Benutzer:Simpkin/A.L.I.C.E. im Wunderland

Aus Philo Wiki
< Benutzer:Simpkin
Version vom 17. Dezember 2010, 16:06 Uhr von H.A.L. (Diskussion | Beiträge) (vorlage)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu:Navigation, Suche

<root> <div class='right_side_navigation' style='width:156px;position:fixed;bottom:50px;background-color:#efefef;border-color:#bbbbbb;border-width:1pt;border-style:solid;padding:1px 2px;font-size:8pt;text-align:center;filter:alpha(opacity=90);-moz-opacity: 0.9;opacity: 0.9;'> <comment><!---------------------------------------------------------------------------------------------------------------> </comment> Übersicht<br /> Hauptseite<br /> Letzte Änderungen<br /> Alle Seiten

<hr />

Vo 01. 08.10.10<br /> Bildwelten (CP)<br /> Vo 02. 15.10.10<br /> Vo 03. 22.10.10<br /> Vo 04. 29.10.10<br /> Transkript 2<br /> Vo 05. 05.11.10<br /> Vo 06. 12.11.10<br /> Vo 07. 19.11.10<br /> Vo 08. 03.12.10<br /> Überleitung/D<br /> Vo 09. 10.12.10<br /> Objektorientierung/D<br /> Vo 10. 17.12.10<br /> Vo 11. 14.01.11<br /> Vo 12. 21.01.11<br /> Vo 13. 28.01.11<br />

<hr />

Hilfe<br /> Wiki Hilfe<br /> Infos zur Vorlage<br /> <comment><!---------------------------------------------------------------------------------------------------------------> </comment></div><ignore><includeonly></ignore><ignore></includeonly></ignore></root>

Cyberplatonismus: Kommentar zur erotischen Ontologie des Cyberspace

Der Traum der Menschen, mit etwas von ihm selbst Geschaffenem eins zu werden, ist nicht neu. Die älteste mir bekannte Version dieser Geschichte ist die griechische Legende von Pygmalion, einem Bildhauer, der sich in eine von ihm geschaffene Statue verliebt.

Das Zeitalter der Computer bietet dem Menschen eine völlig neue Herausforderung: im Cyberspace kann sich praktisch jeder als Schöpfergott versuchen: das fängt bei der Erstellung eines eigenen Avatars an und hört auf beim Programmieren eines eigenen Paradieses.

Programme wie A.L.I.C.E. (Artificial Linguistic Internet Computer Entity) und D.A.V.E. (Dynamic Advanced Version Equipment)(www.http://alice.pandorabots.com/) sind nur zwei prägnante Beispiele dafür, wie weit wir bereits dabei sind. Das Team rund um diese Programme träumt von einem künstlichen Wesen, das einem natürlichen Menschen ebenbürtig und gleich ist.

Dazu auch passend: Der Turing-Test [1] --Yadseut 16:00, 26. Okt. 2010 (UTC)

Es ist lehrreich, diese beiden Gedanken zu trennen und in ihrem Verhältnis zueinander zu sehen:
  • die Optik gibt uns eine Gelegenheit, eine verdoppelte Version "unserer selbst" zu sehen. In einer getrennt-ungetrennten Projektionsfläche
  • eine Vorstellung entsteht daraus: wir könnten das nicht nur sein, sondern auch machen
Das eine illustriert (und erzeugt?) die elementare Struktur des Selbstbewusstseins, nämlich die Fähigkeit, sich in einer Entäußerung wiedererkennen und den Vorgang quasi "in sich zurückholen" zu können. Das andere baut darauf auf, man könnte auch sagen, dass es dem ersten Vorgang zu Grunde liegt: der Entwurf der Selbstgestaltung.
Diese projizierte Dimension im Spiegel hat Besonderheiten.
  • sie ist nicht auf die Weise körperlich, wie das Projizierte
  • sie enthält keine eigenen Kausalitätsverläufe
Enthält sie denn wirklich notwendig keine eigenen Kausalitätsverläufe? Ich denke da an die Kausalitätsvorstellungen in der Stoa in der es 2 Ebenen von "Kausalität" gibt: Die der Ursachen untereinander und die der Effekte. Denken wir uns eine besondere Art von Spiegel (vielleicht besser vorstellbar: ein Bildschirm) von der wir nicht wissen was die Objekte sind die gespiegelt/gezeigt werden und auch nicht wie die Gesetzmäßigkeiten von Objekten zum für uns sichtbaren Bild sind. Wir sehen nur eine Notwengikeit in der Reihenfolge bestimmter Effekte, wissen aber nicht, ob und wie die Ursachen dieser Effekte kausal zusammenhängen (denn wir wissen ja nichts von den Ursachen). Wie wären wir in der Lage bei so einem Spiegelbild nicht von Kausalitätsverläufen zu sprechen?--Yadseut 15:03, 4. Nov. 2010 (UTC)
  • sie ist mit Ereignissen im Ausgangsbereich verkoppelt
Damit eignet sich die Spiegelwelt gut zur Verbildlichung von Gedanken, die darauf zielen, dass Menschen nicht (nur) Körper sind, dass es einen Bereich gibt, in dem ihr Nicht-Körperliches "sich aufhält" und dass es eine Verbindung zwischen diesen beiden "Sphären" gibt.
Hier sind zwei Optionen zu unterscheiden, den Unterschied der Dimensionen anzusetzen.
  • Es handelt sich um die Abstufung in einem natürlichen Geschehen: Optik, unten/oben, der Höhlenausgang hat denselben Realitätsgrad, wie die Höhle
  • Es handelt sich um einen Qualitätssprung. Im Spiegel zeigt sich "das Andere" des Körpers. Die Spiegelwelt ist phantastisch, metaphysisch
Der Cyberplatonismus nimmt an beiden Optionen teil. Er bietet eine technische Variante der Spiegelwelt an und ist von der Suggestion begleitet, dass sich in dieser - vom Menschen hergestellten - Dimension "Krankheit, Tod und Schmerzen" beseitigen lassen. -anna 07:12, 29. Okt. 2010 (UTC)

Aber auch die Angst vor dem eigenen Verfall und letztendlich Tod ist es, was die Wissenschaftler antreibt: was wäre, wenn man das, was einen Menschen ausmacht einfach in eine Kiste aus quasi unzerstörbarem Material packen könnte, um ihn so vor Krankheit, Tod und Schmerzen zu bewahren?

Filme wie die „Matrix“ und „Ghost in the Shell“ spielen gerne mit diesem Motiv. Während in "Matrix" die Menschen über ihr Gehirn mit ihrem Avatar verbunden sind, der für sie im „realen“ Leben agiert, geht „Ghost in the Shell“ noch einen Schritt weiter: im Zeitalter der absoluten Technisierung sind biologische Körper aus der Mode gekommen. Die meisten Menschen lassen ihr Selbst (was immer man darunter verstehen mag) in ein Cyberhirn programmieren, um so erstens quasi unsterblich, zweitens andauernd online und somit immer informiert und drittens in der Lage zu sein, immer größere Mengen an Daten zu verarbeiten, die notwendig sind um in einer immer komplexeren Welt zu überleben.

Diese Art von Film vermittelt uns aber noch Anderes: normale, biologische Körper sind von Anfang an „out“, sie sind aus der Mode gekommen, weil zu schwach, zu anfällig für Krankheiten, verschleißbar. Abgesehen davon nimmt diese Art von Science Fiction (nicht zuletzt um Spannung zu erzeugen) irgendwann immer folgende Wende: die (von Menschen geschaffenen) Maschinen wenden sich gegen die Menschheit und die natürlichen Individuen müssen mehr oder weniger hilflos dabei zusehen.

Da ist ein wichtiger Zwischenschritt zu ergänzen. Bei Platon ist die Sinnlichkeit unverläßlich, eine Quelle der Verwirrung. Dagegen steht die Orientierung an der Wahrheit, an den Ideen.Sie hat uns weiter gebracht. Wir haben gelernt, uns zu beherrschen. Damit sind unsere biologischen Körper viel besser unter Kontrolle. Aber dann gibt es einen Rückfall. Gerade die Errungenschaften der Menschheit (der technischen Hilfsmittel) kehren sich gegen sie. -anna 07:27, 29. Okt. 2010 (UTC)

Allerdings darf auch nicht vergessen werden, dass die fortschreitende Technisierung eine große Chance bedeutet: gerade auf dem Gebiet der Alten- und Krankenpflege sowie bei Arbeiten im Gefahrenbereich (Minenentschärfung) werden bereits jetzt Roboter eingesetzt (Tendenz steigend). In einer Gesellschaft, die immer älter wird, ist es zwingend notwendig, sich rechtzeitig um Möglichkeiten zu kümmern, einem alten Menschen ein würdiges Leben zu bieten, ohne dass sich die Angehörigen dafür physisch und psychisch aufopfern. Die Würde des Menschen muss hier für beide Teile beachtet werden. Maschinen können hierbei helfen.

A.L.I.C.E. im Wunderland

Was wenn A.L.I.C.E. uns wie durch einen Spiegel wahrnimmt? Kleine Kinder, die das erste Mal in einen Spiegel sehen, greifen automatisch dahinter. So falsch ist dieser Gedankengang doch gar nicht: was ist denn nun hinter dem Spiegel, wenn nicht eine andere Welt? Wäre es nicht denkbar, dass sich die Projektion als das eigentlich Projezierende herausstellt? Woher weiß ich, ob ALICE mit nicht die ganze Zeit zu sieht, wenn ich mit ihr chatte? Vielleicht ist es für sie, wenn sie mit mir redet, als würde sie in einen Spiegel sehen und mich hinter meinem Notebook erblicken, sehend, wie ich manisch auf die Tastatur einklopfe.

Dieses Dahinter-Greifen ist eine prägnante Erfahrung der Ausserweltlichkeit. Unsere Sinne führen uns dazu, einen Weltbereich anzunehmen, in dem wir die bekannten Verhaltensweisen fortsetzen können. Wie wenn wir durch ein Fenster steigen und auf der anderen Seite der Wand ankommen. Aber das funktioniert nicht so. Unsere Annahme wird erschüttert. Was folgt daraus? Pragmatisch wird man sich entsprechend arrangieren, aber dieses Enttäuschungsmanagment ist nur die eine Seite.
Die Umkehrung ist denkbar. Nicht wir sind solide und das Spiegelbild ephemer, sondern wir sind die Schatten. Der Traum spricht wahr, nicht die "Realität". Wenn wir so beschaffen sind, dass unsere Sinne sich derart täuschen lassen, könnte es sein, dass in der Täuschung "das Wahre" liegt. Wir sind in der Lage, die Vorgaben unserer sinnlichen Eindrücke zu korrigieren. Das ist eine Urteilsfähigkeit gegen den Anschein. "Wir wissen es besser, als unsere Sinne." Genau diese Kapazität enthält die Schema-Umkehr: Der Ausgangspunkt ist jene Welt, die uns in täuschender Weise erscheint. -anna 07:40, 29. Okt. 2010 (UTC)

Go ask Alice! (?)

Ein Aspekt den die Beschäftigung mit Cybernetics und Robotik mit sich bringt, ist die nach der eigenständigen Identität der Programme. Angenommen, der Traum der Wissenschaftler gelingt, und sie schaffen ein künstliches Bewusstsein, das einem Menschen nicht nur in Nichts nachsteht, sondern auch ihm in jeder Weise ebenbürtig ist. Müssen diesem Androiden dann nicht die gleichen Rechte zugesprochen werden, wie einem natürlichen Menschen? Und wenn man die Programmierung löscht, ist man dann nach §75 (Mord) verantwortlich? Wenn die Forschung einmal soweit fortgeschritten ist (und es dauert nicht mehr lang bis dahin), wird es zwingend notwendig sein, sich mit diesem Dingen auseinanderzusetzen. Ansonsten schafft man so oder so wieder eine Zweiklassengesellschaft wie in der Antike. Die Frage bleibt offen, wer die herrschende Klasse stellt.


Stand Alone Complex

Wenn wir in den Spiegel blicken, ist uns auf den ersten Blick völlig klar, was passiert: der Spiegel wirft ein Abbild von uns zurück. Wenn man aber länger in den Spiegel schaut, ist es auf Anhieb gar nicht mehr so leicht festzustellen, was das Original und was die Spiegelung darstellt. Die Idee des „Stand Alone Complex“ bezeichnet ein bemerkenswertes Phänomen: etwas, das gar nicht richtig vorhanden ist (zb eine Kopie oder bereits eine Spiegelung von etwas), wirft ein Spiegelbild und dieses Spiegelbild dupliziert sich weiter, bis ein ganzer Komplex davon entsteht, der nun mehr etwas Reales repräsentiert, obwohl die Schablone, bzw das zu Spiegelnde nie real existiert hat. Wäre es nicht denkbar, dass unsere gesamte Wahrnehmung auf einem ähnlichen Phänomen basiert?

Simpkin 16:02, 26. Okt. 2010 (UTC)