Die Computer (mse)

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Walter Ong hebt hervor, dass die Niederschrift von Texten sie der Vergangenheit zuordnet. Ein Text ist immer schon niedergeschrieben worden. Leben ist gegenwärtig, ständige Präsenz. Auch Quellcode ist ein textliches Konstrukt, das in der Laufzeit realisiert wird. Diese Beobachtungen gelten für den herkömmlichen Umgang mit Wort und Schrift. Sie passen aber nicht mehr zu den Entwicklungen der globalen digitalen Vernetzung.

Chats sind textuelle live Gespräche. Die Eingabe einer URL ist ein aktueller Befehl, im Unterschied zur schriftlichen Weitergabe einer URL, die eine Adressmitteilung ist. Beiträge im Wiki werde instantan verteilt. Während ein Kollege Videoclips auf den ftp-Server lädt, speichere ich sie auf eine externe Festplatte, um sie im Hörsaal vorführen zu können. Der Schriftgebrauch ist allgegenwärtig geworden.

Einige Kontrollpunkte zum Verhältnis zwischen dem traditionellen Buch und elektronischer Informationsverarbeitung:

  • Bücher haben einen Abgabetermin
  • Bücher haben ein Erscheinungsdatum
  • in der Softwareentwicklung gibt es stattdessen einen feature freeze

Die Technologie Buchdruck ist mit einem spezifischen Zeitablauf verbunden, der fest in das kulturelle Selbstverständnis eingeschrieben ist. Dieses Muster wird in vielen Fällen durch neue Verfahrensweisen erweitert und ausser Kraft gesetzt.

  • in der Hand halten / am Desktop aufrufen
  • Schritt für Schritt / Simultaneität
  • Inhaltsverzeichnis, Index / Suchfunktion
  • Autoren und Verlage / Multimediale Informationsprovider
  • einzelne Benutzer / vernetzter Informationsfluss

Zum Beispiel Wittgenstein:

Wenn ich für mich denke ohne ein Buch schreiben zu wollen, so springe ich um das Thema herum; das ist die einzige mir natürliche Denkweise. In einer Reihe gezwungen fortzudenken ist mir eine Qual. Soll ich es nun überhaupt probieren? Ich verschwende unsägliche Mühe auf ein Anordnen der Gedanken, das vielleicht gar keinen Wert hat. (15.9.1937)
Dieses Buch besteht aus Bemerkungen die ich im Lauf von 8 Jahren über den Gegenstand der Philosophie geschrieben habe. Ich habe oft vergebens versucht sie in eine befriedigende Ordnung zu bringen oder am Faden eines Gedankenganges aufzureihen. Das Ergebnis war künstlich & unbefriedigend, & meine Kraft erwies sich als viel zu gering es zu Ende zu führen. Die einzige Darstellung, deren ich noch fähig bin, ist die, diese Bemerkungen durch ein Netz von Zahlen so zu verbinden, daß ihr, äußerst komplizierter, Zusammenhang sichtbar wird. Möge dies statt eines Besseren hingenommen werden was ich gerne geliefert hätte. (16.9.1937)