Diskussion:Intellektuelles Eigentum? (IH): Unterschied zwischen den Versionen

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Beim Kauf des Apfels will man bloß ein essbares Ding, also erwirbt man bloß das "reale" essbare Ding, so die Argumentation von Ivan. Man erwirbt keine Kenntnisse über die Ideen, die den Kauf des Apfels möglich machen, also ist der Apfel rein "real". In jeder Apfelsorte stecken intellektuelle Eigentümer wie die Züchtung eines gelben Apfels und dessen Patent darauf. Wie kann aber der Apfel rein real sein, wenn doch die Voraussetzungen für das Vorhandensein des Apfels u.a. Ideen und intellektuelle Eigentümer sind, wie Ivan es selbst zugesteht? Die Vorraussetzungen stecken doch auch im Resultat! Ob die Ideen, die den Kauf des Apfels ermöglichen, vom Käufer gekannt werden, ist m.E. irrelevant. Das Werk von Beethoven, das als klarer Fall von intellektuellem Eigentum genannt wurde, ist ein ähnlicher Fall. Beim Kauf der Noten oder eines Tonträgers erwerbe ich auch nicht alle Ideen, die Beethoven bei der Komposition hatte, ich erwerbe lediglich das Resultat. Man erhält genauso wenige Kenntnisse über die notwendigen Voraussetzungen der Komposition, so wie man keine Kenntnisse über die notwendigen Vorraussetzungen beim Kauf des Apfels erhält.
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--[[Benutzer:T-Man|T-Man]]

Version vom 17. August 2010, 17:57 Uhr

Beim lesen des Textes drängte sich mir eine gewisse Paralelle zu einem Aufsatz von eric steven raymond auf. Darin werden 2 Softwareentwicklungsmodelle gegenübergestellt bei denen jeweils der Eigentümer der Software ein einzelner Auftraggeber ist oder sie jedem frei zur verfügung steht. Insofern sehe ich hier auch Software und Ideen als gut vergleichbar an da ja beide kein exklusives Gut darstellen und beliebig vermehrt werden können. Ein kurzer Überblick über die beiden Modelle in Stichworten:

cathedral
  • 1 Auftraggeber lässt anfertigen
  • eindeutiges Ende wenn fertig errichtet
  • "gehört" dem auftraggeber -> alleiniges nutzungsrecht
bazaar
  • viele Beteiligte konstituieren den bazaar
  • in ständigem wandel/verbesserung
  • jeder darf mitmachen
  • keine eigentumsbeschränkung

http://www.catb.org/esr/writings/cathedral-bazaar/cathedral-bazaar/

Sinnvolle Unterscheidung?

Wie unterscheidet Lemley denn überhaupt die sogenannten "real properties" von den "intellectual properties"? Oder anders gefragt: Was genau macht die real proporties real? Ist es etwa die Eigenschaft handgreiflich zu sein, also materiell? Beim Lesen des Textes erschien mir,dass Lemley bei der Unterscheidung zwischen intellectual property und real property zu sehr auf die materielle Eigenschaft der real properties Wert legt. So ist der Wert einer CD nicht der Wert des Materials, bzw. dadurch bestimmt, dass man es in Händen halten kann, sondern der Wert liegt doch gerade in der Musik, also der Idee, die dahinter steckt. Ähnlich verhält es sich beim Kauf eines Autos: Entscheide ich mich für den Kauf eines BMWs, so investiere ich mein Geld in das Design, die spezifischen Funktionen und den sozialen Wert dieses Autos. Mit anderen Worten: ich investiere mein Geld in Ideen! Mir scheint, der hauptsächliche Wert einer real property besteht in den meisten, wenn nicht gar in allen Fällen, in seiner intellectual property. Der materielle Aspekt wäre demnach nur "Beiwerk". Folglich ist die Gleichstellung von real properties und intellectual properties durchaus sinnvoll.


--T-Man


Ich finde die Unterscheidung zwischen "real properties" und "intellectual properties" sinnvoll. T-Man bestreitet dies und begründet es folgendermaßen: In jeder Property steckt eine Idee und diese Idee ist der eigentliche Wert. Um ein Auto zu bauen, muss man einen Bauplan und Theorien über Physik, Mechanik etc. haben. Ich glaube nicht Lemley, dass sagt dass die Idee des Autos und der Bauplans eines Autos das selbe ist. Natürlich enthält jede Ding eine Idee, sei es materiell oder nicht und umgekehrt, jedes geistige Produkt, jede Art von Information, muss in irgendeinem physischen Medium gespeichert sein, dennoch gibt es eine sinnvolle Unterscheidung zwischen "real" und "intellectual". Ich stimme zu, dass die Grenzen sehr verschwommen sind, dennoch gibt es klare Fälle auf beiden Seiten: die meisten von uns würden die Werke von Beethoven als "intellectual property" und einen Apfel als "real property" einstufen. Oder erwirbt man spezielle geistige Eigenschaften eines Apfels bei dessen Kauf?

--Ivan


Auf ersten Blick mag es richtig erscheinen, dass es einen grundsätzlichen Unterschied zwischen einem Werk von Beethoven und einem Apfel geben mag, in dem Sinne, dass der Besitz eines Apfel einen rein realen Eigentum darstellt. Aber auch in diesem vermeintlich sehr klaren Fall eines nicht-intellektuellen Eigentums handelt es sich m. E. bei näherer Betrachtung in gewisser Weise um intellektuellen Eigentum, beim Kauf eines Apfels zahle ich für Ideen: In der Züchtung der Apfelart steckt eine Idee, in der Weise des Transports und der Lagerung stecken Ideen etc. Auch in der Weise, wie ich selbst den Apfel verarbeiten kann stecken Ideen, wie z.B. verschiedene Rezepte. Würden diese Ideen nicht existieren, wäre ein Kauf eines Apfels gar nicht möglich bzw. ich würde mich nicht für den Kauf eines Apfels entscheiden. Solange wir nicht in einer wie von J. Locke beschriebenen Welt des Überflusses leben [[1]], in der sich jeder von so vielen Äpfeln bedienen kann, wie er braucht, ist der Erwerb eines "realen Eigentums" immer auch der Erwerb eines intellektuellen Eigentums.

--T-Man


In einem modernem Supermarkt-Apfel stecken viele Ideen wie Transport, Züchtung und Lagerung, aber diese sind nur die Voraussetzungen für das Vorhandensein des Apfels im Supermarkt. Wenn man aber den Apfel kauft, erwirbt man keine Kenntnisse über das Transportsystem und die Kultivierung, sondern man will bloß ein essbares Ding besitzen. Sogar ein Tier kann einen SM-Apfel besitzen, ohne dabei mit den Ideen konfrontiert zu sein. Die Unterscheidung zwischen realem Eigentum und intellektuellem Eigentum wird durch Interessen des Besitzers bestimmt. Es ist wahr, dass jedes reelle Eigentum auch ein intellektuellen Wert haeben kann (Schönheit des Apfels, Seltenheit des Apfels), aber dieser ist perspektivisch, es hängt also von Betrachter ab und ist kein intrinsische Eigenschaft des Apfels!

--Ivan

Beim Kauf des Apfels will man bloß ein essbares Ding, also erwirbt man bloß das "reale" essbare Ding, so die Argumentation von Ivan. Man erwirbt keine Kenntnisse über die Ideen, die den Kauf des Apfels möglich machen, also ist der Apfel rein "real". In jeder Apfelsorte stecken intellektuelle Eigentümer wie die Züchtung eines gelben Apfels und dessen Patent darauf. Wie kann aber der Apfel rein real sein, wenn doch die Voraussetzungen für das Vorhandensein des Apfels u.a. Ideen und intellektuelle Eigentümer sind, wie Ivan es selbst zugesteht? Die Vorraussetzungen stecken doch auch im Resultat! Ob die Ideen, die den Kauf des Apfels ermöglichen, vom Käufer gekannt werden, ist m.E. irrelevant. Das Werk von Beethoven, das als klarer Fall von intellektuellem Eigentum genannt wurde, ist ein ähnlicher Fall. Beim Kauf der Noten oder eines Tonträgers erwerbe ich auch nicht alle Ideen, die Beethoven bei der Komposition hatte, ich erwerbe lediglich das Resultat. Man erhält genauso wenige Kenntnisse über die notwendigen Voraussetzungen der Komposition, so wie man keine Kenntnisse über die notwendigen Vorraussetzungen beim Kauf des Apfels erhält.

--T-Man