Herbert Hrachovec (MuD 09)/Audimax-Besetzung: Unterschied zwischen den Versionen

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* Aktion der Akademie der Bildenden Künste: [http://www.malen-nach-zahlen.at]
 
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* [http://freiebildung.at/wordpress/ Freie Bildung.at]
 
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* [http://unibrennt.at/ UniBrennt.at] ([http://unibrennt.at/?cat=10 Übersicht] über in den Plena besprochenen Punkte)
 
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* [http://tu-brennt.soup.io/ TU-BRENNT]
 
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* [http://tu-brennt.fsinf.at/wiki/Hauptseite TU-BRENNT WIKI]
 
* [http://uni-brennt-protestaktion.lima-city.de/ Beschreibung der Forderungen in verschiedenen Sprachen]
 
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* [http://wiki.unsereuni.at/wiki/index.php/Main_Page Koordinationswiki der Aktion]
 
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* [http://www.lemonde.fr/europe/article/2009/10/28/les-etudiants-autrichiens-revendiquent-un-enseignement-de-qualite-et-gratuit_1259720_3214.html#ens_id=1259811 Französischer Bericht (Le Monde)]
 
* [http://www.lemonde.fr/europe/article/2009/10/28/les-etudiants-autrichiens-revendiquent-un-enseignement-de-qualite-et-gratuit_1259720_3214.html#ens_id=1259811 Französischer Bericht (Le Monde)]
 
* [http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,657699,00.html Spiegel Online: Österreichs Studenten - Aufstand im Audimax]
 
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* [http://unibrennt.at/?cat=6 Weitere Medienberichte]
 
* [http://frautravnicek.wordpress.com/2009/10/27/die-alma-mater-brennt/ Cornelia Travnicek: Die Alma Mater brennt]
 
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* [http://derstandard.at/fs/1256743533521/Kommentar-der-anderen-Mit-Che-Guevara-gegen-die-Bildungsmisere Mit Che Guevara gegen die Bildungsmisere?]
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* [http://filesocial.com/m2d69j Kurier: Solidarität und Neubesetzungen]
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* [http://www.youtube.com/watch?v=lSudOLje2QM ZiB20 vom 28.10.2009: Studenten-Proteste in Österreich]
 
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* [http://www.youtube.com/watch?v=y7j8nWJvlTw ZIB24 vom 29.10.2009 Studentendemo]
 
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* [http://machts.net/~paul/unsereuni/Stream%20aus%20dem%20Audimax%2020091029_cut_gender.mp3 Diskussion über radikalen Anti-Sexismus im Plenum]
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* [http://koprax.wordpress.com/2009/10/31/warum-der-lifestream-wichtig-ist/ Warum der LiFestream wichtig ist]
  
 
=== Allgemeine Beiträge zu Bologna, Bildung ===
 
=== Allgemeine Beiträge zu Bologna, Bildung ===

Version vom 31. Oktober 2009, 11:42 Uhr

"Am Donnerstag wurde gegen 13 Uhr das Audimax der Universität Wien durch Studierende aller Studienrichtungen und Universitäten besetzt. Die Besetzung des Audimax ist der bisherige Höhepunkt einer Uni-übergreifenden Protestaktion, die sich vorrangig gegen die UG-Novelle 09 richtet und sich mit der Besetzung der Akademie, sowie internationalen Bildungsprotesten solidarisiert." Quelle: unibrennt.at

Dieser Event bietet viel Stoff für Diskussion und bietet die Möglichkeit, über das Studieren hier in Wien, die Bologna-Architektur sowie über Bildung allgemein nachzudenken.

Forderungen

Der offizielle Forderungskatalog reinkopiert. Zum Zerlegen, Kritisieren oder Verfeinern:

Die Forderungen der Studierenden sind:

  • Re-Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen Bildungseinrichtungen!
  • Ausfinanzierung der Unis!
  • Selbstbestimmtes Lernen und Leben ohne Konkurrenz- und Leistungsdruck!
  • Freie Masterzugänge!
  • Keine verpflichtende STEP!
  • Abschaffung aller Bildungs- und Studiengebühren!
  • Keine Aufnahmeprüfungen!
  • Unabhängige Lehre und Forschung!
  • Schluss mit prekären Dienstverhältnissen für Lehrende, Angestellte und ArbeiterInnen!
  • Genug Studienplätze für alle!
  • Abschaffung der Erweiterungscurricula!
  • Flexible und selbstbestimmte Studienpläne!

Quelle: freiebildung.at

Das war der Stand vom 22.10. Zitat von Digiom: "An diesem Protest ist anders, dass man nicht mit ausgearbeiteten Pamphleten angetreten ist, sondern dass das Programm, ausgehend von den ersten Forderungen erst, im Entstehen ist. [...] Es ist unangebracht, die Proteste auf der Basis der bisher formulierten Forderungen vorzuverurteilen". Hier findet sich ein neuer, deutlich elaborierterer Forderungskatalog vom 25.10. --Paul Wedrich 10:47, 26. Okt. 2009 (UTC)


Einige dieser Forderungen sind allgemein und man wird nichts dagegen sagen können. Einige sind Wünsche ans Christkind (keine Konkurrenz, Ausfinanzierung). Einige finde ich blauäugig und/oder demagogisch:

  • Das Gesetz ermöglicht qualitative Zugangsvoraussetzungen für Master-Studien und hält aber eigens fest, dass die Bachelors der betreffenden Universität jedenfalls aufgenommen werden müssen. Das unleugbare Bestehen von knock-out Prüfungen hat mit der im Gesetz festgelegten STEP nichts zu tun.
  • Die STEP ist jetzt zwar verpflichtend, aber sie darf explizit keine knock-out Prüfungen enthalten. Es ist eigens angeführt, dass die Lehrveranstaltungen der STEP nicht Voraussetzung für die Fortsetzung des Studiums sein müssen.
  • Wenn prekäre Dienstverhältnisse heißt: keine Lektorinnen, keine Teilzeitstellen, keine Befristungen, dann bedeutet das de facto: Fixbesetzung aller verfügbaren Posten, Ausschluss der nächsten Studentengenerationen von der wissenschaftlichen Karriere.
  • Die Abschaffung der Erweiterungscurricula und Rückkehr zu den freien Wahlfächern bedeutet, dass tausende Studierende das Lehrangebot unplanbar machen. Erweiterungscurricula sind mit einer Garantie der Studierbarkeit verbunden. Hier müssen zusätzliche Lehrveranstaltungen angeboten werden, wenn die bestehenden nicht ausreichen, weil es sich um ein offizielles Studienangebot der Universität handelt. Man will also jene frei wählbaren Angebote abschaffen (derzeit 72), deren Betreuung sicher ist.

--anna 15:11, 26. Okt. 2009 (UTC)

Bezüglich der Forderung gegen die prekären Dienstverhältnisse von Lehrenden wird angespielt auf die Kettenverträge, mit denen man die LektorenInnen für ein Semester engagiert, um diese Verträge zu Beginn des nächsten Semesters wieder zu verlängern. Viele LektorenInnen wehren sich gegen diese Form der Anstellung, da am Ende des Semesters man nicht fix weiß, ob man nächstes Semester wieder eingestellt wird. Wenn nicht, dann steht man ohne Job, Kranken- und Unfallversicherung da. Zudem enthält angeblich ein Lektorinnen Vertrag keine Pensionsversicherung. Ein/e LektorIn wird auch unterdurchschnittlich gering bezahlt, so dass der Lohn kein Aquivalent für die Leistung eines/r WissenschaftlerIn ist, die doch die ProfessorInnen im Bereich der Lehre entscheidend entlasten. Außerdem existieren auf der Universität auch so genannte Drittmittelangestellte, die für einen begrenzten Zeitraum wissenschaftliche Projekte finanziert bekommen. Die Finanzierung wird aber von privaten Firmen übernommen. Und ,wenn das Projekt ausläuft, dann stehen talentierte WissenschaftlerInnnen ohne Job da. Unter anderem ist dies mit ein Grund, warum ForscherInnen Österreich verlassen.

--Ersin Gülsen 13:27, 29.Okt. 2009 (UTC)

Hier die oben erwähnte aktualisierte Version der Forderungen vom 25.10: --Paul Wedrich 21:26, 26. Okt. 2009 (UTC)

1) Bildung statt Ausbildung

Bildung für eine mündige Gesellschaft und nicht bloße Ausbildung nach wirschaftlicher Verwertbarkeit! Unser Ziel ist die Möglichkeit eines freien, selbstbestimmten Studiums für Alle! Wir wollen keine Verschulung der Studienpläne! Daher fordern wir eine grundlegende Überarbeitung des BA/MA Systems.
  • Schluss mit den STEPs als versteckten Zugangsbeschränkungen. Die STEP als eine tatsächliche Orientierungsphase statt als Selektionsinstrument durch Knock-Out Prüfungen.
  • Freie Gestaltung des Studiums – Schluss mit der unnötigen Verzögerung durch Voraussetzungsketten
  • Freie Wahlfächer statt Erweiterungscurricula
  • Weg mit den intransparenten Anmeldesystemen
  • Freie Master und PhD Zugänge
  • Gewährleistung der Beendigung des begonnenen Studienplans (zB Diplom). Dazu bedarf es eines entsprechenden Lehrangebots und fixer Äquivalenzlisten sowie der bestehenden Übergangsfristen.
  • Aufrechterhaltung der noch bestehenden Diplomstudiengänge
  • Gewährleistung der Anrechenbarkeit von LVs und Abschlüssen im In- und Ausland

2) Freier Hochschulzugang

Freie Studienplätze für Alle und Abschaffung der Studiengebühren, auch für nicht-EU-BürgerInnen und Langzeitstudierende. Die Sicherstellung eines angemessenen Lehrangebots und die Qualität der Lehre darf nicht durch Zugangsbeschränkungen erwirkt werden. Freier Hochschulzugang und qualitativ hochwertige Lehre sind kein Widerspruch! Es gibt nicht zu viele Studierende sondern nur zu wenige Studienplätze!

3) Demokratisierung der Universitäten

Unser Ziel ist die demokratische Organisation der Universitäten. Dazu gehört eine Demokratisierung der Verwaltung in einer Form, die ProfessorInnen, Studierende, das wissenschaftliche und das nicht wissenschaftliche Personal gleichberechtigt an der Entscheidungsbildung beteiligt.
  • Neuverteilung der Stimmrechte im Senat mit dem Ziel einer echten Demokratisierung
  • Keine Studienplanänderungen ohne Mitbestimmung der Studierenden
  • Einführung demokratischer Entscheidungsstrukturen auf allen Ebenen
  • Transparente Entscheidungsfindungsprozesse müssen auf allen Ebenen etabliert werden
  • Anti-Diskriminierung als Grundkonsens in allen universitären Bereichen
  • Ersatzlose Abschaffung des Universitätsrates
  • Auflösung des Top-Down Prinzips
  • Rücknahme der ÖH Wahlrechtsreform 2004 – Wiedereinführung des Direktwahlmodus bei ÖH Wahlen
  • Studentische Räume müssen geschützt werden

4) Ausfinanzierung der Universitäten

  • Transparenz bei der Finanzierung von Forschung und Lehre
  • Mitbestimmung bei der Mittelverwendung an Universitäten
  • Abschaffung aller noch bestehenden Studiengebühren, auch für Drittstaatsangehörige und Langzeitstudierende
  • Finanzielle Absicherung der Studierenden
  • Wiedereinführung der StudentInnenfreifahrt
  • Aufhebung aller finanziellen Zugangsbarrieren im Bildungsbereich

5) Das Behindertengleichstellungsgesetz muss an allen österreichischen Universitäten umgesetzt werden, um ein barrierefreies Studieren zu ermöglichen. 6) Beendigung der prekären Dienstverhältnisse an den Universitäten 7) 50% Frauenquote in allen Bereichen des universitären Personals

Hier findet sich die Forderungsseite im Wiki der Aktion. Hier die Forderungsseite auf unsereuni.at,




Linksammlung (bitte erweitern)

"Offizielle" Protestseiten

Web 2.0 (Blogs, Twitter, Livestreams, ...)

Reaktionen

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Allgemeine Beiträge zu Bologna, Bildung

Beiträge zum Thema

Beitrag von Herbert Hrachovec in der Übung 23.10.2009

Hintergründe und Bedeutung der Bologna-Architektur

Teilweise Transkription von Herbert Hrachovec's Anmerkungen zum Protest in der letzten Übungs-Einheit (23.10.2009):

Was bedeutet die Umstellung auf Bologna-Architektur? (....) Die nationalen Regierungen geben bestimmte Kompetenzen ab und delegieren sie an ein europäisches Gremium. Gerade in den Bildungsfragen ist es so, dass größere Empfindlichkeit herrscht. Speziell in Österreich hat der österreichische Staat schon im UG2002 seine Kompetenz in der Gestaltung des Bildungswesens aufgegeben.

Seit hunderten Jahren war es so (bis 2002), dass das österreichische Parlament die Studiengesetze beschlossen hat. Der Nationalrat hat abgestimmt, was die Studien zu enthalten haben. Das war parteiliche Sache und war deshalb nur zu ändern, wenn der Nationalrat eine Änderung beschließt. Die Universitäten waren nachgeordnete Einheiten des Österreichischen Wisenschaftsministeriums.

Jetzt stellt sich die Frage: Wie werden die neuen Studienpläne erstellt?

Siehe Skizze:

Bolo1.jpg

Die EU gibt die Regelungen nicht im Einzelnen vor, sondern sie enthalten "catch phrases" wie: Module, ECTS-Punkte, etc. die Unis hatten die Aufgabe, ihre Studien nach diesen Prinzipien umzustellen. Eine Konsequenz war, dass die Diplomstudien in Bachelor und Master zusammengeschnitten wurden.

Die Zwangsmaßnahme des Minsiteriums war: "Wenn ihr bis 2011 nicht umgestellt habt, werdet ihr von uns weniger Geld bekommen."

Das hat alles sehr viel Opposition erzeugt (in AT und DE). 80% der Lehrenden haben sich in ihrer Würde gekränkt gefühlt, weil das gegen die klassischen akademischen Gebräuche geht. Das ist eine traditionelle/konservative Opposstionsgruppe.

Das Diplomstudium-Regime

Gleichzeitig gibt es etwas Anderes zu Bedenken:

  • Die Vorstellung, dass Studienbeschränkungen für den Master die Leute mit billigen Kurzstudien abspeisen, damit man sie schnell wieder weg bekommt.

Das ist eine berechtigte Kritik. Die Gegenseite davon ist:

  • Im Diplomstudium-Regime hat die Universität Wien eine Absolventinnenquote von unter 50% gehabt. Die Uni Wien hat gelehrt und gelehrt und nur die Hälfte der Studierenden haben einen akademischen Grad bekommen.

Was noch bedenklicher ist: Eine große Anzhal der Studierenden, die irgendwann verschwunden sind, sind im 8. Semester verschwunden. Das ist, wenn Sie mir das gestatten, keine erhebende Bilanz einer Einrichtung, die dafür da ist, dass sie Leute mit nachprüfbaren Qualifikationen versieht.

Durch die hohe/steigende Anzahl der Studierenden in den 70er bis jetzt ist eine Infrastruktur überfordert, die darauf ausgerichtet war, dass von einer Jahrgangskohorte 7-10% der Österreicherinnen es auf die Universität schaffen. Mittlerweile sind es schon ca. 27-30% der Maturantinnen, die an die Uni gehen.

Nach den alten Regeln führt das zu Folgendem:

  • Die Studierenden, die extra motiviert sind, können unter großen ziemlich freien Bedingungen sich ihre Studien selbst gestalten (ca. 1/3 bis 1/4)
  • Dann gibt es Leute, die stottern sich dahin, ohne große Überzeugung, und im Prinzip frustriert.
  • Und dann gibt es Leute, die mit dem gar nicht zurecht kommen und rausfallen.

Das ist eine der Motive, warum man gesagt hat:

  • Bevor wir im 4. Jahr des Studiums Dropouts produzieren, machen wir lieber ein kleineres Studium, soddass diese Leute dann wenigstens einen akademischen Grad haben.

Ausgangspunkt: Ich komme an die Uni und möchte das Bidlungsangebot frei nutzen.

Die Zahl der Dropouts in den Sozialwissenschaften:

  • In der Kultur/Sozialanthropologie (2007/08) gab es nach 3 Semestern einen Drop-Out von 49%
  • In der Politiologie einen Ausfall von 37%

Wir haben mit der folgendnen Stituton zu tun: es kommen motivierte Studierende daher und über 1/3 ist nach einem Jahr wieder verschwunden. Jetzt muss man fragen, wie man damit umgeht. Da gibt es offensichtlich ein miss-match auf mehreren Ebenen.

Die STEP als Versuch

Die STEP ist ein Versuch des Gesetzgebers, diese Sache irgendwie zu organisieren.

Wenn ich Studierende höre, die sagen: "Die STEP ist dafür, die Studierenden rauszuschmeißen", dann sage ich: "Das ist aber nicht das, was im Gesetz steht": "Der positive Erfolg bei allen Lehrveranstaltungen berechtigt jedenfalls zur Absolvierung der weiteren Lehrveranstaltungen und Prüfungen". Das kann nur heißen: Nach der STEP kann man weiterstudieren, das heißt aber nicht, dass man sie gemacht haben MUSS. Es gibt keine andere Deutung.

In den erläuternden Bemerkungen wird extra dazu gesagt, dass die Universitäten das Recht haben, Regelungen zu finden, die zulassen, dass man in der STEP bestimmte Module noch nicht haben muss, um weiter studieren zu können.

Man kann darüber lange reden. Aber für mich geht es um das Problem zwischen Plakativität mit Effekt und Inhaltlichkeit. Ich sage das deswegen, weil ich gerade als Vorsitzender der Curricularkommission damit beschäftigt sein werde, Dinge umzusetzen, die möglichst sinnvoll sind. Ich bin der Auffassung, dass ein Zustand, in dem 37% der Studierenden im ersten Jahr verloren gehen (Politikwissenschaft), nichts Wünschenswertes ist. Eine STEP, wo man fragt: Seid ihr richtig angekommen, wisst ihr, was euch erwartet, wollt ihr euch das nicht besser überlegen, ist also durchaus sinnvoll.

Kurze Verständnisfrage: Wird mit dieser Drop-Out-Rate nicht gerade die Anzahl derer gemessen, die sich nach der STEP für ein anderes Studium entscheiden? Sind die Daten bezogen auf den Jahrgang, der im Wintersemester 07/08 begonnen hat? --Paul Wedrich 20:47, 26. Okt. 2009 (UTC)
Politologie: WS 2007/08 838 Beginnerinnen, davon noch inskribiert im SS2009 528. Davon STEP erfolgreich absolviert: 163. Die Studierenden entscheiden sich also zumeist nicht nach der STEP, sondern zwischendrinnen. Und: die STEP ist in diesem Studium keine Voraussetzung für die Absolvierung anderer LVn. 232 Studierende ohne abgeschlossene STEP absolvierten 2.556 Nicht-STEP-Prüfungen. (Inklusive allerdings Doppelstudentinnen und andere Sozialwissenschaften.) --anna
Ich befürchte, ich habe es immer noch nicht verstanden. Ich habe die obige Argumentation so gesehen: "Die Zahl der Dropouts in den Sozialwissenschaften: [...]In der Politiologie einen Ausfall von 37%" Ein Drittel der anfangs motivierten Studierenden ist nach einem Jahr wieder verschwunden. Wie geht man damit um? Der Gesetzgeber versucht es mit STEPs.
Aber die STEPs sind doch wohl nicht als Reaktion auf Dropoutzahlen gedacht, die bei schon implementierten STEPs auftreten. --Paul Wedrich 13:47, 29. Okt. 2009 (UTC)
Ja, da fehlt ein ausformulierter Zwischenschritt. Die bisherigen STEPs schreiben keine zwingenden Voraussetzungsketten vor - und die kommenden müssen das auch nicht. Das Problem liegt nicht bei knock-out Prüfungen. Sondern daran, dass man sinnvolle Lösungen dafür findet, dass dieser drift durch gut gestaltete STEPs eingedämmt wird. Mir ist das ein Anliegen, weil ich sehr wohl mit Leuten zu verhandeln habe, die gerne massiv reglementierte STEPs hätten. Dagegen muss man sehen, dass es die nicht geben muss, wenn man daran arbeitet. Und das scheint mir wichtiger, als plakativ zu behaupten, dass es diese Restriktionen geben wird. --anna

Zwei vielsagende Aussagen

Eine Kollegin zitiert auf Facebook zwei Aussagen von Vortragenden und kommt dann zu ihrer Schlussfolgerung:

"Wir haben keinen Platz mehr. Die Wartelisten für das nächste Semester sind auch schon voll. Wir können nur noch die absolut Besten durchlassen."
"Ich weiß, dass ihr was könnts, aber wir müssen auch Leute durchfallen lassen, die was können."

Ich hab an der Uni Wien genug gehört und gesehen, um sagen zu können, dass man nicht grundlos protestiert.


Und dann habe ich einen Kommentar auf Facebook gefunden: "bei vorhandensein von Zeit wär i hingangen, wengan Bier und den vielen Mädels :o)"


In der Spannung dieser zwei Aussagen befinde ich mich, wenn ich die Protestaktion beschreiben müsste. Einerseits finde ich es berechtigt, weil die Situation in einigen Studien nicht zumutbar ist, andererseits findet man unter der Menge der Protestlern sehr viele, die die ganze Aktion als eine große Party sehen. Eine sehr lesenswerte Beschreibung der Lage findet sich im phsblog unter dem Titel "Das geheime Netzwerk der Studierenden", der genau diese Heterogenität für eine Stärke des Protests hält. Es wird eine temporäre Pressesprecherin zitiert: “Ich spreche nicht für alle. Wir sind basisdemokratisch organisiert, das ginge nicht anders. Die Leute würden sonst abhauen, wenn sich eine einzelne Gruppierung in den Vordergrund drängt”

Bin auf eine Diskussion gespannt. --Andyk 22:15, 25. Okt. 2009 (UTC)


Desweiteren habe ich in der Straßenbahn eine lautstarke Kämpferin gehört, welche ihr schlechtes Gewissen bereinigen wollte und sich auch aus diesem Grunde aktiv beteiligte an dem Protest, um nicht zu einer 9.00 Uhr Veranstaltung zur Universität gehen zu müssen. Sie hat wirklich gesagt, dass sie ihr schlechtes Gewissen weniger wird, wenn sie bei der Organisation der Demo teilnimmt, Flyer verteilt.

Situation Juni 2009 in Berlin:

"Es ist Streik. 40000 Menschen in Berlin, eine halbe Million deutschlandweit (bzw. 10000 und 200000 nach Polizeiangaben. Realistische Zahlen erhält man am besten nach der Formel Veranstalterangaben-(Veranstalterangaben-Polizeiangaben)/3, was dann Zahlen von 30000 und 400000 liefert...). Ein besetzter Landtag, zig besetzte Unis und Schulen. Der Grund: ein öffentliches Bildungssystem, welches diesen Namen nicht einmal im Ansatz verdient; ein verschultes Studium, bei dem Punktejagd alles ist und man etwa froh sein kann, wenn ein Maschinenbaumaster Pascal in Bar umrechnen kann; ein Studium, in dem jeder dritte Student schon "Managerkrankheiten" wie Burnout-Syndrom u. ä. erleidet (ohne jedoch Managergehälter zu bekommen); ein Studium mit Abbrecherquoten zwischen 30% (Musik) und 87% (Physik)! Soviel zur Propaganda, die leider auch wirklich meinen Erfahrungen entspricht. Der Streik begann im Grunde vergangenen Mittwoch mit all den großen Demonstrationen und prestigeträchtigen Besetzungen. Nachdem HU-Präsident Markschies (Theologe) zuerst den Streik als 'Blödsinn' abtat und ihn nicht unterstützen wollte und die Uni aus Angst vor Besetzungen abschließen ließ dann doch angesichts von 30000 wütenden Studenten einen Rückzieher machte (um in Folge in der Tagesschau sich als brennenden Unterstützer dieser 'Bewegung' darzustellen), läuft momentan alles ein wenig auf Sparflamme. Viele Veranstaltungen finden nach wie vor statt und die ganzen Aktionen machen Pause am Wochenende. Die Besetzungen des Landtags und der Hypo Real Estate wurden unprovoziert gewaltsam geräumt (wie das halt immer so ist) und der Euphorie vieler der letzten Tage wurde wieder mal blinde Staatsgewalt entgegengesetzt, so daß dieses Land wohl wieder 300000 neue Politikverdrossene gewonnen haben dürfte." Zitat Nils. H. (25, Philosophiestudent) aus Berlin

Eine weitere Anmerkung ist jene, dass nach der Einführung des Magisterstudienplans (schon vor ca. 6-7 Jahren) viele Studenten gegen die zu lange Studienzeit protestiert haben. Wie geht das zusammen? Durch das Auslaufen des Magisters und die Einführung des BA haben die Studenten genau das, was sie vor 6-7 Jahren wollten. Es gibt meines Erachtens einige Kritikpunkte am bestehenden System, dennoch muss ich sagen, dass die Änderungen zu den BA/MA Lehrpläne nicht ausschließlich schlecht sind. Generell habe ich etwas gegen Menschen, die Spaß, Bildung und Faulenzen wollen, und alles "umsonst" und nicht sehen, dass es alles im Überfluss gibt. Verantwortung tragen und sich engagieren, sozusagen auch etwas für die Universität machen sollen. Man stelle sich die Verbindung zwischen Universität und Student wie eine Beziehung vor, welche es schaffen sollte nicht ausbeuterisch zu sein. Wenn ich als Student nur verlange und alles „besser, freier, kostenloser“ möchte und dabei nicht beobachte, dass die Gegenseite auch das Beste möchte, habe ich schon verloren. Was heißt Studium? Lat. studere: „(nach etwas) streben, sich (um etwas) bemühen“! Meine Arbeit ist das Studium, wenn ich es mir finanzieren muss, so muss ich halt einen Nebenjob annehmen. Dies alles gehört zur Selbstorganisation zusammen. Und das ist auch schon ein Teil des Studiums. Zudem finde ich es gut, wenn es bestimmte Qualifikationstests gibt, da der Student selbst auch sehen kann, ob es etwas für ihn ist, oder lieber nicht. Ich stelle durch mein Aussuchen der Universität bestimmte Anforderungen an die Institution, warum sollte die Universität auch nicht besondere Anforderungen an mich stellen? Als junger Schulabsolvent hat man meist utopische Vorstellungen vom Studium und vom Leben.

Es erzeugt Aufmerksamkeit, wenn man sich als Masse zusammenfindet und gegen die vorhandenen Systeme (große Worte: Kapitalismus, freie Zugangsberechtigung) protestiert, aber die Form erinnert an ein unzufriedenes kleines Kind, welches doch lieber Vanille-, statt Schokoeis möchte. Für mich ist es wichtig, dass Form und Inhalt zusammen gehen und nicht so sehr auseinander driften wie wir es hier in Wien erleben. Das Audimax stellt ein freies Fest dar, wo jeder alles sein kann. Eine neue Utopie, die geschaffen werden könnte, wenn nur genügend mit schwimmen. Und der Inhalt an sich, lässt sich nicht in ein paar Worte zusammen packen, vor allem weil viele Institutionen, verschiedene Fachrichtungen und Ministerien in jenem Spiel mitspielen. Der Protest ist berechtigt, aber ich finde es schade, dass so viele die wirklichen Gründe der Unzufriedenheit nicht suchen, sondern einen „Sündenbock“ finden wollen.

Das hört sich jetzt ein wenig hart und bitter an, dies sollte nicht so sein, ich wollte nur aufzeigen, dass es verschiedene Standpunkte gibt.

Dennoch muss ich sagen, wie auch schon im Titel widerspiegelnd, dass ich zwei geteilt bin. Einerseits sind manche Forderungen (vor allem Forderungen "Demokratisierung der Universitäten" und "Behindertengleichstellungsgesetz") machbar und sinnvoll. Andererseits schreckt mich die Form etwas ab: vom Oh-wie-schön-demonstrieren-macht-Spaß-Aktionismus a la "lasst uns bunte Luftballons mit unseren Forderungen steigen lassen", über die Symbolismus-Fraktion, über die wütende Fraktion bis hin zu den üblichen gegen-alles Verdächtigen der autonomen Antifa ist so ziemlich alles dabei, sogar Musiker, Künstler,... Wie auch hier ist das Problem: die Studentenschaft bildet längst keine homogene Masse mehr, sondern ist so gemischt, dass der Protest wahrscheinlich in sich selbst ABSCHWÄCHT ODER genau durch ihre heterogene netzwerkartige Struktur GESTÄRKT wird. Hier verweise ich auf Franz Martin Wimmer's "Polylog", wie mir scheint sind die Strukturen innerhalb des Protests "Polylog"-artig zu bezeichnen.

--Luong 18:15, 28. Okt. 2009 (UTC)


Bis jetzt habe ich leider die Erfahrung gemacht, dass bei Protesten es meistens so abläuft, dass nicht alle der politischen Ziele willen protestieren. Es gibt jene, die ein wirkliches Interesse an der Sache haben, andere, die sich mitreißen lassen und einfach nur dabei sein wollen, und manche, die nur wegen des Aufruhrs und des Feierns dort sind. Dazu kommt, dass es im Verhältnis wenige gibt, die sich kritisch mit dem Thema außeinandergesetzt und somit eine fundierte Meinung gefasst haben.

--Pablo 21:46, 28. Okt. 2009 (UTC)

Matroschkaprotest

Ab einer gewissen "Eingesessenheit" des Protestwesens lohnt es sich dann auch schon einmal, den Forderungen an die Regierung gewisse Forderungen an das eigene Demonstrationsverhalten voranzustellen, quasi ein rekursiver Protest. Oder doch nur eine komödiantische Illustration? Man sieht, ab einer gewissen Dauer verschwimmen Spaß und Ernst.

Eine sogenannte FrauenAG bezieht Stellung

Sexismus angreifen!

Während der letzten Audimax – Besetzungstagen gab es zahlreiche sexistische Vorfälle und Übergriffe. Beispiele gefällig?

  • „Ausziehen“, „Schleich dich du Hure“, Buh – Rufe aus dem Plenum während (antisexistische) Redebeiträgen von Frauen
  • Sexistische Wortmeldungen am Mikrophon während und nach dem Plenum
  • Nackte Männerkörper und Schwänze auf der Bühne
  • Sexistische Wortmeldungen im Chat während dem Livestream
  • Sexistische Angriffe gegen Frauen: „Ihr seid sogar zu schiach um euch zu missbrauchen“
  • Sexisten auf der Bühne, bei Reden, als Musiker
  • Sexuelle Übergriffe im Schlafsaal
  • Sprüche zur sexuellen Verfügbarkeit von Frauen während der Besetzung, in Foren, im Chat,…zb.:

„Ich habe gehört es gibt hier ein Puff“

  • Vortragende am Podium sind ausschließlich männlich (Quote fordern aber selbst nicht einhalten??)

Solche Vorfälle zu verhindern ist in unser aller Verantwortung!
Sexistische Übergriffe und Situationen sind Teil eines Gesellschaftssystems, in dem wir alle leben. Das es zu solchen auch während dieser Besetzung kommen kann, ist unser aller Problem! Solange es hier ein allgemeines Desinteresse für antisexistische Themen gibt, solange Menschen nicht eingreifen, wenn sexistische Aussagen getätigt werden und Übergriffe geschehen, wird hier der gesellschaftliche Normalzustand reproduziert!

Frauen und Männer, denen ein antisexistischer Raum wichtig ist, finden diesen Zustand unerträglich und können oder wollen sich daher nicht, mehr oder nur teilweise an der Besetzung beteiligen.
Viele Frauen fühlen sich vor allem in der Nacht unwohl und empfinden den „Freiraum Uni“ nicht als ausreichenden Schutzraum vor sexuellen Übergriffen.
Sexistischer Umgang ist Ausschlussmechanismus! Eine breite Protestbewegung wird damit unmöglich!

Daher fordern wir alle BesetzerInnen auf, sich am Aufbau und Erhalt eines antisexistischen Raumes „Universität“ zu beteiligen.
Wir fordern:

  • Keine Akzeptanz von sexistischen Wortmeldungen am Podium!
  • Starkes Eingreifen von Allen bei sexistischen Übergriffen und Vorfällen!
  • Keine Diskussionen mit übergriffigen Typen, sondern Rauswurf!
  • Mindestens 50% Frauen bei Vorträgen, auf Podien, bei Diskussionsbeiträgen,…!
  • Mindestens 50% der Redezeit am Podium/ im Plenum für Frauen
  • Respektvoller Umgang miteinander!
  • Ein Frauenraum als Rückzugsraum, Schlafraum, Diskussionsraum,…
  • Geschlechtersensible Sprache bei Plakaten, Aushängen, Aussendungen,…

Eine freie Uni für Alle heißt vor allem auch einen Freiraum zu schaffen in dem Sexismus, Transphobie, Homophobie, Antisemitismus, Rassismus,… KEINEN Platz haben!

Quelle --Richardd 12:52, 27. Okt. 2009 (UTC)

Vielleicht ist ja auch eine bestimmte Sprachwahl diskussionswürdig? --Richardd 12:54, 27. Okt. 2009 (UTC)

Ausfinanzierung der Universitäten

           1. Transparenz bei der Finanzierung von Forschung und Lehre
           2. Mitbestimmung bei der Mittelverwendung an Universitäten
           3. Abschaffung aller noch bestehenden Studiengebühren, auch für Drittstaatsangehörige und Langzeitstudierende
           4. Finanzielle Absicherung der Studierenden
           5. Wiedereinführung der StudentInnenfreifahrt
           6. Aufhebung aller finanziellen Zugangsbarrieren im Bildungsbereich

Punkte 1,2,4 und 6 sind in meinen Augen oberflächlich formulierte Forderungen ohne Substanz. Über diese Punkte herrscht in der österreichischen Gesellschaft ein gewisser Grundkonsens. Fast niemand wird solchen Forderungen widersprechen, zumindest nicht offiziell. Die weitaus schwierigere Frage, wie in den meisten Fällen, ist jene der praktischen Durchsetzung. Diese wird in keiner Weise behandelt. Wie soll Transparenz und Mitbestimmung gesichert werden und von wem? Finanzielle Absicherung schön und gut, aber auf welche Weise? Und ist Punkt 6 nicht schon in Punkt 4 inkludiert?

Punkt 5 ist eine Maßnahme, die, wenn durchgesetzt, nur ein Tropfen auf den heißen Stein darstellt und irgendwie für sich allein nicht viel bewirkt. Außerdem scheint sie nicht wirklich in die Auflistung wegen ihrer Spezifität hinein zu passen.

Mit Punkt 3 lässt sich am meisten arbeiten. Er ist aktuell, da die Wiedereinführung allgemeiner Studiengebühren in der Politik diskutiert wird. Er stellt eine spezifische Forderung da, die jedoch im Gegensatz zu Punkt 5 einen Grundbaustein der Debatte bildet.

Zu Studiengebühren allgemein: Ich bin für die Wiedereinführung von Studiengebühren bei einer Gewährleistung staatlicher finanzieller Unterstützung für Personen denen diese Zahlung unzumutbar ist.

Dies jedoch nur bei Staatsangehörigkeit. Es ist jedem Staat zumutbar für die Bildung seiner Staatsangehörigen finanziell einzustehen. In den meisten Fällen (wenige in Östereich studierende Nichtösterreicher bleiben auch hier) liegt es doch im Interesse des Staates, dass sich seine Staatsangehörigen bilden und Wissen aneignen.

Betreffend der Langzeitstudierenden: Ich bin der Meinung, dass mit dem Recht auf freie Bildung auch eine Verpflichtung einhergeht, dieses Bildungsangebot ernsthaft zu nutzen und, in dem Fall des Studiums, dieses auf eine gewissenhafte Weise zu betreiben. Den Ersatz der Studiengebühren über eine staatliche finanzielle Unterstützung sehe ich nur bei einer gewissenhaften Verfolgung des Studiums als gerechtfertigt. Es ist meiner Ansicht keine Beschränkung des Rechts der Bildung, wenn einer Person, die nicht fristgerecht (bei Abschnitten: Mindestzeit + 1 Toleranzsemester) den Studienerfolg erbringt, diese Unterstützung bis zum verlangten Erfolg aberkannt wird. Außerdem gibt es die Möglichkeit der Fristverlängerung bei Krankheit, Präsenzdienst oder Kinderbetreuungspflichten.

Die Forderung der Gewissenhaftigkeit (wenn deren Indikator das Einhalten der Mindestzeit + 1 Toleranzsemester ist) wird denjenigen zynisch vorkommen, die gerne in einer vernünftigen Zeit studieren wollen, aber durch die derzeitigen Studienbedingungen beschränkt und verlangsamt werden (z.B. durch überfüllte Seminare). --Paul Wedrich 06:32, 29. Okt. 2009 (UTC)
Ich bin davon ausgegangen, dass die Forderungen als Gesamtkonzept verstanden werden. Wenn all diese erfüllt werden und die Universität die notwendigen Ressourcen zur Verfügung hat, sollte dies kein Problem darstellen. Wie es in der Zwischenzeit aussieht ist eine andere Sache. Aber dies ist nur mein Verständnis von den Forderungen. Wenn manche nur temporärer Natur sein sollen sieht es natürlich anders aus.--Pablo 19:00, 29. Okt. 2009 (UTC)

Im Normalfall ist es auch nicht sonderlich schwer, in dieser Zeit zu bleiben.

Ich kenne das persönlich nur vom Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Man braucht kein Genie zu sein, um dieses Studium abzuschließen. Somit bleibt nur der Lernaufwand und Fleiß.
Die größte Gruppe der Studenten des 1.Abschnittes macht wenig bis gar nichts und hört auf zu studieren. Es stört auch die meisten nicht, da es für sie sowieso nur ein Überbrückungsstudium ist. Als Pendant gibt es jene, die das Studium eifrig und motiviert betreiben. Letztendlich gibt es auch noch die Gruppe dazwischen.
Im 1.Abschnitt rechne ich mich mehr der ersten Gruppe zu, da ich mir noch nicht wirklich sicher war, ob ich mich für das richtige Studium entschlossen hatte. Während dem Semester habe ich also nicht viel gemacht und knapp vor den Prüfungen/Klausuren gelernt. Nach drei Semestern war ich aber ohne weiteres fertig.
Mein Schluss daraus: Wenn ich, der sicher kein Hochbegabter ist, auf diese Weise den 1. Abschnitt schaffe, dann kann man, wenn das Studium ernst genommen und es auch dementsprechend betrieben wird auch ohne ständiges Lernen und unüberwindbaren Stress in einer angemessenen Zeit bleiben.

--Pablo 23:17, 28. Okt. 2009 (UTC)

Problematik der Definition von Universität

Das Problem, welches der Protest auf jeden Fall anspricht, ist meiner Meinung nach die geteilte Meinung, was die Universität überhaupt ist, und welchen Ansprüchen sie gerecht werden soll. Einerseits gibt es die Meinung, dass die Universität ein Ort sei, der der Ausbildung dient und eng mit dem Absolvieren eines vorgefertigten Studienplans verbunden sein muss. Dieser Anspruch ist vorallem für die wirtschaftliche Verwertbarkeit und Messbarkeit von Leistungen und Qualifikationen wichtig - ein abgeschlossenes Studium bringt einen Titel mit sich, der auf dem Arbeitsmarkt verwertbar ist. Andererseits wird die Universität als ein Ort der freien Bildung aufgefasst. Der Genuss dieser Bildung hat, so denke ich, nicht den Erwerb eines akademischen Titels und die Qualifikationen, die dieser vielleicht mit sich bringen mag, als Ziel. Vielmehr wird hier eher der Drang nach dem Nachgehen von individuellen Interessensgebieten und "Wissensdürsten" in den Vordergrund gerückt. Nun glaube ich, dass hier die Mitte zu finden ist, von diesen beiden sich einander sicher nicht absolut ausschließenden Grundsätzen. Möglich ist dieser Ansatz durch eine Klärung was die Universität Wien sein soll, sowohl aus bildungspolitischer als auch aus gesellschaftspolitischer Sicht. --Samohtdersaibot 21:53, 29. Okt. 2009 (UTC)

Reaktion der Universitätsleitung

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des Plenums!

Wir bestätigen die Übermittlung des sehr umfangreichen und breiten Forderungskatalogs, welcher sehr unterschiedliche Punkte enthält. Wie dies in den letzten Tagen von der ÖH und dem Plenum zum Ausdruck gebracht wurde, erfordern Ihre Anliegen Antworten der für die Politik in Österreich Verantwortlichen.

Die Universitätsleitung war in den letzten Jahren bemüht, trotz schwieriger Rahmenbedingungen die Situation der Studierenden bestmöglich zu gestalten. Seit 2004 ist es gelungen, die Lehrstunden von 26.645 (Studienjahr 2003/04) auf 30.690 (Studienjahr 2008/09) zu steigern.

Die finanzielle Ausstattung der Universität Wien ist - insbesondere im internationalen Vergleich - sehr unbefriedigend. Dies haben wir als Vorsitzender des Senats und des Universitätsrats sowie als Rektor der Universität Wien bereits vor den derzeitigen Protestaktionen und unabhängig von Ihnen vielfach zum Ausdruck gebracht.

Wir erwarten uns, dass konstruktive Gespräche zwischen den VertreterInnen der Studierenden und den politisch Verantwortlichen aufgenommen werden und sehen mit höchstem Interesse dem heutigen Treffen zwischen Bundesminister Hahn und der Vorsitzenden der ÖH, Sigrid Maurer, entgegen.

Die Universitätsleitung ist zu Gesprächen mit VertreterInnen des Plenums bereit. Voraussetzung dafür ist, dass das ÖH-Vorsitzendenteam der Universität Wien, das laufend mit uns in Kontakt steht, aktiv mitwirkt und die Vorbereitung des Gesprächs übernimmt.

Mit freundlichen Grüßen


Max Kothbauer, Vorsitzender des Universitätsrats

Helmut Fuchs, Vorsitzender des Senats

Georg Winckler, Rektor


Herbert Schnädelbach über Philosophie und Bildung

in: Rudolf Rehn, Christina Schues: Bildungsphilosophie. Grundlagen, Methoden, Perspektiven. Freiburg 2008. S. 61f


Heute ist häufig von Bildung in dem Sinne die Rede, dass man sie gegenüber der bloßen Ausbildung verteidigen müsse. Wo man Bil­dung mit Ausbildung verwechselt oder sie darauf reduzieren möchte, geschieht dasselbe wie bei der Aufklärung, wenn man die nicht von ideologischer Volkserziehung unterscheiden kann. Gleichwohl sollten wir uns nicht in abstrakten Gegensätzen verfangen. In einer wis­senschaftlichen Zivilisation wie der unsrigen gehören Aufklärung und Wissenschaft zusammen — nicht nur in der Philosophie; nur mit Hilfe zuverlässigen und begründbaren Wissens können wir uns »ohne Leitung eines anderen« in der Welt orientieren Dasselbe gilt für Bildung und Wissenschaft: Sie mag vor allem in ihrer modernen Ge­stalt nicht mehr als primäre Bildungsmacht in Frage kommen, aber ganz ohne Wissenschaft kann man heute auch nicht gebildet sein. Die Wissenschaften haben unsere Lebenswelt so durchgängig und nachhaltig geprägt, dass selbst in entlegeneren Bereichen wie der re­ligiösen, musischen oder literarischen Bildung wissenschaftliche An-teile nur schwer wegdenkbar sind. Die sind aber heute vor allem als Elemente von Ausbildung in den Bildungsprozessen präsent, und da-rum gilt: Keine Bildung ohne Ausbildung. Die Bildungsromantiker, die sich damit nicht abfinden wollen, sollten sich an Platons Konzep­tion der paideia erinnern, die wie im Höhlengleichnis dargestellt, ohne Mühsal und Schmerzen nicht auskommt aber auch an Hegels Gleichsetzung von Bildung mit Arbeit. Darum müssen sich alle, de­nen an Bildung im Sinne eines sicher mühevollen, aber selbstständi­gen und selbsttätigen Prozesses der Selbstgestaltung und Selbstfin­dung gelegen ist, intensiv um die Fragen der Ausbildung kümmern und dazu beitragen, dass die nicht so organisiert wird, dass sie der Bildung entgegensteht und sie behindert. Das gilt auch für die phi­losophische Bildung: Verstehen wir unter Philosophie den Versuch gedanklicher Orientierung im Bereich der Grundsätze des Denkens, Erkennens und Handelns, dann gelingt das nicht ohne Wissenschaft. Wissenschaftliche Philosophie aber erfordert wissenschaftliche Aus­bildung, die aber nicht Selbstzweck bleiben darf, sondern das Sich-Aufklären, Sich-Bilden und Sich-Orientieren zu ermöglichen und zu fördern hat.