das konstitutive Moment, durch das wir wahrnehmen können. Die Phänomenologie versucht, diese Wahrnehmungsvollzüge beschreibend darzustellen.

Heidegger – Das Dasein als In-der-Welt-sein

Heidegger wurde bereits 1916 mit der Phänomenologie von Husserl konfrontiert und 1928 sein Nachfolger. Er verdeutlicht den Ansatz, dass wir nicht abgekapselte Subjekte vorfinden, sonder immer schon in einer entdeckten Welt sind. Mensch sein bzw. Dasein, heißt nichts anderes, als der Bezug mit und zur Umwelt. Menschliches Dasein ist konstitutiv immer schon durch ein Draußen-sein und Offensein-für gekennzeichnet. Unser Verhalten ist steht in seinem Selbstverhältnis (im Beisich-sein) immer schon in einem Mit- und Umweltverhältnis.

In Abgrenzung zu Husserl verdeutlicht Heidegger, dass sich uns ein Ding nie „bedeutungsnakt“ zeigt, sondern in unserer Sorge um etwas immer einer um-zu-Relation bzw. -Struktur steht. Etwas als bloßen Gegenstand zu sehen, wäre an dieser Stelle zu abstrakt. Heidegger will einen differenten Umgang mit dem Sein fokussieren. Es kann nie neutral gesehen werden, sondern ist uns immer aus einem bestimmten Umgang aus einer Praxis erschlossen. Diese Struktur darf nicht als nachträgliche interpretative Leistung oder als ein Aneinanderreihen von Fundierungen verstanden werden. Wir sind nie mit „nackten Tatsachen“ konfrontiert, sondern verstehen sie immer schon als etwas.

Die Als-Struktur und die Rolle der Bewandtnisganzheit

Unsere Welterschlossenheit ist durch das Verständnis durch eine Als-Struktur ausgezeichnet. Selbst Unbekanntes hören wir ALS ein Unbekanntes. Wir erfahren Dinge immer in einem Beziehungsganzen, was unmittelbar und nicht isoliert passiert – diese Ganzheit muss sich uns bereits erschlossen haben. Heidegger verdeutlicht damit nochmals, dass wir unmittelbar einen Gegenstand sehen, der aber für unser Verständnis rückbezogen ist – er erscheint vor einem Hintergrund, einem Gesamtzusammenhang. Diese Als-Struktur ist auch am Werk, wenn uns Gegebenheiten nicht vertraut sind, sie ist jedoch keine stabile. Sie unterscheidet sich, in welchen lebensweltlichen Bezug wir sie stellen. Das Verstehen dieser Vorgänge selbst ist ein offener Prozess und nie abgeschlossen.

Derrida – Eine kurze Einführung in die Dekonstruktion

Derridas Auseinandersetzung mit Heidegger fand in der „Dekonstruktion“ Niederschlag. Als philosophische Strömung hat die Dekonstruktion ebenfalls weite Kreise gezogen, bis hin in die feministische Theorie (vgl. Judith Butler). Es handelt sich dabei aber nicht um eine Zerschlagung der Tradition, sondern um eine bewusste Auseinandersetzung mit dieser und den traditionellen, hierarchisierenden Dualismen bspw. innen/außen, Mann/Frau. Die Dekonstruktion versteht sich als eminent politisches Element.

Derrida hebt in den angesprochenen Zusammenhängen hervor, dass die Als-Struktur keine eherne ist, sie ist prekär und instabil. Für ihn muss das Als-etwas-verstehen verstehbar bleiben, es muss in der Möglichkeit bleiben, rezipiert zu werden. Alles Gegebene zeigt sich uns in Wiederholungszusammenhängen, die jedoch eine Differenz implizieren, denn eine wiederholte Bezugnahme (Iterabilität) schließt das singuläre Sichereignen nicht aus. Unsere Identität generiert sich aus dieser Wiederholungspraktik. Die angesprochene Differenz ist jedoch nicht außerhalb der Identität, sondern in ihr konstituiert. Durch diese Singularität ist die 'Unmittelbarkeit immer schon gespalten und impliziert immer schon ein anderes Mal, das ihm vorangegangen ist. Kurz: Das erste Mal selbst ist immer schon offen, anders verstanden zu werden.

Wie etwas verstanden wird und wieder angeeignet wird, liegt aber nicht restlos unter unserer Kontrolle und ist nie vollends abgeschlossen. Im Verstehen von Etwas als Etwas repetieren wir keinen selbständigen Kern, sondern wir haben eine Quasi-Identität. In ihr ist zugleich die Bedingung der Unmöglichkeit vorhanden. Unsere Identität ist keine fertige, sie ändert sich permanent und kann nicht als stabil gesehen werden. Dieses Moment der Alterität ist dabei zentral, etwas kann immer auch anders verstanden werden. Identität konstituiert sich dadurch, dass wir immer wieder neu darauf zurückgreifen, permanent zu uns unterwegs sind.

Nachname, Vorname

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