Kommentare - MuD09 - Gruppe4 - 20.01.

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Zurück Katharina Baur:auch ich habe eine genauere Definition oder Beschreibung des Begriffes der Askese vermisst. Es würde mich auch interessieren inwiefern die Askese im Alltag der Antike betrieben wurde. Das Wort "Symposium" lässt sich ja meines Wissens nach nicht nur als "Gastmahl" übersetzen, sondern kann auch als "Saufgelage" interpretiert werden. Was die Unterdrückung der Frau angeht, bin ich der Meinung, dass wir sie bis heute noch nicht überwunden haben, sie hat nur andere Formen angenommen. Es ist sehr schwierig für mich über die Frage nach einem gelungenen Leben nachzudenken, wenn es gesellschaftliche Einschränken gibt an die man sich zu halten hat. Um in dieser Frage zu einer sicheren Erkenntnis zu kommen, müsste man sich vielleicht von ALLEN Konventionen befreien. Ich bezweifle, dass das überhaupt möglich ist. Foucault galt als zügelloser Mensch, aber war das nicht deshalb der Fall, weil er schwul war und sich sexueller Praktiken bediente, die viele nicht als "normal" bezeichnen würden? Insofern finde ich es klar nachvollziehbar warum er sich auf die Antike bezogen hat. Damals galten schließlich andere Normen für Homosexualität. Es wird doch immer wieder diskutiert darüber, wer homosexuell ist und wer nicht, dabei sollte es insofern keine Rolle mehr spielen, als das es nicht einmal erwähnenswert sein sollte. Wittgesteins Vergleich der Philosophie mit einer Krankheit ist für mich schon nachvollziehbar. (@Mathias: auch in Vorarlberg nennt man grübeln "Studieren")Wenn man sich mit philosophischen Fragen beschäftigt riskiert man Frust. Allerdings würde ich nicht soweit gehen die Philosophie als Krankheit zu bezeichnen, ich bin mir auch nicht sicher ob Wittgenstein das getan hat. Das Nietzsche den Kategorischen Imperativ abgelehnt hat ist vielleicht auch darauf zurückzuführen, dass er die Verwendung von Begriffen kritisiert hat, denn Kants Ethik steht und fällt mit der Formulierung von Maximen, die wiederum aus Begriffen zusammengesetzt sind.


Elke Karpf:Was „askesis“ - geistige und körperliche Übungen zur Selbsterkenntnis genau bedeutet, konnte ich der VO nicht entnehmen.

Was die Stellung der Frau betrifft, waren in der Antike die gesellschaftlichen Werte anders. Heute kann man in unserer Kultur von einem Fortschritt der Stellung der Frau sprechen. Dabei stellt sich mir die Frage, mit welchem Recht man über Werte generell urteilen kann. Woher nehmen wir die Überzeugung, Gutes für gut zu halten bzw. ethisch Korrektes für ethisch Korrektes? In der Antike waren die Menschen offenbar überzeugt, dass es in Ordnung ist, eine Frau wie Eigentum zu behandeln, so wie wir jetzt von der Gleichstellung von Frauen und Männern überzeugt sind. Waren die Reflexionsmöglichkeiten aufgrund mangelnder historischer Vergleiche noch nicht so umfassend wie heute? Bezüglich Sexualität herrschen bis heute noch Ausbeutung und Ungerechtigkeiten, aber auf andere Weise. Ist die Menschheit heute ethisch einfach noch nicht so weit, oder gibt es niemals eine Verbesserung, sondern nur eine Veränderung von Werten und Verhaltensweisen? Wenn man an die Stellung der Frau denkt, kann man zumindest hoffen, dass sich etwas ändert. Aber vermutlich wird es immer Menschen geben, die ihre Macht missbrauchen und leider ist die Freiheit und Würde der Frau in vielen anderen Kulturen noch immer der des Mannes unterlegen.

Wittgensteins Überlegung, dass die Philosophie als eine Krankheit angesehen werden kann, teile ich nur, wenn sie zur sozialen Einsamkeit führt. Ein Philosoph, der aktiv ist, seine Gedanken teilt und anderen Menschen Denkimpulse gibt, ist ganz und gar nicht krank. Wittgenstein meint ja auch, Ziel der philosophischen Arbeit sei die Veränderung seiner selbst und jener, die man Philosophie lehrt. Er bezieht sich damit ja ohnehin auf andere Menschen. Wer heute Philosophie lehrt, gibt dem anderen Speisen .. um seinen Geschmack zu ändern, heißt es bei Wittgenstein. Dieses Zitat impliziert die körperliche Komponente. Da die Auswirkungen von Gedanken auf den Körper eine Tatsache ist, ist somit auch die Körper – Geist Einheit bezüglich der Selbsterkenntnis – Selbstsorge angesprochen. Foucoult bestätigt Wittgensteins Theorien mit der Überlegung, dass das Ziel der philosophischen Arbeit sei, sich von sich selbst zu lösen im Sinne einer kritischen Aufmerksamkeit der Gesellschaft. Die Selbsterkenntnis sei das Bestimmen des Status quos, das Schreiben und die Erfahrung körperliche Grenzen. Damit gibt Foucoult praxisbezogene hilfreiche Anregungen, wie ich meine...


Camilo Del Valle Lattanzio: Am Donnerstag haben wir den zweiten Teil der Vorlesung Puhls gesehen, in dem er unter anderen die Auffassung Wittengesteins, in dem Sinnen vom Verstehen einer Philosophie als Lebenskunst, erklärt hat. Wittgenstein definiert das Missverstehen und Missgebrauch der Sprache in der Metaphysik als eine Krankheit. Ich sehe (persönlich), dass diese Auffassung eine Art Suche von einer sprachliche Sicherheit und Befestigung der Philosophie ist. Ich denke, dass solche Art von Versuche schon von jeder von uns alltäglich gemacht wird, in dem man mit der Sprache schon etwas beurteilt, und durch diesen Urteil die Gedanken in einer verständlichen Ebene befestigt werden (Bsp.: Gefühleausdrucke, Meinungen, usw.). Ich denke, dass alle die Gegenstände, die die Philosophie als Untersuchungsgegenstände (Beispiel: Leben, Sein, Wissenschaft, usw.) hat, sehr abstrakt sind. Deswegen kann man es nicht richtig mit der Sprache artikulieren. Was er mit der Heilung der philosophieschen Krankheit bezeichnet, ist nur eine Art Beschränkung der Philosophie durch die Sprache. Diese Krankheit würde ich als ein normalen philosophieschen Zweifel sehen, der nicht richtig mit der Alltagssprache oder wissenschaftlichen Sprache formuliert werden kann. Man muss nur die Auffassungen der Metaphysik als Organismen sehen, die immer eine bestimmte Gedanke (oder Erkenntnis) erläutert will, aber, die nur in seinem selben Kontext seiner Auffassung verstanden werden kann. Diese Sprache bei Wittgenstein, die als eine Art Lebensmittel dient, würde ich als ungegnügend sehen, da sie su beschränkt und statisch bleibt. Die Sprache der Metaphysik ist plastischer, und dadurch kann man die Existenz und das Leben besser erfassen. Wenn wir durch unsere Alltagssprache unsere Existenz erklären könnten, so würde uns alles schon vorggeben, und wir könnten alles verstehen. Es könnte in diesem Fall keine Lücke in unserem Erkenntnis geben, da alles unmittelbar verstehbar (wie die Sprache) wäre, und so würde das Leben sich nicht lohnen.


Markus Werner: Ich persönlich kann dem Gedanken des Philosophen Ludwig Wittgenstein am meisten Interessantes abgewinnen. Denn auch ich teile die Meinung, dass Philosophie, als Wissenschaft gedacht, missverständlich sein kann. Bei ihm ist die Philosophie so etwas wie eine Lebensweise des einzelnen Menschen. Er verunglimpft die so genannte wissenschaftliche Philosophie als Dichtkunst. Und tatsächlich, weil ja die Sprache als Mittel zur Kommunikation solch einer Philosophie verstanden wird, ist dieser Gedanke durchaus naheliegend. Denn, und dies hat wahrscheinlich auch Wittgenstein („jedes Problem, ein Problem der Sprache“) gemeint, genau genommen ist die Sprache immer schon, ohne Ausnahme, dichterisch, weil Worte nur als Umschreibungen für Gedanken/Ideen/Vorstellungen/Gefühle verstanden werden können. Folgerichtig ist dessen Ausformulierung, ob nun mündlich oder schriftlich macht hier keinen Unterschied, eher eine Kunstform denn eine Wissenschaft, welche sich ja gerade nicht als Kunst verstanden wissen will. Demzufolge wäre allerdings, und hierzu kenne ich die Gedanken des Wittgenstein nicht, jede Wissenschaft und nicht nur die Philosophie als Dichtkunst zu denken.

Von dieser Überlegung weg- und zu der eigentlichen Thematik der Vorlesung zurückkommend möchte ich noch erwähnen, dass die Aussage des Ludwig Wittgenstein, dass Philosophie nur etwas wert sei, wenn sie einen besseren Menschen aus demjenigen mache, der sich ihr annehme, erklärungsbedürftig ist. So bin z.B. auch ich mir nicht ganz im Klaren, was Wittgenstein unter „besser“ gemeint hat. „Besser“ bedarf unbedingt einer erklärenden Definition um der Aussage des Wittgenstein Sinn zu geben. Was ist besser? „Besser“, so meine Auffassung, kann hier, den Ideen der Antike entsprechend, als „wahrer“, „schöner“, und „glücklicher“ definiert werden. Jedoch gehen nun all diese Bestimmungen, weil es sich einmal um Komparative handelt, von einem „falschen“, „unschönen“ und „unglücklichen“ oder zumindest einem weniger „wahren“, weniger „schönen“ und weniger „glücklichen“ Leben aus. Also stellt sich uns nun die Frage, ob denn nicht auch ein Leben vorstellbar ist, welches so „wahr“, so „schön“ und so „glücklich“ geführt wird, dass es keiner Verbesserung bedarf? Wäre für solch einen Menschen das Betreiben der Philosophie, ja vielleicht sogar jeder Wissenschaft, nicht absolut unnütz? Dieser Gedanke liegt zumindest nahe. Allerdings ist die Prämisse für einen solchen Schluss, dass es solch ein Leben auch wirklich gibt. Und dieser Gedanke ist, meiner Meinung nach, zu bezweifeln.

Wenn also Wittgenstein die Aufgabe der Philosophie in der Verbesserung des eigenen Lebens sieht, heißt dies dann nicht auch, dass der angehende Philosoph von vorn herein ein „falsches“, „unschönes“ und „unglückliches“ leben führt? Andererseits bedeutet der Komparativ, wie bereits vorhin festgestellt, in diesem Zusammenhang nur, dass das Leben im bloßen Vergleich zu vorher (vor dem Philosophieren) „wahrer“, „schöner“ und „glücklicher“ ist.

Demnach ist Wittgensteins Gedanke der Philosophie, als Weg zur Verbesserung des eigenen Lebens, nach reiflicher Überlegung, durchaus nachvollziehbar und in der Bestimmung dessen, was denn Philosophie sei, unbedingt zu berücksichtigen.


Mathias Pöschko: Wirklich interessant fand ich, was ich bisher noch nicht gewusst und ich noch keiner Vorlesung gehört habe, nämlich, wie es um Sexualität in der Antike stand. Dass es etwa noch nicht mal ein Wort dafür gab, sondern nur eines, das andere sinnliche Genüsse miteinschloss. Und das wiederum finde ich spannend; wie Klaus Puhl es schon ausdrückte- daran, was überhaupt philosophisch thematisiert wurde, zeigt, wie wichtig es den Leuten war. Und daran, dass es in Ordnung war, mit Pubertierenden zu schlafen, oder Frauen ZU ERMORDEN, sollten sie ein Unrecht begangen haben (wobei dieselbe Tat bei Männern nicht als Unrecht galt), könne man auch sehen, was den Leuten wichtig war, was sie bedenklich fanden oder veränderungswürdig. Im Hinblick darauf muss man sich fragen, ob Platon, Sokrates und alle antiken Philosophen so weise sind, wie wir es ständig vermittelt bekommen. Wenn jemand über so wenig Mitleid, so wenig Menschlichkeit verfügt, dass solche Verbrechen einfach nicht stören. Nicht weiter von Belang sind. Tja, und insofern Klaus Puhl diesen Punkt, wenn auch eher am Rande, zur Sprache gebracht hat, bin ich ihm dankbar, und halte schon alleine deswegen die Vorlesung für geglückt.

Ein weiterer Punkt, der mich reizte, war Wittgensteins Verständnis von Philosophie als eine Krankheit. Ab wann, oder wie, ist Philosophie eine Krankheit? Man hört doch immer wieder, meist von bildungsferneren Menschen, dass man nicht zuviel denken soll, im Mühlviertel, wo ich herkomme, bezeichnet man sogar grübeln als "studieren"- studieren ist also ziemlich negativ behaftet- und in diesem Sinn sind Philosophen die allerärgsten. Ich kann Wittgenstein verstehen, wenn er die Philosophie mit zweierlei Augen betrachtet; jemand, der ganz andere Ansichten hat als Leute in seinem Umkreis, sind nicht unbedingt gern gesehen. Und dass das schmerzt, ist verständlich. Allerdings- eine Krankheit wäre das noch keine. Krank würde man vermutlich nur infolge solcher sozialen Umstände wie Ausgrenzung oder Einsamkeit.

@David: Vermutlich finden die im Jahr 4000 und in ihren fliegenden Autos das Ermorden wieder ganz okay, genauso wie das Besitzen von Sklaven als Eigentum.


Simon Pötschko: Der zweite Vortrag von Dr. Klaus Puhl ist eine chronologische Fortsetzung des Vortrages, von vor zwei Wochen. Ausgehend von Descartes wurde die Frage nach dem Selbst bzw. die Selbstsorge über Nietzsche und Wittgenstein bis hin zu Foucault behandelt. Eine Interessante Position war für mich, die von René Descartes, der den entscheidenden Schritt hin zum Subjekt wagte und somit eine große Veränderung für die damalige Zeit aber auch für die Folgenden Epochen brachte. Descartes wird oft kritisiert, da er das menschliche Subjekt auf ein rein Erkennendes reduziert. Die nahezu Solipsistischen Ansichten Descartes sind mit Sicherheit oftmals weit her gegriffen und auch andere Teile seiner Philosophie scheinen nicht plausibel zu sein. Wie z.B. wenn er mit Hilfe Gottes alles woran er eigentlich gezweifelt hatte wieder einführt. Was ich jedoch interessant finde, ist es das menschliche Subjekt als denkendes Subjekt aufzufassen und diese eigene Form einer Handlung als Grundlage zur Wendung zu sich selbst zu sehen. Meiner Meinung nach gelingt die Wendung zu sich selbst durch einen innerlichen Rückzug und durch ein fundiertes und kritisches Denken.

Ein weiterer großer Denker, der seine Zeit erschütterte und auch in der Folge noch großes Gewicht hatte, war der deutsche Friedrich Nietzsche, nicht umsonst, als der Philosoph mit dem Hammer bezeichnet, war es doch seine primäre Tätigkeit bestehende Normen anzugreifen und zu „vernichten“. Genau diese Tatsache finde ich, ist für mich eine der Wichtigsten im Denken Nietzsches. Wie auch schon Kant, fordert er eine strikte Autonomie der Person, welche sich nicht durch bestehende „falsche“ Normen beeinflussen lassen sollte und sich ihre eigenen Werte schaffen sollte. Man könnte heute sagen, dass genau dies der Fall ist, dass jeder von uns (zumindest in der westlichen Welt) sich seine eigenen Werte schafft. Jedoch finde ich nicht, dass dies mit der nötigen Voraussetzung geschieht (siehe Denken im obigen Absatz) um eigene fundierte Werte zu schaffen.

Zum Schluss möchte ich noch auf einen Begriff verweisen, der in der Vorlesung durchaus vorgekommen ist, jedoch meiner Meinung nach ein wenig untergegangen zu sein scheint. Ich spreche von der Askese. Ich meine es gilt diesen Begriff durchaus zu bestimmen und ihn zur Kenntnis zu nehmen, wenn wir über Lebensphilosophie diskutieren wollen.


Benjamin Andreatta Nach der Vorlesung erinnerte ich mich an Gedicht von Nietzsche aus der „Fröhlichen Wissenschaft“, dass wie ich finde in diese Richtung schlägt:

„Ecce homo:

Ja! Ich weiß, woher ich stamme!

Ungesättigt gleich der Flamme

Glühe und verzehr ich mich.

Licht wird alles, was ich fasse,

Kohle alles, was ich lasse:

Flamme bin ich sicherlich.“

Seine Auffassung von Lebenskunst finde ich sehr interessant, wobei seine Art Philosophie eben manchmal sehr poetisch wirkt, wobei sich mir manchmal die Frage aufdrängt, ob dieser Typus mit der rein wissenschaftlichen, ohne Berücksichtigung auf Stil, etc. Philosophie mithalten kann. Wittgenstein würde dies wahrscheinlich bejahen. Was ich an Nietzsche eben so spannend finde ist die Metapher des an sich selbst schaffenden und arbeitenden Künstlers. Herr Puhl stellte dazu die Frage, ob dies überhaupt möglich sein kann, Künstler und Kunstwerk in einem zu sein. Meiner Meinung nach sollte man hier auf keinen Fall die Metaphorik außer Acht lassen, an sich selbst arbeiten wäre zum Beispiel ein ungemein gängiger Ausdruck. Unter Rücksichtnahme solcher Annahmen scheint seine Philosophie vielleicht etwas klarer.

David Bogner

Die Körper-Seele-Trennungs Unterschiede zwischen Platon und Descartes sind mir nicht ganz klar. Bei Platon sind Körper und Seele verbunden (das eine ist das Gefängnis des anderen) und beim andren ist die Existenz von einer Seele ohne Körper schon möglich?

Ich hab auch nicht ganz verstanden, welche Rolle Wittgenstein in dieser Reihe spielt. Wollte Professor Puhl einfach nur herauskehren, dass Wittgenstein nicht der trockene Vertreter einer wissenschaftlichen Philosophie ist, als der er immer dargestellt wird? Mir ist sein Standpunkt in der ganzen „Wie kann ich leben“ Diskussion auch nicht klar.

Sehr lustig fand ich den Einwand von Mathias Pöschko. Nicht nur wegen der fliegenden Autos und dem Warp Antrieb waere das Jahr 4.000 interessant, es waer auch spannend zu wissen, welche Dinge dann als abartig und unrecht empfunden werden, die momentan gesellschaftlich akzeptiert sind.

Generell gilt zum zweiten Teil der Vorlesung: Descartes wurde als unfähig präsentiert, Nietzsches Gedanken zum Wie könnte ich leben konnte ich nicht nachvollziehen, Wittgenstein war wirr, also bleibt wieder nur Foucault und der ist natuerlich super. Die künstlerische Gestaltung des Selbst finde ich großartig. Ein gutes Beispiel dafür (und für die These, dass Penetration auch jetzt noch ziemlich wichtig ist) ist Tiger Woods. Weil er nicht nur Vorfahren afrikanischer sondern auch indianischer, chinesischer, thailaendischer und niederländischer Herkunft hat, akzeptiert er das Label Afro-Amerikaner nicht sondern hat ein ganz neues entworfen, das ich jetzt leider vergessen hab und auch nicht googlen kann. Und welche Optionen zur künstlerischen Gestaltung des Selbst sich aus den neuen Technologien ergeben wird uns sicher noch ein paar Mal unterkommen.

Gertrude Dvornikovich: Ludwig Wittgenstein war kein Anhänger der „Philosophie als Wissenschaft“, er lehnte sie sogar ab, er war überzeugt von der „Philosophie als Lebensweise“. Wittgenstein sieht in der Philosophie die Arbeit an sich selbst für unumgänglich, da nur so ein gelungenes, glückliches Leben möglich ist. Wittgenstein hatte eine große Abneigung gegenüber vieler Berufsphilosophen und ging auch immer wieder Arbeiten nach, die seiner Meinung nach, wesentlicher nützlicher waren. Er betätigte sich als Volksschullehrer, Gärtner, Architekt und zog freiwillig in den 1. Weltkrieg. Seinen Studenten hatte er sogar geraten das Philosophiestudium abzubrechen und Medizin oder Anderes zu studieren. Seine Philosophie ist somit eine Absage an die wissenschaftliche Philosophie. Diese wissenschaftliche Philosophie bezeichnete er als eine auf sprachliche Missverständnisse beruhende, seiner Meinung sei sie eine Krankheit. Er machte sich zur Aufgabe diese Krankheit auszumerzen. Für ihn war es wichtiger ein gutes Leben zu führen als ein großer Philosoph zu sein. Ein Mann, der mit seinem Frühwerk, dem kurz gefassten, aber umso inhaltsschweren „Tractatus logico philosophicus“ generiert hat, alle philosophischen Probleme gelöst zu haben. Und der Jahre später, die intellektuelle Redlichkeit gezeigt hat, die wohl selten zu finden ist: nämlich, wie er selbst sagt, „[....] schwere Irrtümer in dem [zu] erkennen“, was er in jenem ersten Buch niedergelegt hatte. Untrennbar mit Wittgenstein verbunden ist der sog. „linguistic turn“, die „sprachliche Wende“ in der Philosophie. Damit ist er Mitbegründer der analytischen Philosophie im weiteren Sinne, jener philosophischen Richtung, die der Logik, der Sprache und den Erfahrungswissenschaften eine zentrale methodologische Rolle einräumt. Philosophische Probleme kann nur verstehen oder auflösen, wer begreift, welche Fehlanwendung von Sprache sie erzeugen. Und so ist der letzte Satz des „Tractatus“ gerade heute gültiger denn je:„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“.

David Bogner

@Gertrude:

Ich nehme an, dein Statement war auf mich bezogen. Vielen Dank, dass du mir die wichtigsten Punkte der Vorlesung zum Thema Wittgenstein noch einmal wiederholst. Meine Frage oben bezog sich auf den Beitrag von Wittgenstein zum Thema Wie könnte ich leben. Dass es seiner Meinung nach ein falsches = schlechtes Leben (dessen Konsequenz die Frucht vor dem Tod ist) gibt, wurde klar. Arbeit an sich selbst, auch ok, aber im griechischen Sinne der askesis oder wie jetzt? Die Veränderung jener, die man Philosophie lehrt, aber in welche Richtung? Was heißt sich selbst bezwingen?

Astrid Barcza: Ich möchte mit meinem Kommentar an die erste von Prof. Puhl formulierte Problemstellung am Ende der VO und die Frage anschließen, worin unsere personale Einheit besteht, wenn das Selbst zugleich in seinen jeweiligen Änderungen oder Transformationen besteht/bestehe. Als inhaltliche Referenz ist mir dazu die Skizzierung von Nietzsches Standpunkten in der letzten VO-Einheit eingefallen, die mir dennoch keine schlüssige und befriedigende Antwort darauf gibt. Nietzsches Philosophie verwirft die wie auch immer religiös oder moralisch gebotenen Vorstellungen eines „eigentlichen Selbst“ und problematisiert zugleich die christliche Askese, wo sie zu einer Lehre des Verzichts wird. Er verwirft sozusagen diese selbstgesetzliche Logik Descartes’ und hebt das „Sich-Selbst-Schaffende“, schöpfende und kreative Moment hervor. Das Selbst schöpft sich demnach selbst aus seinen Handlungen und wir werden zu den uns selbst Schaffenden und Gesetzgebenden. Vor diesem Hintergrund erfährt auch das Bild des antiken Bildhauers und seiner die göttliche Tugend zum Vorschein bringende Selbstbearbeitung eine differenziertere Sichtweise. Durch diesen Aspekt der Übung nimmt Nietzsche zumindest formell Anschluss an die antike Konzeption. Die Frage, die ich mir stelle ist, ob dieses Schaffungsmoment bzw. diese Vorstellung des Selbst bereits dessen Änderungen mit einschließen kann. Oder liegt in der bekannten Formulierung „Wie man wird, was man ist“ (als Untertitel von Ecce Homo), gleichzeitig das Potenzial einer Änderung im Sinne von „Wie man wird, was man sein könnte“ verborgen? Wie dürfen wir uns vorstellen, in diesem unförmigen Steinblock selbst dessen Wandlungen zu einem Kunstwerk zu entdecken? Worin besteht dann diese Änderung oder wodurch vollzieht sie sich? Vielleicht liegt es an meinen missverstandenen Interpretationen, vielleicht an Nietzsches kontroversen oder ausgeprägten Positionierungen. Im Moment kann ich mir als eine Antwort auf die Frage nach der Transformation des Selbst nur vorstellen, dass dabei die interaktive Situation und die wechselseitigen Bezüge unserer Handlungen wohl als wesentliche Faktoren für Änderungen unserer Ansichten oder gar unseres Selbst mit berücksichtigt werden müssen und sie in Nietzsches enger Formulierungen nicht Eingang gefunden haben.

@Gertrude: Danke für deine übersichtliche Darstellung, die mir sehr geholfen hat, die bereits angeführten Punkte zur Diskussion "Philosophie als Krankheit" bei Wittgenstein gut zu verorten.


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