Benutzer:Evelyn/WS10-Cvpl-02-15 10 10: Unterschied zwischen den Versionen

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Ich will es jetzt auch noch mal verschärfen, obwohl sich die Trennlinien natürlich verwischen. Es handelt sich um Technologien, die man in einem gewissen Sinn abtrennen muss zu den herkömmlichen Kommunikationstechnologien. Wenn Sie einen tiefen Bergschacht haben und dann haben Sie dann glücklicherweise eine kleine Bohrung Meter unter die Erde und in dieser Bohrung können Sie in die Höhle hinunter und können dort Sprechkontakt herstellen oder eine kleine Videokamera machen, dann haben Sie Telekommunikationstechnologien die in zwei getrennten Bereichen Kommunikation möglich machen, wie Sie früher noch nicht möglich war. Das ist eine Form – und das kann natürlich genau digital passieren – das ist eine Form des Wörtlichnehmens einer Höhle z. B. in dem Zusammenhang und das gibt es aber schon lang und das ist nicht der Faktor der Aufregung. Das ist nicht das was uns hier beschäftigt. Der Faktor der Aufregung ist, dass es – so aufregend und interessant es ist, dass man in eine Höhle so 700 Meter kommt – wenn es darum geht, dass man in einen Bereich gerät indem man körperlich nicht kommen kann. Das ist das was gemeint ist, wenn ich sage, das ist eine Informationswelt – eine virtuelle Welt, eine Desktopwelt. Was Heim hier bringt ist zunächst einmal nichts anderes als ein Sich-darauf-beziehen, ein Aufmerksam-machen auf diese Form von Problem. Ich werde dann im nächsten Abschnitt, wenn es darum geht – unter dem Titel „Spiegel und Virtualität“, ein bisschen weiter mit diesen Sachen beschäftigen und ein Bild –damit ende ich und fange da nächste Mal damit vielleicht an – ein Bild das mir dazu gut gefällt, habe ich Ihnen hier zur Verfügung gestellt. Es hat auch die passende Beschaffenheit. Das ist eine Werbung aus den neunziger Jahren, wie Sie an diesem Computer leicht sehen, den heutzutage wohl kaum jemand von Ihnen mehr verwenden wird.
 
Ich will es jetzt auch noch mal verschärfen, obwohl sich die Trennlinien natürlich verwischen. Es handelt sich um Technologien, die man in einem gewissen Sinn abtrennen muss zu den herkömmlichen Kommunikationstechnologien. Wenn Sie einen tiefen Bergschacht haben und dann haben Sie dann glücklicherweise eine kleine Bohrung Meter unter die Erde und in dieser Bohrung können Sie in die Höhle hinunter und können dort Sprechkontakt herstellen oder eine kleine Videokamera machen, dann haben Sie Telekommunikationstechnologien die in zwei getrennten Bereichen Kommunikation möglich machen, wie Sie früher noch nicht möglich war. Das ist eine Form – und das kann natürlich genau digital passieren – das ist eine Form des Wörtlichnehmens einer Höhle z. B. in dem Zusammenhang und das gibt es aber schon lang und das ist nicht der Faktor der Aufregung. Das ist nicht das was uns hier beschäftigt. Der Faktor der Aufregung ist, dass es – so aufregend und interessant es ist, dass man in eine Höhle so 700 Meter kommt – wenn es darum geht, dass man in einen Bereich gerät indem man körperlich nicht kommen kann. Das ist das was gemeint ist, wenn ich sage, das ist eine Informationswelt – eine virtuelle Welt, eine Desktopwelt. Was Heim hier bringt ist zunächst einmal nichts anderes als ein Sich-darauf-beziehen, ein Aufmerksam-machen auf diese Form von Problem. Ich werde dann im nächsten Abschnitt, wenn es darum geht – unter dem Titel „Spiegel und Virtualität“, ein bisschen weiter mit diesen Sachen beschäftigen und ein Bild –damit ende ich und fange da nächste Mal damit vielleicht an – ein Bild das mir dazu gut gefällt, habe ich Ihnen hier zur Verfügung gestellt. Es hat auch die passende Beschaffenheit. Das ist eine Werbung aus den neunziger Jahren, wie Sie an diesem Computer leicht sehen, den heutzutage wohl kaum jemand von Ihnen mehr verwenden wird.
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Version vom 1. Januar 2011, 17:46 Uhr

Cyberplatonismus 2. Einheit

  • Vortragender: Herbert Hrachovec

Zusammenhang Cyberspace und Wiki

Wir bzw. Sie haben in der letzten Woche ein schönes Anschauungsbeispiel für das geliefert, was oft zum Anlass genommen wird um zu sagen, Cyberspace ist eine neue Kategorie. Der Zusammenhang ist folgender: Cyberspace ist ein sehr großer Begriff, Wiki ist ein bisschen ein kleinerer Begriff, aber das was im Wiki passiert ist, ist durchaus von der Art der Aktivität, die man in den großen Begriff Cyberspace hineinprojeziert. Nämlich eine geistige, kooperative Tätigkeit von Menschen die nicht an einer Stelle sitzen und einem Seil ziehen oder so etwas ähnliches. In der menschlichen Stammesgeschichte, könnte man sagen, gibt es Kooperationen – zunächst einmal, um es klischeeartig zu sagen - bei der Erlegung von Tieren im Urwald, bei der Aufrichtung von Gebäuden oder ähnliches. Also Kooperation im Sinne der physisch gemeinsamen Arbeit an einer Sache. Und lange bevor wir Netztechnologien, Elektronik usw. gehabt haben, kennt man natürlich und weiß man, Kooperationen die nicht in dem Sinn organisiert sind, dass man die andere Person rechts oder links von einem sieht, sondern Kooperationen über Gedanken, dass über Geschichte und über Vernunft der Mitteilungen der gesamte Bereich der symbolischen Mitteilung, die nicht notwendig eine andere Person braucht, die einen z. B. in die Seite stößt ein bisschen oder so etwas, ist natürlich eine Form von Menschen zusammen an einem Ziel tätig zu sein oder auch an einer Verständigung nur tätig zu sein, die nicht auf die Körper reduziert ist, aber – und dazu will ich die Wiki-Erfahrung jetzt heranzitieren – so etwas, wie in der letzten Woche im Wiki gelaufen ist - also so etwas als Beispiel für das was da gelaufen ist, das kann man erst tun seit dem es die Internettechnologie zusammen mit bestimmter geistiger Einstellung gibt. Nämlich, ohne dass ich absichtlich eingeschritten bin, hat sich in einer Woche hat sich etwas organisiert, was für alle hier interessant ist und was es in früheren Lehrveranstaltungen so nicht gegeben hat. Es haben sich nämlich erstens Leute interessiert an dieses Angebot gewendet, das ich gemacht habe um eine Note zu erreichen – nämlich eine Liste erstellt von Personen, die bereit sind Transkriptionen zu machen. Das ist so passiert – und das ist mir an dieser Stelle besonders nahe es hervorzuheben und auch in ihren eigenen Bewusstseinsgrad reinzubringen - es wäre einiges einfacher gewesen, wenn ich gesagt hätte: „Ich gebe eine Liste durch, bitte tragen sie sich ein“ oder eben das entsprechende elektronische Verfahren - nämlich ich verwende eine Lernplattform, in der Lernplattform sind die Daten der einzelnen Vorlesungen eingetragen, das geht schon automatisch, ich lege im Moodle eine Lehrveranstaltung an, sage wann ist die erste Lehrveranstaltung, wöchentlich – zack – ich habe die Liste – zack – sie schreiben sich in die Liste rein. Gibt etwas einfacheres als auf diese Art und Weise die Verwaltung technisch zu vereinfachen? Das habe ich absichtlich nicht gemacht. Da bin ich sozusagen sehr vorsichtig, aus dem Grund, weil obwohl es an dieser Stelle für viele selbstverständlich und problemfrei ist mit Listen zu operieren, ist mit Listen zu operieren niemals selbstverständlich in einem Zusammenhang – erstens von Philosophie und zweitens von einem technischen Zusammenhang. Nichts ist leichter und nichts ist technischer und darum für die philosophische Betrachtung auch problematischer als nach Listen vorzugehen, in denen man quasi ein Item ist. Und darum habe ich es nicht gemacht und darum habe ich das Risiko auf mich genommen, zu sagen: „Sie kennen sich nicht aus.“ „Was soll ich jetzt machen?“ „Wie geht denn das jetzt?“ Das hat tatsächlich stattgefunden und an dieser Stelle ist es auch immer ein bisschen ein Risiko. Wie sehr kann ich ihnen Frustrationen zumuten, in dem sie sich zehn Minuten beschäftigen müssen mit dem was da passiert? Traditionell, sprachmäßig legt sich nahe zu sagen: Um das selbst zu verstehen um das selbst zu organisieren – Selbstorganisieren, anstatt dass ich ihnen eine Liste vorgebe. Wer ist das Selbst in dieser Selbstorganisation? Es gibt kein definiertes Selbst, sondern das ist die Interaktion der Leute die daran interessiert sind, in unterschiedlichen Zuständen der Kompetenz und der Hilfsbereitschaft. Was hier passiert ist, finde ich, ist auf wirklich faszinierende Art und Weise eine Fusion von Leuten die interessiert an der Sache sind, die schon etwas wissen, die etwas wissen wollen und die sich in diesem simplen, virtuellen Dokumentenraum hörbar machen und die richtige Organisation geben. Nun ist das deswegen mir auch wichtig, weil wir, wenn wir in weiterer Folge über Cyberspace reden werden, sehr hochgestochene und mit der Vernunft und mit der menschlichen Auffassungsgabe und Genialität verbundene Projektionen darüber haben, wie schön und wie körperfrei und wie sozialfrei, wie in einem sozusagen sozial völlig unbeschriebenen Raum, diese Cyberspacegeschichten sind. Das ist, wie wir sehen werden, eine direkte Nachfolge der platonischen Suggestion, dass es zwei Faktoren gibt an denen hier festzuhalten ist. Der eine Faktor – der Body, das Fleisch, den anderen in die Seite stoßen können – und auf der anderen Seite die Vernunft, der Geist, den man nicht in die Seite stoßen kann. Diese Spannung setzt sich hier fort und gräbt sich ein in unsere Überlegungen und die Überlegungen die ich ihnen vorstellen werde über Cyberspace. Und ich werde da einige schwere Bedenken vorbringen. Ich werde also dagegen reden oder dagegenhalten, wenn jemand das was hier passiert ist einfach so beschrieben wollte, dass er sagt, hier hat sich eben die Weisheit der Masse, das Verständnis der anwesenden Personen, ganz abgesehen von der Körperlichkeit durchgesetzt und hat diese, doch bemerkenswerte, Selbstorganisation hervorgebracht. Diese Organisation wäre nicht möglich, z. B. wenn Hannes A., der sich schon auskennt an der Stelle geholfen hätte. Und das ist eine sehr physische Geschichte. Der ist schon länger dabei und hat an der entsprechenden Stelle eine Funktion erfüllt, die jemand anderer nicht so leicht hätte erfüllen können. Und es gibt eine ganze Reihe von z.B. Vorgeschichte – Vorgeschichte, die darauf hinweist, dass das schon mal geschehen ist. Geschichte ist immer etwas was auch abgelagert und physisch zugänglich sein muss, in einer Art und Weise. In dem Fall war es physisch zugänglich in Form von Schemata von vergangenen Vorlesungen. Das heißt, worauf ich hinaus will ist, eine Sozialkonfiguration - eine in der Geschichte durch den Aufbau sozialer Umstände ermöglicht Selbstorganisation. Das geht nicht mit einem Daumenschnippen, sondern was da passiert ist, geht in ein Muster, eine Vorgabe hinein und dort – nachdem es das gibt und da es das gibt - hat es allerdings einen Effekt, den frühere Verständnis- und Kommunikationsweisen nicht haben können. So viel, meine kleine Werberede für uns selbst, für das was wir selber machen.

Ich fordere sie auch auf, in weiterer Folge in diesem Wiki teilzunehmen, beizutragen. Und wir haben dafür auch schon zwei Beispiele, die ich jetzt auch ihnen, wenn sie es noch nicht angesehen haben vorführen möchte.

Hinweis auf „Platons ungleiche Erben"

Vorher – bevor ich es vergesse – eine Sache. Ich mache nicht gerne Propaganda, aber an dieser Stelle glaube ich, ist die Propaganda inhaltlich berechtigt. Ich habe hier unter „Beiträge von Teilnehmern“ (da ich ja auch ein Teilnehmer bin) einen Link auf eine Buchpräsentation hergeschrieben. Es gibt ein Buch, das eben erschienen ist im Löcker Verlag. Das heißt „Platons ungleiche Erben – Bildung und Datenbanken“. Und ich werde das zusammen mit August Hust, der Professor für Psychoanalyse ist, nächsten Donnerstag um 19 Uhr im französischen Kulturinstitut vorstellen. Es hat – wenn sie eine direkte Verbindung zu dem wollen, was ich ihnen gerade gesagt habe, als letztes Kapitel einen kleinen Ausschnitt, ein Segment aus diesem Wiki hier. Das ist ein Jahr her, da haben wir eine Übung gemacht hier über die Einführung in die Ringvorlesung. In dieser Übung – da es vor einem Jahr, die studentischen Proteste gab – haben wir uns auch sehr viel mit Bildung für alle beschäftigt und da ich gerade dabei war ein Buch über Bildung zu schreiben, hat es den Weg genommen, dass ich am Ende dieses Buches eine redigierte, ausschnittshafte Darstellung der Wiki-Diskussion über Bildung hineinplatziert habe. Wenn sie das interessiert, weiße ich sie auf das Buch und auf die Präsentation hin. Sie können die Inhalte im Wiki in diesem speziellen Kapitel finden. Sie finden vieles unter den Materialien und ich werde vieles von dem ganz einfach auch vom Buch digital zur Verfügung stellen.

Beiträge von VO-Teilnehmern im Wiki

Das führt mich aber zu den, an der Stelle wichtigeren beiden Beiträgen von Teilnehmerinnen. Andreas Kirchner, der sich auch schon relativ gut auskennt mit dem was hier passiert und der gerade nicht in Wien ist und quasi ferngesteuert teilnimmt, hat ein Projekt begonnen unter „Cyberplatonismus Typologie", indem er etwas versucht. Er sagt, das ist ein Experiment, wir werden sehen wie das weiter geht. Die Darstellungen die ich mache und die erfahrungsgemäß ein bisschen ausgefranst sind und ein bisschen etwas mit auch der Inspiration und der Ablenkung durch Fragen und durch den Duktus der Geschehnisse zu tun haben, das zu bündeln und in Thesen zu fassen. Und er hat wichtige Thesen der ersten Vorlesung hier festgehalten. Ich kann mir also darum jetzt hier eine Widerholung sparen. Eine Sache möchte ich aber doch besonders hervorheben, weil sie erstens mit dem eben genannten Buch und zweitens mit dem zweiten Beitrag, den ich gleich noch dann nachher vorstellen werde zu tun hat - er hat etwas ausgegraben. Er hat in einer alten LVA-Seite ein Zitat von Wittgenstein ausgegraben, das ich in der Vorbereitung des Buches auch offensichtlich hier schon zur Verfügung gestellt habe – nicht dass ich mich erinnern konnte. Es handelt sich aber um ein Zitat, das ich für ein großartiges und wegbereitendes Zitat von Wittgenstein halte, zumindest im Bereich dessen worüber wir hier sprechen, ohne dass es in der Wittgensteinforschung in der Philosophie sehr prominent gewesen wäre. Es beschäftigt sich aber, ohne dass Platon genannt wird und ohne dass man es finden würde, wenn im Stichwort Platon-Wittgenstein nachschaut, entscheidend mit der Frage des Platonismus in unserem Denken und es wird deutlich wie der Platonismus in der Philosophie Wittgensteins auch als Struktur angelegt ist. Und um dieses Zitat dreht sich im Buch mein Wittgenstein-Kapitel am Ende. Und die zweite Geschichte von den Beitragenden, die extra da auch auf Platon und Wittgenstein Bezug nimmt, passt an dieser Stelle hervorragend dazu. Ich les ihnen dieses Zitat vor: „Wenn die Welt der Daten zeitlos ist, wie kann man dann überhaupt über sie reden.“ Da alleine schon ist derartig schwergewichtig, dass man darüber lange Überlegungen anstellen kann. Die Welt der Daten im Sinne eines strukturierten Gegebenen, einer Form. Es wird, wie ich ihnen diese Stunde noch zeigen werde, Michael Heim an der Stelle darauf hinweisen, dass in Formation als Terminus, dieser Subbestandteil Form, Formation enthält, so dass in der Information immer eine Form enthalten ist und eine Form erklärt werden kann und muss, im Sinne des Allgemeinen. Ich hatte über das Allgemein schon geredet, ich komme auf das Allgemeine wieder zurück. Daten haben eine Form des Allgemeinen. Lassen sie sich bitte unter keinen Umständen davon irritieren oder ablenken, dass es Leute gibt die sagen, Datenbanken sind unstrukturiert, Datenbanken sind ein Durcheinander, Datenbanken sind nichts Intelligentes. Datenbanken sind etwas Intelligentes – genau in dem Sinn, indem Gegebenheiten verzeichnet sind. Verzeichnet aufgezeichnet, zum Abruf bereitgestellt, in einer bestimmten Struktur. Wenn es keine Struktur gäbe in diesem Daten, dann könnten sie damit nichts anfangen – dann wäre das ein Haufen, dann wäre das ein Durcheinander. Wir werden dazu kommen – das ist auch heute noch vorgesehen, dass die Schöpfungsmythen (- ich gehe sozusagen ganz nach hinten zurück -) haben etwas zu tun mit der Bewegung, das Durcheinander, das Chaos, da Tohuwabohu (was die Verballhornung des hebräischen „wüst und leer“ ist) in eine Form zu bringen. Diese Art von Formation ist schon mit Daten gegeben und diese Formation aber, dieses Moment des Formens, ist wenn man es zunächst einmal nimmt – für Wittgenstein in diesem Zusammenhang - ist das zeitenthoben. Ist das eine Struktur, die die Welt hat und wenn das so ist – das ist die Pointe, die Herausforderung dieses ersten Satzes - wenn das etwas ist wo Zeit keine Rolle spielt, wo etwas so ist wie es ist und gestaltet ist (man kann es nur anschauen, man sieht es ist gestaltet), wie kann man darüber reden? Weil Reden ist etwas, was notgedrungen in der Zeit abläuft. Für Reden braucht man Zeit, für reden braucht man Entwicklung, für Reden braucht man andere Personen die etwas hören. Alleine kann man erst dann reden, wenn man reden von anderen gelernt hat. Reden ist eine Tätigkeit in der Geschichte und die Formung der Welt ganz allgemein. Der Welt eine Form geben ist etwas was vor der Geschichte kommt, was sozusagen ein Mythos ist, der einen Zustand herbeiführt indem Geschichte überhaupt erst möglich ist. Geschichte kann sich entwickeln durch Reden innerhalb von Formen. Aber wie kann Geschichte über die Form geredet werden, die das Ganze hat?

„Der Strom des Lebens, oder der Strom der Welt , fliesst dahin, und unsere Sätze werden, sozusagen, nur in Augenblicken verifiziert. Unsere Sätze werden nur von der Gegenwart verifiziert. Sie müssen also so gemacht sein, dass sie von ihr verifiziert werden können.“ (Wittgenstein, TS 209, S. 18) Das ist jetzt ein nächster Punkt. Das ist der Punkt wo man sagt, wir haben also eine Geschichte der Welt und in dieser Geschichte der Welt werden Formen, die die Welt hat, Daten die es gibt, im Ablauf entwickelt, im Ablauf ändern sich Formen und Strukturen. Es sind aber, wenn das ein Leben ist, ein Strom des Leben und ein Strom der Welt ist, ergibt sich aber jetzt die Frage: Wie können wir über die Gestaltung, über die Form dessen was in dem Ablauf der Welt vorhanden ist, wie kommen wir mit Sätzen an die Datenstrukturen, die in der Geschichte der Welt ablaufen und sich entwickeln? Mit Sätzen können wir deswegen dort herankommen, weil Sätze – und das ist jetzt die Besonderheit, die Wittenstein in die Sache hereinbringt – Sätze sind sozusagen Schnappschüsse auf den Ablauf der Daten in der Welt - blitzlichtartige Segmente, Fixierungen dessen wie die Welt ist. Aber nicht einfach im Sinn von Schnappschüssen als Momentaufnahmen. Weil ein Bild - ein Momentaufnahme - ist noch nicht einfach ein Satz, weil ein Bild keine Behauptung ausspricht. Ein Bild behauptet nichts, ein Bild redupliziert nur. Wir werden auf das noch weiter kommen. Ein Bild ist einfach eine Verdoppelung – eine Art von Verdoppelung von einer Gegebenheit, eine gleiche Struktur. Aber das etwas verdoppelt wird, heißt noch nicht, dass behauptet wird, dass etwas so ist wie es ist. Sätze sind nicht nur Wiedergabe von Zuständen, sondern Sätze sind auch inklusive zu sehen, eines Moments von Behauptung, nicht nur dass etwas wiedergegeben wird – redupliziert wird - sondern es auch gesagt wird, das was jetzt ich hier als Bild produziert habe – als Aussage produziert habe – das ist auch das was ist, das trifft die Wirklichkeit. Ich habe mich da jetzt ein bisschen zu sehr hinein verführen lassen, in die Wittgenstein-Problematik. Ich breche das deswegen hier ab und weiße sie nur darauf hin, dass diese Spannung, zwischen der Zeitlosigkeit der Datenwelten und der Aufgabe, die Menschen haben, wenn sie sich in dieser Zeitlosigkeit über die Daten, über die Formen, über die Strukturen vergewissern wollen, sich Auskunft verschaffen wollen für diese Daten, mit Hilfe von Sätzen, die immer in der Zeit drinnen stehen – die nicht an diese formale Vorgegebenheit von Daten herankommen – dass das ein Punkt ist, dem wir folgen werden.

Was ich hier dann als nächstes noch zu dieser Einleitung sagen möchte: Yadseut ist der Wiki-Name eines Kollegen, der hier auch noch zusätzlich die Beziehungen von Platon zu Wittgenstein unter dem Aspekt der Spannung zwischen Einzelfall und Typologie beschreibt – auf eine Art und Weise mit der ich komplett übereinstimme. Er nimmt auch die Dinge auf, die ich über Tapferkeit das letzte Mal gesagt habe und bezieht da auf die Theorie von Wittgenstein, wie Begriffe von uns verwendet werden. ich habe da noch eine Arbeit von mir dazugegebne, in der ich das ziemlich ähnlich sehe. Im zweiten Teil bezieht er das auch noch auf die objektorientierte Programmierung. Da komme ich noch mal dann zurück, wenn wir so weit sind. Also, diese Dinge möchte ich ihnen hier vorstellen und ans Herz legen.

Zusammenhang Imagefilm und Cyberplatonismus

Ich will dann eines doch noch auch machen: Es gibt eine zweite LVA, die ich anbiete und die heißt „das Institut für Philosophie filmen“ (http://philo.at/gallery2/main.php) und in dieser LVA beginnen wir damit uns zu beschäftigen, mit der interessanten Entwicklung des so genannten Imagefilms. Imagefilms ist etwas was – und das lese ich ihnen hier gleich im Schlagwort vor – anders als ein einfacher Werbespot oder so etwas, wird ein Imagefilm beschrieben als „der Film muss zum Wesen des Unternehmens passen“. Ein Imagefilm ist also dann gut, wenn er den Kern des Unternehmens widerspiegelt - das Image eines Unternehmens in wenigen Minuten auf den Punkt zu bringen. Das ist eine Sache die mich dann doch sehr bestärkt hat und sehr interessiert hat im Zusammenhang mit der Fragestellung von Einzelfall und Typologie, die ich das letzte Mal gemacht habe. Es geht nicht nur um Einzelfall und Typologie, sondern es geht beinhart – warum sollte sich jemand der hier in unserer Sprache vorhandenen Begriffe nicht bedienen – es geht beinhart um das Wesen des Unternehmens. Was ist das Wesen eines Unternehmens? So wie ich es ihnen das letzte Mal gesagt habe, könnte ich es jetzt hier noch einmal Raiffeisenkasse Leasingabteilung sagen, für die es einen Imagefilm gibt oder aber Neuhofen im Mostviertel. Hier hab ich ihnen ein paar Imagefilme zusammengestellt. Ich fürchte das Plugin funktioniert nicht. Lassen wir das. Sie können sich’s selber anschauen.

Die Idee dahinter, das was ich ihnen nahe bringen möchte, um sie auf die platonische und cyberplatonische Betrachtungsweise aufmerksam zu machen, ist das wir im dritten Teil der VO uns genau mit Platontexten beschäftigen werden. Das habe ich schon angekündigt, das bin ich ihnen und mir selber schuldig als professionelle Philosophietätigkeit. Und das kann leicht dazu führen, dass man sagt, das ist eben ein Problem das vor 2500 Jahren jemand gehabt hat und in griechisch niedergelegt hat. Es ist aber – so viel will ich ihnen noch mal deutlich machen – nicht nur dieser Typus von Problem, sondern es ist – bleiben wir bei der Gemeinde Neufeld – es ist so wie bei einem Unternehmen und so wie bei einer Gemeinde und so wie bei ihnen selbst auch, ein Typus von Fragstellung der mit der Philosophie zentral zusammenhängt. Nämlich - um es existenzialistisch zu sagen: Was ist der Zweck meines Lebens, warum lebe ich eigentlich, wer bin ich und wenn ja wie viele? Die Frage: worum geht’s eigentlich in meinem Leben, worum geht’s eigentlich wenn wir von Neuhofen reden? Man kann sagen, Neuhofen ist ein Punkt auf der Landkarte, eine statistische Entität im Zusammenhang mit der Volkszählung. Neuhofen – da bin ich geboren, oder auch nicht geboren – noch nie gehört. Was ich faszinierend finde in dem Zusammenhag mit Imagefilm, ist dass der Imagefilm eine Frage stellt, die in der Philosophie bekannt ist und mit der wir uns ind er Philosophie systematisch, historisch seit hunderten Jahren beschäftigen. Nämlich, worauf kommt es eigentlich hinaus, was ist eigentlich die Pointe von Neuhofen oder Amstetten? Platon hat im Dialog Parmenides eine kleine, sehr interessante Überlegung, in der er sagt: Ok - jetzt haben wir Tapferkeit und Frömmigkeit und solche Sachen untersucht und sind darauf gekommen, da gibt es Typologien, da gibt es etwas Allgemeines, da gibt es eine Idee davon - vielleicht sogar auch noch von einem Pferd. Da gibt es sozusagen das ideal Pferd. Aber Haare oder Gatsch (Schmutz)? Gibt es eine Idee von Gatsch? Das ist ein bisschen ein Problem für die platonische Betrachtungsweise, wie wir sehen werden. Es scheint in dieser Situation so zu sein, dass der Status von Ideen nur ganz bestimmten eher erhabenen Themen zukommt – erhabenen oder erkenntnisrelevanten Themen zukommt. So etwas wie Autobahndreieck hat keine Idee in diesem Sinn. Das ist aber tatsächlich lange her. Warum soll nicht und warum ist es tatsächlich nicht so, dass eine solche Ansammlung Häusern, wie Neufeld, sich die selbe Frage stellen kann. Dass dies sich ebenfalls mit der Frage beschäftigen: Was ist eigentlich das Wichtige an uns? Und der Imagefilm ist jetzt auf diese Art und Weise etwas Kryptophilosophisches - hat also ein unweigerliches, sonderbares und wichtiges philosophisches Moment. Das Typische, die Typologie, das worauf es ankommt in Neufelden soll gefunden werden. Und die Frage ist jetzt: Wie kommt man dort hin? Die Bezeichnung Imagefilm alleine ist schon ein kleiner und wichtiger Hinweis darauf – ein interessanter Hinweis jedenfalls. Image heißt Bild. Bildfilm ist sozusagen eine komische Übersetzung. Image heißt nicht nur einfach Bild, sondern Image heißt in diesem Sinn auch das typische Bild. Was für ein Image verpasse ich mir? Was hat der für ein Image? Und diese Art von Bild – von Image - ist schon sehr klar typologisch – ein platonisches Moment. Etwas was nicht nur einfach eine Ansicht ist, sondern was eine beglaubigte, eine sozial eingebettete Ansicht ist. Nicht nur einfach der Schnappschuss, sondern das Image das jemand hat, ist der allgemeine Eindruck den jemand macht. Man kann sagen: Der hat ein schlechtes Image, die hat ein gutes Image. Da funktioniert das Bildhafte schon als eine Charakteristik höherer Stufe. Bei der normalen Verwendung von Image ist es so, dass man sagen kann, dass diese Image wechselt. Das man dieses Image aufbauen kann. Man kann ein Image zerstören. Man kann diese Art von Typologie im Laufe der Geschichte manipulieren. Und ein Imagefilm ist natürlich ein Unternehmen, in dem man diese Art von Imagebeförderung auch betreiben kann. Die katholische Kirche hat einen Imageverlust erlitten durch die Missbrauchsaffairen. Was macht die katholische Kirche? Sie baut ihr Image wieder auf. Wie macht sie das? Sie legt dem Standard eine Beilage bei in der das Image der katholischen Kirche – unter dem Titel GG – GG heißt Grüß Gott - wieder aufgebaut wird. Die Universität Wien hat ebenfalls einen Imagefilm auf den ich sie hier nur verweise. Offensichtlich hat die auch ein Imageproblem. Das ist der Punkt der Image noch mal als etwas Wandelbares, Auf- und Abbaubares verwendet. Aber wenn ich dieses Thema Image aufnehme in der Philosophie - und das ist die Geschichte mit unserem Seminar – und das ist im Hintergrund auch der Anspruch dessen, was ich ihnen zitiert habe mit „das Wesen eines Unternehmens fassen“ – muss ich jetzt ja nicht so zynisch nehmen. Und in einem gewissen Sinn liegt mir ziemlich daran, darauf hinzuweisen, dass der Zynismus, der jetzt in all dem drinnen gesteckt ist, was ich hier gerade gesagt habe, dass dieser Zynismus ein nicht wirklich gedeilicher Ausgangspunkt, sowohl in der Medientheorie, als auch in der Politik, als auch in der Philosophie ist. Bei Medientheorie, Medienpraxis und Politik, da greife ich jetzt deutlich über meine Kompetenzen hinaus, das müsste man extra besprechen. Aber ich würde es jetzt für die Philosophie sagen und in der Philosophie ist der Zynismus von „wir pushen jetzt ein Image“. Nicht das - lange Zeit und vorherrschend und eingeklammert die Postmoderne - nicht der Standard in der Philosophie. Sondern aus der Philosophie kommt so eine Frage wie „Wie komm ich denn an das heran was Neufeld nun wirklich ist? Und welche Möglichkeiten habe ich daran heran zukommen?“. Ein Imagefilm ist eine Möglichkeit sich damit zu beschäftigen. Und es wirft einen quasi rein in die Gegebenheiten, in denen wir sagen: Ok – was machen wir dann, wenn wir diese Frage beantworten – z. B. in dem wir für Neufeld einen Imagefilm machen? Wir schauen uns an was dort zu sehen ist, wir hören uns an was dort zu hören ist. Wir erheben welche Sätze, welche Phrasen, welche Angebote, welche Bedürfnisse die Leute die dort sind haben und wir versuchen alles das was wir da gesammelt haben auf eine Art und Weise zu fassen und darzustellen, dass wir sagen können: Wir bringen das auf den Punkt – wir bringen das was Neuhofen ist auf diese Art und Weise auf den Punkt. Und das ist einfach – wenn ich das quasi jetzt beziehe auf die wirkliche Praxis - eine sehr reizvolle, wenn auch sehr schwierige und umstrittene Aufgabe. Und es ist vor allem – deshalb interessiert es mich - eine Aufgabe in der man testen kann, was dieser Anspruch auf das Allgemeine zu gehen, den wir hier in der Praxis wieder finden - der Schritt von der Einzelheit in das Allgemeine ist für Philosophinnen schon ganz leicht gelegt. Nichts leichter als das, zu sagen, das eine sind visuelle Eindrücke, das sind Einzelheiten, die vorüber gehen. In die Philosophie gerät man, indem man weiter fragt, indem man nach etwas Typischen, nach etwas Wahrem, nach etwas Stabilen fragt. Das ist in der Philosophie quasi die Hauptstraße. Was ich unter anderem bezwecke mit dem Hinweis den ich hier gebe ist, dass diese Hauptstraße in der Philosophie schwieriger in ihrer Thematik, in ihrem Anspruch, in ihrer Praxis schwieriger wird und auch in der Form herausfordernder wird, wenn ich mir diesen Typus von Frage in einer Einzelsituation einmal vornehme.

Ich lasse damit dieses Vorspiel einmal hinter mir und beginne mit den Bildwelten, die – um sie nu an die Struktur zu erinnern - eine von drei Hauptschwerpunkten sind: Bildwelten, Programmiersprache und Textarbeit. Diese drei Sachen wird es geben. Die Sachen werden dann jeweils unterteilt.

Ich unterbreche hier kurz. Um zu fragen ob sie etwas bemerken wollen.

Bildwelten

Ich habe das letzte Mal mit Michelangelo begonnen und habe ihnen etwas über Platonismus und die christliche Tradition gesagt, vielleicht sollte ich es vom dritten Zitat her nehmen, das ich hier hinzugefügt habe unter der Bildwelten-Überschrift, weil aus dem Kontrast dieses Zitates mit dem Bild und dem was wir in der Regel machen werden ein Anstoß entsteht. Das ist ein Text-Ausschnitt von Tertullian – ein christlicher Apologet aus dem Beginn des dritten Jahrhunderts – also sehr, sehr früh. Und der war quasi ein Scharfmacher - um es mal in die Gegenwart zu versetzen – ein christlicher Fundamentalist gegen die heidnische Umgebung und warum ich ihn hier zitiere ist, weil es ein schönes Schlaglicht auf das wirft, was ich ihnen das letzte Mal kurz vorgestellt habe. Es gibt die Stammesreligion und des gibt die hellenistische Kultur. Ich habe mir im Nachhinein noch gedacht, ich sollte den einen Satz vielleicht noch dazusagen, inwiefern ist in einer Stammesreligion das platonische Element nicht vorhanden? Ich habe gesagt, die jüdische Stammesreligion ist dadurch gekennzeichnet, dass es ein persönliches Verhältnis zu zw. den Angehörigen des Stammes und dem Gott gibt. Und dieser Gott wird als wirkende Macht , die in das Leben der einzelnen Personen eingreift geschildert. Das eine was ich noch dazu sagen möchte: Erinnern sie sich an so was wie „Er führt das Volk aus Ägypten heraus“ oder aber er sagt dem Abraham „Ich will dass du deinen Sohn opferst.“ Solche Direktinterventionen in die Geschichten der Gruppe um die es da geht, werden getätigt con einem Wesen, das als Wesen natürlich auch nirgends zu sehen ist. Die Äquivalenz zwischen dem hellinistischen und dem jüdischen und das was natürlich ganz unvermeidlich ist, in dem Moment, indem man von Religionen redet ist, dass es eine höhere Macht gibt und diese höhere Macht ist qualitativ unterschieden von den Abläufen und sinnlich erfahrbaren Dingen der Normalwelt. Diese Macht ist aber unbefragt, solange man im judäischen und im christlichen Zusammenhang ist. Es ist eine Macht, die sich einfach bemerkbar macht indem sie mit einzelnen Leuten spricht: „Moses komm zu mir ...“. Das ist etwas was als Einwirkung in die Geschichte des Volkes im griechischen nicht vorhanden ist. Das wollte ich nur als Erläuterung sagen. Jetzt als das Tertullan-Zitat: „Was hat also Athen mit Jerusalem zu schaffen, was die Akademie mit der Kirche, was die Häretiker mit den Christen? Unsere Lehre stammt aus der Säulenhalle Salomos, der selbst gelehrt hatte, man müsse den Herrn in der Einfalt seines Herzens suchen. Mögen sie meinethalben, wenn es ihnen so gefällt, ein stoisches und platonisches und dialektisches Christentum aufbringen!“ Das sind diese Leute die da mit neuen Ideen daherkommen, die glauben man muss sich anpassen an die herrschende Struktur. Die holen da Gedanken rein, die ganz wo anders herkommen. Die bringen neue Art von Ideen auf. Wir indes bedürfen seit Jesus Christus des Forschens nicht mehr, auch nicht des Untersuchens, seit dem das Evangelium verkündet worden ist, denn denn Evolution gibt es nicht und wir können nicht von Affen abstammen. Das steht nicht beim Tertullan, ist aber die gerade Fortschreibung von dem was es im Christentum noch immer gibt. Wir bedürfen keines Forschens, nicht des Untersuchens, wenn wir glauben so wünschen wir über den Glauben hinaus weiter nichts mehr. Denn das ist das erste was wir glauben: Es gäbe über den Glauben hinaus nichts mehr was wir über den Glauben haben. Das ist eine wirklich Hardcoreposition des Christentums - strikte Verweigerung der platonischen Anregungen und ein Versuch die Reinheit der Lehre dessen was im christlichen Testament steht, durchzuhalten – sich programmatisch abzuschotten gegen das was von der Umwelt an Gedanken kommt und sozusagen angeboten wird. Und dieses Zitat bringe ich Ihnen deswegen, um im Kontrast zu sagen, das hat wirklich nicht stattgefunden. Wenn das stattgefunden hätte - wenn sich Tertullian durchgesetzt hätte, dann hätte es keinen Konstantin gegeben, hätte es keine Übernahme des christlichen Glaubens in die Strukturen des römischen Reiches gegeben – in die Strukturen des germanischen Bereiches. All diese Assimilationen hätten nicht stattgefunden und wir hätten keine europ. Zivilisation, wie wir sie haben. Die Zivilisation die wir haben hat stattgefunden, nicht weil das festgehalten worden ist, sondern weil etwas anderes passiert ist und das sage ich Ihnen im Anschluss an diese Platontelle von Timaos. Das ist ein Passage die von den Kirchenvätern gelesen worden ist, die ganz einfach zirkuliert ist, in der hellenistischen Tradition in der das Christentum an dieser Stelle hineingekommen ist und die klingt folgendermaßen – ich lese Ihnen das mal in gewissem ausführlicheren Zitat vor und ich sag vorher noch das eine: Ich bewege mich hier noch auf der Ebene des Klischeeplatonismus. Ich habe Ihnen diese Stelle quasi einfach rausgeholt aus dem Timaos. Es ist Platon, aber es ist Platon in einem kleinen Rahmen. Es ist etwas Typisches für Platon würde ich sagen. Es befasst sich mit einer typischen Aussage aus der platonischen Philosophie. Die Textarbeit die ich angekündigt habe wird dann in diesem Klischee noch forschend tätig sein müssen. Ich bin mir sehr bewusst, dass in diesem Zitat selber schon aus platonischer Sicht und dann aus der Rezeptionsgeschichte her eine ganze Menge von philosophisch höchst interessanten und umstrittenen Fragen herrschen. Worum es mir jetzt geht, ist einfach das: Wie kommt es als erstes rüber, welche imagebildende Funktion hat ein Zitat, wie das worum es hier geht. Timaos sagt das in dem Dialog: „So wollen wir denn sagen, welcher Grund den, der dieses All, das Reich des Werdens, zusammenfügte, zu dieser seiner Wirksamkeit bewogen hat.“ Das Reich des Werdens, das ist übrigens – sieht man hier dann gleich weiter – „Alles, was sichtbar war, nicht in Ruhe, sondern in regelloser und ungeordneter Bewegung vorfand“ – das heißt, der um den es da geht, ist konfrontiert mit einem Durcheinander, mit einer Nichtinformation. Kein Mensch kennt sich aus. Menschen gibt es nur, wenn sie sich auskennen, kann man sagen. Niemand kennt sich aus heißt, es kann auch keine Menschen dabei geben. „Dieses All, das Reich des Werdens“, das wurde zusammengefügt und was sind jetzt die Gründe dafür? Was sie tatsächlich schon einmal haben, ist die Konstruktion von Durcheinander und Ordnung. In der vergangenen Vorlesung im vergangenen Semester habe ich in dem Zusammenhang Thomas von Aquin zitier, bei dem das ganz genau so auch vorkommt. Mit einem Durcheinander kann man nichts machen. Wir beginnen mit unseren Überlegungen, mit unserer Philosophie damit, dass wir sagen, es gibt eine Ordnung und wir gehen davon aus, dass dies Ordnung gesetzt ist und sich durchgesetzt hat gegen ein Durcheinander – gegen eine Entropie wenn sie so wollen. Und dieser Schritt vom Durcheinander in die Ordnung muss von jemanden gesetzt werden. Und dieses Modell „Jemand ordnet das Durcheinander“ wird jetzt angewendet auf die Frage: Wieso gibt es auf der ganzen Welt eine Ordnung? Und die ganze Welt ist nichts was eine einzelne Person ordnen könnte. Die Frage ist also: Wie kommt es zu der Ordnung in der Welt? Und ganz ungeniert wird hier davon ausgegangen, es gibt jemanden der hier wirksam gewesen ist. Wie ist das vorzustellen? „Er war gut, und in einem Guten entsteht niemals Neid, worauf sich derselbe auch immer beziehen könnte, und, weil frei von diesem, wollte er denn auch, daß Alles ihm selbst so ähnlich als möglich werde.“

Hier haben sie Platon, der sagt: Es gibt eine Ordnungsmacht, einen Jemand, der gut ist. Die Idee des Guten wird anderswo diskutiert. Das ist noch sozusagen in dem Sinn eine, wenn sie wollen, religionslose Betrachtungsweise, dass es Ideen gibt und die höchste Idee, ist die des Guten. Hier ist der nächste Schritt der, dass diese höchste Idee des Guten repräsentiert wird – umgesetzt wird – in Jemandem der gut ist – was also nicht nur die Idee des Guten ist, auf die man verweisen kann und zu der man aufsteigen kann – sondern es gibt jemanden der dieses Gute ist und diesen Jemanden müssen wir verstehen, als jemanden der als Guter wirksam ist und der in dieser Wirksamkeit eine Ordnung schafft. „Da nämlich der Gott wollte, daß, so weit es möglich, Alles gut und Nichts schlecht sei, aber Alles, was sichtbar war, nicht in Ruhe, sondern in regelloser und ungeordneter Bewegung vorfand, so führte er es denn aus der Unordnung in die Ordnung hinüber, weil er der Ansicht war, daß dieser Zustand schlechthin besser als jener sei. Es war aber und ist Recht, daß der Beste nichts Anderes, als das Schönste vollbringe, und da fand er nun, indem er es bei sich erwog, daß unter den ihrer Natur nach sichtbaren Dingen kein vernunftloses Werk jemals schöner sein werde als ein vernunftbegabtes (...).In dieser Erwägung bildete er die Vernunft in eine Seele und die Seele in einen Körper ein, und fügte so aus ihnen den Bau des Weltalls zusammen, um so naturgemäß das möglichst schönste und beste Werk vollendet zu sehen.“

Hier haben sie die platonischen Momente, auf die wir dann noch näher zu sprechen kommen werden - das Gute, das Höchste, die Vernunft, die Seele, das Verhältnis der Seele zum Körper. Vernunft in eine Seele und die Seele in einen Körper – also nous, psyche und dann Körper – diese Art von Abstufung der Momente aus denen die Schöpfung hervorgeht und an dieser Stelle steht auch noch, „daß Alles ihm selbst so ähnlich als möglich werde“. Hier haben Sie die Ähnlichkeit, die Bildhaftigkeit, die darauf hinausläuft – damit hatte ich begonnen – mit diesem Bild hier – dieses Bild ist die Darstellung, wenn man es richtig sieht, einer Qualitätsdifferenz und einer Ähnlichkeit. Es soll in diesem Bild die Schöpfung dargestellt werde, die etwas ist was einen Qualitätssprung enthält. Nichts Geschaffenes kann sich selber schaffen, wird geschaffen von einer solchen Ursprungsmacht und gleichzeitig wird diese Ursprungsmacht vorgestellt las etwas was affin ist, was als Vernunft – das ist in dem Timeos-Zitat sehr klar – die höchste Ähnlichkeit des Geschaffenen zum Schöpfer liegt darin, dass der Schöpfer der Auffassung ist, am ehesten spricht seinem eigenen Wesen ein vernunftbegabtes Wesen. Also die Vernunft, die der Mensch hat, die er schafft in die Seele und den Körper hineinzupraktizieren, das ist die Garantie der Gottähnlichkeit und nicht die Materialität der Körper um die es dabei geht. Das nehmen Sie mal so als quasi ein Orientierungsbild und das spare ich mir jetzt genau zu lesen, das können sie selbst machen und vergleichen sie es mit dem Schöpfungsbericht aus der Genesis. Und überlegen Sie sich jetzt mal in welcher Situation die Intellektuellen, die christlichen Glaubens waren im zweiten, dritten, vierten Jahrhundert nach Christus gewesen sind, wenn sie sich solche Platonstellen angeschaut haben. Es liegt ja nahe an der Stelle zusagen: Das ist doch sehr verwunderlich, welche ähnlichen Strukturen es da gibt und meine Hinweise gehen dort hin, Sie aufmerksam zu machen, dass dieses Überblenden der griechischen und der christlichen Strukturen von der Sache her an der Stelle doch ziemlich nahe liegt.

Jetzt mach ich einen großen Sprung in der Zeit und habe als nächstes vor Ihnen, damit Sie ein wenig in der Literatur sich orientieren können, zwei Zitate zu bringen, die sich explizit mit Platonismus und Cyberspace auseinandersetzen, damit ich auch am Anfang gleich ein bisschen einlöse, warum ich das so nenne und worum es mit da geht. Dazu muss ich vorweg sagen, das Thema Cyberplatonismus ist - vielleicht wissen sie das - nicht so aus der philosophischen Ecke. Das Thema Cyberplatonismus ist irgendwie das veraltetste Thema das es überhaupt gibt, wenn man davon ausgeht, dass die veralteten Themen sie sind, die vor 10 Jahren aktuell waren und jetzt gerade nicht aktuelle sind. Vor 10 Jahren od. 15 Jahren war das ein heißes Thema, davon gibt es auch gehörig Literatur dazu, aus diesem Bereich. Ich habe zu dem Zeitpunkt als das heiß war gerade deswegen nichts dazu gemacht, weil mir das zu aktuell und ein bisschen zu anbiederisch erschienen ist. Ich habe also keine Vorlesung gemacht, aber ein bisschen etwas schon dazu geschrieben, was ich verarbeite - was sie auch sehen werden in den Zitationen. Ich sage ihnen das nur deswegen, weil wir in der jetzigen Situation – also die gerade gegenwärtige medienphilosophische Überlegung zu Fragen des Internets, der Internattechnologie hat einen deutlich reduzierten Faktor zu Cyberspace. Cyberspace, Cyberplatonismus ist nicht mehr so aktuell. Sie hören etwas von kollektiver Intelligenz, von Web 2.0, von kooperativen Strukturen wie dem Wiki oder Plattformen der neuen Formen von Wissensgeneration/Wissensgesellschaft. Das sind die im Moment gerade aktuellen Dinge. Ich bin auf dieses Cyberplatonismus-Thema eigentlich über die Platon-Schiene gekommen nicht über die Cyberschiene, weil ich seit einigen Jahren ein neues Interessen an platonischem Denken habe und mit gedacht habe, wenn ich schon Platon mehrfache mache, dann könnte ich das wiederum mal aufgreifen. Nehmen Sie es aber in dieser Zeitverschiebung – es ist eigentlich so ähnlich wie das Feedback hier, das wir da gerade gehabt haben. Es sind Stimmen von vor 15 Jahren, die ich da reinbringe und zu denen ich da reagiere. Und das erklärt auch ein wenig die Blauäugigkeit. Michael Heim, ein Theoretiker der in Kalifornien arbeitet und der durchaus auch etwas von der kalifornischen Blauäugigkeit mit sich bringt, die man in der Philosophie gerne ein wenig schmunzelnd zur Kenntnis nimmt. Statt Blauäugigkeit könnte man respektabler sagen, einen starken romantischen Zug. Diesen romantischen Zug werde ich Ihnen aber durchaus vorstellen, weil er mit dazu gehört zu der Themenfindung. Dieser romantische Zug wird ihnen deutlich werden, wenn sie sich ein bisschen was von dem anschauen, was er da schreibt. Allein schon der Titel ist eigentlich direkt auf Schlegel, Novalis und solche Leute hingerichtet. Die erotische Ontologie des Cyberspace - Liebe als der bestimmende Faktor. Und womit er anfängt ist auch das Symposion von Platon, indem es darum geht, sich Gedanken darüber zu machen: Worin besteht die Liebe, was ist die Liebe? Und sein Einstieg in dem Zitat, das ich Ihnen bringe ist forciert, romantisch, platonisch. Es wird gesagt, wir sollen uns nicht darüber täuschen, dass Computer einfache „Blechtrottel“ – Blech und Elektrik zusammengetan auf irgendeine Art und Weise mit einem Kastl aus Blech kann ich keine Emotionen verbinden. Wenn wir süchtig werden an’s Web, wenn wir fasziniert werde vom Hacking, vom der Konfiguration und von der Praxis von Onlinespielen, von Onlinesituationen, dann ist das zu erklären, letztlich aus einer erotischen Anziehung. Und das Erotische, das uns dabei anzieht, sind nicht die Kabel und der Monitor, sondern das worum es geht ist um es mal hier zu zitieren: „ The computer's allure is more than utilitarian or aesthetic; it is erotic. Instead of a refreshing play with surfaces, as with toys or amusements, our affair with information machines announces a symbiotic relationship and ultimately a mental marriage to technology. Rightly perceived, the atmosphere of cyberspace carries the scent that once surrounded Wisdom. The world rendered as pure information not only fascinates our eyes and minds, but also captures our hearts. We feel augmented and empowered. Our hearts beat in the machines. This is Eros.“

Sie merken, dass das aus einer Zeit kommt – und das sind diese 15 Jahre, die da dazwischen stehen – das kommt aus einer zeit, als es noch nicht den Backlash gegeben hat, der gesagt hat, die große Überwachungsmaschine, die uns unsere Körper reguliert, wo wir schon dann alle eingetragen sind und unsere Formulare ausfüllen müsse, sonst gibt es uns gar nicht. Diese Aspekte der Informationsverarbeitung sind hier nicht drinnen. Es ist die andere Richtung die noch gepflogen wird Es ist die Richtung dessen, was uns da dran fasziniert und ich hab Ihnen am Anfang der Vorlesung, hoffentlich ein bisschen plausibel machen können, warum es mich noch immer fasziniert. Das was ich hier über Kooperation im Wiki-Bereich gesagt habe würde ich akzeptieren, wenn es jemand charakterisiert als da gibt es einen Aspekt der Neugierde, der Hoffnung, des Engagements, den man in diesem weiteren Sinn erotisch nennen kann und der etwas mit der Weisheit zu tun hat. Ich habe im Vorbeigehen kurz das Schlagwort „die Weisheit der Menge“ („Wisdom of the crowds“) gesagt. Das ist nun tatsächlich ein Terminus, der im Moment aktuell ist. Die Menge, die strukturierten, geordneten Beiträge von vielen Menschen die kooperieren mit Hilfe von digitaler Vernetzung, das hat einen Grad von Weisheit, der interessant ist und der dieses platonische Ideal in einer Weise verkörpert. Das hat es damals noch nicht gegeben, das ist heutzutage etwas, was mit Web 2.0 assoziiert wird. Und warum ich darauf anspielt ist, das ist jetzt die geradlinige Bestätigung des Vorlesungstitels. Ein nur ganz kurzer philosophischer Schritt trennt die platonische Begrifflichkeit des Wissens von der Matrix der Cyberspace-Entities. Wobei Matrix vom lateinischen „Mutter „kommt und als Mutter auch diesen Bereich von Geschlechtlichkeit und Erotik mit sich bringt. Und s ist allerdings ein kurzer Schritt der hunderte Jahre lang gedauert hat, weil er jetzt in einem Hardware-System implementiert wird. Die ontologische Kontinuität zwischen dem platonschen Wissen der idealen Formen reicht bis zu den „informationsystems of the matrix“. „Both approaches to cognition first extend and then renounce the physical embodiment of knowledge. In both, Eros inspires humans to outrun the drag of the "meat" -- the flesh - by attaching human attention to what formally attracts the mind. As Platonists and Gnostics down through the ages have insisted, Eros guides us to Logos.“

Und wir sind also hier nebenbei zutiefst im Bildungsthema, auf das noch immer wieder und neu Bezug genommen werden muss, weil in der platonischen Betrachtungsweise der Prozess von der Fleischlichkeit, von dem Drinstecken in den Tag zu Tag Abläufen in eine Orientierung auf Vernunft und Ordnung durch einen Erziehungsprozess abläuft, der aus einer Höhlensituation etwas anderes bringt. Erziehung, Bildung muss die Wünsche klären, hinlenken zu einem formaler definierten logischen Aspekt der Dinge. „ Properly trained, love guides the mind to the well-formed, mental aspects of things.“ Das ist der Punkt – einmal weise ich noch darauf hin – den ich in „Platons ungleiche Erben – Bildung und Datenbanken“ nachgehe. Die Besonderheit dieser platonischen Konstruktion liegt darin, dass sie einerseits unter dem Aspekt der Bildung die Menschlichkeit, den Humanismus, das Aufsteigen der menschlichen Lebewesen zu Ihrer höchsten Bestimmung in der Vernunft und im Guten betrachtet und dass es zweitens aber absolut genau dieses Verfahren ist, das auch dazu geführt hast, dass wir Datenbanken haben und das dazu geführt hat, dass Datenbanken uns eine Möglichkeit für technische Realisierung, Implementierung von Vernunftzielen gegeben haben, die sich genau gegen das humanistische Ideal der Bildung, wie Sie sie generell kennen wendet. Das heißt, es ist genau das Selbe – Platon der uns das Höhlengleichnis erzählt – die rührende Geschichte von der Befreiung aus der Dunkelheit, der ein beinharter Technokrat ist und der die Grundstrukturen ausgeflaggt hat, nach denen die Technik, die heutzutage das Geschäft der Menschensteuerung übernommen hat, die Bildung kaputt macht. Diese Spannung ist hier drinnen. Da gehe ich wieder zurück zu Heim und zitiere Ihnen nur noch ein paar Sachen, die ich Ihnen schon angekündigt habe. „Cyberspace is Platonism as a working product.“ Die räumlichen Dinge des Cyberspace gehen aus von den Konstrukten der platonischen Imagination, aber nicht in dem selben Sinn wie ideale Zahlen platonische Konstruktionen sind, sondern in dem Sinn, dass die Information im Cyberspace die Schönheit der platonischen Formen aufgreift und beerbt. Der Computer nimmt wieder auf und recycelt in dem er den idealen Inhalt der Erkenntnis mit empirischen Spezifizitäten ausstattet. „The computer recycles ancient Platonism by injecting the ideal content of cognition with empirical specifics.“ „Now, with the support of the electronic matrix, the dream can incorporate the smallest details of here-and-now existence. With an electronic infrastructure, the dream of perfect FORMS becomes the dream of inFORMation.“

Das sind mal die direkt an Platon angeknüpften philosophischen Stichworte. Was steckt dahinter? Wir haben das heutzutage schon im Inventar der Kenntnisse von digitalen Technologien und Experimenten. Was dahinter steckt, sind virtuelle Räume, in denen Menschen – er bezieht sich da drauf, in einem Teil des Zitates, das ich nicht vorgelesen habe – wo Menschen in einem Stuhl sitzen , einen Datenhandschuh anhaben oder einen Helm aufhaben und mit Hilfe dieses technischen Equipments hineingesogen werden in eine Welt von Vorstellungen. Diese Vorstellungen werden induziert von Daten, von einer Maschine, von einer Berechnung, von einem Algorithmus, der eingreift i die Sinnenmechanismen der Menschen. Nehmen wir einfach den Datenhandschuh. Der Datenhandschuh unterwirft Ihre Hand und Ihre Augen einer Form von Sinneswahrnehmung, die nicht eine normale Sinneswahrnehmung ist, sondern die Wahrnehmung der Ordnung eines Bereiches, der nicht draußen ist - im Sinne der Realität – sondern ein Bereich der für Sie gerechnet wird. Stellen sie sich vor, sie haben einen Bildschirm, auf dem Bildschirm gibt es ein Quadrat oder einen Haushund oder etwas ähnliches und Sie kriegen den Handschuh und sie kommen drauf, dass in dieser Projektion – in dieser Projektion gibt es den Cursor und dieser Cursor ist an der Stelle zum Beispiel ein Abbild Ihres Körpers mit Ihrer Hand und wenn Sie Ihre Hand mit dem Datenhandschuh bewegen, können Sie den Hund auf den Bildschirm streicheln. Das ist etwas was wir in Wirklichkeit jeden Tag schon ganz selbstverständlich machen mit unserem Desktop von der Struktur her. Und was das ist, ist menschliche Sinnlichkeit eingebunden in konstruierte Räume, in denen navigiert werden kann und aus denen eine Rückmeldung - eine Interaktion auf die Realsituation stattfindet. Und die Bemerkung von Heim geht in die Richtung, dass er sagt: Diese konstruierten Wirklichkeiten in denen wir mit Hilfe unserer Sinne – aber in Übersteigerung unserer Sinne, in der Transformation unserer Sinne sind – diese Welten haben Informationsstruktur und die Informationsstruktur ist quasi die Mathematik und die Rechenleistungen um die es jetzt da geht und mit diesen Rechenleistungen sind wir in Kommunikation und die Faszination, warum man sich vergessen kann, in einer solchen Welt, besteht darin, weil es uns allemal noch mehr interessiert was in diesen Formenwelten zu finden ist, als welchen Muskelkater wir allenfalls produzieren wenn wir zu viel mit den Fingern herumtun.

Ich will es jetzt auch noch mal verschärfen, obwohl sich die Trennlinien natürlich verwischen. Es handelt sich um Technologien, die man in einem gewissen Sinn abtrennen muss zu den herkömmlichen Kommunikationstechnologien. Wenn Sie einen tiefen Bergschacht haben und dann haben Sie dann glücklicherweise eine kleine Bohrung Meter unter die Erde und in dieser Bohrung können Sie in die Höhle hinunter und können dort Sprechkontakt herstellen oder eine kleine Videokamera machen, dann haben Sie Telekommunikationstechnologien die in zwei getrennten Bereichen Kommunikation möglich machen, wie Sie früher noch nicht möglich war. Das ist eine Form – und das kann natürlich genau digital passieren – das ist eine Form des Wörtlichnehmens einer Höhle z. B. in dem Zusammenhang und das gibt es aber schon lang und das ist nicht der Faktor der Aufregung. Das ist nicht das was uns hier beschäftigt. Der Faktor der Aufregung ist, dass es – so aufregend und interessant es ist, dass man in eine Höhle so 700 Meter kommt – wenn es darum geht, dass man in einen Bereich gerät indem man körperlich nicht kommen kann. Das ist das was gemeint ist, wenn ich sage, das ist eine Informationswelt – eine virtuelle Welt, eine Desktopwelt. Was Heim hier bringt ist zunächst einmal nichts anderes als ein Sich-darauf-beziehen, ein Aufmerksam-machen auf diese Form von Problem. Ich werde dann im nächsten Abschnitt, wenn es darum geht – unter dem Titel „Spiegel und Virtualität“, ein bisschen weiter mit diesen Sachen beschäftigen und ein Bild –damit ende ich und fange da nächste Mal damit vielleicht an – ein Bild das mir dazu gut gefällt, habe ich Ihnen hier zur Verfügung gestellt. Es hat auch die passende Beschaffenheit. Das ist eine Werbung aus den neunziger Jahren, wie Sie an diesem Computer leicht sehen, den heutzutage wohl kaum jemand von Ihnen mehr verwenden wird.

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Danke!