Diskussion:Diskussion zur atomaren Bedrohung (Projekt Hrachovec, SS 2011)

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Ich kenne die Diskussion im Projektseminar nicht, das folgende ist daher kein unmittelbarer Diskussionsbeitrag, sondern ein Text, der Gelegenheit gibt, die sehr betroffen formulierte Kritik gegen Atomfan-Klischees zu reflektieren --Andyk 00:05, 30. Mär. 2011 (UTC):

"Mein letztes Beispiel bezieht sich auf die Form, in der die Zukunft in Entscheidungen sichtbar gemacht und rationalisiert wird. Das wird heute mit dem Begriff des Risikos behandelt. Einerseits geht ein immenser Forschungsaufwand in die Rationalisierung von Risiken. Bei allem Kalkulationsaufwand ist jedoch letzte Sicherheit nicht zu erreichen; bei einiger Überlegung wird sogar davon abgeraten, auch nur diesen Versuch zu unternehmen, da genau das zu riskant sei. (Vgl. Aaron Wildavsky, Searching for Safety, New Brunswick 1988) Andererseits gilt dies Kalkül sowie das gesamte Konzept des Risikos nur für den Entscheider, der an die Folgen seiner eigenen Entscheidung denkt. Aus dem Risiko der einen ergibt sich jedoch eine Gefahr für die anderen. Empirische Untersuchungen zeigen, daß man in Bezug auf eigenes Verhalten mehr oder weniger risikobereit sein kann, auf Gefahren, die aus dem Verhalten anderer resultieren, dagegen hochempfindlich reagiert. Testen Sie das im Straßenverkehr! Auch erste Aids-Untersuchungen zeigen entsprechende Muster. Und natürlich gilt dies für all die Aufgeregtheiten, die sich im Umkreis von Kernkraftindustrien, chemischen Industrien oder von gentechnologischen Forschungen ansammeln. Die soziologischen Forschungen stehen hier ganz am Anfang. Wenn es aber zutrifft, daß Zukunftsperspektiven ganz verschiedene Kriterien anwenden, je nachdem, ob das Problem aus der Perspektive eines Risikos oder aus der Perspektive einer Gefahr angegangen wird - also je nachdem, ob es sich um eine Folge eigener Entscheidungen oder um eine Folge von Entscheidungen anderer handelt -, dann sprengt diese neuartige, für die moderne Gesellschaft typische Differenz herkömmliche Konsenserwartungen - mögen sie nun unter dem Gesichtspunkt der Vernunft oder unter dem Gesichtspunkt ethischer Prinzipien formuliert sein. Auf der einen Seite kondensiert Moral unter dem Gesichtspunkt der Betroffenheit, und sie wird sozial generalisiert mit dem Erwartungsdruck, Betroffenheit durch die Betroffenheit anderer zu zeigen, "Wie gehst du denn damit um?", fragt ein Individuum das andere. In dieser Sicht können aber keine Kriterien des Entscheidens unter Risiko gefunden werden. Die Betroffenen lassen sich nur blind auf das Risiko der Risikovermeidung ein. Die Differenz von Risiko und Gefahr zeigt mithin ein Problem sozialer Verständigung an, das heute bereits dazu ansetzt, die alten Probleme der Wohlfahrtsverteilung vom ersten Platz der politischen Relevanz zu verdrängen. Und wieder sieht man, inmitten der Ethikwelle am Ende dieses Jahrhunderts, nicht einmal eine angemessene Thematisierung dieses problems, geschweige denn Gesichtspunkte, die als Lösung oder wenigstens als Regulierung zu überzeugen vermöchten. Offenbar gibt es hier ein Spannungsverhältnis zwischen Zeitdimension und Sozialdimension, für das noch keine ethischen Regulative gefunden sind. Der Umgang mit der eigenen Zukunft muß, will man Rationalitätschancen ausschöpfen, in einer Weise freigegeben werden, die zu sozialen Belastungen führen kann." Paradigm lost: Über die ethische Reflexion der Moral. Rede von Niklas Luhmann anläßlich der Verleihung des Hegel-Preises 1989