Diskussion:6. Dezember 2012: Unterschied zwischen den Versionen

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Vielleicht ist es, was die Sache mit dem Todestrieb angeht, hilfreich, von Ruhezustand zu sprechen. Ich kenn mich in dem Bereich kaum aus, aber vlt grundsätzlich eine Art Bestreben nach Ruhe,  (bei Freud müsste man sagen: des Organismus, ein anorganischer Zustand, bei Lacan ist es weniger 'biologisch'). Grundsätzlich geht es nicht um ein 'sterben wollen'. Vielleicht passt hier die 'Kehrseite' der jouissance? Wenn das Genießen kippt und grausam wird. Vielleicht ist das eine Art wo sich etwas Todestriebartiges zeigen kann. exzesshaftes Verhalten. Bsp: Studierendenparties - viele trinken bis sie umfallen und man bereut es, jedes Mal - warum tut man es dann wieder und wieder? Das müssen nicht Drogen sein, vielleicht kann das alles mögliche sein, was (immer wieder) ins Extrem geht? Hier ein [http://www.youtube.com/watch?v=Oo21OKX7q84 Interview], das vielleicht dazu passt? --[[Benutzer:CoS|CoS]] 07:45, 15. Jan. 2013 (CET)
 
Vielleicht ist es, was die Sache mit dem Todestrieb angeht, hilfreich, von Ruhezustand zu sprechen. Ich kenn mich in dem Bereich kaum aus, aber vlt grundsätzlich eine Art Bestreben nach Ruhe,  (bei Freud müsste man sagen: des Organismus, ein anorganischer Zustand, bei Lacan ist es weniger 'biologisch'). Grundsätzlich geht es nicht um ein 'sterben wollen'. Vielleicht passt hier die 'Kehrseite' der jouissance? Wenn das Genießen kippt und grausam wird. Vielleicht ist das eine Art wo sich etwas Todestriebartiges zeigen kann. exzesshaftes Verhalten. Bsp: Studierendenparties - viele trinken bis sie umfallen und man bereut es, jedes Mal - warum tut man es dann wieder und wieder? Das müssen nicht Drogen sein, vielleicht kann das alles mögliche sein, was (immer wieder) ins Extrem geht? Hier ein [http://www.youtube.com/watch?v=Oo21OKX7q84 Interview], das vielleicht dazu passt? --[[Benutzer:CoS|CoS]] 07:45, 15. Jan. 2013 (CET)
  
Doch noch was gefunden: Marcel Ritter: Eine Einführung des Genießens bei Lacan, in: Sexuelles Genießen - heute. Ende der Verdrängung, Berliner Brief, Sonderheft V
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Doch noch was gefunden: Marcel Ritter: ''Eine Einführung des Genießens bei Lacan'', in: Sexuelles Genießen - heute. Ende der Verdrängung, Berliner Brief, Sonderheft V
 
"Aus der Periode bis zum Seminar Encore [1972-1973] kann man mehrere Arten, zwei Sorten von Genießen zu unterscheiden, festhalten.
 
"Aus der Periode bis zum Seminar Encore [1972-1973] kann man mehrere Arten, zwei Sorten von Genießen zu unterscheiden, festhalten.
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1) Eine erste Unterscheidung setzt das, was Lacan das tödliche Genießen, genannt hat, das er auch das grundlegende Genießen nennen wird, dem sexuellen Genießen, entgegen. Diese beiden Genießens-Arten sind verknüpft durch die Verbindung zwischen dem Geschlechtlichen und dem Tod beim Sprechwesen - wobei wir den von Freud formulierten Trieb-Dualismus in Form von Lebenstrieb und Todestrieb wiederfinden.
 
1) Eine erste Unterscheidung setzt das, was Lacan das tödliche Genießen, genannt hat, das er auch das grundlegende Genießen nennen wird, dem sexuellen Genießen, entgegen. Diese beiden Genießens-Arten sind verknüpft durch die Verbindung zwischen dem Geschlechtlichen und dem Tod beim Sprechwesen - wobei wir den von Freud formulierten Trieb-Dualismus in Form von Lebenstrieb und Todestrieb wiederfinden.
  
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- in der Folge betrifft dieses tödliche Genießen den Körper, und zwar in erster Linie den eigenen Körper" (S. 28f)
 
- in der Folge betrifft dieses tödliche Genießen den Körper, und zwar in erster Linie den eigenen Körper" (S. 28f)
 
--[[Benutzer:CoS|CoS]] 10:15, 15. Jan. 2013 (CET)
 
--[[Benutzer:CoS|CoS]] 10:15, 15. Jan. 2013 (CET)
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Zum '''Todestrieb''' noch Folgendes:"Im Gegensatz zu einer weitverbreiteten Auffassung bedeutet der Todestrieb aber nicht 'den Tod wollen', sondern vielmehr 'etwas wollen, selbst wenn der Preis dafür der Tod ist'. Der Todestrieb ist kein Trieb, der den Tod anstrebt. Er strebt weder das Leben noch den Tod an. 'Tödlich' kann er gerade sein, weil er dem Tod gegenüber indifferent ist, weil er sich gar nicht mit dem Tod befasst, weil der Tod ihn überhaupt nicht interessiert." (Alenka Zupančič: Das Reale einer Illusion, Suhrkamp Verlag, 2001, Seite 13f)

Aktuelle Version vom 29. Januar 2013, 16:00 Uhr

--A0601412 19:20, 8. Dez. 2012 (CET)Anfang: Männer besitzen doch einen Penisstolz, und ist das bei Frauen auch so, dass sie einen Vaginastolz haben? Oder sind sie eher passiv gelagert und sind überhaupt in Ihrer sexuellen Entwicklungsphase froh, dass sie den Penisneid überwinden konnten? Ende--A0601412 19:20, 8. Dez. 2012 (CET)

--A0601412 07:24, 9. Jan. 2013 (CET)Ich hoffe ihr hattet einen guten Rutsch 2013, ich hatte insgesamt fast 3 Wochen und bin auch ins neue Jahr krank gerutscht leider. 1.) Im Vortrag vom 06.12.2012 wurde erzählt, dass die Frau auf einen Männlichkeitsbestreben gerichtet ist, dass von Anfang an nicht gerecht ist. Des weiteren wurde sodann erwähnt, dass nach der phallischen Phase das Bestreben der Frau nach Männlichkeit einem Verdrängungsprozess unterliegt und aus dem Schicksal ausfällt. Inwiefern werden diese Gefühle wieder ins Bewusstsein gedrängt? Gibt es noch Phasen nach der phallischen Phase bei der Frau, in denen sie mit solchen Männlichkeitsbestrebungen psychologisch rechnen muss? Es gibt Frauen, die sind wirklich im Verhalten, in der Bekleidung und im Aussehen fast wie Männer unterwegs und es fällt ihnen überhaupt nicht auf. In der Sexualität jedoch zeigt sich !manchmal! dann, dass solche Frauen zur Homosexualität (!muss nicht sein!) neigen können. In welchen Lebensphasen der Frau ist das feststellbar? Beziehungsweise gibt es Lebensabschnitte der Frau, wo sie sich diesem Männlichkeitsbestreben selbst psychologisch bewusst wird? Sozuagen ein psychisches zu sich bzw. in sich kommen (erwachen wie ich werde mir bewusst). Bei unerfüllter Sexualität kann ich mir vorstellen, dass es ein Grund dieses in sich kommens werden kann.

2.) Im Vortrag über die Erklärung von Lacans Verständnis über das sexuelle Genießen, wirkte die Stelle mit dem Todestrieb angsteinflößend auf mich. Lacan denkt also, dass jeder Trieb Sexual- und Todestrieb ist. Dem kann ich mich nicht anschließen. Ich begründe es damit, dass der Mensch zu jederzeit nach seiner sexuellen Reifephase bei normaler Entwicklung nach Sexualität bestrebt ist, dass dieses Bedürfnis nach Sexualität nach einer Trieberregung befriedigt werden will, und dann durch die Erfüllung der Sexualität einige Zeit ausgelöscht bzw. getilgt ist, bis zum nächsten Bedürfnis, aber im Todestrieb kann das eindeutig nicht so sein. Der Mensch hat prinzipiell bei Normalentwicklung ein Bestreben nach dem Leben und Angst vor dem Tod. Der Todestrieb wird durch Angst teilweise in Gang gesetzt, wenn man vor allem psychisch unter der Auswirkung von schweren Krankheiten wie Herzkrankheiten, Krebskrankheiten, oder schwere Lungenentzündungen, Nierenerkrankungen leidet, ausgelöst. Der Todestrieb ist aber nicht das gestriebe Ziel des Menschen, dass erreicht werden will? Oder habe ich jetzt falsch gedacht? Weil die Erfüllung jedes Triebes ist das Ziel! Und das Ziel des Todestriebes wäre bei Erfüllung der Tod als Folge? Dem Todestrieb wirkt dem Mensch sein Leben lang entgegen. Ich bitte um Aufklärung! […]Vor allem im Buch über Lacan von August Ruhs, steht dann die Begründung warum Sexual- und Todestrieb für Lacan das gesamte Bild jedes Triebes ist, und dass es auf sofortige Befriedigung aus ist und auf seine eigene Auslöschung hinarbeitet.[…] Zitat: Ruhs/ August: Lacan: Eine Einführung in die strukturale Psychoanalyse, Wien: Löcker 2010, S. 45. Das kann für mich nicht in Einklang sein, sondern nur in Ausnahmezuständen, wenn z.B. Sexual- und Todestrieb in einem wirken würden und wenn der Mensch bei der Erfüllung seiner Sexualität mit dem Sexualpartner gleichzeitig mit Todesgefühlen kämpfen müsste, dass er durch Erfüllung seiner Sexualität mit dem Tod rechnen würde. (Ist mir beim Menschen nicht so bewusst. Aber bei Spinnen gibt es sexuelle Paarungen, worin das riesengroße Weibchen sich mit dem Männchen paart, und nach der Befruchtung den Sexualpartner, also das Männchen, tötet. Da wären auch Todestriebe beim Männchen, hervorsehbar und gerecht, in Gang.) Ich bin eindeutig der Meinung, dass Sexualtrieb und Todestrieb zwei getrennte Triebe sind. Eine Person, die schwer erkrankt ist, ist nicht mit dem Sexualtrieb beschäftigt, sondern mit seinem Todestrieb! Das Bedürfnis ab und zu geliebt zu werden sind Begleiterscheinungen, aber den Mittelpunkt und Höhepunkt einer schweren Erkrankung bildet der Todestrieb, und dieser wird auf keinem Fall mit dem Sexualtrieb begleitet.



Zunächst mal hierzu:"Es gibt Frauen, die sind wirklich im Verhalten, in der Bekleidung und im Aussehen fast wie Männer unterwegs und es fällt ihnen überhaupt nicht auf". Mir scheint, dass deine Argumentation entlang von Stereotypen verläuft... wann ist eine Frau 'keine' mehr? Zu breite Schultern? Harscher Gang? Wenn sie ein Baumfällerhemd trägt? Und wenn sie dazu aber wiederum einen Rock trüge, wärs dann wieder 'in Ordnung'? Ich glaube inzwischen nicht mehr an Dinge, wie du sie nennst, "Männlichkeitsbestreben" und all das. Ich denke, es liegen da andere Dinge 'drunter' und schlussendlich geht es um ein 'sich organisieren und etablieren'(also den eigenen Körper zum eigenen werden lassen (können)), wo Begriffe wie Mann und Frau zwar eine Rolle spielen, aber nicht in der (unhinterfragten) Art und Weise, wie sie oft verwendet werden. Ob nun jemand zu Homosexualität neigt oder nicht, kann von vielen Dingen abhängen, abgesehen davon, ist bekannt, dass vor allem bei Frauen das sexuelle Begehren oft eher flexibel ist und sich oftmals ändern kann (stand glaube ich eh in einem der ersten Texte über Bisexualität?). Dazu wieder die Frage: Wieviel Gewicht legt man auf die Sexuierung und wieviel aufs Erscheinungsbild?

Vielleicht ist es, was die Sache mit dem Todestrieb angeht, hilfreich, von Ruhezustand zu sprechen. Ich kenn mich in dem Bereich kaum aus, aber vlt grundsätzlich eine Art Bestreben nach Ruhe, (bei Freud müsste man sagen: des Organismus, ein anorganischer Zustand, bei Lacan ist es weniger 'biologisch'). Grundsätzlich geht es nicht um ein 'sterben wollen'. Vielleicht passt hier die 'Kehrseite' der jouissance? Wenn das Genießen kippt und grausam wird. Vielleicht ist das eine Art wo sich etwas Todestriebartiges zeigen kann. exzesshaftes Verhalten. Bsp: Studierendenparties - viele trinken bis sie umfallen und man bereut es, jedes Mal - warum tut man es dann wieder und wieder? Das müssen nicht Drogen sein, vielleicht kann das alles mögliche sein, was (immer wieder) ins Extrem geht? Hier ein Interview, das vielleicht dazu passt? --CoS 07:45, 15. Jan. 2013 (CET)

Doch noch was gefunden: Marcel Ritter: Eine Einführung des Genießens bei Lacan, in: Sexuelles Genießen - heute. Ende der Verdrängung, Berliner Brief, Sonderheft V "Aus der Periode bis zum Seminar Encore [1972-1973] kann man mehrere Arten, zwei Sorten von Genießen zu unterscheiden, festhalten.

1) Eine erste Unterscheidung setzt das, was Lacan das tödliche Genießen, genannt hat, das er auch das grundlegende Genießen nennen wird, dem sexuellen Genießen, entgegen. Diese beiden Genießens-Arten sind verknüpft durch die Verbindung zwischen dem Geschlechtlichen und dem Tod beim Sprechwesen - wobei wir den von Freud formulierten Trieb-Dualismus in Form von Lebenstrieb und Todestrieb wiederfinden.

2) Das tödliche Genießen ist im Seminar über Die Ethik der Psychoanalyse mit dem Genießen des Dings eingeführt worden, wo das Ding als Ort der Ort des Genießens ist. Und dieser Ort ist unter anderem definiert als der Ort des Bösen, der Zerstörung, der auf den Nebenmenschen gerichtete Aggressivität, also des Todestriebs. - in der Folge betrifft dieses tödliche Genießen den Körper, und zwar in erster Linie den eigenen Körper" (S. 28f) --CoS 10:15, 15. Jan. 2013 (CET)

Zum Todestrieb noch Folgendes:"Im Gegensatz zu einer weitverbreiteten Auffassung bedeutet der Todestrieb aber nicht 'den Tod wollen', sondern vielmehr 'etwas wollen, selbst wenn der Preis dafür der Tod ist'. Der Todestrieb ist kein Trieb, der den Tod anstrebt. Er strebt weder das Leben noch den Tod an. 'Tödlich' kann er gerade sein, weil er dem Tod gegenüber indifferent ist, weil er sich gar nicht mit dem Tod befasst, weil der Tod ihn überhaupt nicht interessiert." (Alenka Zupančič: Das Reale einer Illusion, Suhrkamp Verlag, 2001, Seite 13f)