Diskussion:8. März 2012: Unterschied zwischen den Versionen

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Link zum Mitschnitt (sry für die Verspätung, hab ich irgendwie vergessen): http://audiothek.philo.at/media/2-tiefenpsychologie-ii --[[Benutzer:A1001199|A1001199]] 09:20, 29. Mär. 2012 (CEST)
  
 
vor kurzem sah ich einen netten Film, der diverse Kleinigkeiten anbietet.
 
vor kurzem sah ich einen netten Film, der diverse Kleinigkeiten anbietet.

Version vom 29. März 2012, 07:20 Uhr

Link zum Mitschnitt (sry für die Verspätung, hab ich irgendwie vergessen): http://audiothek.philo.at/media/2-tiefenpsychologie-ii --A1001199 09:20, 29. Mär. 2012 (CEST)

vor kurzem sah ich einen netten Film, der diverse Kleinigkeiten anbietet.

Eine Insel namens Udo (D,2011) in dem der Protagonist nicht gesehen wird. Was dazu führt dass er lebt ohne mit einer Art Anspruch des Anderen konfrontiert zu sein, was sich ändert, als ihn eine Frau sehen kann. Interessant ist, dass er im Film nach seinem 'ersten Mal' mit ihr in Folge von allen gesehen wird und erst dann beginnt eine Art Identitätskrise, in der er sich Eigenschaften und Aussehen 'zulegt' die ihm für sie und ihre Umgebung passend erscheinen. Sieht er sich sozusagen nun mit Unzulänglichkeiten konfrontiert, die nicht existierten ohne gesehen (erkannt?) zu werden, „Das Feld des Mangels kommt also unter der Wirkung eines Anspruchs zustande“ (Se10,84). Sie zeigt tatsächlich zunächst Abgneigung, als er die ersten Momente von anderen gesehen-werdend auftritt (er achtet nicht auf seine Kleidung etc), woraufhin er eben dann ein scheinbar passendes Bild 'auf sich legt' und ein, wie er meint, gesellschaftlich konformes Verhalten übt, was sie wiederum auch abstößt. Eine Art Wechselspiel, das fragt, wer eigentlich was genau will, für 'wen' man 'lebt' unter welchen Einflüssen, für sich selbst, für die anderen? und wo hier genau eigentlich 'ein sich' ist. Also dieses Geflecht, (s)ich und die anderen unter dem Aspekt „Ich ist immer ein Anderer“?!


[gesehen werden/erkannt werden wäre noch interessant, erkennen-werden als das, was man 'sein' will, also welches Bild man 'wirft', werfen wolle, also man wird erkannt als zugehörig zu dieser oder jener Gruppe (man gehört zum Publikum nicht zum Personal, man gehört zum Management und nicht zur Personalabteilung....), diesem oder jenem Milieu (Klassen), diesem oder jenem Geschlecht usw.]


Und wenn niemand mehr außer mir sehen kann, dann gäbe es in gewisser Weise keine Fixierung aufs Bild, weder für die, weil sie es nicht kennen/können, auch nicht für mich, weil ich, was mein Bild betrifft auf mich zurückgeworfen bleibe/allein bleibe quasi? Wäre dadurch ein "immer schon angeblickt sein" ausgeschaltet?

Und wenn niemand mehr sehen kann? Gäbe es keine Festlegungen und Einschreibungen, die 'rein' auf Bildern beschränkt sind? Diese Repräsentationen, die Verbindungen herstellen, eher – hergestellt werden – all diese scheinbaren 'Natürlichkeiten' sind nicht mehr da, um sich daran 'festzuhalten'. Der Schautrieb, verlagert der sich? „Auge und Blick, dies ist für uns die Spaltung, in der sich der Trieb auf der Ebene des Sehfeldes manifestiert“ (Se11,79) und wenn das Objekt hier der Blick wäre (vgl Se11,89) gibt es diese Bewegung Objektursache des Begehrens ~ Objekt a ~ blicken ~ erblickt werden ~ trügerische Bilder ~ ... nicht? Verlagert es sich vielleicht aufs Hören oder Tasten?


Lacan greift u.a. auf Platons Höhlengleichniss zurück:„..,daß die Idee von der Vorstellung des Auges geleitet ist“, Idee von Welt, „in einem dem Dasein als höchstes Gut vorgesetzten Zweck sich bestimmt und damit eine Schönheit erreicht, die auch ihre Grenze ist“ (Se11,77). Finde eine Überlegung dieser Struktur ohne den Blick als Objekt interessant, was dies bedeuten würde für eine Gesellschaft und ihre 'Konstrukte'. --CoS 10:30, 9. Mär. 2012 (CET)

Wenn niemand mehr sehen könnte ...?

Die aufgeworfene Frage, was wäre, wenn niemand mehr sehen könnte, und ob sich der Schautrieb dann verlagern würde, ist, wie wir aus Alltagsschilderungen, gefestigt von Untersuchungen von und an Blinden landläufig wohl alle wissen, wohl evident. Dass nun letztlich andere sensorische Prozesse anspringen, dass die/der Betroffene auditiv feinere Wahrnehmung aufweist und - auch, wie am 8. März besprochen, in einer nur spärlich mit Bildern bestückten Psychoanalysepraxis - die Aufmerksamkeit auf das Innen und auf andere Sinne gelenkt wird, ist uns ebenfalls bekannt. Der Trieb Objektursache des Begehrens - Objekt a - blicken / erblickt werden - würde sich natürlich in der Folge verlagern. Eine für mich hochinteressante Frage möchte ich hier noch dazwischenschieben: Wir wissen ja, dass die Traumdeutung einen Eckpfeiler der Freud'schen Psychoanalyse bedeutet. Das Individuum verarbeitet im Taum seine stärksten Wünsche - das geht auch in Richtung "Trieb". Wir erinnern uns sicherlich an die Einheit vom 8. März und sehen das Rebus vor Augen: Sattel + "it" = Satellit. Fehlt der Sehtrieb - und der Trieb nach dem Angesehenwerden - welche Verlagerungen finden in der Traumwelt statt? Gibt es überhaupt Verlagerungen? Auf das oben aufgebrachte Höhlengleichnis umgelegt ergibt sich damit die Frage, ob es dann nicht schließlich auch im Großen wie im Kleinen (Staatsseele wie Menschenseele) einen derartigen Ruck gibt. Die oben aufgeworfene Überlegung, was ohne den Blick als Objekt in der Gesellschaft passiert, würde wohl ebenso ein Verlagern auf andere (politische/gesellschaftliche) Konstrukte bedeuten? --Leeloo0815 12:00, 11. Mär. 2012 (CET)


Wenn wir blind durchs Leben gehen...

Wenn wir blind durchs Leben gehen, bleibt uns noch immer die aufregende Welt des Hörens. Blinde sehen die Welt anders. In dieser Alterität bleiben wir gefangen, denn wir wissen nicht wie blinde beobachten. Sie orientieren sich mit anderen Sinnen, ersetzen daher fast ihr Sehen. Wenn wie oben genannt alle Menschen, in dieser radikalen Form, plötzlich blind wären, müssten wir gleichzeitig fragen, was ist mit denen die immer schon blind waren. Beim plötzlichen Erblinden bleiben uns Erinnerungen erhalten von Farben und Formen. Was ist aber, wenn wir niemals sehen konnten, keine Farben kennen? In der Zoologie finden sich einige Tiere, welche einen stark beeinträchtigen Sehnerv oder vollkommen blind existieren. Ein Beispiel ist die Fledermaus, da sie sich durch Echolotortung und ihrer Hochfrequenzschreie die Umgebung wahrnimmt. Der amerikanische Philosoph Thomas Nagel hat dies in einem Essay: „What Is It Like To Be a Bat?“ m Beispiel der Fledermaus festgestellt und gemeint, dass zwischen dem Subjekt und dem Anderen eine Wesenskluft herrscht, welche nicht für das Subjekt verständlich ist, aber auch nicht für das Andere. Für TN besteht kein Grund es uns vorstellen zu dürfen. Weiters rät er davon ab sich vorzustellen, Flughäute zu haben, mit ihrer Hilfe im Morgengrauen zu fliegen und dabei mit dem Mund Insekten zu fressen, fast blind zu sein und tagsüber an den Füssen hängend uns auszuruhen. Dies würde nur eine subjektive Erkenntnis, sprich wie es für mich wäre eine Fledermaus zu sein entwickeln. Vielmehr möchte er die Betrachtungsweise einer Fledermaus verstehen, also wie es für eine Fledermaus ist eine Fledermaus zu sein. Nagels Begründung ist die unzureichende Eigenschaften unseres eigenen beschränkten Bewusstseins.

„Unsere Erfahrung liefert Bestandteile für unsere daher beschränkten Phantasie.“

Diese gedankliche Unstimmigkeit ist eine Wirklichkeit, die wir nicht beschreiben können. Die plumpste Form gedanklicher Unstimmigkeit ist es, die Wirklichkeit dessen, was wir niemals beschreiben können, oder den Sinn dessen, was wir niemals verstehen können, zu leugnen. (NAGEL, Thomas, Wie es ist eine Fledermaus zu sein. Bodenheim Beltz S.265)’

Diese Ausführung Nagels berührt die Fragestellung nach den Begrifflichkeiten und dem Schema und Repräsentationssystem. Für Nagel ist deutlich, dass es Erfahrungen gibt, die außerhalb des menschlichen Erfahrungsspektrums liegen. Die Struktur erlaubt es uns nicht, mit treffenden Begriffen zu agieren. Aus dieser Beobachtung zieht Nagel den Schluss, dass es Tatsachen gibt, die nicht in menschlichen Gedanken und Wahrheiten erfolgen können. Wir müssen Fakten anerkennen, ohne sie beweisen zu können. Was wir tun können ist die Wahrnehmung der Fledermaus zu beschreiben, ihr Eigenschaften, welche wir zwar bestimmen aber nicht verstehen ihr zuzurechnen. Jedoch ist es für Nagel ein allgemeines Problem. Auch die Interaktion zwischen zwei Personen kann unsere Beschränkung des Verständnisses deutlich machen. So kann ich einem von Natur aus tauben und blinden Menschen nicht meine Perspektive von meiner Sicht aus betrachtet erklären und zumuten es wirklich zu verstehen. So können wir, wie ist es für eine Fledermaus eine Fledermaus zu sein aufgrund der Tatsache nicht über besagte Fähigkeiten zu verfügen und zwar die des subjektiven Charakters betreffend, nicht hinreichend beschreiben, weil wir auch nicht in der Lage sind, die besagten und verwendeten Begriffe uns zu veranschaulichen. Er sieht in den Begriffen eine gewissen Ordnung oder eine System der Repräsentation. Dadurch verstärkt sich der Gedanke von Tatsachen, welche der Mensch mangels der Begriffe nicht erklären kann.

„Mein Realismus bezüglich der subjektiven Domäne in allen ihren Formen impliziert die Überzeugung, dass es Tatsachen jenseits der Reichweite menschlicher Begriffe gibt.“(NAGEL, Thomas, Wie es ist eine Fledermaus zu sein. Bodenheim Beltz S.265)’

TN bringt ebenso den Gedanken, dass es vielleicht für einen Marsmenschen, eine nach Nagel dem Menschen ähnliche außerirdische Lebensform, selbst ebenso schwierig ist zu erklären wie es irgendwie ist als Mensch ein Mensch zu sein. So gewinnen wir die Einsicht, dass Eigenschaft der Perspektive ein Art Typus ist. Es ist oft leichter eine andere Perspektive einzunehmen als die eigene. Der für uns gesetzte Begriff der objektiven Meinung sieht Nagel ebenso als einen Subjektiven, da jener sich wiederum nur auf die eigene Wahrnehmung beruft. So befinden wir uns im Dilemma blind für das Blinde zu sein. Zurückkehrend auf die Psychoanalyse bleibt uns in dieser schleierhaften Vorstellung noch immer der Hinweis von Freud, nämlich die Besonderheit im Narzissmus. Im vergangenen Semester wurden wir über Narziss, der mythologischen Gestalt, welcher sich in sein Spiegelbild verliebte, sich in der Spiegelung der Wasseroberfläche sah, sich küssen (das Spiegelbild) küssen wollte und dabei ertrank. Dieser hatte eine Wegbegleiterin, welche Echo hieß und Stimmen bzw. das Gesagte der Anderen hervorragend wiedergeben konnte. Vielleicht ist im Werk Freuds „Einführung in den Narzissmus“ der Schlüssel für das Problem zwischen Ich und dem Anderen. In einer psychotherapeutischen Sitzung ist es üblich, dass der Analysant und der Analytiker sich nicht sehen. Für gewissen Therapeuten nimmt diese Regel, wie wir es in der Vorlesung gehört haben eine derart radikale Bedeutung an, den Raum möglichst danach zu gestalten, dass der Trieb des Sehens gar nicht erst durch gewisse Objekte befriedigt werden kann. Es bleibt also nur das Hören der eigenen Stimme und der Stimme der AnalytikerIn. Somit ist also die Gefahr gegeben, dass wie im letzten Film, durch einzelne „aha, oho, mhm“ ein neues Bild zur Vorstellung der AnalytikerIn entsteht und somit wieder eine stärkere Diskrepanz zum Hören sich entwickelt, welche vielleicht auch dem/der Klientin schaden kann. Jedoch könnte die/der AnalytikerIn auch den Vorteil nutzen und den Klienten beeinflussen, dass er oder sie zu einer Veränderung bereit wäre, die ihm/ihr zu gute kommt. Was meint ihr? --Ajk 11:45, 12. Mär. 2012 (CET)


-- Ausgehend davon, das diese Repräsentationen von Sichtbarem, von Sehenden, abgleitet werden, kann man überlegen, ob das bei einer nicht sehenden Gesellschaft, also eine die nur hören/tasten kann, ähnlich wäre, Repräsentationen von Wahrnehmbarem also? Sprache: „Als Abdruck des Geistes“, (Humboldt, weil so passend – über den Dualis, S. 21) → dasselbe könne gelten für Gehörtes – etwas wird gehört und dann begrifflich, irgendwie in etwas Sagbares(?) formuliert. In beiden Fällen wäre es so, dass Versprachlichtes, egal wie versprachlicht, eine Kluft erzeugt. Und wieder Humboldt „Es bleibt zwischen dem Wort und seinem Gegenstande eine so befremdende Kluft, das Wort gleicht, allein im einzelnen geboren, so sehr einem bloßen Scheinobjekt“ (S. 25). Etwas Bildhaftes scheint sozusagen weniger zu scheinen, ein Faktor vielleicht, warum es 'ausgeschltet' würde in einer Analyse. Objektivität erzeugt sich durch Wiederholung durch anderen „das Wort muß also Wesenheit, die Sprache Erweiterung in einem Hörenden und Erwidernden gewinnen“, Objektivität wage ich zu übersetzen mit einer Art Gültigkeit in Beziehung zur Anerkennung, in einer Analyse ist es vermutlich das oft nicht Erwidern, welches Wirkung zeigt.

Dieses mmhs und so weiter aus dem Film und was wann in einer Analyse schaden kann.. Wann kommt denn ein mh, ein ach, oder so... dann wenn d AnalytikerIn meint, es wäre jetzt passend, wohl selbst 'intuitiv' oder 'denkend' entlang von Strukturen, wo quasi gesucht, 'gewartet' wird auf ein Aussagen? Aber das ist wiederum von Subjektivität, einem sich eigenen Verorten, Platz schaffen innerhalb der 'Theorie', durchdrungen? Ein quasi offenes 'Hören', dass das jemand 'kann', das gibt’s glaube ich nicht so oft? U.Kadi sagte in einem Seminar mal „fast schon debiles Zuhören“ und das ist, wenn Methode im Vordergrund steht, nicht mehr möglich? „So befinden wir uns im Dilemma blind für das Blinde zu sein“

Das nicht sich-sehen in einer Analyse schließt im Grunde Mimik, Körperhaltung... aus? Diese sprechen doch auch, oder wäre hier die Ebene der Interpretation noch interpretativer? Weil die Interpretation entlang des Sprechens verläuft ja entlang dessen, dass das „Unbewusste strukturiert ist wie eine Sprache“ und man hier 'entschlüsseln' könne?! Wobei doch ein Subjekt sich selbst um sich dreht und irgendwann 'durchquert' quasi...fraglich in wie weit ein/e AnalytikerIn hier 'steuert' oder die Kreise enger werden lassen könne anhand von 'Methoden'?--CoS 22:17, 12. Mär. 2012 (CET)

Es ist für mich noch fraglich, ob die Körperhaltung speziell die Mimik aufgrund des Schautriebes ausgeschlossen wird. Prinzipiell wäre es doch interessant zu beobachten, wie die/der Klient auf gewisse Worte (nach Lacan: auf gewisse Signifikanten/Signifikaten) reagiert. Bleibt der Schautrieb verwehrt könnte dies sich auf einen „Hörtrieb“ verlagern, wie auch immer dies funktionieren könnte. Die/der AnalytikerIn hat durch diese Verminderung des Sehtriebes (oder Schautriebes ?!) jedenfalls eine enorme Verantwortung den KlientInnen gegenüber. Die Sprache neben ihren klanglichen Ausdruck auch ihre unterschiedlichen Synonyme in den einzelnen Worten bietet ein weites, unübersichtliches Spektrum. Je nach dem welche Methoden auch immer in der Therapiesitzung verwendet werden stelle ich mir die Frage, welche mir „den Kopf verdreht“: Wann ist das Schweigen der AnalytikerInnen essentiell und wann nicht? Hoffentlich hat dies nun nicht den Anschein, dass ich über Heuristiken in der Psychoanalyse nachdenke. Würde die Psychoanalyse so vorgehen, täten vielleicht die AnalytikerInnen den selben Fehler wie einst Freud bei einer seiner KlientInnen, indem er, bevor er sich mit einer Therapie durch Gespräche widmete, eine Massage zur Heilung seelischer Leiden einsetzte. Ich fürchte mit meinem bisherigen begrenzten erworbenen Wissen über die Psychoanalyse, dass es kein einheitliches Konzept für eine allgemeine Therapie gibt. Quasi müssten für jeden Menschen eine unterschiedliche Therapie angewandt werden. Dass die Sprache des Unbewussten jemals unverschlüsselt sein könnte, kann ich mir nicht vorstellen. Trotzdem soll man es weiter versuchen... --Ajk 08:05, 13. Mär. 2012 (CET)

Ich habe vor einiger Zeit ein relativ altes, aber dennoch interessantes Buch gelesen, das vielleicht auch einen Anreiz geben könnte aus anderer Perspektive darüber nachzudenken, warum es notwendig ist bei der Psychoanalyse, dass Analytiker und Analysand einander nicht sehen. Der Autor hat sich gefragt, warum die Dunkelheitsangst ein so universelles Phänomen ist und erklärt dies so: Der Mensch, geprägt durch den Geburtsvorgang, wo er um sein Leben kämpft indem er sich aus dem Dunkeln ins Licht "vorarbeitet", hat eine universelle Urangst vor der Dunkelheit. Diese steht in Beziehungen zu den Träumen, denen er in der Dunkelheit der Geburt ausgeliefert ist (so seine Theorie, wobei ich mich frage, ob diese Urangst tatsächlich bei jedem latent vorhanden ist?!) Die Dunkelheitsangst geht auch einher mit der Angst vor Alpträumen (also interessanterweise mit einer Angst vor Bildern, meiner Meinung nach eigentlich dem Gegenteil von Dunkelheit, weil die Bilder ja die Dunkelheit durchbrechen), weil hier frühe Traumata wieder auftauchen, vor allem wenn im Laufe des Tages irgendein Erlebnis den Erinnerungskreis angeführt hat (Janov, Arthur: Das befreite Kind, 197ff). Ich finde es interessant diesen fehlenden Blickkontakt unter dieser Perspektive zu betrachten, nämlich inwieweit dieser das Erleben der Urangst bei der Geburt provozieren will und so zur Übertragung beiträgt. --Tk 20:05, 13. Mär. 2012 (CET)



Wenn bei einer Geburt, der Weg vom Dunkeln ins Licht hinaus verläuft - "ins Licht vorarbeitet" - aber der 'erste' Platz der im Dunkeln war (Leib), dann müsse ja eine Art Licht-Angst resultieren, da man sich ja potentiell ca 9 Monate lang im Dunkeln wohl gefühlt hat? Lacan schreibt zur Angst vor der Dunkelheit bei Kindern Folgendes:

„Hier nun eine denkbare Antwort,... .Sie besteht ausgehend von der Konstitution des einem ersten Zugangsmodus korrelativen Objekts, der Erkenntnis/Anerkennung unserer eigenen Gestalt. Sie setzt, dass diese Erkenntnis in sich selbst begrenzt ist, denn sie lässt etwas von dieser ursprünglichen Besetzung unserem Sein entgehen, das durch die Tatsache gegeben ist, als Körper zu existieren. Ist das nicht eine nicht nur vernünftige, sondern auch nachvollziehbare Antwort, wenn behauptet wird, dass eben dieser Rest, dieser nicht verbildlichte Rückstand über irgendeinen Umweg, den wir bezeichnen können, sich auf dem für den Mangel vorgesehenen Platz manifestieren wird, und das auf eine Weise, die, eben weil sie nicht spiegelbildlich ist, infolgedessen unerkennbar (irrepérable) wird? Der Ausfall gewisser Merkmale (repères) ist schließlich eine Dimension der Angst“ (Se11,83)

Also mehr eine Art das was nicht sichtbar ist/war, das nicht bildhafte, das was da aber noch sei, das bilde eine Bahn auf der sich Angst breit machen kann. Inwieweit die Antwort Lacans nun nachvollziehbarer sein könne als andere, sei zur Diskussion gestellt. Anzumerken vielleicht, dass Lacan von der Furcht spricht und dann Angst erklärt und genaugenommen unterscheiden sich Furcht-vor und Angst-vor?

Zusatz: Kann man dieses Zitat wiederum ausweiten: Der Rest des nicht-Verbildlichten als Platz oder Spur von Ungewissheit, wiederum nicht versprachlicht, weil nicht 'sichtbar' und dazu wieder die Sprache, die Dinge scheinbar 'be/greifbar' macht, aussagbar, 'Gewissheit' schafft. Die Linien zwischen Ausdrücken, Repräsentationen für und zu den Dingen und auf diesen Linien ist eine Art scheinbares Erkennen-von, das zurückkommt, weil 'die Dinge' ja im Grunde bereits sprachlich besetzt sind... . Irgendwie,..also jedenfalls - diese Linien sollen vielleicht unterbrochen werden in einer Analyse? Weil eben diese Verbindung von Sehen/Ding/Sprache(wo auch Identität/Ich/Sein 'mitspielen'?!) so fixiert ist und diese Ebene 'verlassen' werden solle, damit die Ebene des 'Restes' erreicht werden kann?--CoS 14:40, 14. Mär. 2012 (CET)

Noch zu obiger Anmerkung zu Freuds 'Fehler' Analysen mit Massagen begonnen zu haben. Wenn Freud das als grundsätzliches 'Therapiemittel' getan hat, würde mich interessieren, ob er in dieser Hinsicht auch männliche Patienten hatte? Aber ich vermute, diese 'Therapieform' bezog sich mehr auf sogenannte Hysterikerinnen? --CoS 12:18, 14. Mär. 2012 (CET)

"Die Angst vor Bildern" in Alpträumen ist eine gute Überlegung, vor allem wenn man sich mit Melanie Kleins Konzept einer guten Brust und einer bösen Brust beschäftigt. Die böse Brust ist jene welche nicht mehr für das Kind erreichbar ist, so habe ich das vom letzten Semester noch in Erinnerung... Wäre auch möglich, dass ich mich irre. Wenn es stimmt, wäre es vielleicht analog zu betrachten, wenn Traumbilder als "Licht", Angst als eine Art Spannung bewirken. Bei von Geburt an erblindeten Menschen, sind höchstens einzelne Liichtfragmente sichtbar. Könnte sich daraus eine Angst entwickeln? --Ajk 15:22, 14. Mär. 2012 (CET)


Wie genau ist "Die Angst vor Bildern in Alpträumen" gemeint? Das man in Träumen Angst hat aufgrund des 'dort' erlebten? Und die Angst, die wiederum hat mit Dunkelheit zu tun und der Geburt, das Phänomen Geburt-Dunkel-Überlebenskampf sei eine ähnliche Ebene die das Phänonem des (Alp)Traums? Warum verliert sich Angst vor Dunkelheit (meist) in den ersten paar Lebensjahren? Und warum "Angst vor Bildern in - "? Natürlich hat Träumen was Bildhaftes, Filme, deren Schöpfer man ist aber so ganz auf die Bilder dort würde ich mich nicht fixieren, es liegt 'unter' den Bildern ja was drunter, sozusagen, davor hat man Angst, die Bilder repräsentieren 'nur'. Verbildichen, erzählen 'für dich', vielleicht, damit´s nich so dunkel ist im Traum^^


ps:ja die böse und die gute Brust, quasi analog zu Anwesenheit und Abwesenheit und das kann man vlt wiederum analog setzen zu hell (da) - dunkel (weg), wobei das insgesamt glaub etwas komplexer war mit Intro-und Projektionsvorgängen. --CoS 19:43, 14. Mär. 2012 (CET)