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(Internetveränderungen und Innovationen durch Hypertext)
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sowie zu [http://philo.at/wiki/images/Benkler_sharing.pdf "Sharing Nicely - On shareable goods and the emergence of sharing as a modality of economic production"]
 
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== Internetveränderungen und Innovationen durch Hypertext ==
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=== Internetveränderungen und Innovationen durch Hypertext ===
  
 
Ich möchte ihnen zunächst einmal vorher zur Einstimmung ein kleines Bespiel geben, die die Bilder hier betrifft die sie sehen. Ich habe bis hierher ganz wenig den Ausdruck Social Web verwendet ich habe mich als Beispiel für Open Source auf die Raymond-Stallman Linux Debatte verlassen. Mittlerweile findet man im Netz eine große Anzahl von organisationsmäßig vernetzenden, informierenden, voneinander abhängenden Sites, die eine neue Qualität zeigen im Gegensatz zu den Hyper-Texts. Sagen wir mal vor 10 Jahren hat die Debatte in etwa begonnen. Über die Verlinkung, über die Hypertextstruktur, die so ermöglicht wurde, dass gewisse Inhalte im Internet zugänglich gemacht werden können. Von einzelnen Personen. Das hat viele Implikationen in die Literatur hinein gehabt, in die Statistik. Dagegen ist die nächste Entwicklungsphase im Web eine Andere; da sind das wesentlich nicht die Hyperlinks, sondern Softwareentwicklungen, die sich auf der Basistechnik der Hyperlinks ergeben haben. Sie gestatten es, soziale Prozesse im Umgang mit den  Webinhalten graphisch leicht verständlich und von den BenutzerInnen leicht manipulierbar zur Verfügung zu stellen; sodass nicht einfach nur Link-zählen wichtig ist. (Die so genannten Counters auf den Webseiten, wo sie dann 200.000 oder mehr Hits auf dieser Seite haben, die nichts anderes bedeuten, als Yahoo und Google war fünf Mal da.) Die Aussagekraft dieser Webseitencounter ist massiv eingeschränkt, wenn man weiß, dass wenn man in Google drinnen ist, dass das die Hits erhöht. Das sagt nichts darüber aus, was mit dieser Seite gerade gemacht wird. Es gibt besser definierte und unterschiedlich konfigurierte soziale Software, die hier aussagekräftiger  und wichtiger ist. Die Aussagen von Yochai Benkler beziehen sich auf diese Form von sozialen Aktivitäten. Z.B. Sites wie "seti@home". Das ist eine hochintelligente und Neuartige soziale Seite. Es gibt einen Kreis von Personen die sich für extraterrestrische Intelligenz interessieren; für die es ein großes Anliegen ist, herauszufinden, dass es extraterrestrische Intelligenzen gibt, um aus der Vielzahl der wolkenartig unbestimmten Signale, die wir dafür haben können, herauszurechnen, wo überhaupt diese Intelligenz liegen könnte. Dazu braucht es enorm viel Rechenkapazität, und da es sich eher um eine "Freakunternehmung" handelt, ist es nicht leicht, diese große Rechenkapazitäten offiziell zu kriegen und zu zahlen. Die folgende Idee hat sich als sehr produktive erwiesen: Wenn sie dafür Interesse haben, besorgen sie sich einen Screensaver. Der Screensaver ist so eingestellt, dass er in Aktion gerät, wenn sie fünf Min. an ihrem Computer nichts gemacht haben. Das heißt gleichzeitig, dass ihr Computer Rechenkraft enthält, die sie nicht nützen, weil sie nicht abstellen. Das wiederum heißt gleichzeitig, dass diese Rechenkraft für einen Zweck verwendet werden kann, für den sie Interesse haben und somit ist die Möglichkeit deutlich, dass sie mit ihrem Screensaver für eine bestimmte Adresse die Rechenkraft des Computers frei geben, damit vernetzt, extraterrestrische Intelligenzen gesucht werden kann. Das ist eine Sache, wo man schon mal etwas sieht. Ich hab bisher viel von der nicht-körperlichen, von der intellektuellen Eigenschaft von solchen Phänomenen im Web gesprochen. Hier haben wir eine Situation, wo die Netzgesellschaft nicht einfach nur Information, sondern auch greifbare Energie und Rechenleistung enthält, und wo wir in einer Situation sind, wo wir durch die massive Vernetzung durch das Internet Ressourcen bündeln und zur Verfügung stellen und kommunikativ zugänglich machen können, die vorher schlechterdings nicht möglich waren. Seti ist einer der Paradigmen Fälle, auf dem Yochai Benkler eine allgemeinere Theorie des "Commons Based Peer Production" aufbaut. Peer Production ist die Produktivität zwischen gleichgestellten Netzbenutzerinnen auf der Basis einer für alle gemeinsame vorhandenen Rechtssicherheit im Bereich des Eigentums, um die es da geht.
 
Ich möchte ihnen zunächst einmal vorher zur Einstimmung ein kleines Bespiel geben, die die Bilder hier betrifft die sie sehen. Ich habe bis hierher ganz wenig den Ausdruck Social Web verwendet ich habe mich als Beispiel für Open Source auf die Raymond-Stallman Linux Debatte verlassen. Mittlerweile findet man im Netz eine große Anzahl von organisationsmäßig vernetzenden, informierenden, voneinander abhängenden Sites, die eine neue Qualität zeigen im Gegensatz zu den Hyper-Texts. Sagen wir mal vor 10 Jahren hat die Debatte in etwa begonnen. Über die Verlinkung, über die Hypertextstruktur, die so ermöglicht wurde, dass gewisse Inhalte im Internet zugänglich gemacht werden können. Von einzelnen Personen. Das hat viele Implikationen in die Literatur hinein gehabt, in die Statistik. Dagegen ist die nächste Entwicklungsphase im Web eine Andere; da sind das wesentlich nicht die Hyperlinks, sondern Softwareentwicklungen, die sich auf der Basistechnik der Hyperlinks ergeben haben. Sie gestatten es, soziale Prozesse im Umgang mit den  Webinhalten graphisch leicht verständlich und von den BenutzerInnen leicht manipulierbar zur Verfügung zu stellen; sodass nicht einfach nur Link-zählen wichtig ist. (Die so genannten Counters auf den Webseiten, wo sie dann 200.000 oder mehr Hits auf dieser Seite haben, die nichts anderes bedeuten, als Yahoo und Google war fünf Mal da.) Die Aussagekraft dieser Webseitencounter ist massiv eingeschränkt, wenn man weiß, dass wenn man in Google drinnen ist, dass das die Hits erhöht. Das sagt nichts darüber aus, was mit dieser Seite gerade gemacht wird. Es gibt besser definierte und unterschiedlich konfigurierte soziale Software, die hier aussagekräftiger  und wichtiger ist. Die Aussagen von Yochai Benkler beziehen sich auf diese Form von sozialen Aktivitäten. Z.B. Sites wie "seti@home". Das ist eine hochintelligente und Neuartige soziale Seite. Es gibt einen Kreis von Personen die sich für extraterrestrische Intelligenz interessieren; für die es ein großes Anliegen ist, herauszufinden, dass es extraterrestrische Intelligenzen gibt, um aus der Vielzahl der wolkenartig unbestimmten Signale, die wir dafür haben können, herauszurechnen, wo überhaupt diese Intelligenz liegen könnte. Dazu braucht es enorm viel Rechenkapazität, und da es sich eher um eine "Freakunternehmung" handelt, ist es nicht leicht, diese große Rechenkapazitäten offiziell zu kriegen und zu zahlen. Die folgende Idee hat sich als sehr produktive erwiesen: Wenn sie dafür Interesse haben, besorgen sie sich einen Screensaver. Der Screensaver ist so eingestellt, dass er in Aktion gerät, wenn sie fünf Min. an ihrem Computer nichts gemacht haben. Das heißt gleichzeitig, dass ihr Computer Rechenkraft enthält, die sie nicht nützen, weil sie nicht abstellen. Das wiederum heißt gleichzeitig, dass diese Rechenkraft für einen Zweck verwendet werden kann, für den sie Interesse haben und somit ist die Möglichkeit deutlich, dass sie mit ihrem Screensaver für eine bestimmte Adresse die Rechenkraft des Computers frei geben, damit vernetzt, extraterrestrische Intelligenzen gesucht werden kann. Das ist eine Sache, wo man schon mal etwas sieht. Ich hab bisher viel von der nicht-körperlichen, von der intellektuellen Eigenschaft von solchen Phänomenen im Web gesprochen. Hier haben wir eine Situation, wo die Netzgesellschaft nicht einfach nur Information, sondern auch greifbare Energie und Rechenleistung enthält, und wo wir in einer Situation sind, wo wir durch die massive Vernetzung durch das Internet Ressourcen bündeln und zur Verfügung stellen und kommunikativ zugänglich machen können, die vorher schlechterdings nicht möglich waren. Seti ist einer der Paradigmen Fälle, auf dem Yochai Benkler eine allgemeinere Theorie des "Commons Based Peer Production" aufbaut. Peer Production ist die Produktivität zwischen gleichgestellten Netzbenutzerinnen auf der Basis einer für alle gemeinsame vorhandenen Rechtssicherheit im Bereich des Eigentums, um die es da geht.

Version vom 11. Juni 2012, 13:45 Uhr

Open Source Philosophie - Einheit 11: 23.01.2009

Organisatorisches

Ich begrüße sie zur vorletzten Vorlesung in dieser Reihe. Wir haben in der nächsten Woche einerseits noch eine Vorlesung. Sie erinnern sich wegen der Ausfälle, die wir zu verkraften haben und dann eine Prüfung haben, wobei ich so organisiert habe, dass wir die Prüfung um 10 Uhr, also zur normalen Vorlesungszeit und die Vorlesung findet 8:30 pünktlich statt und wie auch das vergangene Mal schon gesagt, ist das Ziel dieser Vorlesung die offenen Stränge, die ich zu Beginn dieses Semesters angesprochen und angelegt habe, zumindest einmal in einem vorläufigen Zusammenblick wiederum in den Griff zu bekommen. Es wird in der letzten Vorlesung noch einmal um das Thema gehen, nämlich die Anfangssituation der Philosophie bei den Griechen, die eine bestimmte Form von Philosophie produziert hat, in der Tradition, in der wir uns gerade beschäftigen, wie die aussieht im Lichte der Entwicklungen, von denen ich ihnen in dieser Vorlesung insgesamt erzählt habe. Am Ende werden noch 10 min für die Evaluation verwendet. Hier sind die Ergebnisse der Evaluation

Rückblick & IPR Problematik

Das letzte Mal wurden unter dem Titel 'Theoretische Impulse durch die Open Source Entwicklung' Ökonomische-, als auch sich daraus ergebende Eigentums-Perspektiven dargestellt. Ich hatte zum Einstieg in die Eigentumsperspektive auf den Punkt der sog. IPRs hingewiesen; die Frage des Spannungsfelds der Ökonomie und des Eigentums aufgeworfen. Wenn sie irgendwo IPRs hören, dann wissen sie schon, man ist auf der Höhe der Zeit, man spricht von „Intellectual Property Rights“. Man spricht dann nicht nur Englisch, sondern auch in Abkürzungen. Das heißt, wir haben die IPR Problematik. Ich werde heute als Erstes etwas darüber sagen; das kommt mehr aus der traditionellen philosophischen Ecke. Es gibt da einen Anhaltspunkt, um sich auch wieder zu finden und zu orientieren in dem, was Philosophie heißt; dass so eine Strategie wie, dass man nicht einmal sagt, was das ausgesprochen ist, wovon man redet, indem man mit einer solchen Abkürzung spricht, dass das doch einigermaßen bedenkliche Folgen für eine nachdenkende Existenz hat. - Ganz zu schweigen davon - das wird der erste Punkt in diesem Zusammenhang sein - dass wenn man das ausspricht, wofür das IPR steht, man dann die Möglichkeit hat sich zu fragen, ob dies überhaupt die richtige Bezeichnung ist für das, wovon man hier redet. Das würde unter dem Titel Eigentum der Punkt sein, mit dem ich jetzt hier weiter gehen werde. Ich werde das allerdings nicht weiter ausführen können, weil ich noch unter den dritten Punkt Innovation zu einem Autor kommen möchte, der mir in diesem ganzen Zusammenhang von Open Source und Netzgesellschaft entscheident zu sein scheint. Der also wesentliche Impulse gesetzt hat und ohne den eine Vorlesung über Open Source Philosophie völlig unzureichend ist. Nämlich Yochai Benkler, um den Namen schon mal gleich zu erwähnen. Aber - wiederum noch im Erinnerungsmodus - habe ich da schon das letzte Mal darauf hingewiesen; auf den Zusammenhang von Wirtschaft und Eigentum: Dass Universitäten mit ihrer traditionellen Aufgabe, einen wirtschaftsunabhängigen Wahrheitsraum zu schaffen, in dem Forschungen und Überlegungen angestellt werden können, die sich auch als Korrektiv der herrschenden ökonomischen Verhältnisse verstehen lassen, und das heißt nicht nur im eher eingespielten geisteswissenschaftlich-philosophischen Kontext - dass wir kritische Gedanken haben darüber, wo irgend jemand anderer etwas tut - sondern das heißt auch im wirtschaftswissenschaftlichen Kontext; dass wir Möglichkeiten der Kontrolle, des Eingreifens, des Abmessens, des Abcheckens von ökonomischen Realzuständen haben, die unter dem Aspekt von theoretischer Konsistenz, Vertretbarkeit, Argumentierbarkeit, und nicht unter dem Aspekt z.B. von politischer Zuträglichkeit stehen. Das ist der eine Pol: Von den Kulturwissenschaften zu den Wirtschaftswissenschaften. Der dritte Pol, der an dieser Stelle zu nennen ist, sind natürlich die technischen Wissenschaften und die Naturwissenschaften. Diese haben noch eine andere, eine nähere und komplexere Problemstellung mit Wirtschaft, weil wir in einer technologiegesteuerten Gesellschaft natürlich die Ergebnisse der Naturwissenschaften heranziehen, z.B. der Chemie, um ökonomische Produktivität zu erzeugen. Wir versuchen an dieser Stelle, das Verhältnis zwischen der Wahrheitssuche an den Universitäten auf der einen Seite - um das ein bisschen umflort zu beschreiben - und auf der anderen Seite Vermögensberatung im Bereich der Wirtschaft zusammen- und auch wieder auseinander zu bringen.

Mein Beispiel war die Faustus Forschungskompanie, die ein Vertreter der Universität Wien gleichzeitig mit seiner akademischen Tätigkeit unterstützt. Es hat sich Andereas Kirchner - dem ich ja schon eine Reihe von hilfreichen Impulsen in dieser Vorlesung verdanke - im Anschluss an meinen Hinweis auf die Faustus AG auf eine Zeitreise begeben. Ich habe darauf hingewiesen, dass die Faustus.de und Faustus.at Links nicht mehr funktionieren; wobei die Faustus Gesellschaft andererseits promoviert wird im Forschungsnewsletter der Universität Wien als produktives Kooperationsunternehmen im Public-Private Bereich.

Das Beispiel Faustus.at

Die Faustus.at gibt es nicht mehr. Andreas Kirchner hat im Internet Archiv recherchiert, wie das im Jahre 2003 ausgesehen hat. Und ich möchte, um nun dieses Thema abzuschließen, den letzten Teil dieser Erkundung geben: Hier habe ich die Ergebnisse der Suche nach Faustus.at, die im gegenwärtigen Zeitpunkt zwar zeigte, dass die Domäne noch einen Eigentümer, aber keine Inhalte mehr hat.[Bild der Faustus GmbH] Der letzte Punkt in diesem Zusammenhang, was man noch von der Faustus.at findet, ist das allgemeine Firmenprofil in der Business Week.[Faustus.at in Bussines Week] Besonders amüsant für kulturwissenschaftliche Überlegungen - da könnte man eine kleine Glosse schreiben - ist konkret der Name dieser GesmbH, sie heißt nämlich 'Faustus Forschungskompagnie' - mit 'g' geschrieben. Honoriger und mehr ins 19. Jh. hineinreichender geht's gar nicht mehr; und der zweite Titel dazu ist 'Translational Cancer Research GesmbH'. Also diese Firma gibt es und sie beschreibt sich [hier] als: "in cooperation with the scientific institutions in medical oncology field to develop drug candidates for future approval by the regulatory authorities." Das heißt, das ist eine Firma, die die Auswertung, Vermarktung und intellektuelle Betreuung von chemiewissenschaftlichen Ergebnissen zur Krebsforschung übernommen hat. Bei dieser Business Week Website gibt es hier das Webshot und die People. Die People sollten enthalten, wer das tut, also wer die Verantwortlichen sind. Hier sehen Sie zwei Screenshots, die über das Board of Directors, die Committees, die Executives und andere Board-Members Auskunft geben sollten; - die gibt es alle nicht. Zumindest in dieser Datenbank gibt es die nicht, wir wissen mittlerweile auch, warum es sie nicht gibt. Wenn sie hier auf den Link [www.faustus.de] klicken, dann bekommen sie mittlerweile diese Seite: Faust Garagentorantrieb, Love mit Niveau, ZVAB Online-Antiquariat, die Macht der Fotos, ... - also die Domäne ist wieder zu verkaufen.
Warum sage ich das hier, das alles mit einem kleinen Bildchen? Das ist nicht nur reine Essayistik, sondern die Absicht ist, ihnen dramatisch handgreiflich klar zu machen: eines der Probleme dieser Eigentumsproduktion liegt im Verbund zwischen Universitäten und Firmen, denn Firmen unterliegen ganz anderen Gesetzlichkeiten als Forschungsinstitutionen.

Eigentum vs. Open Science

Wie lässt sich die Eigentumsproduktion der Universität damit vereinbaren?

Es ist nicht so, dass Forschungsinstitutionen nicht auch verloren gehen können, auf- und absteigen können, aber Firmen sind Machtgesetzen unterworfen und in diesem Moment, in dem sie nun eine Kooperation zwischen Firmen und Universitäten haben, die extra daraufhin ausgerichtet ist, dass intellektuelle Produktion der Universitäten in ein verkaufbares Gewand gekleidet werden, haben sie die Situation, dass eine große Unabsehbarkeit eintritt. Eine Situation, welche entgegen der Open Science Idee herrscht. Open Science im klassischen Sinn garantiert - und da brauche ich noch gar nicht Open Source hinzuzunehmen, das ist eine Errungenschaft der Neuzeit ganz allgemein im akademischen Forschungswesen -, dass die Ergebnisse in verschiedenen Bibliotheken, in verschiedenen Datenbanken und Publikations- und Interaktionswesen verfügbar bleiben und nicht eingesperrt oder kostenpflichtig gemacht werden. Das sind Bedingungen, unter denen die Forschungsentwicklung wohl-gediehen ist in den letzten hundert Jahren. In dem Maße, in dem die Universitäten sich nun zusammentun mit Wirtschaftsbetrieben, ändert sich das. Das war mein Initial-Hinweis in Zusammenhang mit dem Eingreifen von Wirtschaftinteressen bei der Präsentation von Dissertationsvorhaben.

Auswirkungen auf Dissertationsvorhaben

Das war der erste Punkt, mit dem ich da eingestiegen bin, in dem die Firmen sagen, wir wollen die Konkurrenten nicht davon informieren, welche Forschungen wir finanzieren an den Universitäten. Damit ändert sich die Problemlage für die Universitäten. Sie sollen das nicht mehr tun, was sie immer getan haben, nämlich die Ergebnisse der Forschung frei zur Verfügung stellen. Und die Pointe ist, das hat zwar diverse Vorteile. Ein massiver Nachteil ist aber, dass die Rechte und Kenntnisse, die an dieser Stelle erworben worden sind, plötzlich verschwinden können. Es gibt die Firma nicht mehr oder Kenntnisse gehen in einen anderen Besitz über, werden plötzlich drei Mal so teuer und werden gezielt nur mehr noch gewissen Leuten zur Verfügung gestellt. Auf diese Art und Weise wird also ein dramatisch anderer Umgang mit den Ergebnissen der von öffentlichen Mitteln subventionierten Forschungstätigkeit in die Wege geleitet.

Artikel: The New York Review of Books

Ich habe ihnen einen Kurzen Artikel aus "The New York Review of Books" hier her verlinkt, der am 15 Jänner erschienen ist und in einer geradezu ernüchternden Art und Weise ihnen vor Augen führt, was passieren kann - und in den USA schon an vielen Stellen passiert ist - wenn jetzt z.B. Pharmafirmen sich zusammentun mit akademischen Institutionen. Es geht darum, dass es mittlerweile in den USA normal scheint, dass erst zweijährige Kinder diagnostiziert werden auf eine Krankheit die man Bipolare Störung (= Manische Depression) nennt, und dafür eine ganze Reihe von Medikamenten bekommen. Das hat sich herauskristallisiert in der Medical Community und es stellt sich heraus, dass einer der wesentlichen Promotoren dieser Bipolar-Diagnose für zweijährige Kinder ein Prof. Joseph Biedermann ist, der in den Jahren 2000 bis 2007 $ 1.600.000 von den Pharmafirmen bekommen hat, die entsprechende Medikamente produzieren. Damit ist dieses Vorhaben sozusagen zusammengebrochen. Die ehemalige Spannung zwischen den Prüfinstanzen an der Universität und den Umsetzungsinstanzen und die Konsequenzen werde ich jetzt nicht weiter ausführen, aber ich erwähne es nur noch kurz, um die entsprechenden wichtigsten Hints zu geben. (Es gibt eine riesige Anzahl an Literatur zu diesem Thema.)

Letzter Hint, bevor ich auf einen speziellen Artikel zu sprechen komme, der Ökonom aus Stanford, Paul A. David, hat in diesem Zusammenhang einen sehr wichtigen Artikel dazu geschrieben: "Can open science be protected from the evolving regime of IPR Protections?" Und Andreas Kirchner hat dieses PDF genommen und hat wesentliche erste Seiten dieses Papiers markiert, also die wichtigsten Stellen herausgenommen und, was noch viel verdienstvoller ist, auch Übersetzungen angefügt. Denn wenn sie das erste Mal mit dieser Materie zu tun haben, dann finden sie, dass man da schnell reinkommt in den US-amerikanischen/englischen juridischen Wortgebrauch. Da gibt es eine ganze Reihe von Termini, die im normalen Englisch, dass man in der Mittelschule lernt, nicht vorkommen, weil es um sehr viel Geld geht und es daher juridisch reglementiert ist. Die entsprechenden Fachausdrücke haben sie ins Deutsche übersetzt in dieser Version. Das soll es jetzt sein im Bereich der Firmen und Universitätsdiskussion die ich angesprochen habe.

"The Rethinking copyright" von Roland Deazley
- Wie passen eigentlich Geist und Eigentum zusammen?

Ich möchte jetzt noch das Buch " The Rethinking copyright " von Roland Deazley behandeln. Da will ich ihnen zwei Interessante Passagen, die für die Philosophie besonders geeignet sind, vorstellen. Ich knüpfe an diese Bemerkung von vorhin an, dass man in dem Moment, wo man von IPR spricht, eine doppelte Verklausulierung gewählt hat. Man sagt nicht mehr, dass dies Intellectual Property Rights sind, geistiges Eigentum, Rechte am geistigen Eigentum. Wenn man das Ausspricht, dass es hierum um geistiges Eigentum geht, wenn man es in einem philosophischen Kontext ausspricht, dann ist damit eine Frage möglich und kann in den Raum gestellt werden, nämlich die Frage: Wie passt eigentlich Eigentum und Geist zusammen? Das ist für solche Personen, die noch ein wenig drinnen stecken in einer Zeit ohne Abkürzungen und in einer Zeit, in der die Universitäten vergleichsweise separiert waren vom Wirtschaftsgeschehen. Wobei man dazusagen muss, die gegenwärtige Situation, in der die Universitäten auch wirtschaftlich voll konstituierte, handelsfähige Agenten am Markt sind, die gibt es in Österreich seit 2002. Teilweise wirtschaftliche Möglichkeiten hat es auch schon davor gegeben. Aber noch vor 30 Jahren war das ganz unerhört, noch vor 10 Jahren war die Universität eine Unterabteilung - eine zugegeben ausgesprochen überdimensionierte Unterabteilung - des Wissenschaftsministeriums. Die HochschulehrerInnen waren BeamtInnen, und die ganze Sache war ein geschützter Bereich, so wie die Bundestheater, das muss man sich klar stellen. Sozusagen aus einer Zeit der Universitäten als Bundesämter kommt noch dieser Separatismus und er kommt natürlich - um die Schlagworte zu sagen - über die jahrhundertelang eingelernte Reflexsituation des Geist und Geld, Geist und Geschäft, Geist und Eigentum, die an dieser Stelle voneinander zu trennen sind.

Senat im Gespräch über Dissertationsvereinbarungen

Dass wir also in einer Problembezeichnung wie geistiges Eigentum plötzlich diese beiden Sachen beisammen haben, ist eine bedenkenswerte Geschichte und ich will ihnen an dieser Stelle die Kommentierung von Roland Deazley vielleicht so einleiten, dass ich noch mal zurück gehe auf die Einführung der PhD Studien der Uni Wien. Ich erzähle euch etwas aus dem gestrigen Senat, wovon ich glaube, dass es an dieser Stelle gut hinpasst. Einer dieser Beschlüsse, die der Senat gefasst hat, dass in Zukunft - also ab dem Herbst diesen Jahres - Dissertationsvereinbarungen zu treffen sind zwischen den Betreuern und den Studierenden, und in denen muss einiges drinnen stehen. Etwa muss nach der Vorlage, die wir gestern diskutiert haben, ein Termin- und Finanzplan drinnen stehen, auf den man sich einigen muss zwischen Betreuenden und Studierenden. Wenn man darüber etwas nachdenkt, stellt sich folgendes heraus: Dass es Wissenschaften gibt, in denen so ein Finanzplan unbedingt wichtig ist, weil es darum geht, wie viel Säure, wie viel Maschinenzeit und wie viel andere technische Hilfsmittel zu finanzieren sind im Rahmen dieses Dissertationsprojektes. Wenn man das in einem Senatskontext mit Vertreterinnen aller Wissenschaften der Universität Wien betrachtet, ergibt sich folgende Frage: Wieso komm ich zu einem Finanzplan? Als eine HistorikerIn oder als eine PublikationswissenschaftlerIn? Was geht die das an, wie ich mein Studium an der Universität finanziere? Nichts! Und einen Finanzplan für meine Reisen in den Bibliotheken Wiens brauch' ich auch nicht. "Hier passiert etwas Sonderbares", ist die Antwort darauf. Naja man kann an dieser Stelle sagen, Finanzen sind nicht notwendig. Kreuzchen machen, wir brauchen dort keinen Finanzplan. Aber auch - das ist eine problematische Geschichte - weil man ja an dieser Stelle fragen kann, warum verdammt noch mal muss ich überhaupt ankreuzen, dass ich keinen Finanzplan brauch. Das heißt, ich sehe ein bisher von Finanzen nicht berührtes Arbeitsgebiet, ein Lebensgebiet sehe ich plötzlich unter dem Aspekt von Finanzen, weil es an der Universität unter anderem auch Bereiche gibt in denen dies ein wichtiger Aspekt ist und weil die Universität modern sein will; man kann sagen, sich an der Stelle an den Erfordernissen einer Minderheit von Disziplinen orientiert. Dieser Effekt des drübergelegt-seins von Vokabularien und Attitüden aus einer Wirtschaftsplanung in die akademischen Abläufe hinein, ist an dieser Stelle schön zu sehen und ist also aus dem gestrigen Alltag meiner Person. Roland Deazley zitiert hier einen Autor namens Penner. Hier unter dem Link Deazley über Penner

Problematik an "intellectual property rights" & Lösungsansatz

Wir sollten uns aber ansehen, worum es sich wirklich handelt bei Patenten, Copyrights und Trademarks. Und wenn wir gefragt haben, worum es sich hier handelt, dann stellt sich heraus, dass die Verwendung des Terminus 'Rechte' bei „intellectual property rights“ an der Stelle nicht ganz adäquat erscheint. Das sagt Mark Penner von vorne herein. Und dann sagt er, es macht aber nichts, abgekürzt kann man es doch so sagen. Dass ist die Praxis , die sich mittlerweile eingespielt hat. Man redet an dieser Stelle ganz allgemein von Eigentumsrechten. Man parallelisiert das, was von Patenen und Copyrights geschützt wird, mit dem Normalverständnis von Eigentumsrecht in der Art und Weise wie "mir gehört dieser Laptop!" Wenn mir der Laptop entwendet wird, ist er als mein Eigentum nachzuweisen. Ich habe ein Recht und dass wird doch Jeder verstehen. Ich hab ihn gekauft. Er hat mir was gekostet. Er gehört mir. Ich kann den wiederverlangen. Ich kann von der Versicherung vielleicht Vergütung verlangen. Diese Form von Eigentumsrechten, die wir aus dem Sachbereich kennen, wird angewendet im Reden über Patente, Copyrights und Trademarks und soll sozusagen harmlos sein. Der Hinweis von Deazley ist: Das ist nicht harmlos. Das ist auch der Grund, warum ich gesagt habe: Von IPR zu intellectual property, zu geistige Eigentumsrechte - von dort muss man weiter gehen und sich die Frage stellen, ob das überhaupt richtig benannt ist. Und worauf läuft das hinaus? Inwiefern sieht es anders aus mit Patenten? Warum können Patente nicht mit demselben Terminus betrachtet werden wie Laptops. Weil Patente eine raffinierte, also in der Geschichte entwickelte sozioökonomische Konstruktion sind, die darauf beruht, dass der Staat, der die Möglichkeiten der Rechtssprechung und der Rechtseinhaltung hat, sich aus bestimmten Gründen bereit erklärt, einer Person das ausschließliche Nutzungsrecht über die Umsetzung einer Idee für einen beschränkten Zeitraum zuzugestehen. Der Deal ist der - das können sie nachverfolgen in Venedig in der frühen Neuzeit, wo das erstmals so richtig ausgespielt worden ist: Der Landesfürst sagt, ich hab einen intelligenten erfindungsreichen Typen, der kommt mit einer Vorkehrung, welche die Wirtschaft von Venedig oder von Genua ankurbelt. Diese Erfindung hat er und stellt er mir zur Verfügung. Allerdings möchte er was davon haben. Wie reagiere ich darauf? Ich sag ok, ich schick' die Polizei, wenn jemand das nachmacht, aber ich will auch etwas. Ich will erstens den Wirtschaftlichen Erfolg, der sich damit verbindet, und ich will nach einem gewissen Zeitpunkt - also nach 20 Jahren ist das im Moment bei uns - dass es in der Öffentlichkeit ist, dass alle Anderen auch damit umgehen können. Das heißt, zeitlich beschränkte Einengung der Nutzungsrechte auf eine Person, die einerseits damit einen Impuls - ein Incentiv - hat, etwas zu erfinden, diese Erfindung auszunützen und damit Geld machen zu können. Den Apparat des Rechtsstaates, den diese Person dafür braucht, damit sie Geld machen kann, den bezahlt sie dadurch, dass die Prinzipien des Patentes zu veröffentlichen sind und nach einer gewissen Zeit in den Bereich des öffentlichen Zugriffs übergehen. Das ist das Verfahren von Patenten und jetzt kommt die terminologische Pointe, um die es da geht: Was ich ihnen beschrieben habe ist die Zuerkennung eines zeitlich beschränkten Monopols. Monopole sind diese Art von Konstruktionen, die über den Staat garantiert werden. Und wenn ich das nun auf unsere Diskussion anwende, dann kann man sagen, durch die Verleihung von Patenten werden Monopole ausgesprochen. Das klingt jetzt schon weniger unproblematisch, als zu sagen, diese Menschen haben ja ein geistiges Eigentum, das auch geschützt werden muss. In dem Moment, in dem geistiges Eigentum geschützt werden muss, ist es eben so ähnlich wie bei meinen Laptop. Den Laptop kann ich mir auch nicht stehlen lassen. Wenn ich dagegen sage, es handelt sich darum, dass für Ideen ein Monopol verordnet wird, gibt es eine Reihe von anderen Fragen, die sich damit verbinden. Vor allem das ist die wesentliche Frage. Es gibt gute Gründe für den Staat, handfestes Objekteigentum für die Personen zu beschützen, weil wenn mir jeder meinen Laptop stehlen kann, dann kann er andere Sachen auch stehlen. Dann wird irgendwie das Gemeinwohl zusammenbrechen. So wird es irgendwie nicht gehen. Man braucht einen gewissen Basisschutz - wie man so sagt - der Privatsphäre. Das ist aber nicht der Fall, der im Zusammenhang mit Ideen steht. Warum? - Sie haben es schon ein paar Mal von mir gehört. Ideen sind ein 'non rival good', sind eine nicht rivalisierende Sache. Es geschieht kein Schaden, während wenn mir jemand den Laptop wegnimmt, dann kann ich nicht damit arbeiten; wenn mir aber jemand die Idee klaut oder auch nur abschaut, kann ich mit dieser Idee noch ganz genauso weiter machen. Insofern ist die Konsequenz fürs Gemeinwohl. Eine Argumentation für rechtliche Regelungen, die auf dieser Konsequenz fürs Gemeinwohl aufbaut, muss ganz anders organisiert sein. Ich möchte jetzt mit dem Eigentum aufhören. Damit haben wir jetzt eine Situation, in der eine zugegebenermaßen polemische Umbenennung dessen, was intellectual property rights sein kann, zumindest als plausibel erscheint.

Against Intellectual Monopoly

Es gibt dazu ein Buch von Michele Boldrin und David K.Levine: "Against Intellectual Monopoly". Also die schlagen vor, hier von geistiger Monopolbildung zu sprechen und das in diesem Zusammenhang zu diskutieren. Eine ausgefeilte Diskussion findet sich darüber, unter welchen Bedingungen nun soziale Regelungen im Eigentumsbereich im Rahmen solcher intellektueller Produktivitäten sinnvoll sind. Ich kann hier jetzt nicht mehr machen als sie auf das allgemeine Problem hinzuweisen.

Frage aus dem Auditorium

Ich glaube, dass es bei dieser Problematik einen anderen Aspekt gibt, der anzudenken ist. Zwar diesen, wo es um eine gewisse Einzigartigkeit geht oder um eine Neuheit, oder Andersartigkeit. Beim Laptop ist es ja ganz egal, ob es 10000 andere Laptops gibt die genau so sind. Wenn mir also jemand diesen Laptop stielt, dann ist er weg und ist halt einer von 10000 Anderen. Wenn ich eine Idee für ein Lied habe, dann lebt diese Idee von ihrer Einzigartigkeit quasi. Und da festzustellen, wer da das Eigentumsrecht einer Idee hat, also inwiefern diese Idee etwas Neues ist. Es ist eine Gradwanderung, inwiefern man von Neuheit sprechen kann. Das macht meiner Meinung gerade die Schwierigkeit aus, wann man von Besitz von Ideen spricht oder von Rechten z.B. eines Anwalts an seinem Gerichtsurteil, das er genial und raffiniert formuliert hat und das sein Markenzeichen ist, obwohl es auch von anderen Gerichten zu Urteilen hergeleitet ist. Obwohl es auch in Gesetzesbüchern steht, die man eigentlich nachlesen hätte können, aber er hat halt die Idee so gehabt, dass er es so macht. Das macht diese quasi Grauzone der intellectual property rights, also diese Neuheit, diese Einzigartigkeit, Andersartigkeit.

Beispiel zur Weiterführung und Erklärung -
"Gone with the Wind" und 'inspirierter' Bill Gates

Diese Gradwanderung der Neuheit ist alles Andere als leicht und selbstverständlich. Ein Beispiel sag ich ihnen im Kontext von Yochai Benkler, wo man sich das plastisch machen kann mit „Gone with the Wind“: Der Roman ist in dem Fall nicht Patent, das ist Copyright. Es ist ein Roman, der eine gewisse Story hat, von der man durch die Filme und dem Roman usw. weiß. Jemand hat sich - das ist der Bestandteil des Copyrights - eine solche Geschichte aus dem Süden erstmal zurechtgelegt und hat das geschrieben. Jetzt ist die Sache die: Es gibt einen Roman, der von einer Schwarzen geschrieben wurde. Die folgende Pointe hat die Fiktionswelt von 'Gone with the Wind', wird aber aus der Sicht einer unterdrückten Schwarzen Familie dargestellt. Die neue Idee ist, dass man das aus der Sicht einer unterdrückten schwarzen Familie darstellt. Und das, was dabei vorausgesetzt wird, ist allerdings die öffentliche Kenntnis von dieser 'Gone with the Wind'-Struktur. Der ganze Roman funktioniert nur, weil man weiß, das ist eine Umwandlung, das ist eine Variante, eine Umstülpung dessen, was man schon kennt. Also erinnern sie sich, ich bewege mich wieder auf das Lipstick-Beispiel vom Anfang hin. Wir haben in unserer Kultur die Notwendigkeit, anzuknüpfen an solche Vorbilder, damit wir Verständlichkeit herstellen. Der Roman würde nicht so funktionieren. Es wäre auch ein Roman möglich, der ganz was anderes aus der schwarzen Sicht sieht. Aber an dieser Stelle besteht die Pointe darin, den etablierten Kulturzusammenhang in der Weise anzustechen, und sie können sich vorstellen, was passierte: Die Erben der Autoren von "Gone with the Wind" haben geklagt, weil deren intellectual property rights verletzt wären, indem wichtigen Handlungssträngen aufgenommen und modifiziert worden sind. Sie können an der Stelle auch sehen, wie schwierig das wird. Wie kompliziert das im Einzelnen ist.
In einem Text von Stallman, den sie hier finden, sagt Stallman im Zusammenhang mit der Musik des 18. u. 19. Jahrhunderts etwas Ähnliches. Zweifellos hat Mozart oder Beethoven oder Haydn oder wen auch immer sie haben wollen, neue Akkord-Konfigurationen geschrieben, die in dieser Art und Weise noch nicht geschrieben worden sind. (Oder Wagner.) Stellen sie sich mal vor, wenn das alles auf Copyright geschützt worden wäre. Es hätte die musikalische Produktion des 19. Jahrhundert niemals so aussehen können wie sie aussieht, wenn 70 Jahre lang kein(e) andere(r) KomponistIn die musikalischen Effekte hätte verwenden dürfen, die an der Stelle das erste Mal verwendet worden sind, und es wird in diesem Zusammenhang gesagt. Bill Gates hat an dieser Stelle einen berühmten Ausspruch gemacht. Er gesteht selber ein, dass wenn es in der Zeit, wo er begonnen hat Windows zu entwickeln, schon dieselbe Patentregelung gegeben hätte, die er mithilfe des Erfolgs von seiner eigenen Firma maßgeblich durchgesetzt hat, dann hätte es niemals zu Windows kommen können, weil sofort Patentrechtsverletzungen angemeldet worden wären, an vielen Dingen, die er einfach übernommen hat, die er dann (finanziell) hätte ablösen müssen. Also der ganze undurchsichtige Rechtsbestand, der damit entsteht, dass man sich gerade im Softwarebereich durch einen Wust von Patenten durchkämpfen muss und den entsprechenden juridischen Verfahren - macht es heute unmöglich, mit etwas Altem etwas Neues zu machen.

Innovation als Abhängigkeit der Tradition

In dem was sie sagen ist noch ein anderer Punkt drinnen, der mir aufgefallen ist und auf den ich hinweisen möchte. Nämlich im Begriff des Neuen. Im Begriff der Innovation steckt schon notwendig die Abhängigkeit von einer Tradition drinnen. Es gibt keine Innovation - sie können was nicht als Innovation erkennen, wahrnehmen oder sonst irgendwas - wenn sie nicht bereits eine Tradition haben, und diese Tradition können sie nicht kaufen. Sie haben kein Recht auf diese Tradition. Sie stehen auf dieser Tradition, sie brauchen diese Tradition. Das ist die gesellschaftliche Vorgabe, mit der sie operieren, die sie kosteenfrei bekommen in jeder Gesellschaft und die sie bei Anderen in eben solcher Weise kostenfrei voraussetzten, damit sie ein Feld haben, in dem sie mit ihrer Innovation wirken können.
Und das ist jetzt noch eine Beobachtung über die Abhängigkeit intellektueller Produktivität vom gesellschaftlichen Umfeld; einer sehr spezifischen Abhängigkeit, wo man sozusagen einigermaßen nahe dran ist an dieser GNU public licence-Idee. - Damit ich das tun kann, was ich hier neues tue, muss ich alles das mit-einbinden, was die Leute schon wissen müssen, um zu verstehen, dass es was Neues ist. Daher ist es nur fair, dass ich das zur Verfügung stelle und es somit mit-eingeht in den Fundus dessen, womit Leute wieder weiterarbeiten können. Das ist eine sehr heroische bzw. hochwertige Konsequenz, die man daraus ziehen kann, die aber natürlich nicht von allen diesbezüglich gezogen wird. - Das war sozusagen meine Reaktion dazu.

Innovation

„Coasés Penguin or Linux and the Nature of Firm“

Ich hab jetzt an dieser Stelle schon übergeleitet zum nächsten Kapitel "Innovation", indem ich darauf hingewiesen habe, dass die Verfügbarkeit von Ergebnissen gedanklicher Tätigkeit eine entscheidende Grundlage für innovative Akzente ist. Und ich bin jetzt bei Yochai Benkler, der Jurist, Soziologe und Professor in New York ist und von dem eine ganze Reihe von zentralen Beiträgen zu den diskutierten Themen stammen. Das frühste, womit er das erste Mal so richtig das Thema aufgerissen hat, nennt sich „Coasés Penguin or Linux and the Nature of Firm“ und ist vielleicht ein bisschen erklärungsbedürftig. Für mich war das deutlich erklärungsbedürftig, als ich es das erste Mal gelesen habe. Also Penguin ist das Symbol von Linux. Coasé ist ein Nobelpreisträger für Ökonomie, der für seine Arbeiten über die Entstehungsbedingungen von Firmen den Nobelpreis bekommen hat. Das ist eine Arbeit, die sich damit beschäftigt, wie das Vorhandensein von Open Source Software eingreift in die ökonomischen Mechanismen.

Yochai Benkler "The wells of networks"

Yochai Benkler schreibt immer ziemlich lange und ausführlich und auch hin und wieder repetitiv, würde ich sagen, aber es ist leicht zu lesen. Dieser zweite Beitrag heißt "Sharing nicely - Shareable goods and the emergence of sharing goods as a modality of economic production". 2006 kam eine Zusammenfassung zu dem Gesagten in einem dicken Buch "the wells of networks". Auf dieses Buch werde ich jetzt nicht eingehen. Aber es gibt für dieses Buch ein Wiki - so ähnlich, wie es Lawrence Lessig getan hat im Zusammenhang mit seinem "Code" - vor allem wird aufgefordert, an dieser Stelle weiterzuarbeiten. (Lessig hat eine 2. Version von "Code" herausgebracht, die ein Produkt der im Wiki erfolgten gemeinsamen Arbeit an seiner ersten Version gewesen ist. Sie sehen an der Stelle: Die Leute sind auch mit dem Mediawiki unterwegs, d.h. es ergibt sich, dass sie da einfach mitarbeiten können. Wenn sie im Philo-Wiki ein bisschen etwas beigetragen haben, dann wissen sie, wie das geht. Das als kleine Nebenbemerkung.)
Hier ist der Link für die vollständige Buchfassung von Coasés Penguin,
sowie zu "Sharing Nicely - On shareable goods and the emergence of sharing as a modality of economic production"

Internetveränderungen und Innovationen durch Hypertext

Ich möchte ihnen zunächst einmal vorher zur Einstimmung ein kleines Bespiel geben, die die Bilder hier betrifft die sie sehen. Ich habe bis hierher ganz wenig den Ausdruck Social Web verwendet ich habe mich als Beispiel für Open Source auf die Raymond-Stallman Linux Debatte verlassen. Mittlerweile findet man im Netz eine große Anzahl von organisationsmäßig vernetzenden, informierenden, voneinander abhängenden Sites, die eine neue Qualität zeigen im Gegensatz zu den Hyper-Texts. Sagen wir mal vor 10 Jahren hat die Debatte in etwa begonnen. Über die Verlinkung, über die Hypertextstruktur, die so ermöglicht wurde, dass gewisse Inhalte im Internet zugänglich gemacht werden können. Von einzelnen Personen. Das hat viele Implikationen in die Literatur hinein gehabt, in die Statistik. Dagegen ist die nächste Entwicklungsphase im Web eine Andere; da sind das wesentlich nicht die Hyperlinks, sondern Softwareentwicklungen, die sich auf der Basistechnik der Hyperlinks ergeben haben. Sie gestatten es, soziale Prozesse im Umgang mit den Webinhalten graphisch leicht verständlich und von den BenutzerInnen leicht manipulierbar zur Verfügung zu stellen; sodass nicht einfach nur Link-zählen wichtig ist. (Die so genannten Counters auf den Webseiten, wo sie dann 200.000 oder mehr Hits auf dieser Seite haben, die nichts anderes bedeuten, als Yahoo und Google war fünf Mal da.) Die Aussagekraft dieser Webseitencounter ist massiv eingeschränkt, wenn man weiß, dass wenn man in Google drinnen ist, dass das die Hits erhöht. Das sagt nichts darüber aus, was mit dieser Seite gerade gemacht wird. Es gibt besser definierte und unterschiedlich konfigurierte soziale Software, die hier aussagekräftiger und wichtiger ist. Die Aussagen von Yochai Benkler beziehen sich auf diese Form von sozialen Aktivitäten. Z.B. Sites wie "seti@home". Das ist eine hochintelligente und Neuartige soziale Seite. Es gibt einen Kreis von Personen die sich für extraterrestrische Intelligenz interessieren; für die es ein großes Anliegen ist, herauszufinden, dass es extraterrestrische Intelligenzen gibt, um aus der Vielzahl der wolkenartig unbestimmten Signale, die wir dafür haben können, herauszurechnen, wo überhaupt diese Intelligenz liegen könnte. Dazu braucht es enorm viel Rechenkapazität, und da es sich eher um eine "Freakunternehmung" handelt, ist es nicht leicht, diese große Rechenkapazitäten offiziell zu kriegen und zu zahlen. Die folgende Idee hat sich als sehr produktive erwiesen: Wenn sie dafür Interesse haben, besorgen sie sich einen Screensaver. Der Screensaver ist so eingestellt, dass er in Aktion gerät, wenn sie fünf Min. an ihrem Computer nichts gemacht haben. Das heißt gleichzeitig, dass ihr Computer Rechenkraft enthält, die sie nicht nützen, weil sie nicht abstellen. Das wiederum heißt gleichzeitig, dass diese Rechenkraft für einen Zweck verwendet werden kann, für den sie Interesse haben und somit ist die Möglichkeit deutlich, dass sie mit ihrem Screensaver für eine bestimmte Adresse die Rechenkraft des Computers frei geben, damit vernetzt, extraterrestrische Intelligenzen gesucht werden kann. Das ist eine Sache, wo man schon mal etwas sieht. Ich hab bisher viel von der nicht-körperlichen, von der intellektuellen Eigenschaft von solchen Phänomenen im Web gesprochen. Hier haben wir eine Situation, wo die Netzgesellschaft nicht einfach nur Information, sondern auch greifbare Energie und Rechenleistung enthält, und wo wir in einer Situation sind, wo wir durch die massive Vernetzung durch das Internet Ressourcen bündeln und zur Verfügung stellen und kommunikativ zugänglich machen können, die vorher schlechterdings nicht möglich waren. Seti ist einer der Paradigmen Fälle, auf dem Yochai Benkler eine allgemeinere Theorie des "Commons Based Peer Production" aufbaut. Peer Production ist die Produktivität zwischen gleichgestellten Netzbenutzerinnen auf der Basis einer für alle gemeinsame vorhandenen Rechtssicherheit im Bereich des Eigentums, um die es da geht.

Paradigma des Quatsch-blogs

Beispiel: Kleines Paradigma des Blogs quatsch von mir kurz anzudeuten, wie so etwas aussehen kann, also das ist die gegenwärtige Einstiegsseite von Quatsch. Sie haben ein Programm, das ist eine Extension von Firefox, das nennt sich Web of Trust und so eine Extension können sie für jede Seite des Internets angeben wie vertrauenswürdig oder nicht vertrauenswürdig das ist und sie können kommentieren was das ist. Es führt zum Beispiel völlig handgreiflich dazu, dass wenn fünf Personen aus einer Seite schon einmal einen Virus bezogen haben und diese Seite ablehnen und sagen dazu, dass es völlig unvertrauenswürdig ist. Wenn sie diese Extension laufen haben automatisch bevor sie auf die Seite geleitet werden eine Warnung kriegen, also dass viele Leute schon einen Virus von dieser Seite bekommen haben. Dass sind also Leute die halt das schon rein geschrieben haben. Ein auf die Quatschseite umgelegt sehen Sie es gibt so etwas wie Vertrauenswürdigkeit, Händlerzuferlässigkeit, Datenschutz, Jugendschutz, die für diese Seite angegeben werden. Das sind hier die Ergebnisse dazu Ergebnisse. Also die Ergebnisse von all den Mitgliedern des Web of Trust die sich die Mühe gemacht haben für diese Seite solche Daten einzugeben.Web of Trust Erklärung Und sie haben auch unten eine Auflistung derjenigen institutionelleren Datenquellen in denen auf diese Seite verwiesen wird. ie stellen also fest, dass sie im Delicious ein Bookmarkservice ist, es verweise auf diese Lesezeichen auf diese Seite gibt, dass das in Wikipedia auf finnischen, polnischen, französischen und deutschen Wikipedia vorkommt das Quatsch und das ist am Open Direktorie Projekt vorkommt . Ich habe meine Zweifel, ich glaube einiges davon ist ein Irrtum, man soll nicht glauben, dass Alles von Irrtümern ist. Es gibt ganz andere Quatsch- Seiten und könnte gut sein, dass sie das nicht auseinander halten können. Wie immer was ich ihnen jetzt noch andeutung möchte: sie schauen dann, logen sie sich in [del.icio.us delicious] ein und können die Recent Hrachovec Bookmarks sehen. Sie sehen, dass 6 Leute die philosophische Audiothek gebookmarkt haben usw. Ich kann mich also umschauen ,was Leute über dasselbe Thema denken und kann auch ihren Verlauf nutzen um den Explorationsverlauf anderer zu betrachten. Welche Verbindungen, welche Gemeinsamkeiten habe ich mit diesen Menschen, welche mich auch immer wieder weiterbringen? Auf diese Art und Weise wird die thematisch fokussierte Weiterverweisung von Akteurinnen im Web kann sehr eindrucksvoll umgesetzt.

Yochai Benklers wichtiger Ansatz

Yochai Benkler macht sich dafür sehr stark, weil sozusagen zu diesem Punkt er eine direkte Verbindung bildet zu Coarsés Penguin. Sie haben durch diese Mechanismen einen bisher unerhört effektiven Weg zu, er nennt das Self- Identification. Um sich zum erkennen geben anderen Personen gegenüber im Hinblick auf die eigenen Kompetenzen und Interessen im Arbeitsgebiet das man jeweils hat. Die klassische Art und Weise die natürlich immer noch extrem wichtig ist, ist die dass zum Beispiel die Seite der Philosophie Departments in Deutschland oder in den USA hat. Und wenn ich wissen will wer arbeitet in da Philosophie. Schau ich auf die Seite der Universität wo die Leute dort arbeiten. Das hätte man früher immer gemacht aber das kann man jetzt noch immer machen. Ich würde einmal vermuten, dass sicherlich eine große Anzahl und eher die interessanten die nicht durch die Automatismen der Universität erfasst werden. Auch an den Universitäten arbeitenden Leute ihre eigene Materialien in eigenen Webseiten haben, in anderen Webseiten haben die nicht an den Universitäten untergeordnet zur Verfügung sind. Sodass es eine größere Anstrengung ist die Leute zu suchen. Nicht in dem hirachischen Gemeinschaftsbaum zu suchen sondern man muss sich suchen in den Arbeitskontexten in denen sie sich zu erkennen geben. Und dass sind nun Zusammenhänge in denen man aus den eigenen Arbeitskontexten zu erkennen gibt und in die hineintritt indem man in diese Vernetzungszusammenhänge eintritt. Das ist eine Organisationsform die eine Effektivität hat die in gewissen Sinn der Effektivität einer Firma mit einem Personalverzeichnis und auch einem Supermarkt überlegen ist. Das ist einer der entscheidenden Punkte den der Benkler klar zu machen versucht, indem er sich auf den Theoretiker der Firmengestaltung, weil er sagt es gibt Zusammenhänge in denen die Effektivität dieser selbst Zuordnung an Kapazitäten über das Firmenmuster und über das Markenmuster hinausläuft.

Frage aus Auditorium

Also mir gefällt das Ganze sehr gut. Diese Web 2.0 Sache, diese ganze Verlinkungssache ist absolut wünschenswert und sollte meiner Meinung nach auch jetzt ausgenutzt werden, weil es wahrscheinlich in mittelfristiger Zeit wahrscheinlich dazu kommen wird, dass diese ziemlich distinktive Aufteilung von virtueller- und Rechtsperson auflösen wird. Ja momentan ist es ja noch so, dass man die Möglichkeit hat Nicknames anzugeben. Momentan sind die IP Adressen dynamisch und so weiter es ist nicht so leicht sich mit der richtigen Person die du meinst in Verbindung zu bringen. Daran wird aber gewillt gearbeitet, und wenn es so weit ist dann wird es zu einem Biedermeier kommen. Es würde sich jeder mehr oder weniger zurückziehen. Es wird jeder genau schauen wo gebe ich meine Informationen preis. Wer hat Zugang darauf. Dann hat es natürlich reale Folgen quasi. Solange dass noch nicht so ist drum ist das gerade unser Goldenes Zeitalter quasi, solange das noch nicht ist sollte man das forssieren. Es wir zu einem Rückzug des Individuums auf einen kleinen privaten Bereich wenn die Rechtsperson im Internet dann verfügbar ist führen.

Einmal Internet immer im Internet am Bspiel Faustus AG

Ich möchte noch einmal zur Verstärkung auf das Schicksaal der Faustus AG zu sprechen kommen. Denen ist es natürlich auch nicht Recht worauf sie sich dabei eingelassen haben. Sie stehen noch immer im Bussines Week. Sie können sich im Bussines Week nicht unbedingt austragen. Das geht vielleicht noch. Sie können den Betreiber von Bussines Week können sie so zu sagen sagen, tragen sie uns bitte aus. Aber aus dem Internetarchiv können sie sich nicht austragen, denn sie sind ein Teil der Geschichte des Internets, das gehört sozusagen zu der Goldenen Zeit dazu, dass die Öffentlichkeit auf die man sich da eingelassen hat auch tatsächlich die Informationen und die Gedanken, also Faustus AG ausgesprochen produktive. Auch in ihrem Verschwinden ist sie produktiv indem sie hier in unserer Vorlesung wieder belebt wird. Ich würde mal sagen in wahrscheinlich 14 Tagen oder so was ist nicht unwahrscheinlich, dass der erste Eintrag auf Faustus AG ins Philo Wiki käme. Diese Form von Zusammenarbeit das ist etwas wofür man doch einiges einsetzten kann und wofür es gute Gründe gibt.

Yochai Benkler "Common Based Peer Production and Virtue" & Ausblick

Einer der neuesten Artikel auf Webpage von Yochai Benkler "Common Based Per Production and Virtue": Das ist mit einer Philosophin namens Helen Nissenbaum zusammen geschrieben worden und bezieht sich direkt auf die Tugendethik. Also die ethische Frage, inwiefern diese Form von Produktivität etwas damit zu tun hat, dass wir gesellschaftlich besser werden, dass wir bessere Menschen werden können. In diesem Artikel gibt es eine Zusammenfassung dessen was in den anderen längeren Artikel und Büchern zu finden ist und was ich noch schnell ansprechen möchte. Er hat hier TabellenCommons-based Peer Production and Virtue , das kommt aus [Coases Penguin http://www.benkler.org/CoasesPenguin.PDF], in diesen beiden Tabellen stellt er gegenüber: welche Verhältnisse von Eigentumsrechten und von Markt- und Firmenkonstellationen liegen als bestimmte Formen der ökonomischen Transaktion zu Grunde?

Unter bestimmten Umständen, wenn gewisse Eigentumsrechte gelten, wenn das Ganze über den Markt geregelt wird, wird es eine pure Marktwirtschaft geben. Wenn andere Eigentumsrechte gelten, gibt es keine Marktwirtschaft sondern eine Firmenwirtschaft oder eine peer-production. Sein wichtiger Punkt ist jener von Coases Penguin, dass zusätzlich zu der Organisationsform durch Firmen und der Organisationsform durch den Markt, es die Organisationsform durch peer-production gibt und diese produziert neue Arten mit Eigentum umzugehen.

Um dass tun zu können, gibt es Bedingungen und diese Bedingungen sind mir nun wichtig: Es muss ein Projekt geben das dezentralisiert ist und in Modulen bearbeitet werden kann. Es muss ein Modul deren Körnigkeit/Granularität variabel ist und nicht zu groß ist. Das heißt die Module sind die Aufgaben auf die es ja ankommt. Die Granularität ist die Größe der Aufgaben die variabel und nicht zu groß sein soll. Und es muss einen Integrationsmechnismus zwischen den einzelnen Modulen geben der nicht zu viel kostet und der geprüft werden kann, also der von der communities geprüft werden kann. Diese 3 Bedingungen gibt er an. Die Aufgabe ist nicht von der Art, dass sie in einer verteilten Netzumgebung gelöst werden kann, aber die Wikipedia geht, weil die Wikipedia hat die richtige Form von Modulen. Wörterbucheintrag ist ein so ein Modul mit dem man arbeiten kann und es gibt eine Reihe von anderen Aufgaben, es geht ja nicht nur um den Eintrag, es geht um die Diskussion, es geht um die Übersicht und Verwaltung und so. Auch diese Aufgaben sind in geeigneter Art gestuft, sodass man viele Leute damit beschäftigen kann die unterschiedliche anspruchsvolle Aufgaben haben und der Integrationsmechanismus, dass das ganze dann eine Enzyklopedie wird. Dieser Typus von Aufgabenstellungen von dem wir noch gar nicht gewusst haben, vor nicht all zu langer Zeit, dass es den geben kann, weil es die Netzgesellschaft noch gar nicht gegeben hat, dieser Typus ist Voraussetzung, damit es eine Produktivkraft der entsprechenden Art gibt.