Philosophinnen als Protokollchefs?

Aus Philo Wiki
Version vom 19. November 2005, 22:04 Uhr von Hofbauerr (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu:Navigation, Suche

Ich übernehme einen Teil der Diskussion zur Hauptseite. --anna 12:16, 12. Nov 2005 (CET)

Die Wissensgesellschaft ist ja eine Folge der Dienstleistungsgesellschaft. Und in letzterer nimmt man zu Problemen, die Andere besser lösen können (wie E-Mail- Fehlermeldungen), kompetente Dienstleistung in Anspruch.

Raimund Hofbauer

Nachdrücklicher Widerspruch zur Dienstleistungsgesellschaft. Soll ich mit dem Taxi fahren, weil der Taxler besser Auto fährt als ich? Soll ich mir von jemandem anderen die Zeitung erklären lassen, weil sie politisch gebildeter ist? Soll immer nur meine Frau kochen? --anna 16:04, 7. Nov 2005 (CET)

Nachdrückliche Befürwortung der Dienstleistungsgesellschaft (Dienstleistung macht inzwischen 2/3 unserer Wirtschaftsleistung aus):

  • soll ich künftig Wissen nicht mehr aus Vorträgen/Vorlesungen (auch gestreamt) bzw. interaktiven Veranstaltungen (Seminare/Workshops) beziehen sondern ausschließlich aus Büchern (Ware) bzw. Internet (immaterielles Wirtschaftsgut, hat - soferne nicht interaktiv - auch Warencharakter)?
  • Soll ich nicht mit dem Taxi fahren, wenn ich mich fahruntauglich fühle oder wenn dies ökonomischer ist als ein eigener PKW (was bei Großstädtern, die "in die Ferien" fliegen, oft der Fall ist), oder gar Öffis benutzen (auch die sind Dienstleistung, obendrein billiger und ökologischer)
  • Soll ich politisch Gebildetere nicht zu einem Zeitungsartikel befragen?
  • Soll ich meine Steuererklärung nicht vom Steuerberater erstellen lassen und mir damit mehr ersparen, als dieser kostet (vor Allem wenn er in Indien sitzt)?
  • Soll künftig ich kochen und meine Frau Holzhacken (übrigens zählt beides nicht zur Dienstleistung, da nicht am Markt angeboten)
Alle oben angeführten Fragen setzen ein Grundverständnis voraus, dass oben eingefordert wurde. Nur ein Beispiel:

  • Soll ich nicht mit dem Taxi fahren, wenn ich mich fahruntauglich fühle oder wenn dies ökonomischer ist als ein eigener PKW (was bei Großstädtern, die "in die Ferien" fliegen, oft der Fall ist), oder gar Öffis benutzen (auch die sind Dienstleistung, obendrein billiger und ökologischer)
Die Beurteilung der eigenen Fahruntauglichkeit benötigt als Referenz ein Normensystem. Ich muss also schon wissen wie sich Fahrtauglichkeit "anfühlt" um zu entscheiden. Selbiges benötigt man auch für weitere Dienstleistungungen. Nun galt es dieses Verständnis auf akademischer Ebene einzufordern. Eine Erkenntnis der eigenen Unzulänglichkeit um einen kompetenteren, externen Spezialisten zu beauftragen. Die Hypothese war, dass es sich um eine kategorische Kapitulation vor einem etwaigen Problembewusstsein handelt. Was sich empirisch von 16:15 bis 17:45 durchaus bestätigen ließ.

Letzteres führt zur Betrachtung nicht pekuniär abgegoltener Leistungen in der Gesellschaft (echte Nachbarschaftshilfe, soziale Dienste, Open Source/Free Software samt WIKI etc.). Der Lohn ist oft "nur" Anerkennung, manchmal Umwegrentabilität, mehr oder weniger Reziprozität. Derartiges Engagement von Wissensvermittlern (Lehrer, Content Provider), von Kollegen und (zunächst) Fremden über Kommunikationsmedien sind wesentliche "Ausbildungsformen der Wissensgesellschaft".

Stimmt- ich würde Wissensvermittler aber auch mit der Vermittlung von skills assoziert sehen, was die Kenntnis technischer ( im weitesten Sinne) Sachverhalte einschließt und manchmal voraussetzt. Die Grenze ist hier verwischt.--Koe 21:57, 8. Nov 2005 (CET)

Raimund Hofbauer, 7.11.05



Wir nehmen selbstverständlich Dienstleistungen in Anspruch, anders könnte eine komplexe Gesellschaft gar nicht funktionieren. Als Hobby ist die tiefergehende Fachkenntnis unwidersprochen (das Auto selber reparieren). Was soll es aber heissen, dass in einem Philosophie-Pädagogik-Seminar Themen aus dem Einführungskurs für HTL-Ingenieurinnen behandelt werden?

Der Anstoß kommt daher, dass es sich beim Wissen um eine andere Fertigkeit handelt, als beim Fensterputzen oder Asphaltieren. Und zweitens, dass die Verarbeitung von Wissen mittels des Internets die bisherigen Wissenstechnologien tiefgreifend verändert.

Die Steuerberaterin verkauft ja ihr Wissen auch. Um die Unterscheidung zwischen körperlicher und "geistiger" Arbeit kann es also nicht gehen. Hier passen die Ausführungen von Andre Gorz: Formales Wissen, Wert und Kapital. Wissen ist ein "nicht-rivalisierendes" Gut, d.h.: es wird durch seine Weitergabe nicht vermindert. Seine Multiplikation kostet (praktisch) nichts. Durch das Internet wird zudem die Privatisierung des Fachwissens untergraben. (Warum für eine Information zahlen, wenn sie frei erhältlich ist?)

Was bedeutet das für Philosophinnen und Pädagogen? Sie arbeiten an Texten, deren Genres seit Jahrhunderten bekannt sind: Abhandlungen, Nachschlagewerke, Vorträge etc. Die Möglichkeiten des Internet erweitern das Spektrum nachdrücklich. Es handelt sich ja nicht einfach darum, "Informationen über das Web zu beziehen". EMail, Chats, virtuelle Gemeinschaften, interaktive Texterstellung und multimediale Präsentationen bieten noch kaum erforschte Möglichkeiten des Ausdrucks und der Berufsausübung. Die Wissensgesellschaft basiert nicht nur auf neuen Techniken, sie impliziert auch eine Umgestaltung des Instrumentariums der Wissensarbeit. Sie betrifft auch die elementaren Vermittlungsformen der Geisteswissenschaften. Für das Verfassen eines Artikels ist es unerheblich, ob eine Petroleumlampe, oder eine Glühbirne das Licht gibt. Dagegen macht es einen Unterschied, ob er in die Schreibmaschine getippt, oder in einem Wiki entwickelt wird.

Die Kenntnis der - in den TCP-Protokollen begründeten - Artenvielfalt elektronisch unterstützter Kommunikation ist darum nicht nur eine Hilfe zur Neuorientierung der Arbeit an/mit Texten, sondern auch ein Beitrag zur theoretischen Besiedlung des ganzen Raums globaler, digitaler Artikulation.

Ein Gedankensplitter dazu. --anna 15:28, 12. Nov 2005 (CET)

100% Zustimmung zum Ziel, den Seminarteilnehmenden zu vermitteln, dass grundlegende IKT Kenntnisse für die aktive Teilnahme an der Wissensgesellschaft erforderlich sind (ebenso wie Grundkenntnisse von Latein). Es geht lediglich um die Tiefe und um die Didaktik. Außerdem ist das nur ein Aspekt der "Ausbildungsformen der Wissensgesellschaft", und das Semester ist bereits zur Hälfte um... --Hofbauerr 23:07, 12. Nov 2005 (CET)


Was soll ITK bedeuten? Ich bin zu faul darüber nachzuforschen. -> Informations- und Kommunikationstechnologie(n)? --Volker 00:35, 16. Nov 2005 (CET)


IKT bedeutet "Informations und Kommunikationstechnik". Bitte meinen Rückfall in die "Aküfi"-Manie (Abkürzungsfibel- Krankheit) zu entschuldigen. Du hast bei deiner Frage daraus übrigens ITK gemacht, eine Fehlleistung, zumal du ja de richtige Lösung sowieso gewusst hast...

Raimund --Hofbauerr 23:00, 19. Nov 2005 (CET)



zurück zu Ausbildungsformen der Wissensgesellschaft