Lebendigkeit der Zeit

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kann die Zeit als lebendig bezeichnet werden?

Mit der Frage ob die "Zeit" als lebendig bezeichnet werden kann setzt uns Aki wieder an Ansatz. Bei der Diskussion werden bis jetzt die Wahrnehmungen und unseren Körper vollkommen ignoriert. Unsere Wahrnehmungen des Universums erstrecken sich über eine gewisse konkrete "Dauer". Unser Körper mit dem Nervensystem ist das Substrat. Die Materie ist das Beharrliche und die Substanz. Die Vorstellung der "Zeit" entsteht für ein Lebewesen durch das Pulsieren der lebenden Materie, und durch Bewegung des Körpers im Raum zwischen Bildern der anderen Körper. Pulsieren heisst im Fall bestimmter Lebewesen: das Schlagen des Herzens, der Atemrhythmus... von Aussen kommen dazu noch Rhythmen von Erdrotation (Wechsel von Tag und Nacht), Mondwechsel, Erdumlauf um die Sonne (Wechsel der Jahreszeiten). Dadurch strukturiert sich zuerst die "konkrete Dauer" der Wahrnehmungen [Bergson: Materie und Gedächtnis. (1896) 1991. S. 58], die sich im Gedächtnis verdichten, das Beharrliche und die Substanz, und erst die so strukturierte "Dauer" wird von einem Lebewesen als "Zeit" aufgefasst. Diese Zyklen sind den auf dem Planet Erde existerenden Lebewesen in ihren genetischen Strukturen der DNA als binäre Codes eingeschrieben. Erst später kommen dazu noch zivilisatorische Zeitstrukturen, wie die Uhrzeit, Kalender etc. Lebewesen, die sich verbal ausdrücken können, können, gewiss, die Zeit als lebendig bezeichnen. Die Frage, ob die Zeit als lebendig auch für den Rest der Materie bezeichnet werden kann, kann man positiv beantworten, wenn man annimmt, daß alle Materie eine gewisse Struktur aufweisst, die sich nach bestimmten Regeln und Gesetzmäßigkeiten verhält und somit eine Art Gedächtnis besitzt (BENVENISTE, Jacques [siehe http://www.digibio.com/, 28.2.2005].

Den Unterschied zwischen zwei Zeitkonzepten, einen epochalen und einen augenblicklichen, kannten schon die alten Griechen. Die beiden Zeitkonzepte sind in Mythen von Chronos und Kairos personalisiert und schematisiert worden, eben deswegen ist dieser Unterschied keine Erfindung des Gedankens des 20. Jahrhunderts.

Kant behauptet, 1781, an einer Stelle, dass die Zeit unwandelbar und bleibend aufzufassen ist: »Das Schema der Substanz ist die Beharrlichkeit des Realen in der Zeit, d. i. die Vorstellung desselben, als eines Substratum der empirischen Zeitbestimmung überhaupt, welches also bleibt, indem alles andere wechselt. (Die Zeit verläuft sich nicht, sondern in ihr verläuft sich das Dasein des Wandelbaren. Der Zeit also, die selbst unwandelbar und bleibend ist, korrespondiert in der Erscheinung das Unwandelbare im Dasein, d. i. die Substanz, und bloß an ihr kann die Folge und das Zugleichsein der Erscheinungen der Zeit nach bestimmt werden.)« [Kant: KrV, A 144; http://gutenberg.spiegel.de/kant/krva/krva047.htm, 15.11.2004].

Die Frage des Standpunkts und der Betrachtungsweise: befindet man sich mitten im Fluß vom Samsara schwimmend begriffen, oder betrachtet man den Fluß vom Ufer? In Beziehung zum Auto, wenn ich fahre, bewege ich mich nicht, die Umgebung, die Landschaft bewegt sich, oder bin ich derjenige der sich bewegt, für einen Betrachter, der am Strassenrand steht? Wer hat Recht, wer sieht richtig?

Andrej Skrbinek

--ask 09:14, 28. Feb 2005 (CET)



Die Lebendigkeit der Zeit ist auch eine sehr prekäre Geschichte. Dieser Ausdruck ist aber recht trefflich, denn die Materie und Zeit sind ineinander verwoben, i.e. miteinander verbunden - natürlich gibt es auch Singularitäten, aber diese kommen nicht oft vor(Schwarze Löcher). Ich vertrete sowieso die Meinung, dass es nichts gibt, was nicht lebt, auch anorganische Materie, denn sie enthält immer eine bestimmte Information in sich.(damit versuche ich das Mysterium Leben, wie es oft bei vielen Denkern vorkommt zu umgehen) - Habe übrigens letztens den Zeilinger im Fernsehen gesehen, der sich über das Universum in der Art aussprach, dass es für ihn nur Information gibt, und alles andere entsteht aus ihr. Dies ist schon fast eine parmenideische Weltanschauung, nur ein wenig up to date. Die Rhythmen des Universums sind das, was wir von ihm wahrnehmen, dies erinnert mich sehr an den Timaios, in dem dies seitens Platons behauptet wird, wobei er nicht unrecht hat(bis auf die Kleinigkeiten in der geozentrischen Hinsicht). Das was wir als Zeit empfinden hat eine Ordnung und kommt aus einer von uns vernommenen Wiederholung bestimmter kosmischer Ereignisse, unser Jahr ist eben die Umrundung der Sonne, der Sommer die Jahreszeit in der die Sonne für uns am höchsten steht etc. Ohne diese regelmäßigen Rhythmen könnte kein höheres Leben entstehen.

Ich möchte auch meinen ersten Beitrag ein wenig korrigieren, da ich ein bisschen übergeschnappt habe in Bezug auf "das Jetzt". Bei einer ästhetischen Argumentation lasse ich "das Jetzt" durchaus gelten, sogar dass man in dieses "Jetzt" gefangen wird oder in einer Art, wie es Schopenhauer dachte, bei der wir uns bei einer Betrachtung von Kunstwerken in metaphysiche Dimensionen begeben können. Dies wollte ich durch den zweiten Teil der mit "Zeit und Kunst" beginnt, ein wenig relativieren und nocheinmal hervorheben, dass ein Kunstwerk, welches ein Motiv hat, das man zeitlich interpretieren könnte, es schafft uns die Zeit, oder "das Jetzt", die Gegenwart zu vergegenständlichen. Dadurch können wir diese von einer ästhetischen Hinsicht erfahren.

Christian Scherschen


Über "das Jetzt" haben sich viele den Kopf schon zerbrochen. Im Duden wird "das Jetzt" folgendermaßen definiert: Zeit, die nur als Gegenwart erlebt, oder die im Gegensatz zu einer lange vergangenen Zeit gesehen wird" Hier haben wir schon von der allgemeinen Definition her zwei unterschiedliche Möglichkeiten. Einerseits Erlebnis als Gegenwart, den Augenblick, und andererseits die Gegenwart als das, worin wir leben in Bezug auf Vergangenheit, die wir erlebten, bzw. ge-lebt haben. Hegels "Jetzt", welches ich auch in der Textpassage herauslese ist ein anderes Konstrukt, auch wenn es einige Parallelen zum Duden hat. Er bezieht sich auf die Allgemeinheit, d.h. er möchte sie durch das "Hier und Jetzt" in der "Sinnlichen Gewissheit" herausarbeiten. Dadurch, dass wir dies "Jetzt" aussprechen ist dieses "Jetzt" schon vergangen. Hegel ist es sehr wichtig zu zeigen, dass unser Sprachverständnis davon ausgeht Dinge zu bezeichnen, i.e. zu bestimmen = zeigen, aber weil wir dazu Sprachausdrücke benutzen, die allgemeingültig sind, welche auch von anderen Menschen benutzt und in verschiedenen Situationen angewendet werden, sie eben keinen "Dinghaften" charakter haben, nur einen allgemeinen. Sich von alten Denkern zur Jetzt-Diskussion inspirieren zu lassen ist für mich genauso hilfreich, wie als wenn man sich durch Aristoteles über das Gehirn (Blutkühler) oder mit Descartes über das Herz (Blutkondensator, ich meine damit eine Kondensationsvorrichtung) anregen würde. Die einzige Möglichkeit sie heranzuziehen ist, ihre damalige Vorstellung als überholt zu beweisen. In einer Zeit, in der wir Quantenphysik im Haushalt nutzen, auch wenn die meisten Menschen sie nicht verstehen, denke ich dass eine derartige traditions-basierte Diskussion über Zeit nicht mehr angemessen ist. Natürlich war Hegel sicherlich in der damals geltenden Newton´schen Physik so weit belesen, dass er zeitgemäß gedacht hatte. Auch bei Kant ist dies, er war jas selber Physiker, herauszulesen. Kants Lebensaufgabe war ja schließlich Physik und Metaphysik miteinander in einem System zu verbinden. Vom Wesen des "Jetzt" zu sprechen finde ich vollkommen anachronistisch. Dass ein Augenblick, i.e. ein bestimmbarer Punkt einer physikalischen Funktion einige Eigenschaften hat, die vielleicht wesentlich sind ist nicht zu bezweifeln. Ihn gleichsam zu substantiieren und daraus Substrate, Substanzen oder Wesenheiten zu machen, ist für mich völlig unverständlich. Duch die spezielle Relativitätstheorie haben wir erfahren, dass die Zeit keie geradlinig verlaufende Funktion ist, keine Dimension die man als Ebene darstellen könnte(Flachland), sie so nur relativ auf bestimmte große Massen dargestellt werden kann. Vielleicht kann man hier auch schon ein wenig mit Hegel argumentieren. Zeit, d.h. auch das "Jetzt" sind relativ. Die antiken und vorrelativistischen Diskussionen über die Zeit sind für mich flach, wie das Flachland bei einer Newton´schen vorstellung der Zeit. Die ersten Sätze von Yokohama sagen eigentich sehr viel zu seiner eigenen Einstellung zur Philosophie. Ich sehe in ihnen eine traditionell-philosophische Denkweise. Er spricht über die "Lebendigkeit des Jezt", was einen anderen Diskussionspunkt darstellen könnte(sollte). Genauso, wie ich das Wesen des Jezt nicht verstehen kann, kann ich seine Lebendigkeit nicht ganz verstehen. Sicherlich kann ich durch die traditionellen Gehirnakrobaten und ihren Büchern nachvollziehen, wie dies gemeint ist. Ich bin aber sehr kritisch und es sind wie schon vorher gemeint überholte Denkweisen, die zu einem Anachronismus tendieren. Ich habe durchaus nichts gegen Anachronisten, so lange sie neue Denkweisen vertreten.

Christian Scherschen

Ich würde hinsichtlich der Rede vom Jetzt nicht ganz so ablehnend sein, wie mit jener vom Gehirn und in der Erfahrung des Augenblicks durchaus eine gewisse Kontinuität zwischen alten Griechen und uns gelten lassen. Nur das philosophische Muster des (antinomischen) Wesens betrachte ich mit Skepsis. --anna 17:54, 27. Feb 2005 (CET)

Um zur "Zeit und Kunst" zu kommen möchte ich mich nicht auf irgendeinen Text stützen, denn es gibt sicherlich hunderte zu diesem Thema, sondern nur die Arbeitsweise eines Künstlers veranschaulichen. Als erstes gibt es mehrere Möglichkeiten, wie ein Künstler vorgehen könnte. Er könnte erst zu malen, besser zu darstellen, anfangen, das Thema ergibt sich aus der progressiven Arbeit oder er wird erst nachdenken, was er eigentlich darstellen möchte. Nehmen wir an, er möchte eine Zeit, Zeitspanne einen besonderen oder flüchtigen Augenblick darstellen, dann wird er seine Vorstellung durch eine besondere Anordnung von Materiallien, sei es Farbe, Stein, Film oder sogar ein binärer Code, repräsentieren.

Ich versuche äußerst neutral zu bleiben, weil es sehr viele Künstler gibt, die dies auch sehr anschaulich geschafft haben. Wichtig ist für mich, dass der Künstler so arbeitet, dass der Rezipient emphatisch, oder auch nicht, eine bestimmte Stellung zum Werk einnimmt. Wenn der Betrachter das richtig nachempfinden kann, was er sieht, dies richtig deutet etc. hat er hoffentlich das richtige getan (ich weiß dass viele Künstler gegen diese Idee arbeiten und ich würde mich sehr ärgern, wenn man mir dies als Gegenargument vorbringen würde). Die Zeitempfindung, die man dann erfährt ist aber nur fiktiv. Und hier liegt die Qintessenz des Ganzen! Ein Künstler zeigt keine Zeit, keine Zeitspanne etc. Er zeigt immer ein Werk, das eine Zeit... fingiert. Das ist seine Arbeit. Das ist aber auch dann der beibende Augenblick. Denn dieses "Jetzt" bleibt immer, denn es ist dargestellt. Es bleibt am Dachboden, wenn es nicht ausgestellt wurde, es bleibt im Museum, falls dieses das Werk ankaufte, oder es bleibt an der Wand des Sammlers. Dieses "Jetzt ist immer, denn es ist ein fingiertes "Jetzt". Es ist ein gefrorener Augenblick, der es auch sein soll. Es ist möglicherweise sogar transportabel, oder in seiner Idee nochmals verwirklichbar (z.B. Verpackung bei Christo und Jean-Claude). Und hier stimme ich Yokohama und Hegel zu, es ist "negativ", weil es nicht ist.

Christian Scherschen


Manche Kuenstler fassen ihre Bilder als Kinder auf, die spaetestens, wenn sie ihr Atelier verlassen, ihr eigenes Leben haben. Manche Kuenstler, wie einst Pygmalion, moegen zu ihren Werken ein, von Goetter gesegnetes, inzestuoeses Verhaeltnis pflegen. Ein solches Kunstwerk kann eine ihm immanente Zeit fingieren, besonders wenn es eine Geschichte erzaehlt, oder mit einer komplexen Farbflaechen-Struktur den Betrachter zur Analyse des Details zwingt oder verleitet; wenn sich der Kuenstler als Schoepfer ueber den Betrachter erhebt, und ihm eine literarische Geschichte oder nur raeumliche Vorstellung aufzwingt. Bei der semantischen und pragmatischen Zeichendimensionen des Bildes kann man bestimmt von einer fingierten Zeit sprechen, wenn auf einer Seite der Kuenstler den Versuch unternommen hat den Betrachter mit seinem Werk zu manipulieren und auf der anderen Seite der Betrachter das Spiel, nach den von Kuenstler gesetzten Regeln, mitspielt.

Aber es stellt sich die Frage ob Herr Yokoyama ueber ein derartiges „gefrorenes Jetzt“ im Bild denkt und schreibt, – gluecklicherweise ist er, jetzt, noch am leben und wird selbst mehr darueber sagen koennen – ob er nicht vielleicht ein anderes, „persoenliches Jetzt“ im Sinne hat, das vermittelst der Wahrnehmung des Bildes entsteht, ein Augenblick mit einem Datum (als zeitliche Koordinate) im Leben einer Person als Subjekt, die ein bestimmtes Bild erblickt und dabei eine Farbe wahrnimmt. Solche Daten sind bei verschiedenen Subjekten meistens verschieden, zerstreut ueber "Dauer" des Objekts und Subjekte. Jeder Betrachter, als Subjekt, kommt zu sich, in seinem „Jetzt“ mit verschiedenem Datum, bei der Wahrnehmung des gleichen Bildes und empfindet dabei, meistens, die gleiche Grundaffektion (rot, blau, gelb...). Vielleicht ist, von Herrn Yokoyama, ein solches persoenliches „Jetzterlebnis“ gemeint, das trotzdem intersubjektiv ueberpruefbar wird, wegen des gleichen Objekts der Anschauung. Ein Jetzt, das von Subjekt nicht zu trennen und unabhaengig vom semantischen Inhalt des Bildes ist. Ein Bild kann dabei, als Zeichen, nur als ein Vermittler zwischen verschiedenen Subjekten, in gleichen oder verschiedenen Zeiten, dienen. Es handelt sich dabei um reine Wahrnehmung des Kunstwerks, als Objekts, auf der nur syntaktischen Ebene der Zeichendimension.

Diese Ergänzung eröffnet einen neuen Bereich. Nicht die "innerbildliche" Zeit, sondern jene zwischen Bild und Betrachterin. Ich zweifle, ob Aki das gemeint hat, aber es ist jedenfalls eine Option. Allerdings ist in obigem Absatz auch eine Schwierigkeit dieser Perspektive sichtbar. In diesem subjektiven Jetzt-Sinn spielt die ästhetische Beschreibung gar keine Rolle mehr. Es gilt genauso für den eben gesichteten PKW. --anna 13:10, 18. Mai 2005 (CEST)

Genau das Gegenteil hätte ich behaupten wollen: mit Intersubjektivität ist die auf Objekt bezogene Empfindung einer Farbe oder Form gemeint, sie wird als objektive Empfindung verstanden, die man nicht mit einer Bestimmung des Gefühls der Lust oder Unlust, mit einer auf Subjekt bezogene Empfindung, verwechseln soll [siehe KANT: KrU. Par. 3. @ http://gutenberg.spiegel.de/kant/kuk/kukp031.htm]. Wenn eben gesichteter PKW ein silberner Audi TT, oder ein Merzedes SLK 350 ist, dann ist das bestimmt ein ästhetisches Erlebniss, auch dann wenn man die Ästhetik, wie einst Kant, als eine Art Logik des Sinnlichen versteht, dann unterliegt alles im Raum gesichtetes auch dem Bereich des Ästhetischen. Es gibt Liebe auf den ersten Blick, und die Tantriker befinden sich immer in einem orgastischen Zustand, der heisst Leben. (Im Gegensatz zum Tod.) Darüber hinaus könnte man behaupten, dass die beiden genannten PKWs auch schön sind, und damit Anspruch auf Allgemeinheit erheben. Wer anders urteilt, der hat eben kein Geschmack.

Bei einem handgemalten Bild handelt sich zwar um eine der ersten ingenioesen technischen Erfindungen des Mangelwesens Mensch, aus der prometheischer Ueberlebensstrategie entsprungene Taktik, die eine Grundtendenz aller Lebewesen fortsetzt: die Taktik des Zeitgewinns zum treffen der Entscheidungen gegenueber Schwingungen, Rhythmen und Sequenzen der Materie, Streckung der zur Entscheidungen benoetigter "Dauer"; und weiter um eine daraus folgende Tendenz zur Verallgemeinerung vom subjektiven Jetztempfindungen und daraus gesammelter Erfahrung, vermittelst zuerst Zeichen, danach Symbole und daraus entwickelter semantischen Systeme.

Auch das philosophische Muster des (antinomischen) Wesens zieht sich als eine gedankliche Konstruktion der moeglichen Weltanschauungen durch das Denken schon aus der Zeit der Vedischen philosophisch-religioesen Schriften durch und ist auch der gaengigen modernen wissenschaftlichen Auffassung des Kosmos, vor etwa einem Jahrhundert, aufgedrueckt worden: man kann entweder den Impuls oder die Koordinaten eines Teilchens messen, nicht beides gleichzeitig. Das Licht und die Materie sollten sowohl Korpuskulaere- als auch die Wellennatur haben. Entweder als Teilchen, Photonen auf einer Seite, oder als Wellenfelder auf anderen Seite dargestellt. Man ist vom technischen Seitenprodukten der Wissenschaft beeindruckt und man hat materiellen nutzen davon: das Auto faehrt, die Atombombe explodiert, der Heizkoerper ist warm. Trotzdem kann man bei Experimenten nur eine von den beiden Arten der Information ueber das beobachtete System erhalten. Die Natur gibt gleichzeitig nur eine Haelfte der Information ueber sich preis. Deswegen kann man kaum einen Anspruch auf die ganze Wahrheit nur innerhalb der Wissenschaft erheben, zumindest nicht mit bisher bekannten Methoden. Maximale Genauigkeit der Messung ist durch die Planck Konstante bestimmt. Wir sind gezwungen daran zu glauben und davor, vor Planck Konstante, denkt man meistens, ist genug Raum fuer eine mystisch aufgefasste Metaphysik, oder für eine mathematisch-physikalische Superstring theory. Wird das Universum durch einen einzigen null-dimensionalen Strang in elf Dimensionen beschrieben, verlässt er an mindestens einer Stelle uns bekannte Welt, führt der String zum Brahma (oder als aurea catena zum Zeus? [Siehe HEINRICH, Richard: Ausdruck und Abbild. Zu erreichen auf http://nomoi.philo.at/per/rh/ellvau/fb/book1.htm. 8. Wissen, Zeichen, Ähnlichkeit. Foucault über Ähnlichkeit und Repräsentation. Die Episteme der Ähnlichkeit. Repräsentation. Am 22.11.2004: "convenientia ist Ähnlichkeit in der Art der Nachbarschaftlichkeit, des Ineinander-Übergehens. Alles ist insofern ähnlich, als es (alles) zusammenhängt. Ein Symbol dafür ist die aurea catena, die lebende Kette, die von den Füßen des Zeus herunterhängt und in der alle Geschöpfe zusammenhängen." Zur Erklärung der philosophischen Renaissance Termini siehe HEINRICH, Richard: Einführung in die Philosophie der Renaissance. Zu erreichen auf http://nomoi.philo.at/per/rh/ellvau/renphil/book1.htm. Am 22.11.2004.]), der uns über diesen Interface die Bilder von der Wirklichkeit liefert wie die indische religiös-philosophische Denksysteme seit einige tausend Jahre spekulieren, oder eher so wie uns Holywood durch Matrix sugeriert?

Vielleicht beruht die Begrenzung der menschlichen Erfahrung auf dem Koerperbau und seinen Funktionen. Wenn man sich dann „das Jetzt“ „antinomisch“ oder „negativ bestimmt“ vorstellt, ist das nur eine Sache der Vorstellung und ihrer Repraesentation. Einen sprachlichen Ausdruck und eine Vorstellung von Antinomie des Jetzt von einem Philosophen wuerde ein Maler mit zwei gleich hellen sich beruehrenden roten und gruenen Farbflaechen veranschaulichen koennen. Die Grenze zwischen beiden Farbflaechen ist sichtbar nur wegen der verschiedenen chromatischen Qualitaeten der Oberflaechen. Wenn man davon eine Grau-Photokopie machen wuerde, (oder sich von seinen, immanentes Paradiespersonal [vgl. SAMSONOW, Elisabeth von: Show Me The Way To Heaven. Anthroplologie II. Akademie der bildenden Künste, Wien. Vorlesung,16.3.2005: "Personal im Paradies: Engel mit Schwert."] darstellenden Haustieren, Hund oder Ratte, beraten lassen, was sie am Kunstwerk erkennen,) haette man keine Grenze zwischen den beiden Farbflaechen feststellen koennen. Sprachlich koennte man das Jetzt auch durchaus positiv ausdruecken als zwischen „passé“, „schon passiert“, „vorbei“ und „wird geschehen“. Synonymisch koennte man das Jetzt als Werden bezeichnen, wenn man beruecksichtigt, dass unsere Wahrnehmung mit Verspaetung von cá 1/500 Sekunde auf die Umgebung reagiert, und dass sich die Zellen erneuern, und zyklisch kopieren. Unser Bewusstsein vom Jetzt befindet sich so immer kurz in der Vergangenheit, mit dem Koerper als Prozess, reaktionsbereit, in die Zukunft lauernd gerichtet [BERGSON, Henri: Materie und Gedächtnis. (1896) 1991. S. 138ff, S. 204]. Man kann nach belieben pathetisch, negativ, pessimistisch oder positiv, optimistisch die Vergangene und Zukuenftige Geschehnisse kommentieren. Das steht jedem frei. Man kann Metaphysik und transzendentalen Zahlen mystifizieren, sich jene im sinne der modernen Logik als eine Metawissenschaft vorstellen und sich diese einfach geometrisch veranschaulichen.

So kann man sich das Jetzt auf verschiedene Art und Weisen vorstellen, mit Hilfe von Kunst, Philosophie oder Wissenschaft, es sprachlich beschreiben, geometrisch konstruieren, mit physikalisch-arithmetischen Formeln oder gemalten Bildern illustrieren. In Wirklichkeit kann man es aber nur bewusst erleben und in Es bewusst verweilend, denkend Entscheidungen treffen. Wie sollte man das Jetzt vom Koerper abstrahiert behandeln? Man kann es nur vermittelst des Koerpers erleben. Auch in einem Diskurs.

Andrej Skrbinek --ask 16:32, 9. Mai 2005 (CEST)




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