John Willinsky: The Access Principle (tphff2015)

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Es handelt sich hierbei um die Zusammenfassung von:


Willinsky, John (2006). The Access Principle: The Case for Open Access to Research and Scholarship. MIT Press.


The Access Principle


Kurze Vorbemerkung: In zunehmenden Maße kann man davon sprechen, dass wir – im Jahr 2016 – in der sog. Wissensgesellschaft angekommen sind: Der Wert von Wissen wird höher geschätzt als der Wert materieller Güter. Aufgrund der fortgeschrittenen technischen Entwicklung ist es möglich, eben dieses Wissen (weite Strecken dieses Buches meinen hier: Wissen dargestellt in wissenschaftlichen Artikeln, Bücher, etc.) ohne großen Mehraufwand frei für alle Menschen zugänglich zu machen – und doch gibt es Tendenzen, Zugang zu Wissen jeglicher Art zu beschränken. Dieses Buch von Willinsky will sich mit diesen Tendenzen beschäftigen, wird aber auch Lösungen vorschlagen, beständig aber auch unter der Prämisse argumentieren, dass gut zirkulierendes Wissen (mithin: nicht beschränktes/privatisiertes) besser ist, als jenes, das hinter einer Paywall versteckt nur den (im Vergleich wenigen) Privilegierten vorbehalten ist. Die Thesen dieses Buches zielen folglich nicht nur auf die verschiedenen Formen, Wissen zu verteilen (Open Access im engeren Sinne), sondern auch auf den allgemeinen Vorteil, den für jeden Menschen frei zugängliches Wissen für unsere Welt hat. Den im Vergleich zu „Open Access“ weitergedachten Begriff des „Access Principle“ formuliert er dabei folgendermaßen:


A commitment to the value and quality of research carries with it a responsibility to extend the circulation of such work as far as possible and ideally to all who are interested in it and all who might profit by it.[1]

Opening:


Wilinsky konstatiert den Durchbruch von Open Access im Jahr 2003, als die „großen“ Fachzeitschriften für Naturwissenschaften – Science, Nature, Cell – sich mit diesem Thema beschäftigten und so einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machten. 2003 war auch das Jahr in dem PLOS Biology zum ersten Mal erschien. Eine Fachzeitschrift, die durch Gebühren der einreichenden Autoren wissenschaftlicher Artikel (bzw. der dahinter stehenden Organisationen) selbst finanziert wird. Selbst bei den großen Verlagen, Elsevier, Springer, wurde diese Entwicklung erkannt: Mittlerweile ist es auch bei ihnen möglich (offiziell: es wird von ihnen geduldet), wenn der Autor seine Arbeit zusätzlich via Open Access veröffentlicht.


Es scheint also selbst schon in den Kreisen der etablierten Verleger angekommen zu sein, dass Open Access durchaus Vorteile hat, gegenüber man sich nicht verschließen kann.


Willinsky nennt aber auch eine gängige Kritik an Open Access Journalen (und ihrem neuen Geschäftsmodell), vorgetragen von den Vertretern eben jener „konservativer“ Journale: Zugang zu guter wissenschaftlicher Arbeit hätte eben ihren Preis und kann nicht billig erhalten werden. Nun gut: Wie Wilinsky anmerkt sei es eben falsch anzunehmen, dass der hohe Preis notwendigerweise aufgrund der hohen Qualifikation des Herausgebers zustande kommt. In Wirklichkeit sei der Peer-Review Prozess der konservativen Journals ohnehin identisch mit dem eines Open Acces Journals: durchgeführt (d.h. das produzierte Wissen auf seine „Validität“ überprüft) werden diese in beiden Fällen von Wissenschafter des Fachgebiets, und nicht von den Zeitschriften (bzw. dem dort angestellten Personal) selbst. Den wesentlichen Anteil an der Finanzierung der wissenschaftlichen Forschung (bzw. der damit einhergehenden notwendigen Infrastruktur) trägt im weiteren Sinne also ohnehin die Gesellschaft in Form des Staates. Und dieses Wissen soll im Umkehrschluss auch frei zugänglich sein. Denn Wissen, so Willinsky Argumentation, sei in dieser Form ein Gemeingut: jeder kann es nutzen, ohne seinen Wert zu mindern. Durch Open Access würde sich weder Qualität noch Quantität von Wissen vermindern.


Access


Seit 340 Jahren, so Wilinsky, steige die Anzahl wissenschaftlicher Fachzeitschriften in gedruckter Form stetig an – besonders seit dem letzten Jahrhundert geht die Kurve steil nach oben, gefördert durch die staatliche Unterstützung der Forschung in den verschiedensten Disziplinen. Im 21. Jahrhunder folgt nun auch die technische Möglichkeit, diese Artikel/Wissen in digitaler Form im Internet - d.h. potentiell jedem interessierten Menschen mit Verbindung zum Internet - bereitzustellen.


Und doch ist der Zugang zu diesem Wissen beschränkt, vor allem, wie oben angeführt, durch ökonomische Hürden. Wissen wird in der Wissensgesellschaft zu Kapital, d.h. zu einem ökonomisch verwertbaren Gut. Und für die gewinnorientierten Verlage ist das Ziel nicht die schrankenlose Verteilung/Zirkulation von Wissen, sondern die ökonomische Rentabilität. Die Marktkonzentration ist in dieser Branche besonders stark: Die Zeitschriften von Elsevier, Taylor and Francis und Springer publizieren mehr als die Hälfte aller erscheinenden Artikel (Zahlen von 2006); der Preis, der von den Universitäten für ein Abonnement dieser Zeitschriften zu zahlen ist, liegt im beinahe freien Ermessen der (gewinnorientierten) Unternehmen. Die Verlage können den Universitätsbibliotheken den Preis diktieren, da zweitere von den Mitgliedern der Fakultäten quasi gezwungen werden, diese überteuerten Journals zu beziehen: aufgrund des hohen impact factor, den diese Journals genießen. Eine Publikation in einer dieser renommierten – aber teuren – Zeitschrift generiert für den beteiligten Wissenschafter mehr an sozialer Reputation als in billigeren Journals. Ein Phänomen das Willinsky – leicht ironisch – den vantiy factor nennt. Doch dieser vanity factor ist für Willinsky kein rein negatives Phänomen: es gilt vielmehr darauf aufmerksam zu machen, dass Open Access Publikationen öfters zitiert werden als Publikationen in Zeitschriften der drei großen Verlage – um vielleicht so auch den geneigten „eitlen“ Forscher von Open Access zu überzeugen.


Was Open Access für Willinsky ausmacht, ist aber nicht nur das ökonomische Argument, sondern vor allem die bessere Zirkulation von Wissen: „To find new ways of increasing access is to extend an invitation and to acknowledge a right, for scholarship exists only as it is shared and circulated, only as it is open to new and diverging voices.“[2] Er bringt hier auch eine wissenschaftsphilosophische Argumentation (von Helen Longino) ins Spiel: Rechtfertigung von Wissen funktioniert hier vor allem in der sozialen Dimension. Je mehr Wissenschafter Zugang zu dem produzierten Wissen haben, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Wissenschafter auch alternative bzw. kritische Standpunkte einnehmen können.


Copyright


In diesem Kapitel bezieht sich Willinsky auf die Möglichkeiten, die sich durch die Laurence Lessig u.a. geschaffenen Creative Commons Lizenzen in Bezug auf Open Access ergeben. Durch diese CC Lizenzen wird hier sichergestellt, dass die sowohl die Interessen des Autors, als auch die Interessen der Public Domain gewahrt bleiben. Die Problematik bei der klassischen Veröffentlichung in Printzeitschriften ist die: Will der Autor publizieren, so muss er alle Rechte an seinem Werk an den Verlag abtreten. Was als Wissen für die Public Domain produziert wurde (etwa indem der Staat die Forschung finanziert hat), kann nun durch eine Paywall effektiv vor der Public Domain geschützt werden. Indem der Autor eines wiss. Artikels das Copyright abtritt, fällt er auch um jeden potentiellen finanziellen Gewinn, der mit der Veröffentlichung einhergeht: denn die Autoren selbst werden nicht am Gewinn der mit ihrer Mitarbeit herausgegebenen Magazine beteiligt. Wilinsky zieht Bilanz: Durch diese Praxis wird also nicht nur der Zugang zu Wissen erschwert – auch die Produzenten des Wissen werden nicht gemäß ihrer Aufwands entlohnt.


Associations


In diesem Kapitel behandelt Willinsky die Problematik, auf die die verschiedenen Fachverbänd der verschiedenen Disziplinen wie die APA (American Psychologist Association) oder IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) seit dem Aufstieg von Open Access stoßen. Die Mitgliedsbeiträge, die diese Organisationen einnehmen, gehen meist mit einem Abbonnement einer Fachzeitschrift, die diese Organisation herausgibt, einher. Nun ist es jedoch meist so, dass die Universitätsbibliotheken selbst diese Fachzeitschriften in digitaler Form an alle sich damit befassenden Wissenschafter ohnehin verteilen – dem Mitgliedsbeitrag bzw. das private Abbonnement des Forschers geht nun der Sinn abhanden. Nun stellt sich die Frage, wie Fachverbände für die eingehobenen Mitgliedsbeiträge eine Leistung bringen können, die nicht ohnehin schon für jeden Forscher digital über die Universität bezogen werden kann. Willinskys Lösung ist simpel: Überführung der konservativen Printzeitschriften in Open Access Journals. Durch Open Access kann der Impact Factor der Fachzeitschrift erhöht werden (Vorteil für den Mitgliedsbeitrag zahlenden Forscher), sowie das darin präsentierte Wissen tatsächlich gemeinfrei verteilt werden.


Economics


Willinsky fokussiert seine Argumentation auf die technisch-ökonomischen Aspekte von Open Access. Zunächst: Was kann es kosten, ein Journal online zur Verfügung zu stellen? Den Löwenanteil, so Willinskys Einschätzung, machen die Entwicklungskosten für ein entsprechende Softwaresystem aus. An dieser Stelle greift die Idee von Open Source dem Open Access Paradigma unter die Arme: Es reicht, einmal eine Software zu entwickeln, deren Verwendung, Nutzung und Distribution frei erlaubt ist. Nicht jede Zeitschrift muss so diese Kosten von neuem tragen, um ihre Inhalte im Internet zugänglich zu machen. Qualität und Zirkulation von Wissen werden in Willinskys Sinne durch Open Source und Open Access Technologien unterstützt.


Cooperative


Die Ausführugen beginnen hier mit einem Vorfall aus dem Jahr 2002: des „Diebstahls“ von mehreren Tausend Artikeln aus dem (non-profit, aber mit Paywall geschützten) JSTOR Archiv für historische (d.h. nicht unmittelbar aktuelle) Ausgaben von Zeitschriten.[3] Natürlich entstand durch den „Diebstahl“ kein wirklicher Schaden, denn zu den Kunden von JSTOR zählen vor allem große Institutionen (Universitäten, Bibliotheken, etc.), die ohnehin auf einen legalen Zugriff angewiesen sind. Trotzdem: Was hindert JSTOR daran, seine Inhalten allen frei zur Verfügung zu stellen, nicht nur den Benutzern von Lizenzen an den Universitäten? Das Problem ist hier ähnlich gelagert wie im Kapitel Associations: Die Kosten für den Aufwand (dem Zuverfügungstellen von „eigentlich“ gemeinfreien Inhalten) werden bereits ohnehin getragen, das Öffnen der Inhalte für alle Interessenten würde die Rentabilität der ganzen Unternehmung nicht gefährden. Und doch geschehen Änderungen in diese Richtung nur zaghaft. Willinsky plädiert an dieser Stelle für eine neue, JSTOR ähnliche Plattform, in dem Wissenschafter, Bibliotheken, etc. kollaborativ zusammenarbeiten, und neue wissenschaftliche Artikel gleichzeitig sowohl herausgeben als auch zu archivieren. Die Inhalte dieser Plattform wären dann tatsächlich gemeinfrei, und der Zugang zu diesem Wissen wäre für alle (interessierten) Menschen gegeben.


Development


Hier beschäftigt sich Willinsky mit dem bereits geschilderten Problem der Monopolisierung der Fachzeitschriftenlandschaft aus der Sicht der sog. „Entwicklungsländer“. Universitäten dort hätten kaum Chancen, regelmäßig an Printausgaben der renommierten (und kommerziellen) Zeitschriften zu kommen. Umgekehrt haben es Fachzeitschriften aus diesen Ländern schwer, so indiziert zu werden, dass die darin enthaltenen Artikel von Wissenschaftern westlicher Staaten überhaupt zur Kenntnis genommen werden können. Große Teile unseres Planeten werden so systematisch von der Anteilnahme an den von der (westlichen) Wissenschaft produzierten Erkenntnissen ausgeschlossen. In Anlehnung an Negri und Hardt (Empire) spricht Willinsky hier von einem neuen Informationskolonialismus. Die großen Kommunikantionsunternehmen (hier: Elsevier, Springer, etc.) kontrollieren den Austausch von Wissen zwischen Peripherie und Zentrum. Die Lösung dieses Problems ist wiederum: Jeder Wissenschafter soll bei der Publikation seiner Arbeit sicherstellen, dass sie der Peripherie in irgendeiner weise frei zur Verfügung gestellt werden kann – was etwa durch die im vorherigen Kapitel vorgestellte Plattform zweifelsfrei geschehen würde.


Public


Willinsky spannt hier den Bogen von Open Access zu dem, was er Public Access nennt. Ist ein Artikel unter dem Open Access Paradigma veröffentlicht, bedeutet dies, dass die Zahl an potentiellen Interessenten daran stark ansteigt: Willinsky denkt etwa an Lehrer, investigative Journalisten, Studenten, etc.. Auf jeden Fall ist klar: die Reichweite, die der Artikel auch außerhalb der Fachwelt gewinnen kann, ist beträchtlich. Was also bedeutet öffentlicher Zugang zur Forschung für die Gesellschaft? Die „Tyrannei der Experten“ hätte ein Ende, denn deren Quellen könnten vom Betroffenen selbst überprüft werden. Willisnky nennt auch Beispiele, Anwendung könnte es etwa im Gesundheitswesen finden. Patienten könnten ihren Ärzten besipielsweise alternative Therapien auf der Basis wissenschaftlicher Studien vorschlagen, denn diese wären nun allen offen. Studien zeigen, dass Patienten die dies bereits tun, öfters (als vermutlich dem Arzt genehm ist) neue Informationen mitbringen, von denen die Ärtze selbst meist (noch) nichts wissen.


Politics


Das zu Beginn des Buches konstatierte Access Principle wird nun in den folgenden beiden Kapiteln von Willinsky auch politisch ausgelegt, besonders in seiner potentiell unterstützenden Bedeutung für die Demokratie. Frei zugängliche Informationen – direkt aus der Wissenschaft kommend – sollen dem kritischen Bürger dazu dienen, seine Argumente (in politischer Sicht) rechtfertigen zu können. Wenn der Staat ein bestimmtes Programm umsetzt, das zum einen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht, so liegt es – etwa durch Open Access - im Möglichkeitsraum des sich emanzipierenden Bürgers, dieses Wissen auf die Probe zu stellen. Etwa um das – im deutschen Sprach noch nicht wirklich übersetzt, da auch noch nicht wirklich anzutreffenden – evidence based policy making nicht zum policy based evidence making verkommen zu lassen. Open Access wird hier zu einem Garant von Demokratie: Wenn immer öfter wissenschaftliche Argumentationen zur Durchsetzung von politischen Zielen verwendet werden (man denke nur an das gegenseitige An-den-Kopf-Werfen von gerade passenden Studien zwischen Politikern hierzulande), trägt Open Access zur Schaffung einer Möglichkeit bei, dieses Spiel zu durchschauen und in weiterer Folge gegensteuern zu können.


Rights


Die These, die es für Willinsky nun in diesem Kapitel zu belegen gilt, lautet: Der Zugang zu Wissen sei ein Menschenrecht. In der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte steht in Artikel 27: „Everyone has the right freely to participate in the cultural life of the community, to enjoy the arts and to share in scientific advancement and its benefits“ Willinsky sieht hier nicht nur das Recht auf die Ergebnisse von Wissen im weiteren Sinne (etwa die Erleichterungen des Lebens durch Technik, etc.), sondern auch die Notwendigkeit, den Zugang zum Fortschritt der Wissenschaften offen zu halten – Wissen soll „geteilt“ werden. Mit Bezug auf Richard Pierre Claude sieht Willinsky auch noch eine andere Aufgabe von Open Access: nämlich benachteiligte Gruppen der Gesellschaft in ihrem Kampf um Menschenrechte zu unterstützen. Er sieht hier die Wissenschaft – insofern sie ihre Informationen frei zugänglich macht – als aktive Unterstützer von Aktivisten, NGOs, etc. Wissenschaft wird so nicht politisch, weil die von ihr zu Tage geförderten Ergebnisse per se politische Zwecke erfüllen, sondern alleine aufgrund der Tatsache, dass Open Access die Fähigkeit fördert, politische Anliegen wissenschaftlich zu untersützen.


Reading


Nun bezieht sich Willinsky auf die rein praktischen Vorteile von online veröffentlichten Artikeln: Zitierte Quellen seien etwa unmittelbar dem Leser zugänglich; es würde somtit wesentlicht leichter werden , diese Zitationen selbst zu überprüfen. Die empirischen Daten etwa, auf denen Artikel beruhen, könnten nun leicht zugänglich gemacht werden, was bei gedruckten Artikeln nicht der Fall ist. Diese Daten machen nun das Evaluieren der vertretenen Thesen einfacher. Diese Vorteile beschränken sich jedoch nicht nur auf Open Access Publikationen, diese Funktionalität findet sich auch in kommerziellen Journals. Exklusiv könnte Open Access diese Funktionalität zum Beispiel in der Pädagogik anwenden, durch die neuen Möglichkeiten, etwa um Lernmaterialien non-linear zu strukturieren. Willinsky dreht es sogar um: diese Erkenntnisse aus der Pädagogik sollten in die Gestaltung der eigenen OA Artikel einfliessen. Durch die neuen technischen Möglichkeiten sollten können ja auch wissenschaftliche Artikel didaktisch sinnvoll aufbereitet werden. Der Kontext, in dem ein Artikel eingebettet ist, lässt sich durch die verschiedenen interaktiven Querverweise nun direkt zugänglich machen, ohne Spezialist im betreffenden Fachgebiet zu sein.


Indexing


Im vorletzten Kapitel behandelt Willinsky das Problem der Indexierung von Journals – d.h. die Frage, wie ein Artikel aus der riesigen Menge an global verfügbaren Ressourcen überhaupt gefunden werden kann. Zunächst stellt er fest, dass auch Suche nach Artikeln zu einem Themenfeld selbst durch rein finanzielle Faktoren verzerrt werden kann. Er nennt etwa eine Universität in Indien, die sich Online-Indexierungsdienste (etwa das populäre, aber kostenpflichtige – und für die Karriere unumgängliche - ISI Web of Science) nicht leisten kann; selbst wenn Artikel kommerzieller Journale für diese Universitäten online einsehbar wären, ist die Chance groß, diese gar nicht zu finden. Ein frei für alle verfügbarer Index wird so quasi zur Vorraussetzung von Open Access; tatsächlich kann die Indexierung auch direkt in den Publikationsprozess von Open Access Journals integriert werden, so der Vorschlag Willinskys. An dieser Stelle verweist er auf die auch in der Vorlesung ([[Wissen_und_Technik_(tphff2015)]]) behandelten Standards der Open Archives Initiative, die durch „meta data harvesting“ gewonnenen bibiliographischen Daten auf eine offene, für potentiell alle Suchmaschinen benutzbare Basis stellen.


History


Willinsky macht hier auf die Ähnlichkeit zwischen der Revolution, die Guttenberg mit seiner Erfindung des Buchdrucks auslöste, und dem digitalen Zeitalter von heute, das durch die technische Entwicklung Open Access erst ermöglichte, aufmerksam. Wie auch 500 Jahre zuvor sieht Willisnky bei Open Access einen Bruch mit dem zuvor herrschenden Paradigma in der Distribution von Wissen. In der von Guttenberg ausgelösten Revolution half die Verbreitung des Wissens einer breiteren Schicht der Bevölkerung dazu, sich vom dogmatischen Wissenschaftsbetrieb des Mittelalters zu emanzipieren. Wissen wurde so tatsächlich erst für die Welt außerhalb der Universitäten zugänglich, die Reichweite beträchtlich vergrößert. Der nächste Schritt auf dem Weg hin zu Open Access nach Guttenberg geschah dann durch die im 17. Jhd. aufkommenden Journale wie etwa den durch Henry Oldenburg herausgegebenen Philosophical Transactions, in dem etwa Isaac Newton zum ersten mal das veröffentlichte, was wir heute mit „wissenschaftlicher Artikel“ bezeichnen würden. Hier nahm die Tradition den Ausgang, den Fortschritt in den Wissenschaften auf breiter Basis zur Diskussionen zu stellen, Wissen nicht mehr dogmatisch zu horten, sondern es durch Zirkulation auf die Probe zu stellen. Auch Open Access durchbricht in dieser Hinsicht Grenzen: War es bis vor wenigen Jahrzehten einem kleinen Kreis an Personen vorbehalten, Wissen zu verbreiten bzw. überhaupt zu finden, so ist dieses Feld an möglichen Partizipierenden - durch Open Access – ebenfalls wesentlich vergrößert worden. Willinskys Access Principle steht hier für eine möglichst große Zirkulation von Wissen, durch die sowohl Qualität als auch Quantität der Produktion von Wissen gesteigert werden kann.


  1. The Access Principle: The Case for Open Access to Researh and Scholarship. p. 99
  2. The Access Principle, S. 32
  3. Ein ähnlicher Fall wiederholte sich 2011, nach Erscheinen des hier beschriebenen Buches. Der Hacker stellte anschließend alle „gestohlenen“ Artikel via Filesharing zur Verfügung, mit der Begründung, die Inhalte seien ohnehin aufgrund der staatlichen Finanzierung der Forschungsarbeit als gemeinfrei anzusehen. JSTOR machte nach diesem Zwischenfall alle Werke, die älter als 70 Jahre sind, frei zugänglich.): https://en.wikipedia.org/wiki/JSTOR#Increasing_public_access