FALZBERGER, Lisa (Arbeit1)

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Lisa-Marie Falzberger, Matr.Nr. 0806916

Schriftliche Arbeit zur Ringvorlesung vom 16.10.2008

Böse Zungen würden vielleicht behaupten, Professor Gotz habe in dieser Ringvorlesung erschreckende Ähnlichkeit mit einem Zirkusdirektor aufgewiesen, der wacker in die Manege stolzierte , um dort sein Publikum, mit einer pompösen, mit sehr großer Sorgfalt ausgewählten Rede, auf eine spannende Show vorzubereiten. Es schien gar so, als hätte er bei dieser „Hinführung zur Philosophie“ absolut nichts dem Zufall überlassen wollen! Mit einer Professionalität, die so manch einen alteingesessenen Showmaster vor Neid erblassen hätte lassen, schleuderte er teilweise schwulstige Metaphern und schwindelerregende Wortspielchen in den Raum, und zog so, die naiven Zuschauer schnell in seinen Bann. Jedes noch so kleine Wörtchen, legte Gotz der Profi, auf die goldene Waagschale, und setzte es gezielt dafür ein, den gewünschten Effekt , das bewundernde Staunen in den Augen der Schaulustigen, zu erhaschen. Spätestens nach dem imposanten Vergleich, der Philosophie mit einer Burg, in die es die Neulinge hineinzuführen gilt, war es an der Zeit, dass einem Teil des Publikums ein Lichtlein aufging, manchen sogar die Kinnlade herunterklappte und ein Raunen im Zirkuszelt zu vernehmen war: „Das ist also Philosophie!“ Und obwohl die Vorstellung schon zu Ende war, bevor sie überhaupt richtig hätte beginnen können, ist man sich einig, dass dieses Spektakel sein Geld definitiv wert war, denn auch wenn das meiste nur Schall und Rauch gewesen sein mag, wurde man immerhin gut unterhalten.


Als erstes, einleitendes Thema der Ringvorlesung, wählte Professor Gotz das häufig auftretende Phänomen der Alltagsphilosophie, welches bei den meisten im Wirtshaus anfängt und auch genau dort wieder aufhört. Dennoch werden wir laut Gotz, häufiger als und lieb ist mit der Aussage „das ist aber eine philosophische Frage!“, konfrontiert. Sie lauert in ungeahnt vielen Alltagssituationen, wie eben auch in einer Impfung gegen FSME, die von ihm als Beispiel genannt wurde. Da die Auswirkungen der Impfung in einigen wenigen Fällen gravierend sein kann, und mehr Schaden anrichten, als es eine Zecke je vermocht hätte. Impfen oder nicht impfen, ist hier also die grundlegende Frage. Desweiteren schildert Prof. Gerhard Gotz das Problem, dass die armen Philosophen von heute, des Öfteren damit getadelt werden, ihr Lala-Land endlich einmal verlassen zu sollen, um ihre kostbare Energie besser in brauchbare und wissenschaftlich sinnvolle Aktivitäten zu investieren. Der Druck der also auf der heutigen Philosophie lastet, ist ein großer, und es scheint, als müsse sie sich ständig rechtfertigen, sehr wohl nützlich, und eben nicht subjektiv willkürlich und somit „sinnlos“ zu sein. Dass die schändliche Jugend tatsächlich keinen Respekt mehr vor dem Alter hat, lässt sich folglich auch auf das Gebiet der Wissenschaften übertragen. Denn obwohl die erfahrene Philosophie ihren Nachkommen, die noch ganz blau hinter den Ohren sind, so viel an Weisheit und Geschichte voraus hat, wird sie von dem jungen Gemüse nur noch als schrumpelige Peperoni wahrgenommen. Die Anwesenheit des senilen, alten Großvaters wird allenfalls noch toleriert, aber auf gar keinen Fall mehr geschätzt. Heutzutage muss Wissenschaft eben etwas Prüfbares verkörpern, und realistische Ergebnisse liefern, die auf Messverfahren und empirische Forschung zurückzuführen sind.


Die nächste Runde dieser Ringvorlesung, läutet Professor Gotz mit der Frage ein, ob Menschen denn nun wirklich nur eine Art von Tieren sind. Sehr viele ausschlaggebende Punkte würden unbestreitbar dafür sprechen; der Mensch verspürt wie jedes Tier auch Hunger und Durst, verfügt über eine angeborene Sinnlichkeit, und ist bis zu einem gewissen Punkt (der eine mehr, der andere weniger) ohne Zweifel triebgesteuert! Dennoch wehren sich einige Gegner, die sich vor allem in diversen Religionen aber auch in der Philosophie finden lassen, vehement gegen diese Theorie. Ob es nun verblendet oder schlichtweg dumm ist, daran zu glauben, dass der gute allmächtige Gott, den Menschen aus erdhafter Materie, liebevoll geformt hat, und ihm dann mittels Mund zu Mund Beatmung, das Leben einhauchte, sei dahin gestellt. Doch was motiviert den Menschen dazu, derartige Weltbilder zu schaffen, und vor allem an sie zu glauben? Trotz der vielen Ähnlichkeiten die Mensch und Tier teilen, unterscheiden sie sich doch in einem kleinen aber doch so ausschlaggebenden Aspekt. Während Tiere nämlich, ihrer eigenen Sinnlichkeit mehr oder weniger hilflos ausgeliefert sind, und gewisser Maßen als Opfer ihrer unmittelbaren Umwelt, von der sie sich nicht differenzieren können fungieren, hat der Mensch sehr wohl das Potential über diese hinweg zudenken. Der Mensch erlebt seine Sinnlichkeit, und denkt über die eigene Leiblichkeit hinaus. Die sogenannte Selbstreflexion ermöglicht es dem Menschen nämlich, von seinem eigenen Wissen zu wissen, und sich mit eben diesem identifizieren zu können. Somit befindet sich der Mensch laut Professor Gotz auf einer anderen Ebene als das gewöhnliche Tier. Der denkende Mensch wird also von einem ganz bestimmten, gewussten Inhalt ausgefüllt. Nur das Wissen selbst, steht über diesem besagten Inhalt; was wiederum von der Objektebene zu einer weiteren Ebene, der sogenannten Metaebene führt. Berücksichtigt man nämlich den Gesichtspunkt, dass das Wissen weder Inhalt noch Gegenstand ist, kommt man zur Folge, dass es sich somit um nichts Empirisches handeln kann. Das Wissen, welches in Distanz zur Sinnlichkeit steht, besitzt ein reflexives Wissen, über sein eigenes Wissen; somit kann der Mensch auch von dem, was ihn mit der empirischen Welt verbindet, seinem Körper, wissen. Denn ohne Beziehung auf Qualitäten, gäbe es kein Wissen. Obwohl das reflexive Wissen, oder einfach auch Denken genannt, einerseits den Einzelnen von seiner Außenwelt abkapselt, verbindet es auf der anderen Seite wieder. Unabhängig von Raum und Zeit, steigt das Denken über den Horizont der einzelnen Person hinaus, was zu einer Allgemeinheit des Wissens führt. Der Inhalt des Wissens wird zu Begriffen, was dazu führt, dass Inhalte und Bedeutungen miteinander verglichen werden können, und uns komplexe Zusammenhänge herstellen lässt. Kurz gesagt, verbindet das Wissen die Menschen, was sich sehr einfach im Beispiel der Sprache veranschaulichen lässt. Sie dient zwar als Basis der menschlichen Kommunikation, ist jedoch in ihrer Komplexität wiederum Thema der Reflexion.

Die Schattenseite der Reflexion ist, dass sie den Menschen, gezwungener Weise auch auf die Kehrseite der Medaille, nämlich auf die Problematik der eigenen Endlichkeit aufmerksam macht. Der arme Mensch muss nämlich schnell erkennen, dass sowohl seine Wahrnehmung als auch seine gesamte Existenz äußerst begrenzt ist. Diese unliebsame Erkenntnis lässt so manch einen wünschen, lieber ein simples Tier zu sein, das mit solchen Problemen nichts am Hut haben muss. Der Mensch ist sich über seine eigene Wahrnehmung bewusst, weiß, dass sie beschränkt ist, und in ihr möglicherweise einige trickreiche Gefahren lauern könnten. Manchmal denk er etwas wahrzunehmen, was die tatsächliche Wahrnehmung sinnlich unmöglich erfassen hätte können. Erst durch die Reflexion also, wird diese arme Kreatur, der Mensch, Gefahren ausgesetzt, die ein Tier nie gefährden würden.

Da der Mensch also äußerst leicht zu täuschen sein scheint, strebt er danach, seine eigene Wahrnehmung, mit der seiner Leidensgenossen zu vergleichen, um so eine allgemeine Sichtweise der Dinge zu erhalten. Das schwache Geschöpf, welches vom Wissen der eigenen Beschränktheit des Wissens, nicht ganz zu unrecht verunsichert wurde, sucht nach etwas, das ihm Sicherheit bieten kann. Eben diese, finden viele im Meinungsaustausch mit anderen, der über einige Wege letztendlich zur Bildung von Ideologien führt. Diese Weltbilder halten die von der Sinn-Suche getriebene Menschheit zusammen, doch ob des Rätsels Lösung, die gewünschten Antworten jemals tatsächlich gefunden werden kann, ist eine andere Geschichte. Dem Mensch bleibt nun doch nur das subjektive „Für-wahr-halten“, der Glaube an etwas, von dem er niemals mit 100% Sicherheit wissen kann, ob es sich dabei nicht doch nur um den so verpönten Aberglauben handelt.


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