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Version vom 19. Mai 2011, 20:45 Uhr von PW (Diskussion | Beiträge) (Schulmotto – Erich-Fried-Gymnasium: link)
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Einleitung

Wir machen weiter bei dem Thema, das das letzte Mal schon angesprochen worden ist, nämlich die besondere Position in der sich das Christentum inklusive der christlichen Theologen finden, im Zusammenhang mit der Wörtlichkeit und der Schriftlichkeit, in besonderem Hinblick auch deswegen, weil die zeitliche Nähe zwischen dem was wir aus dem griechischen Bereich gehabt haben und dem was dann im Nahen Osten stattgefunden hat doch in die Augen springt. Das, wie es aber schon hin und wieder vielleicht vielen bekannt ist und der Fall ist, wird noch ein bisschen aufgehalten durch eine Eingangsbemerkung die ich machen möchte im Anschluss an einen Beitrag den ich in seiner Bedeutung ein bisschen zu spät wahrgenommen habe, nämlich vom Benutzer PW. Der schreibt was über ein Schulmotto. Das war schon Ende April. Da war ich nicht ganz bei der Sache. Also es geht um einen Beitrag den ich verspätet wahrgenommen habe über das Schulmotto und ich möchte ein paar Bemerkungen darüber machen. Sie werden sehen, dass das tatsächlich einleitend zu dem Thema mit der Christlichkeit ist. Es lässt sich aber ganz gut anbinden an das, womit ich vergangene Stunde begonnen habe. Sie erinnern sich, ich habe diese Skizze noch einmal vorgelegt und angewendet auf Events in Real Time, also auf Ereignisse die Aufmerksamkeit und Bedeutungen produzieren, und die sich fortpflanzen auf eine Art und Weise die wir heutzutage so beschreiben würden, das wir Life-Events haben, die auf viele verschiedene Arten und Weisen aufgezeichnet werden, und in diesen Aufzeichnungen bestimmte Richtungen verfolgen, die sich wellenartig wegbewegen von dem Ursprungsevent und die uns in den beiden Fällen die ich ihnen hier bildlich dargestellt habe, relativ bald vor sehr greifbare Schwierigkeiten bringen. Nämlich, wir wollen wissen, was ist wirklich gewesen in Fukoshima, was ist wirklich gewesen in Abbottabad, und sind satt dessen konfrontiert mit einer Reihe von Nachrichten – geschriebenen, gesprochenen, aufgezeichneten Nachrichten. Das war das, wovon ich das letzte Mal schon gesprochen habe.

Schulmotto – Erich-Fried-Gymnasium

Ich geh vielleicht gleich über zu diesem Thema des Schulmottos. Ich weiß nicht, ob Sie sich das schon angesehen haben? Das ist eine Geschichte aus der Selbstgestaltung eines Gymnasiums, da unten sehen sie es – Bundesrealgymnasium IX. Dieses Bundesrealgymnasium und was da drinnen beschrieben wird, kann man so auch darstellen: es gibt einen Namensgeber dieses Bundesrealgymnasiums – Erich Fried – Der hat gelebt, hat gewirkt, hat Sachen getan und ist berühmt geworden, das Realgymnasium hat sich nach ihm Erich Fried benannt. Die Benennung des Realgymnasiums in Erich Fried ist eine Folgeerscheinung, des Lebens, des Auftretens auf dieser Welt von Erich Fried. Und dann hat sich folgendes Spezielles ergeben, was hier beschrieben wird.

Im Rahmen der Selbstverständigung dieses Realgymnasiums – und ich rede da jetzt quasi in der Traditionslinie von einem solchen Leben wie dem des Erich Fried – hat sich ergeben, dass es heutzutage modern ist, ein Leitbild zu haben. Das Leitbild dieses Gymnasiums, weil es schon Erich Fried Gymnasium genannt ist, ist ausgestattet worden mit einem Zitat von Erich Fried: "Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, der will nicht, dass sie bleibt."

Eine sehr eingängige und massive Formulierung, von der ich sagen würde, das ist auch einer dieser Stränge, die sich von Erich Fried aus ergeben. Da gibt es Fotos, da gibt es entsprechende Texte, Erinnerungen, persönliche Bekanntschaften, die Berühmtheit, die der Erich Fried hat. Und das ist verschwimmen von dem ich mehrfach schon gesprochen habe, dass die verschiedensten Quellen unserer Medienübermittlungen vor uns stehen und von uns verlangen, dass wir die, wenn wir ein Leitbild für ein Gymnasium schon herstellen wollen, auf eine kluge Art und Weise verbinden und damit einen Effekt erzielen, den wir im Zusammenhang mit Öffentlichkeitswirkung usw. haben wollen. Das ist die Geschichte, die kurz beschrieben wird.

Warum ist das für meinen Zweck hier speziell illustrativ? Weil wenn man sich fokussiert auf dieses Textstück, wir hier ein Textstück haben und nicht einen Ausschnitt des Lebens von Erich Fried. Wenn Sie in das Lokal "Stadt Paris" gehen auf der Landesgerichtsstrasse, dann erzählt Ihnen der Kellner, dass ihm erzählt worden ist, dass der Heimito von Doderer dort gesessen ist, und dass er mit dem Bezahlen immer ein bisschen spät gewesen ist. Das ist der typische Fall von oraler Mitteilung. Das könnte man natürlich auch aufnehmen in den bestimmten Zusammenhang, aber was wir haben: das ist keine Frage der – es hat mir jemand erzählt, dass gesagt worden ist – sondern es gibt ein Textstück. Mit Hilfe dieses Textstückes können wir quasi zurückstoßen in diesem Durcheinander der gegenwärtigen Überlieferung, durchstoßen bis zu einem authentischen Punkt, an dem der Erich Fried das hingeschrieben hat. Das lässt sich bestätigen. Das ist publiziert, das hat ein Datum. Das kann man sozusagen zitieren. Die Bedeutung von dem besteht darin, in dem Kontext, den ich Ihnen vor Augen führen möchte, dass die Frage, was hat er denn geschrieben, die Frage in dem Sinn, worauf beziehen wir uns denn da – diese Frage lässt sich auf Grund der Textualität ziemlich eindeutig lösen. Indem Fall gibt es keinen Zweifel darüber, dass der Typ das geschrieben hat und dass da die Eisenbahn drüber fährt. Das heißt, wir können sagen, Erich Fried hat das gesagt. Und das ist ein Unterschied zu den Dingen die ich zunächst gesagt habe. Die Frage "was ist denn eigentlich passiert in Abbottabad oder was ist passiert in Fukoshima" ist nicht von dieser Art und Weise.

Wir haben von dem Event in Japan sofort ausgehend – niemand war dabei – die unterschiedlichsten Berichte und können an dieses Event nicht die Frage stellen, was ist denn da wirklich gestanden, was ist beschrieben worden. Das heißt, die Textualität gestattet uns durchzuschalten, in einem Sinn von historischer Verbindlichkeit und Verbürgtheit, also nach allen plausiblen Indizien, die wir haben, ist es so, dass wir sagen können, Erich Fried hat das geschrieben und darauf können wir uns verlassen, darauf können wir aufbauen.

Erinnern Sie sich daran. Ich werde Ihnen in der nächsten Stufe dann darüber etwas sagen, wieso das fürs Christentum wichtig ist und für die Bibelforschung.

Bevor ich das sage, will ich noch ein bisschen auf das Drama dieses Gedichts eingehen. Und das hat auch etwas mit Christentum zu tun. Also als kleines Modell. Ich verwende das als ein Hilfsmodell, an dem man ein paar Probleme gut diskutieren kann, die eir in allgemeinerem Ausmaß dann haben werden. Es hat sich nämlich herausgestellt – und das ist die flip side, die andere Seite dieser historischen Verbürgtheiit – dass das zwar durchaus etwas ist, das Erich Fried geschrieben hat, was man auch auf ihn zurückführen kann, dass das aber leider oder faktisch ein Rumpf ist, und das es, wenn man sich den Text ansieht, an der Stelle wo er auftritt, ein Gedicht ist, das einen Titel und einen Untertitel hat. Der Titel heißt "Status quo" und der Untertitel heißt " Zur Zeit des Wettrüstens".

Sie haben ein wirklich sehr reichhaltiges Potential, jetzt mit dem umzugehen. Alle die schönen Sachen, die ich gesagt habe über die Verbürgtheit des Textes, werden an der Stelle plötzlich ein bisschen brüchig, weil obwohl dieser Text verbürgt ist, hilft diese Tatsache überhaupt nicht dagegen, dass jemand kommt und sagt, hat einen Titel, hat einen Untertitel, gefällt uns nicht so gut, lassen wir weg, ist trotzdem Erich Fried.

To be continued!