Die Computer (mse): Unterschied zwischen den Versionen

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:Aber wie anders machen, Glaukon? fragte ich.
 
:Aber wie anders machen, Glaukon? fragte ich.
  
:Dem Brauche gemäß, antwortete er, aufpolstern müssen sie gelagert sein, denke ich, wenn sie nicht ein elendes Leben führen sollen, und an Tischen speisen sowohl Zukost, wie man sie jetzt hat, als auch Nachtisch.
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:Dem Brauche gemäß, antwortete er, auf Polstern müssen sie gelagert sein, denke ich, wenn sie nicht ein elendes Leben führen sollen, und an Tischen speisen sowohl Zukost, wie man sie jetzt hat, als auch Nachtisch.
  
 
:Gut, versetzte ich, ich verstehe: Wir betrachten, scheint's, nicht bloß, wie ein Staat entsteht, sondern gleich auch einen üppigen Staat. Nun, vielleicht schadet's gar nichts; denn wenn wir auch einen solchen betrachten, so gewahren wir vielleicht die Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, wie sie in den Staaten sich erzeugen. Das wahre Gemeinwesen nun zwar scheint uns das beschriebene zu sein, gleichsam eines im Zustande der Gesundheit; wenn ihr aber wollt, daß wir auch das aufgedunsene Gemeinwesen besehen, so steht dem nichts im Wege.  Es werden nämlich, scheint es, diese Dinge manchen nicht genügen, auch nicht diese Lebensweise, sondern es werden noch Polster dabei sein und Tische und sonstiges Gerät, ferner Zukost und Salben und Räucherwerk und Freudenmädchen und Backwerk, und zwar alles dies in großer Auswahl. Und auch in bezug auf das, was wir zuerst nannten, werden wir nicht mehr bloß das Unentbehrliche annehmen, nämlich bei den Häusern und Kleidern und Schuhen, sondern die Malerei muß man in Bewegung setzen und Gold und Elfenbein und alles dergleichen anschaffen, nicht wahr?
 
:Gut, versetzte ich, ich verstehe: Wir betrachten, scheint's, nicht bloß, wie ein Staat entsteht, sondern gleich auch einen üppigen Staat. Nun, vielleicht schadet's gar nichts; denn wenn wir auch einen solchen betrachten, so gewahren wir vielleicht die Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, wie sie in den Staaten sich erzeugen. Das wahre Gemeinwesen nun zwar scheint uns das beschriebene zu sein, gleichsam eines im Zustande der Gesundheit; wenn ihr aber wollt, daß wir auch das aufgedunsene Gemeinwesen besehen, so steht dem nichts im Wege.  Es werden nämlich, scheint es, diese Dinge manchen nicht genügen, auch nicht diese Lebensweise, sondern es werden noch Polster dabei sein und Tische und sonstiges Gerät, ferner Zukost und Salben und Räucherwerk und Freudenmädchen und Backwerk, und zwar alles dies in großer Auswahl. Und auch in bezug auf das, was wir zuerst nannten, werden wir nicht mehr bloß das Unentbehrliche annehmen, nämlich bei den Häusern und Kleidern und Schuhen, sondern die Malerei muß man in Bewegung setzen und Gold und Elfenbein und alles dergleichen anschaffen, nicht wahr?

Version vom 3. Juni 2011, 06:47 Uhr

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Walter Ong hebt hervor, dass die Niederschrift von Texten sie der Vergangenheit zuordnet. Ein Text ist immer schon niedergeschrieben worden. Leben ist gegenwärtig, ständige Präsenz. Auch Quellcode ist ein textliches Konstrukt, das in der Laufzeit realisiert wird. Diese Beobachtungen gelten für den herkömmlichen Umgang mit Wort und Schrift. Sie passen aber nicht mehr zu den Entwicklungen der globalen digitalen Vernetzung.

Chats sind textuelle live Gespräche. Die Eingabe einer URL ist ein aktueller Befehl, im Unterschied zur schriftlichen Weitergabe einer URL, die eine Adressmitteilung ist. Beiträge im Wiki werde instantan verteilt. Während ein Kollege Videoclips auf den ftp-Server lädt, speichere ich sie auf eine externe Festplatte, um sie im Hörsaal vorführen zu können. Der Schriftgebrauch ist allgegenwärtig geworden.

Einige Kontrollpunkte zum Verhältnis zwischen dem traditionellen Buch und elektronischer Informationsverarbeitung:

  • Bücher haben einen Abgabetermin
  • Bücher haben ein Erscheinungsdatum
  • in der Softwareentwicklung gibt es stattdessen einen feature freeze

Die Technologie Buchdruck ist mit einem spezifischen Zeitablauf verbunden, der fest in das kulturelle Selbstverständnis eingeschrieben ist. Dieses Muster wird in vielen Fällen durch neue Verfahrensweisen erweitert und ausser Kraft gesetzt.

  • in der Hand halten / am Desktop aufrufen
  • Schritt für Schritt / Simultaneität
  • Inhaltsverzeichnis, Index / Suchfunktion
  • Autoren und Verlage / Multimediale Informationsprovider
  • einzelne Benutzer / vernetzter Informationsfluss

Zum Beispiel Wittgenstein:

Wenn ich für mich denke ohne ein Buch schreiben zu wollen, so springe ich um das Thema herum; das ist die einzige mir natürliche Denkweise. In einer Reihe gezwungen fortzudenken ist mir eine Qual. Soll ich es nun überhaupt probieren? Ich verschwende unsägliche Mühe auf ein Anordnen der Gedanken, das vielleicht gar keinen Wert hat. (15.9.1937)
Dieses Buch besteht aus Bemerkungen die ich im Lauf von 8 Jahren über den Gegenstand der Philosophie geschrieben habe. Ich habe oft vergebens versucht sie in eine befriedigende Ordnung zu bringen oder am Faden eines Gedankenganges aufzureihen. Das Ergebnis war künstlich & unbefriedigend, & meine Kraft erwies sich als viel zu gering es zu Ende zu führen. Die einzige Darstellung, deren ich noch fähig bin, ist die, diese Bemerkungen durch ein Netz von Zahlen so zu verbinden, daß ihr, äußerst komplizierter, Zusammenhang sichtbar wird. Möge dies statt eines Besseren hingenommen werden was ich gerne geliefert hätte. (16.9.1937)

Abrufen, Anrufen, Aufrufen

Das Funktionieren des Internet stellt man sich sinnvoller Weise in einem Schichten-Modell vor. Auf die hardware-technischen Voraussetzungen sind Transport- und Kommunikationsebenen aufgesetzt. Ab der Definition von "Datenpaketen" sind diese Abläufe durch digitalisierte Informationen und Befehle gesteuert. Die Übertragungen im Rahmen von TCP/IP können instantan und global erfolgen. Anders als Telefonverbindungen oder Rundfunkt/Fernsehen unterliegen sie einer strikten Textkontrolle. Die Charakteristik der Gegenwärtigkeit und jene der Niederschrift überlagern sich.

Man kann sich vorstellen, dass ein Zettel in einem Augenblick von Europa nach Australien transportiert wird.

TCP/IP Schichtenmodell | ISO/OSI-7-Schichtenmodell

Internet Protokoll (IP)

FTP

File Transfer Protocol

SMTP

Simple Mail Transfer Protocol

Beispiel SMTP Austausch

Beispiel SMTP Unfug

HTTP

Hypertext Transfer Protocol

Textwelten

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Re:Public, ein Textabenteuer

Philosophy and Interactive Fiction

Zu Platons Staatslehre


Jacques Ranciere: The Order of the City (Critical Inquiry 30. Winter 2004. S.273)

It is at this point that Glaucon intervenes. He is Socrates’s interlocutor and Plato’s brother, and in his view this republic of workers is fit only for pigs. He wants its banquets to have different forms of pomp and new ornaments: couches and tables, fancy seasonings and dainty tidbits, fragrances and courtesans, and so on. ... To please Glaucon, Socrates will bid a nostalgic farewell to the healthy city, and we are ushered into the city of humors and arts of refined living. Glaucon’s intervention makes visible the subterranean logic of the preceding moment. Justice exists only through the disordering of health and, as such, was already indirectly at work in the interplay of lacks, excesses, and fluctuations that were upsetting slightly the perfect equilibrium of the healthy city. Justice is the returning of healthy and useful workers to their specific place. The new city, the one where injustice and justice are possible and thinkable, begins with the seasonings and decorum of the banquet.
If the city began with the clearcut distribution of useful workers, politics begins with the motley crowd of the unuseful who, coming together into a mass of “workers,” cater to a new range of needs—from painters and musicians to tutors and chambermaids, from actors and rhapsodists to hairdressers and cooks, from the makers of luxury articles to swineherds and butchers. But in this mixed crowd of parasites don’t we need to acknowledge that some workers really are as useful as those in the original group, as long as they, too, agree to do only one thing at a time?

Platon: Der Staat, 371 passim

Ist nun, Adeimantos, unser Staat so erwachsen, daß er vollständig ist?
Vielleicht.
Wo wäre nun wohl in ihm die Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit? Und in welchem von dem Betrachteten ist sie mit hineingekommen?
Ich weiß es nicht, Sokrates, versetzte er, wenn nicht etwa in einem Bedürfnis derselben in ihrem Verhältnis zu einander.
Vielleicht, sagte ich, hast du recht, gehen wir denn ohne Zögern an die Untersuchung! Fürs erste nun wollen wir sehen, auf welche Weise die so Eingerichteten leben werden. Nicht wahr, sie werden beim Bereiten von Getreide und Wein und Kleidern und Schuhen und beim Bauen von Häusern in der guten Jahreszeit meist leicht gekleidet und unbeschuht arbeiten, in der schlechten aber gehörig eingehüllt und beschuht? Und sich nähren werden sie dadurch, daß sie aus Gerste grobes und aus Weizen feines Mehl verfertigen und das eine auswirken, das andere kneten? Dann werden sie tüchtige Laibe und Weißbrote auf Stroh oder reinlichem Laube vor sich hinstellen, gelagert auf Streuen von Efeu und Myrten, und werden schmausen samt ihren Kindern und Wein dazu trinken, bekränzt und die Götter preisend, und fröhlich mit einander verkehren und nicht mehr Kinder zeugen, als sie ernähren können, aus Furcht vor Armut und Kämpfen.
Da fiel Glaukon ein: Es scheint, du läßt die Leute ohne Zukost schmausen.
Du hast recht, versetzte ich. Ich habe vergessen, daß sie auch Zukost haben werden, natürlich werden sie Salz und Oliven und Käse und Zwiebeln und Gemüse, was man eben auf dem Lande zu benützen pflegt, zubereiten. Auch einen Nachtisch wollen wir ihnen meinethalben vorsetzen von Feigen und Kichererbsen und Bohnen, und Myrtenbeeren und Eicheln werden sie am Feuer rösten und mäßig dazu trinken, und so werden sie friedlich und gesund, wie natürlich, ihr Leben verbringen und in hohem Alter sterbend ihren Nachkommen ein anderes ähnliches Leben hinterlassen.
Da meinte jener: Würdest du, Sokrates, ein Gemeinwesen von Schweinen aufbauen, mit was anderem als hiermit würdest du sie füttern?
Aber wie anders machen, Glaukon? fragte ich.
Dem Brauche gemäß, antwortete er, auf Polstern müssen sie gelagert sein, denke ich, wenn sie nicht ein elendes Leben führen sollen, und an Tischen speisen sowohl Zukost, wie man sie jetzt hat, als auch Nachtisch.
Gut, versetzte ich, ich verstehe: Wir betrachten, scheint's, nicht bloß, wie ein Staat entsteht, sondern gleich auch einen üppigen Staat. Nun, vielleicht schadet's gar nichts; denn wenn wir auch einen solchen betrachten, so gewahren wir vielleicht die Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, wie sie in den Staaten sich erzeugen. Das wahre Gemeinwesen nun zwar scheint uns das beschriebene zu sein, gleichsam eines im Zustande der Gesundheit; wenn ihr aber wollt, daß wir auch das aufgedunsene Gemeinwesen besehen, so steht dem nichts im Wege. Es werden nämlich, scheint es, diese Dinge manchen nicht genügen, auch nicht diese Lebensweise, sondern es werden noch Polster dabei sein und Tische und sonstiges Gerät, ferner Zukost und Salben und Räucherwerk und Freudenmädchen und Backwerk, und zwar alles dies in großer Auswahl. Und auch in bezug auf das, was wir zuerst nannten, werden wir nicht mehr bloß das Unentbehrliche annehmen, nämlich bei den Häusern und Kleidern und Schuhen, sondern die Malerei muß man in Bewegung setzen und Gold und Elfenbein und alles dergleichen anschaffen, nicht wahr?