Benutzer:Simpkin/ Badiou, Platon, Pferde und Wittgenstein: Unterschied zwischen den Versionen

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(Badiou, Platon, Pferde und Wittgenstein)
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Je mehr wir uns über die Merkmale eines Pferdes einig werden, desto mehr Merkmale hat auch unsere Definition vom Begriff „Pferd“.
 
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wenn unsere Definition soweit ausreichend ist, dass wir das weiße Pferd auf der Koppel als solches erkennen (dh: das alle an der Definition beteiligten sagen: „Das ist ein weißes Pferd“), erkennen wir dasselbe Pferd auch wieder, wenn der Besitzer es für ein Turnier blau angemalt hat. „Blau“ ist eigentlich nicht in der Definition des Begriffs „Pferd“ enthalten, aber wir erkennen es trotzdem. Das bedeutet, dass wir Begriffe auch dann deuten können, wenn unsere Definition davon etwas grundsätzlich entgegen Gesetztes bietet.  
  

Version vom 23. Januar 2011, 21:54 Uhr

Badiou, Platon, Pferde und Wittgenstein

Die Idee des Pferdes setzt bestimmte Parameter voraus. Obwohl die Idee selbst nicht mitteilbar ist, können wir durch sprachlichen Austausch untereinander Parallelen zwischen den verschiedenen Vorstellungen feststellen und uns daran orientieren. Wenn ich mit anderen über Pferde rede, können wir uns vielleicht auf folgende Punkte einigen, die unbedingt notwendig sind, um ein Pferd als solches zu „erkennen“:

wir brauchen Nüstern, einen bestimmten Körperbau, einen Schweif (um es zB von einem Esel zu unterscheiden), eine Reihe von Farben, die möglich sind (zB braun, aber nicht blau).

Je mehr wir uns über die Merkmale eines Pferdes einig werden, desto mehr Merkmale hat auch unsere Definition vom Begriff „Pferd“. Es treten trotzdem zwei Probleme auf:

Erstens: wenn unsere Definition soweit ausreichend ist, dass wir das weiße Pferd auf der Koppel als solches erkennen (dh: das alle an der Definition beteiligten sagen: „Das ist ein weißes Pferd“), erkennen wir dasselbe Pferd auch wieder, wenn der Besitzer es für ein Turnier blau angemalt hat. „Blau“ ist eigentlich nicht in der Definition des Begriffs „Pferd“ enthalten, aber wir erkennen es trotzdem. Das bedeutet, dass wir Begriffe auch dann deuten können, wenn unsere Definition davon etwas grundsätzlich entgegen Gesetztes bietet.

Zweitens: Egal wie detailliert wir den Begriff „Pferd“ festlegen, es kommt trotzdem zu Fällen, wo unsere Definition nicht mehr anwendbar ist. Das Parahippus wäre genau so ein Fall: obwohl es grundsätzlich die obige Definition erfüllt, wird es nicht als „Pferd“ identifiziert. Es ist etwas pferdeähnliches, es kommt an den Begriff „Pferd“ nah heran, aber es ist eben doch kein Pferd.

Wittgenstein behandelt dieses Problem in seinen „Philosophischen Untersuchungen“: seiner Meinung nach kommt es durch Sprachgebrauch zu einer erlernten Bedeutung eines Wortes : „Warum kann ich das Pferd auf der Koppel als „weiß“ identifizieren?“ – „Weil ich in der deutschen Sprache den Gebrauch des Wortes gelernt habe.“ Selbst wenn zwei Menschen, von denen der eine die Farbe des Pferdes subjektiv anders wahrnimmt (etwa braun) würde er immer noch mit „weiß“ antworten, fragte man ihn nach der Farbe des Pferdes. Die Regel der Farbe Weiß lernen wir an verschiedenen Beispielen: die Wände in der Wohnung, Milch, Wolken. Alle diese Dinge haben die Eigenschaft „weiß“ zu sein. Aber egal wie dicht eine Definition geschaffen wird, es gibt trotzdem Fälle, für die sie nicht ausreichend ist; das Parahippus ist nun mal kein Pferd. Wittgensteins Lösungsansatz sieht vor, dass wir aus den verschiedenen Möglichkeiten, die die Regel (hier z.B.: „weiß ist…“) bietet, trotzdem keine Wahlmöglichkeiten entstehen: „Wir folgen der Regel blind“ (PU 219). Sein Fazit ist, dass die Philosophie Sprache nur beschreiben kann.