Benutzer Diskussion:Bai ganyo/bezüglich des Projektes

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Version vom 8. Januar 2009, 15:03 Uhr von Mape (Diskussion | Beiträge) (Kommentar zu "Wie seht ihr das?")
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Denken und Handeln

Ich denke, der Ansatz wäre leicht zu implementieren, wobei die Herausforderung eher in den inhaltlichen Festlegungen liegt, die in diesem Satz zu Tage kommen:

Irgendwann wird er/sie dann genug haben und sich wehren, dann treten unsere Verzweigungen ein, die so weitreichend, wie möglich sein müssen. Dabei dürfen wir natürlich nur nach Sokratischer Art und Weise argumentieren und müssen viele verschiedene Antworten des/der Spielenden voraussehen können.

Wir haben uns in diesem Semester intensiv mit dem ersten Buch beschäftigt und sicherlich einige Antwortmöglichkeiten bzw. Nachfragen, die man einwenden könnte, aufgezeigt. Es ist natürlich die Frage, ob es damit getan ist, dass Sokrates antwortet "Das weiß ich nicht und ich bin auch stolz darauf" und dann ganz normal im Text weitergeht - oder ob man so einen richtigen Exkurs einführen soll, der die Frage behandelt.

Das Problem, das ich - soweit ich es verstanden habe - mit Sokrates als Automaten habe ist, dass man die Raum-&Szenario-Möglichkeiten von Inform7 nicht ausnützt. Man sitzt quasi vor diesem Automaten und redet mit dem. Dazu bräuchte man nur einen Raum (Eigentlich ist das eine Widerspiegelung der Situation, in der sich der Spieler aus Fleisch und Blut vor dem Computer befindet). Interessant wäre es - von mir aus lassen wir sie alle Künstliche Intelligenzen in einer SkiFi-Umgebung sein - die Gesprächspartner von Sokrates auch in die Welt zu nehmen. Wenn ein Einwand vom Spieler kommt, der nicht im Rahmen von Sokrates Argumentation behandelet werden kann, dann könnte einer dieser Gesprächspartner die Rolle übernehmen. Die Frage ist, ob Gespräche auf die Dauer nicht zu langweilig werden. Dann sind wir ja wirklich nicht mehr soweit vom statischen Text entfernt.

Es ist IMHO verführerisch, den Ansatz von HAL irgendwie mit in die Welt einzubauen, weil der Spieler dann nicht nur über die Dinge redet, sondern indem er Entscheidungen trifft, die in Einklang oder Widerspruch zu den platonischen/sokratischen Maximen stehen, seine Handlungsmöglichkeiten in der virtuellen Welt verändert werden. Das ist das Tolle in einer virtuellen Welt - man kann ihr Gesetzmäßigkeiten geben, die in der Welt, in der wir mit Fleisch und Blut leben, nicht oder nicht so stark vorkommen. Das kann man jetzt mit Wegweisern implementieren oder mit einem Sokrates-Automaten, der immer wieder mal im Spiel vorkommt, mit dem man redet wie mit einem Zen-Meister, bei dem man Entscheidungen trifft, die die Handlungsmöglichkeiten und die Weltgesetzmäßigkeiten verändern - aber in Anbetracht der Möglichkeiten von Inform7 wäre es schade, wenn wir das nicht aufgreifen würden.

Schlechtes Beispiel: Und was ist jetzt Gerechtigkeit?

Du redest mit Sokrates und bist der Meinung von Trasymachos, dass Gerechtigkeit der Vorteil des Stärkeren sei. Plötzlich verspürst du den Drang, eine Toilette aufsuchen zu müssen. Du verabschiedest dich von Sokrates und machst dich auf die Suche. Plötzlich wirst du von zwei 2m-großen Typen angerempelt, niedergeschlagen und ausgeraubt. Das ganze ging so schnell, dass du dich nicht wehren konntest. Nachdem du wieder halbwegs bei Bewusstsein bist, gehst du zurück zu Sokrates, der dich fragt: "Du bist also immer noch der Meinung, Gerechtigkeit sei der Vorteil des Stärkeren?".

In Inform7 könnte man das sicher implementieren mit einem Szenario "Gang zur Toilette", in der du mit einer 50%-Wahrscheinlichkeit zusammengeschlagen wirst - und mit einer 50%-Wahrscheinlichkeit nicht. Das wäre ein Beispiel, wo Entscheidungen unmittelbar Konsequenzen zeigen können und wo der Spieler - wenn er diese Einstellung vertrat - ins Denken kommt und sich fragt, ob damit Gerechtigkeit adäquat erfasst ist. Er kann natürlich weiterhin bei seiner Überzeugung bleiben - ein virtuelles blaues Auge muss einem davon ja nicht abhalten :)

Interactive Fiction und Universitätsbetrieb

Meines Erachtens nach, übersteigt ein Platokommentar dieser Art, dass auch Hand und Fuß haben soll, eindeutig die Grenzen dieses Seminars.
Damit nun das Ganze sich als Computerspiel rechtfertigen kann vor einem universitären Betrieb, der solchen wohl eher skeptisch gegenübersteht

Ich würde das ganze weniger als Computerspiel sehen - das nur der Unterhaltung dient - sondern mehr als ein Gedankenexperiment, das wir nach unseren philosophischen Überlegungen ausgestalten können und das den Vorteil hat, dass wir es nicht nur niederschreiben, sondern das auch in Operation bringen und beoachten können. Eine Simulation; wie wäre die Welt, wenn... Und Simulationen sind kontemporär durchaus wissenschaftliche Werkzeuge.


Wie seht ihr das?--Andyk 13:40, 8. Jan. 2009 (CET)

  • Meiner Meinung nach dienen Computerspiele nicht nur der Unterhaltung, im Gegensatz zu anderen Dinge dürfen sie aber auch unterhalten ;-) Eine reine Simulation geht ein wenig am Thema vorbei, da es ja Platons Staat Interaktiv heißt. Eine Simulation würde bedeuten Dinge, etwas immer wieder durchzuarbeiten/durchlaufen zu lassen, wobei nur kleine Parameter geändert werden, das hat für mich wenig mit Interaktion zu tun.
  • Es sollte daher mal das Umfeld genauer abgesteckt werden, wie das Projekt vollzogen werden soll. Einige Fragen drängen sich dabei auf: Wer ist unsere Zielgruppe? Was wollen wir damit erreichen? Was soll es werden? ... danach müssten wir uns auch mal über eine Umsetzung Gedanken machen. Wie schaut das Setting aus? Wer sind die Charakatere, welche Eigenschaften und Attribute besitzen sind? Wo spielt das Ganze?
  • Vielleicht wäre es ganz praktisch sich mal etwas anzuschauen wie entwickeln DrehbuchautorInnen Charaktere und Geschichten? Dazu wird es im Netz wahrscheinlich viel zu finden geben.
    • --mape 16:03, 8. Jan. 2009 (CET)