Diskussion:Philosophie und (Sozial-) Wissenschaft

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Version vom 12. November 2009, 18:45 Uhr von Jakub Jirovec (Diskussion | Beiträge) ("Die Idee „der Wahrheit“ macht keinen Sinn.")
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"Die Idee „der Wahrheit“ macht keinen Sinn."

Das hatten wir schon in der Diskussion zu Gerhard Gotz, allerdings hatte Gotz das Ziel der Suche nach "der Wahrheit" positiv gesehen. Wie soll man nun mit einer solchen These (und ihrem Gegenteil) umgehen!? Soll man eine Umfrage veranstalten und erheben, welche Rückmeldungen da kommen? Soll man einzelne Personen dazu auffordern, zu erklären, welche Rolle "die Wahrheit" in ihrem Leben spielt? Soll man Philosophen zitieren - Nietzsche, Heidegger, Popper - die darüber etwas geschrieben haben?

Welche Auskunft auf diese Fragen steckt in den Überlegungen von Martin Kusch?

--anna 14:58, 5. Nov. 2009 (UTC)

Mir sind beim Lesen zwei orthographische Dinge aufgefallen:

Soweit es sich beim Sitz des Wundt'schen Instituts um die Universitätsstadt in Sachsen handelt, schreibt man sie mit hartem "p", das habe ich deshalb korrigiert; vielleicht gibt es aber eine ältere Schreibweise?

Zweitens habe ich bisher nicht gewusst, dass Kant eigentlich "Emanuel" getauft wurde (http://de.wikipedia.org/wiki/Immanuel_Kant). Im Text steht "Emmanuel" - worauf einigt man sich für alles weitere (bzw offiziell in der Philosophie) am besten?

HeSo 13:45, 8. Nov. 2009 (UTC)

„die Wahrheit“ kann ja nur Teilgebiete betreffen ein mathematischer Satz z.B. kann als wahr oder falsch gelten, also wäre 1+1=2 etwas was auf der Seite der Risto-Suche einzuordnen ist. Vielleicht produziert ja die Mathematik die Ergebnisse, die sich am nächsten der „reinen Wahrheit“ annähern, den schon im Fall von „Naturgesetzen“ (z.B. die Gravitation ist außerhalb der Erdatmosphäre schon außer Kraft gesetzt, obwohl sie sich in unserer alltäglichen Umgebung als unumstößlich erweist). Unsere persönlichen Wahrheiten sind in einem ständigen Verhandlungsprozess: denn ich habe nur meine subjektive Wahrnehmung (und kann nie und nimmer eine andere einnehmen) und es kann eine zweite Person hinzutreten und meine Erkenntnis als „falsch“ klassifizieren. Eine Erkenntnis mit empirischen Methoden ist genau so lange „wahr“, bis sie durch eine aktuellere oder auch nur einen anderen Standpunkt relativiert wird. Ich kann eine historische Tatsache wissen, doch nicht, ob meine Information darüber von der Quelle nicht subjektiv "verfälscht" wurde.

ich finde den Gedanken einer Umfrage insofern geeignet, als das man damit eine vorherrschende Meinung zum Thema Wahrheit erkennen würde. Wenn mir jemand sagt: „es regnet morgen.“ frage ich, wie er das wissen möchte, die Person wird antworten, sie habe es im Wetterbericht vernommen, ich kann mir verschiedene Wettervorhersagen ansehen und damit zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen (die von den Methoden abhängen, mit denen die Prognosen erstellt wurden und auch von der Interpretationsfreudigkeit des Moderators), wir wissen erst von der „Wahrheit“ im Bezug auf die Situation, wenn der morgige Tag eingetreten ist, und auch dann kann ich die Aussage nur im Bezug auf meinen Standort veri- oder falsifizieren.

Natürlich ist es möglich, und wünschenswert, erstens die Standpunkte der etablierten Philosophen und zweitens auch aller möglichen anderen Personen einzuholen, um sich dem Begriff Wahrheit weiter nähern zu können oder auch die unterschiedliche Verwendung des Wortes zu akzeptieren.

Aber fassen und festsetzen und allgemein gültig machen kann man ihn nicht.

Ich kann nur meine subjektive Wahrheit annehmen, denn ich kann es ja z.B. für die Wahrheit halten, dass ich diese Überlegung nicht zu einer Lösung führen kann. Aber eine absolute Wahrheit ist für eine Einzelperson nicht zu erfassen.

--Zippora 13:58, 10. Nov. 2009 (UTC)

Wenn wir den Begriff der Wahrheit auf "subjektive Wahrheit" einschränken, dann brauchen wir dieses Konzept überhaupt nicht mehr. Es sagt ja unter normalen Umständen niemand: "ich halte für die Wahrheit, dass..." sondern "ich glaube, dass...". Was ist der Unterschied zwischen folgenden Situationen?

  • Ich behaupte X.
  • ich behaupte, dass X wahr ist.

Wie soll man denn zwischen der "subjektiven Wahrheit" und anderen Formen der 'Überzeugtheit einer Person' unterscheiden? Sollen wir also den Begriff Wahrheit wegschmeißen?--Paul Wedrich 14:28, 10. Nov. 2009 (UTC)

ich behaupte X = ich stelle meine Meinung zur Diskussion.
ich behaupte, dass X wahr ist = ich erhebe zusätzlich einen Wahrheitsanspruch für meine Meinung oder?
Überzeugung der Person wär dann ja, ok, der subjektive Anteil an der Wahrheit für die Person. bezüglich der Verwendung in der (Umgangs-)Sprache: so wie ich es bisher verstanden habe, wäre ja nicht auf den Grund des Begriffes zu kommen, noch keine Ursache, diesen zu verwerfen. --Zippora 22:21, 10. Nov. 2009 (UTC)

"meine subjektive Wahrheit", "etwas für die Wahrheit halten", "sich der Wahrheit annähern" - das sind alles Redeweisen, an denen man sich orientieren kann wenn man expliziert, was unter "Wahrheit" zu verstehen sei. Sie sind alle mit der Vorstellung verbunden, dass es etwas wie "die Wahrheit" gäbe, oder dass das zumindest behauptet wird. Und daraus folgt dann, dass man dieses "etwas" auch verlieren kann wie einen Handschuh. Man "hat die Wahrheit" und stellt dann schockiert fest, dass man sie unter Umständen "verloren hat". Diese Betrachtungsweise ist weit verbreitet, aber wenig hilfreich. Wahrheit ist (schlage ich vor) ein Prädikat von Sätzen. Unter bestimmten Umständen können wir Sätze als wahr qualifizieren. Das tun wir, wenn wir diverse Prüfmechanismen angewandt haben. Dabei kann es eine Diskussion darüber geben, welche das im Einzelnen sein sollen. Aber wir kommen nicht in die Schwierigkeit, etwas zu verlieren. Ein Satz hat Eigenschaften, wie ein Baum. So wie ein Baum unter Umständern seine Blätter verlieren kann, kann ein Sprachausdruck die Qualifikation "wahr" verlieren. --anna 09:41, 11. Nov. 2009 (UTC)


Update: Das zweite Modell für die Wissenschaften, das Seppo-Spiel hat eine Schwachstelle: es ist nicht ganz klar, warum überhaupt weitergespielt wird. Warum gibt man sich nicht an irgendeinem Punkt mit dem Stand zufrieden? Beim Risto-Spiel dagegen ist die Motivation da, alle Ristos zu finden, sprich: das Spiel fortzuführen und letztendlich zu beenden. --Paul Wedrich 14:38, 10. Nov. 2009 (UTC)

Ich stimme anna zu, aber es würde mich interessieren, welche Umstände und Prüfungsmechanismen sind gemeint? Ob ich gut verstehe, muss eine Wahrheit immer bezweifelbar sein? --Jakub Jirovec 18:45, 12. Nov. 2009 (UTC)