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Das hat nun eine willige Aufnahme, eine gewisse Template, ein Gedankenmuster, dessen sich das Christentum sehr schön bedienen konnte, indem das Christentum aus der jüdischen Tradition die Existenz eines persönlichen Gottes jenseits der Welt positioniert hat und anschließend an diese jüdischen Tradition hat dieser transzendente Gott, der jenseitige Gott, den es gibt, der eine Person ist, einen Sohn und hat, diesen Sohn auf die Erde geschickt, um mit den Menschen einen Bund zu schließen. Diese jüdisch-christliche Vorstellung, überblendet mit der platonischen Vorstellung, in der es einen Graben gibt zwischen den Partikularias und den Ideen, also die Frage: Wie sind Ideen und wie realisieren sich Ideen in wirklichen Dingen? Das ist die sogenannte [[Methexis]], die Teilhabe von einzelnen Dingen mit Ideen. Diese Teilhabesituation, die bei Sokrates eine aus der Praxis der Philosophie am Marktplatz entstandene Mustergestaltung gewesen ist - der Zwiespalt zwischen der Sonne und dem was die Sonne beleuchtet, zwischen dem, was wir in der Höhle sehen und dem, was wir außerhalb der Höhle sehen - dieser Musterzwiespalt ist jetzt inhaltlich besetzt worden an vielen Stellen mit dem jüdisch-christlichen Formenmaterial und dieses jüdisch-christliche Formenmaterial hat zunächst nicht das Problem des großen Zwiespalts, denn wenn Gott eine Person ist, wie im jüdisch-christlichen Verständnis, und wenn Gott seinen Sohn gesandt hat, dann habe ich eine Kontinuität, dann brauch ich nicht diskutieren, wenn ich daran glaube, dass Gott, der eine Person ist, seinen Sohn gesandt hat, wenn ich daran glaube, als Basisvoraussetzung für meinen Glauben, dann werde ich keine starken Zweifel darüber haben, wie denn das möglich ist. Das kann ich im Nachhinein schon fragen, wie das möglich ist, aber zunächst mal glaub ich das. Stammesgötter haben diese Verfassung, dass geglaubt wird, dass sie mit dem Stamm zusammen sind und dass sie so funktionieren.  
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Das hat nun eine willige Aufnahme, eine gewisse Template, ein Gedankenmuster, dessen sich das Christentum sehr schön bedienen konnte, indem das Christentum aus der jüdischen Tradition die Existenz eines persönlichen Gottes jenseits der Welt positioniert hat und anschließend an diese jüdischen Tradition hat dieser transzendente Gott, der jenseitige Gott, den es gibt, der eine Person ist, einen Sohn und hat, diesen Sohn auf die Erde geschickt, um mit den Menschen einen Bund zu schließen. Diese jüdisch-christliche Vorstellung, überblendet mit der platonischen Vorstellung, in der es einen Graben gibt zwischen den Partikularias und den Ideen, also die Frage: Wie sind Ideen und wie realisieren sich Ideen in wirklichen Dingen? Das ist die sogenannte [Methexis http://de.wikipedia.org/wiki/Methexis] , die Teilhabe von einzelnen Dingen mit Ideen. Diese Teilhabesituation, die bei Sokrates eine aus der Praxis der Philosophie am Marktplatz entstandene Mustergestaltung gewesen ist - der Zwiespalt zwischen der Sonne und dem was die Sonne beleuchtet, zwischen dem, was wir in der Höhle sehen und dem, was wir außerhalb der Höhle sehen - dieser Musterzwiespalt ist jetzt inhaltlich besetzt worden an vielen Stellen mit dem jüdisch-christlichen Formenmaterial und dieses jüdisch-christliche Formenmaterial hat zunächst nicht das Problem des großen Zwiespalts, denn wenn Gott eine Person ist, wie im jüdisch-christlichen Verständnis, und wenn Gott seinen Sohn gesandt hat, dann habe ich eine Kontinuität, dann brauch ich nicht diskutieren, wenn ich daran glaube, dass Gott, der eine Person ist, seinen Sohn gesandt hat, wenn ich daran glaube, als Basisvoraussetzung für meinen Glauben, dann werde ich keine starken Zweifel darüber haben, wie denn das möglich ist. Das kann ich im Nachhinein schon fragen, wie das möglich ist, aber zunächst mal glaub ich das. Stammesgötter haben diese Verfassung, dass geglaubt wird, dass sie mit dem Stamm zusammen sind und dass sie so funktionieren.  
 
Die Schwierigkeit, die sich in dieser lokalen stammesgeschichtlichen Deutung ergibt, ist natürlich, dass man jemanden, der nicht in diesem Stamm drinnen ist, der nicht den Glauben an Gott und den Glauben an einen Sohn Gottes als Religion automatisch aufgegriffen und rezipiert hat, wenn eine solche Religion, in der das alles zunächst einmal gut funktioniert, eine solche Religion eine Migrationsreligion ist, in einen Migrationszusammenhang kommt und migriert vom Nahen Osten in den Bereich der Euro-Zone - die gab es damals noch nicht, aber es ist ja die Stammesreligion in die Europazone migriert - dann trifft die dort auf eine gedankliche Voraussetzung, ein Verständnis in der hellenistisch, römischen Welt, auf ein Verständnis dafür, worum es geht, wenn wir religiös sind, was Götter sind, wie man umgeht mit Göttern und ähnlichen Dingen. Jetzt habe ich diesem Glauben einer Stammesreligion, dass ein Erlösungsgeschehen adressiert an eine bestimmte Gruppe von Leuten nämlich uns Juden, uns Christen ist, indem das Ding zu einer Einheit ist und dieses Event, dieses Erlösungsgeschehen wird jetzt verkündet, wird exportiert und muss in der exportierten Umgebung, damit es sich verständlich macht, damit nicht das Folgende passiert, dass zu einzelnen Juden, die in Rom und Saloniki und bei den Kolossern gewesen sind - da gab es ja Juden, die hatten die jüdische Religion noch traditionell an sich und mit sich - und zu den Judengemeinden in der hellenistischen Welt die christlichen Aposteln hin sind und haben gesagt: "Habt ihr schon den neuesten Update? Der persönliche Gott an den ihr glaubt,  hat jetzt auch seinen Sohn geschickt!". Und diese Updatefunktion hat sich zunächst einmal gewendet an die Leute, die schon jüdische Vorraussetzungen gehabt haben, aber das war nicht alles. Das hätte, wenn es dabei geblieben wäre, hätte es nur dazu geführt, dass die einzelnen Sprachinseln und lokalen Ethnien, die Judengemeinden in den verschiedenen römischen Städten etwas damit anfangen hätten können.  
 
Die Schwierigkeit, die sich in dieser lokalen stammesgeschichtlichen Deutung ergibt, ist natürlich, dass man jemanden, der nicht in diesem Stamm drinnen ist, der nicht den Glauben an Gott und den Glauben an einen Sohn Gottes als Religion automatisch aufgegriffen und rezipiert hat, wenn eine solche Religion, in der das alles zunächst einmal gut funktioniert, eine solche Religion eine Migrationsreligion ist, in einen Migrationszusammenhang kommt und migriert vom Nahen Osten in den Bereich der Euro-Zone - die gab es damals noch nicht, aber es ist ja die Stammesreligion in die Europazone migriert - dann trifft die dort auf eine gedankliche Voraussetzung, ein Verständnis in der hellenistisch, römischen Welt, auf ein Verständnis dafür, worum es geht, wenn wir religiös sind, was Götter sind, wie man umgeht mit Göttern und ähnlichen Dingen. Jetzt habe ich diesem Glauben einer Stammesreligion, dass ein Erlösungsgeschehen adressiert an eine bestimmte Gruppe von Leuten nämlich uns Juden, uns Christen ist, indem das Ding zu einer Einheit ist und dieses Event, dieses Erlösungsgeschehen wird jetzt verkündet, wird exportiert und muss in der exportierten Umgebung, damit es sich verständlich macht, damit nicht das Folgende passiert, dass zu einzelnen Juden, die in Rom und Saloniki und bei den Kolossern gewesen sind - da gab es ja Juden, die hatten die jüdische Religion noch traditionell an sich und mit sich - und zu den Judengemeinden in der hellenistischen Welt die christlichen Aposteln hin sind und haben gesagt: "Habt ihr schon den neuesten Update? Der persönliche Gott an den ihr glaubt,  hat jetzt auch seinen Sohn geschickt!". Und diese Updatefunktion hat sich zunächst einmal gewendet an die Leute, die schon jüdische Vorraussetzungen gehabt haben, aber das war nicht alles. Das hätte, wenn es dabei geblieben wäre, hätte es nur dazu geführt, dass die einzelnen Sprachinseln und lokalen Ethnien, die Judengemeinden in den verschiedenen römischen Städten etwas damit anfangen hätten können.  
 
Die Entwicklung ist über das hinausgegangen und zwar so, dass sich das Christentum ausgebreitet hat in einem intellektuellen Kontext, der nicht der jüdische Stammesreligionskontext war und sich in diesem Kontext verständlich machen musste. Und was war an der Stelle das Angebot? Das Angebot war - und dessen haben sich christliche Theologen reichhaltig bedient: Das Angebot war Platonismus. Die Struktur des platonischen Denkens, die unabhängig vom Christentum in der griechischen Welt weiterentwickelt worden ist, die war vorhanden als ein Verständnismotiv und an der Stelle - ich habe es schongesagt mit der Überblendung - hat sich diese Überblendung ergeben zwischen der Stammesreligion und einer platonischen Vorstellung vom Guten, das man anstrebt und auch riskieren muss, dafür zu leiden. Und die Situationen in die man der Stelle hineingerät, ist jetzt zu sagen: "Für jemanden, der nicht aufgewachsen ist in der jüdischen und christlichen Einheit des personalen Gottes mit dem Bund mit dem Volk, ergibt sich dann die Frage: Wie steht die Welt - jetzt nicht die Welt, die wir erleben nicht zu den Ideen, sondern an die Stelle dieses obersten Gutes ist Gott gesetzt worden. Der jüdisch-christliche Gott, der ein Stammesgott gewesen ist, rückt rein in die Position des platonischen Guten und wird von den Kirchenvätern als das oberste Gute, das noch dazu die platonischen Eigenschaften der Vernunftwelt, die ich gerade gesagt habe - Gerechtigkeit, Wahrheit, Schönheit - sind alles geistige Inhalte, die eine bestimmte Typologie haben. Dieses Ensemble der geistigen Inhalte, die maßgeblich sind für die Einzelausprägungen des Gerechten, Wahren, Schönen usw., dieses Ensemble der geistigen Inhalte rückt jetzt in den Kopf Gottes und damit werden die platonischen Ideen zu Gedanken Gottes, die er gehabt hat, wie er die Welt designt hat. D.h. Gerechtigkeit ist dasjenige, woran Gott gedacht hat wie er die Welt geschaffen hat. Da wollte er eine gerechte Welt schaffen. Diese Gerechtigkeit, so wie Gott sie geplant hat, ist dasjenige worauf wir uns konzentrieren, wir hinorientiert sind in unseren eigenen Fragen nach Gerechtigkeit.  
 
Die Entwicklung ist über das hinausgegangen und zwar so, dass sich das Christentum ausgebreitet hat in einem intellektuellen Kontext, der nicht der jüdische Stammesreligionskontext war und sich in diesem Kontext verständlich machen musste. Und was war an der Stelle das Angebot? Das Angebot war - und dessen haben sich christliche Theologen reichhaltig bedient: Das Angebot war Platonismus. Die Struktur des platonischen Denkens, die unabhängig vom Christentum in der griechischen Welt weiterentwickelt worden ist, die war vorhanden als ein Verständnismotiv und an der Stelle - ich habe es schongesagt mit der Überblendung - hat sich diese Überblendung ergeben zwischen der Stammesreligion und einer platonischen Vorstellung vom Guten, das man anstrebt und auch riskieren muss, dafür zu leiden. Und die Situationen in die man der Stelle hineingerät, ist jetzt zu sagen: "Für jemanden, der nicht aufgewachsen ist in der jüdischen und christlichen Einheit des personalen Gottes mit dem Bund mit dem Volk, ergibt sich dann die Frage: Wie steht die Welt - jetzt nicht die Welt, die wir erleben nicht zu den Ideen, sondern an die Stelle dieses obersten Gutes ist Gott gesetzt worden. Der jüdisch-christliche Gott, der ein Stammesgott gewesen ist, rückt rein in die Position des platonischen Guten und wird von den Kirchenvätern als das oberste Gute, das noch dazu die platonischen Eigenschaften der Vernunftwelt, die ich gerade gesagt habe - Gerechtigkeit, Wahrheit, Schönheit - sind alles geistige Inhalte, die eine bestimmte Typologie haben. Dieses Ensemble der geistigen Inhalte, die maßgeblich sind für die Einzelausprägungen des Gerechten, Wahren, Schönen usw., dieses Ensemble der geistigen Inhalte rückt jetzt in den Kopf Gottes und damit werden die platonischen Ideen zu Gedanken Gottes, die er gehabt hat, wie er die Welt designt hat. D.h. Gerechtigkeit ist dasjenige, woran Gott gedacht hat wie er die Welt geschaffen hat. Da wollte er eine gerechte Welt schaffen. Diese Gerechtigkeit, so wie Gott sie geplant hat, ist dasjenige worauf wir uns konzentrieren, wir hinorientiert sind in unseren eigenen Fragen nach Gerechtigkeit.  

Version vom 28. Oktober 2010, 00:26 Uhr

Cyberplatonismus 1. Einheit

  • Vortragender: Herbert Hrachovec


Begrüßung

Ich begrüße Sie. Wie Sie alle wissen, wird das in der nächsten Woche und übernächsten Woche kein Problem mehr sein, was Sie jetzt hier erleben. Man kann das als eine initiale körperliche Nähe betrachten, in der die Universität demonstriert, dass die Leute, die hier alle sind, viele sind und zu viele sind, eng aneinander sind und in ihrer Individualität aber dann nach der Phase der Engführung gleich wieder auseinander driften, also bitte bleiben Sie dran.

Onlineressourcen

Audioaufnahmen

Die Situation wird sich verbessern, vor allem deswegen, weil Sie vielleicht wissen oder schon erraten haben von dem, was hier vorne aufgebaut ist, dass wir die Sache aufnehmen und in kurzer Zeit – ein, zwei Tage - die Audioaufnahmen ans Netz stellen, sodass Sie es nachhören können. Das gilt natürlich auch dafür, falls Sie mal verhindert sind oder keine Lust haben, so früh aufzustehen.

Streaming

Wir machen zweitens – allerdings noch ein wenig im Testverfahren - immer neu ein Online-Streaming, das dafür gedacht ist, dass Leute auch von auswärts an der Stelle teilhaben können. Das hat ein bisschen was mit gläserner Universität zu tun und diese beiden Faktoren tragen sicherlich dazu bei, dass es hier unterschiedliche Weisen der Verarbeitung des Materials gibt. Es ist eine alte universitäre Tradition, die ich durchaus nicht schlechtmachen will, dass Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer so ausgeprägte, einzigartige Persönlichkeiten sind, dass man sie unbedingt sehen muss, während sie sprechen, dass die Erzeugung von Wissen und die Mitteilung von Wissen angewiesen ist darauf, dass man sie tasten kann und dass man persönlich daran teilnehmen soll. Sie wissen aber andererseits, dass Wissen eine Charakteristik hat, die ausgesprochen unkörperlich und in vielen verschiedenen Weisen zu implementieren ist. Sodass sie also diese besondere Mischung - und in gewissen Sinn sind wir da schon in dem Thema des Cyberplatonismus drinnen - sodass man gespalten ist, hin und her gerissen ist, zwischen auf der einen Seite Körperlichkeit, die sich unter anderem darin manifestiert, dass Sie da jetzt alle gedrängt wie Sardinen sitzen. Und auf der anderen Seite, dass Sie damit etwas hören wollen/können, was Ihnen gerade sagt, dass das Wichtige nicht ist, dass hier der Sardinenstatus eingetreten ist, sondern das Wichtige ist, was Sie lesen und hören und nachdenken können in Ihrer Individualität - nicht in dieser Gruppensituation. Die Spannung zwischen den beiden wird ein wichtiger Punkt sein, der uns begleitet in dieser Vorlesung.

Wiki

Wenn ich beim Dokumentieren, beim Zurverfügungstellen von Unterlagen bin, dann gehe ich jetzt gleich weiter zu einem nächsten Hilfsmittel - abgesehen von den Audiofiles und Streaming, das ich in dieser Vorlesung verwenden werde und das eine Reihe von Ihnen schon erkennen: Ich operiere mit einem Wiki, mit einer Wiki-Installation, die Software dieser Wiki-Installation ist dieselbe Software wie die der Wikipedia, d.h. Sie können das Aussehen wiedererkennen und wenn Sie an der Stelle schon ein bisschen in der Wikipedia navigiert haben, werden Sie das identifizieren können. Die Adresse ist wikiphilo.at [1] oder philo.at/wiki [2]. Das ist die Hauptseite, die ich hier aufgerufen habe. Da gibt es eine Neuerung: Wir haben seit dem Ende des vergangenen Semesters und während der Ferien vermehrt eine zusätzliche Initiative gestartet: Vorlesungsmitschnitte und digitale Lehr- und Lernmittel. Marios Passof hat sich da ausgesprochen verdient gemacht. Marios Passov hat sich da ausgesprochen verdient gemacht. Es stellt sich nämlich heraus, dass als Alternative zu dem, was verordnet ist als Verwendung von elearning-Plattformen, die in einer bestimmten Art und Weise das Studium strukturieren - Moddle werden Sie kennen, Fronter ist an der Universität Wien eingeführt - als Alternative davon erweist sich am Institut für Philosophie das Wiki als einigermaßen effektiv und gibt Ihnen Zugang zu einer wachsenden Anzahl von Lehrveranstaltungen. Audiomitschnitte und ganze Hilfe dazu finden Sie bei den Unterpunkten.

Lehrveranstaltung im Wiki

Was ich Ihnen aber zeigen wollte, sind die Lehrveranstaltungen. Und in den Lehrveranstaltungen gibt es einen Eintrag "Cyberplatonismus". Das ist die jetzige Vorlesung, Sie haben hier auch eine kurze Anweisung dafür, wie Sie die Vorlesung mit Streaming realisieren. Und was ich tun werde, ist die Texte, Ideen und Bilder, an denen ich anknüpfe, hier zur Verfügung zu stellen. Sodass Sie erstens die Dokumentation haben. Zweitens aber - und das ist etwas, was doch sehr attraktiv ist, was man nicht bestellen kann, von dem ich aber hoffe, dass Sie, wenn Sie unter dem Titel Cyber irgendwie interessiert und angezogen sind, davon Gebrauch machen - nämlich die Möglichkeit hier einzusteigen und mitzumachen. Das gibt es auf viele verschiedene Arten und Weisen. Die einfachste Art und Weise - bevor wir uns noch irgendwas anderes ausmachen - ist, dass so wie in der Wikipedia auch hier zu jeder Seite eine automatische Diskussionsseite angelegt ist. Diese Diskussionsseite können Sie benützen und ich möchte Sie bitten, sie zu benützen, um jeweils Gedanken, Initiativen, Kritik, an dem was hier gesagt wird, anzubringen. Es soll Sie nicht daran hindern, auch eigene Seiten anzulegen. Ich bin auch nicht in meiner Ehre gekränkt, wenn Sie in die Seite, die ich geschrieben habe, auch etwas hineinschreiben. Sie wissen, dass kann man ganz leicht wieder rauslöschen und wenn sich hier ein besonderer Streit zwischen uns ergibt, dass Sie unbedingt was drinnen haben wollen, was ich nicht drinnen haben will, was nicht sehr wahrscheinlich ist, dann sperre ich die Seite und Sie können nichts mehr hineinschreiben. Also machen Sie sich keine Sorge, dass da etwas passieren könnte, was die Autoritätsstruktur verändert.

Gleichheit im Cyberspace?

Vielleicht kann ich an der Stelle auch einen kleinen Glimpse in die Zukunft dieser Vorlesung geben: Eine der weiteren Spannungen, mit denen wir es dann im Cyberplatonismus zu tun haben, ist dass auf der einen Seite Cyberplatonismus erfahren wird und auch verkündet und propagiert wird, als eine Möglichkeit des Geistes indem es keinen Unterschied mehr macht, welche unterschiedliche körperliche Gebrechen Sie haben. Alle Leute haben die gleiche Möglichkeit sich auszudrücken, sich auszutauschen. Die Wiki-Idee ist ja eine, die an dieser Stelle auch eingreift. Es gibt neue technische Möglichkeiten, eine Gleichheit zu realisieren, die in dieser Art und Weise z.B. beim Schreiben bis vor einiger Zeit unbekannt gewesen ist. Das ist ein hoch egalitäres Moment und der Platonismus hat auch dieses egalitäre Moment der Idee, in der sich die Menschen treffen können in Gemeinsamkeit. Der Platonismus hat aber andererseits als zweites Moment eine strikte Hierarchie, eine Ausrichtung auf Idee - gerade wenn ich Idee sage: Idee ist einerseits, worin wir uns nach Platon alle treffen können, aber im Prinzip ist das nur: Die Bedingungen unter denen dieses Treffen aller Beteiligten aufgrund ihrer geistigen Natur möglich ist, sind Bedingungen einer sehr starken Hierarchie, die bei Platon von Philosophen geführt, geleitet und dirigiert wird. Da gibt es also ein Ausschlussverfahren. Man kann sagen, die platonische Philosophie ist so eines der ersten expliziten Exzellenzprogramme, die wir kennen in der Philosophie und das ist ein Motiv, das sich im Cyberplatonismus und in den gegenwärtigen technischen Möglichkeiten getreulich wiederfindet. Und damit wollte ich Sie ein bisschen reizen, denn wie ich gesagt habe, Sie können da tun was immer Sie wollen - ich kann Sie abdrehen, ich kann Sie rausschmeißen. Das ist keine besondere Tücke von mir, was ich damit sagen wollte ist: technische Installationen, die uns sehr vieles von der Gleichheit und Gemeinschaft möglich machen, sind gleichzeitig Installationen, die ganz stark autoritär hierarchisiert und fixiert sind. Auch wenn die Ingenieure die Hände in Unschuld waschen und sagen "Ich bin nicht dafür zuständig" - sie sind dafür zuständig und das ganze Leben eines solchen Wikis - ich unterliege als Administrator wiederum einer anderen Instanz, nämlich z.B. der Instanz der Serverfunktionalität des elektrischen Stromes und anderer Dinge. Wenn der elektrische Strom uns verlässt, dann sind wir zurück bei eher elementareren Dingen. Ende des Exkurses diesbezüglich.

Arbeiten im Wiki

Um hier in der Diskussionsseite schreiben zu können, ist es sinnvoll, sich anzumelden. Sie geben irgendeinen Namen, also einen beliebig gewählten Nickname und Ihre E-Mail-Adresse und wenn Sie sich dann einloggen, haben Sie die Bearbeitungsrechte auf praktisch allen Seiten, bis auf die allererste Startseite des Wikis. Wie viele von Ihnen, wie soll ich das jetzt fragen: positiv oder negativ? Wie viele von Ihnen haben noch keine Erfahrung mit Wiki und wollen es auch nicht lernen? War ja mal sehr repressiv. Wenn es zumindest sehr wenige gibt, die sich trauen, das zu sagen, dann gehe ich davon aus, dass Sie bereit sind, sich an der Stelle auf das ein bisschen einzulassen. Der eine Hinweis noch zusätzlich zu der Diskussionsseite ist der: Sie können sich auf dem letzten Stand halten indem Sie auf "Letzte Änderungen" klicken. Bei diesen letzten Änderungen sehen Sie, was jeweils passiert ist und welche Beiträge in den Wiki-Veranstaltungen hinzugefügt worden sind.


Prüfung/Notenerwerb

Es gibt im Zusammenhang mit Wiki noch eine weitere Thematik bei der ich immer so ein bisschen - immer heißt seit drei Semestern, glaub ich - schwankend bin: Ohne mein Zutun hat sich - vor drei Semestern muss das gewesen sein - das Folgende entwickelt in der Arbeit eben auch mit Wiki und mit den Audiomitschnitten, die wir haben: Es haben Studierende einfach angefangen, die Audiofiles zu transkribieren und die Transkripte von den Audiofiles ins Wiki zu stellen, sodass man nach absehbarer Zeit die Vorlesungen auch lesen konnte und sie mitgeteilt haben. Das ist natürlich eine ausgesprochen sinnvolle und hilfreiche Sache. Wo ich aber unsicher bin - ich bin nicht deswegen unsicher, weil das hier expliziert wird, sondern unsicher deswegen, weil ich mir vorstelle, wenn ich Studierender wäre, würde ich eigentlich nicht gerne das nachtippen, was da irgendjemand gesprochen hat. Es hat sich aber erwiesen, dass das für Studierende eine ganz sinnvolle Beschäftigung zu sein scheint. Es haben sich immer wieder Leute gefunden und ich habe dann dazu gesagt: „Ich betrachte das Abtippen einer Vorlesung als wirklich genügende Grundlage zum Zeugniserwerb.“ Wenn Sie so etwas machen wollen, bekommen Sie sicher ein Zeugnis, und wenn es korrekt gemacht ist auch ein Sehr gut. Das ist das, was ich dazu beitragen kann. Darüber hinaus möchte ich das nicht weiter organisieren. Sollte daran Interesse sein, diskutieren Sie das, schlagen Sie das auf der Diskussionsseite vor. Wir organisieren dann eine entsprechende Möglichkeit und können das nächste Mal allenfalls drüber reden. Wenn Sie frühere Lehrveranstaltungen von mir im Wiki ansehen, in dieser ersten Seite Lehrveranstaltungen, die ich gezeigt habe, können Sie sich ansehen, wie das dann am Ende aussehen kann. Das betrifft also eine Form des Zeugniserwerbs. Die standardmäßige Form des Zeugniserwerbs ist eine schriftliche Prüfung am Ende mit mehreren Terminen. Das wird sicherlich stattfinden. Es ist aber auch möglich und das ist die dritte Option: Wenn Sie sich im Laufe des Semesters in die Problemstellung, in die Diskussionen im Wiki einschalten, dort eine Diskussion anzetteln, sich mit anderen darüber austauschen - das sind Sachen, die immer wieder mal gelungen sind. Ich bin daran natürlich auch sehr interessiert. Ich nehme daran auch jeweils teil. Wenn sich solche Diskussionen ergeben im Wiki und eine gewisse wahrnehmbare Substanz Ihrer Beiträge dabei vorhanden ist, sodass man sieht, Sie haben im Laufe der Vorlesung mitgearbeitet, mitgedacht, dann kriegen Sie dafür auch am Ende eine Note. Das sollte man zum Zeugniserwerb sagen. Soweit reichen im Moment meine Vorbemerkungen. Haben Sie dazu Fragen? Dann gehe ich zum Programm dieser Vorlesung über. Und zwar zunächst einmal im aller abstraktesten Sinn.


Vorlesungsprogramm

Erster Strang

Es wird in der Vorlesung drei sehr unterschiedliche Schübe geben, die nach sehr verschiedenen Gesetzlichkeiten operieren und die es mir möglich machen, Ihnen die Themenstellung - auf der einen Seite Platon und auf der anderen Seite neue Computertechnologien - in drei sehr unterschiedlichen Betrachtungsweisen baum??? zu führen. 19:08??. Das Eine, womit ich beginnen werde, was die größte Attraktivität hat - ich nehme an, wenn ich das weglassen würde, dann würden die zwei anderen Dinge, von denen ich gleich reden werde - Ziel wäre sozusagen das Interesse an diesem Thema - mindestens halbiert. Das sind die Bildwelten. Das ist der reichhaltige Themenkomplex von Spiegel, Reflexion, virtueller Realität, Film, Medien, der sich platonischer Momente mithilfe des Vokabulars und des Formenreichtums der computergenerierten Wirklichkeit bedient. Ich werde an dieser Stelle heute zwei Texte bringen, die aus philosophischer Sicht das aufreißen, was mit Cyberplatonismus gemeint sein kann. Ich werde dann in weiterer Folge unter diesem Aspekt aber auch nochmal genauer hinsehen in Hinblick auf Spiegel, in Hinblick auf Virtualität, in Hinblick auf die Motivenlage der platonischen Höhle, des Höhlengleichnisses und dieses Höhlengleichnis werde ich dann auch verwenden, um eine geschichtliche Linie zu ziehen. Das Höhlengleichnis ist nicht nur etwas Griechisches, sondern etwas ausgesprochen Christliches. Wenn ich die Gelegenheit gleich hier wahrnehmen darf, dann will ich sie auf Folgendes hinweisen, wenn Sie sich ein wenig einhören wollen.

Audiothek

Das ist die philosophische Audiothek, die manche von Ihnen vielleicht kennen. Sie hat zwei wichtige Hauptquellen. Die eine ist, dass wir, eine Gruppe von Lehrenden, eine vierzehntägige Radiosendung im Radio Orange produzieren, nennt sich philosophische Brocken. Diese Radiosendungen, die letzten sind ‚Wittgenstein übersetzen’, ‚Othering und Kulturrelativismus’. Wir deponieren diese Radiosendungen hier für die Nachwelt. Das Zweite ist aber auch, dass wir mittlerweile die Vorlesungen, die Sie im Wiki auch angekündigt haben, die wir per MP3 zur Verfügung haben, hier hineinstellen. Da will ich vielleicht doch, wenn ich schon dabei bin, eine kleine Klammerbemerkung machen: Einer der Gründe, warum wir diese Initiative ‚Sammlung von Vorlesungsmitschnitten’ gestartet haben Ende des vergangenen Semesters, ist das Folgende: Es gibt eine Entwicklung, die mir selbst erst ein bisschen zeitversetzt klargeworden ist und das ist die, dass wir eine neue technische Umgebung haben, die besteht darin, dass hier eine Reihe von Aufnahmegeräten herumliegen. Das ist ja durchaus normal in solchen Vorlesungen und das war bisher in meiner Wahrnehmung sozusagen für den privaten Gebrauch, wie das gerade gesagt worden ist und wird in der Philosophie in der Regel auch toleriert. Es gibt ein paar Vortragende, die sind da ein bisschen pingelig, aber in der Regel gilt das freie Wort an der Stelle. So schön so gut, aber womit noch nicht gerechnet wurde ist, dass wenn sie das einmal auf Ihren Computer gespielt haben, Sie einen Klick brauchen und das Ganze im Internet ist - durch einen 1-Click-Hoster, durch RapidShare oder solche Dinge. Früher war das so, dass man einen extra Server gebraucht hat und das war dann doch alles nicht etwas, was Studierende normalerweise haben. Jetzt ist das etwas, was jeder haben kann. Von mir aus ist das schön und gut, es ist aber für den Zweck der Sammlung von Ressourcen dessen was am Institut passiert, nicht so besonders gut und jetzt haben wir diese Aktion gestartet, um mehr oder weniger die verstreuten Lehrveranstaltungsmitschnitte, die Sie über sämtliche Rapidhosterseiten suchen sollen im Netz, ein bisschen zusammenzubringen erstens und ein bisschen zu legitimieren, indem wir die Leute von denen das aufgenommen worden ist, fragen ob sie auch damit einverstanden sind, sodass wir das jetzt hier an der Stelle mit deren Einverständnis offiziell zur Verfügung stellen können. Ich sag das deswegen, weil wenn sie in anderen Lehrveranstaltungen entsprechende Wünsche oder Aktionen oder Initiativen starten: bitte denken Sie daran, dass es einen Sinn macht, das für das Institut für Philosophie auch zu sammeln und Marios Passov - auf diesen Seiten die ich genannt habe sehen Sie es - ist jemand, der dafür ansprechbar ist, sodass wir an dieser Stelle eine gewisse Konsistenz haben. Das war jetzt das Ende der Zwischendurchsage. Das eine, was ich Ihnen zeigen wollte, als eine Aktion, was Sie sich mal anhören können, zu dem was ich hier sage als eine Linie, die vieles von dem enthält, was ich in der Vorlesung vortragen möchte, finden Sie, wenn Sie auf ‚Blättern’ gehen und ‚Vorlesungen’ unter dem Titel ‚Ringvorlesung 2009’ eine Auflistung der Veranstaltung, die vor einem Studienjahr angeboten haben als Ringvorlesung von Vortragenden des Institutes für Philosophie und wir haben das in dem hier vorhandenen Flash-Plug-In so umgesetzt, dass Sie sich einerseits die Ringvorlesungsinhalte hier so ansehen können. Wir haben das mit Bildern und Material unterlegt und das was ich hier sage, hat etwas mit Platon und Bildung zu tun. Platonismus also in dem Sinn und ich werde auf diese Art von Motiven zurückkommen, versuche aber in der Vorlesung das nicht direkt aus der platonischen Fragestellung zu entwickeln, sondern von der Technik her. Das werden sie als nächstes sehen. Das ist in etwa der erste Strang der angeboten wird.

Zweiter Strang

Der zweite Strang wird sie nach meiner Erfahrung weniger freuen, aber ich hoffe, sie werden ein bisschen Freude kriegen. Der zweite Strang wird sich beschäftigen mit Programmiersprache. Das Stichwort ist objektorientierte Programmierung, ich weiß nicht, ob das vielen etwas sagt. Es ist aber eine Tatsache, dass die gegenwärtige Computertechnologie mit objektorientierter Programmierung wesentliche Fortschritte macht und kontrolliert in der Regel, was immer das sein soll. Und die These dahinter ist - warum ich das jetzt hier aufbringe ist, dass die objektorientierte Programmierung eine direkte Umsetzung platonischer Grundideen ist. Man sieht, dass nicht nur kulturelle Formen, Buket <00:27:52> t von oben-unten, Spiegel-Reflexion, Höhle-Cyberspace, virtuelle Realität schwerstens geprägt ist, ganz stark konstruktiv geprägt ist von Platonismus, sondern dass diese Art von platonischer Prägung in der Computertechnologie selber eine Rolle spielt. Ich habe damit zwei Aufgaben zu verbinden. Einerseits Ihnen ein bisschen was davon darzustellen, wie das ausschaut in der Programmierung - Sie brauchen sich nicht allzu große Sorgen zu machen, darüber dass sie jetzt da etwas gänzlich Fremdes kriegen werden. Ich weise mal darauf hin, dass wir vor zwei Jahren ein Projekt gehabt haben, da haben wir als Vorraussetzung genommen die platonische Schrift der Staat und haben ein Spiel konstruiert im Anschluss an den Staat von Platon mithilfe einer Programmiersprache, die eine objektorientierte Programmiersprache ist, aber die Hälfte der Studierenden hatten auch von Objektorientierung noch nichts gehört. Ich kann Ihnen also vergleichsweise leicht zeigen, wie das funktioniert, an einem Sandkistenbeispiel. Also Sie brauchen nicht zu fürchten - das könnte ich auch gar nicht - dass sie jetzt mit C++ konfrontiert werden. Was ich Ihnen aber sagen möchte ist, wie das im Prinzip funktioniert und das zurückführen und nachkonstruieren, wie das in die platonische Konstellation hineinpasst. Das wird der zweite Strang sein.

Dritter Strang

Und der dritte Strang, das wird dann wohl unvermeidlich sein, dass wir uns das auch bei Platon ansehen. Dass wenn so viel von Platonismus die Rede ist, wir auch Platon Exegese betreiben. Es ist eine interessante und amüsante Tatsache, dass, wie Sie sehen werden, in dem ersten Hauptabschnitt in den Bilderwelten zwar Platon ständig genannt wird, dass aber niemand sich die Mühe macht, Platon genau zu lesen und die Frage zu stellen: Wieso heißt das eigentlich "platonisch"? Platon gilt in diesem Zusammenhang als ein Klischee, als ein Schlagwort, also ein bisschen so wie z.B. Österreich-Werbung. Was verbinden Sie mit Österreich? Den Stephansdom, das Riesenrad, die Lipizzaner und die Alpen und mit diesem Österreichbild können Sie schon mal die Mehrheit der Weltbevölkerung informieren, ohne dass sie fragen: ‚Wie geht's eigentlich in Österreich zu? Was ist da eigentlich dahinter?’ Der Rekurs auf Platon in vielen von diesen zu beobachtenden Texten ist auf eine ähnliche Art und Weise oberflächlich und das gibt selbst schon - da will ich jetzt auch mal gleich anknüpfen - das gibt auch wiederum einen Einblick in die Spannung des Platonismus selber, weil der Platonismus, ohne dass ich meinerseits da jetzt in die Details geh, gekennzeichnet ist genau davon, dass er sagt, wir dürfen nicht als in der Welt herumspazierende Individuen mit der Nase an den Details bleiben. Wir müssen etwas sehen, worauf es ankommt. Wir müssen die wesentlichen Dinge sehen, die wichtigen Dinge sehen. Das, worauf eine Sache ausgerichtet ist. Also die Wesensfrage ist dann bei Aristoteles weiter durchgedacht und präzisiert worden. Aber das, worum es im Wesentlichen geht - um eine simple Sache zu sagen - wenn wir reden von Gerechtigkeit, das ist nicht, was Sie im Morgenjournal hören im Interview mit den Menschenrechtsbeauftragten und den Polizeibeauftragten im Zusammenhang mit der Abschiebung einer albanischen Familie.


Einzelfall und Typologie

Um einen ungeplanten Sprung jetzt zu machen: Ein Urthema des frühen Platonismus, des Platonismus der sich mit Sokrates beschäftigt, der in Athen am Marktplatz spazieren geht und die Leute ärgert, schaut ungefähr so aus: Sokrates hat in der Berichterstattung im Morgenjournal gehört, dass eine halbe Familie mit zwei Zwillingen ausgewiesen worden ist und jetzt fragt er jemanden, der da kommt aus dem 10. Bezirk: "Ist es eigentlich in Ordnung, was da passiert?" und die sagen: "Ja klar, das ist in Ordnung, weil das ist nach den österreichischen Gesetzen, das ist ja die Aufgabe der Polizei, das so zu machen.". Dann fragt er jemand anderen und die andere Person sagt: "Das ist überhaupt nicht in Ordnung, weil es gibt Familienrechte und die Familienrechte gehen vor!". Und dann trifft Sokrates auf jemanden, der sagt: "Ich bin derjenige, der dafür verantwortlich ist, entsprechende Regelungen im Parlament vorzuschlagen, ich bin ein Abgeordneter. Ich bin ein Abgeordneter im Parlament". Und Sokrates sagt: "Großartig. Dann musst du doch wissen, was hier das richtige ist! Was ist die richtige Verfahrensweise an dem Fall? Und wenn du mir an der Stelle richtigerweise tut, dann kannst du mir auch sagen, was Richtigkeit ist, also was Gerechtigkeit ist, nicht nur für diesen einzelnen Fall. Weil wenn du nicht weißt, was Gerechtigkeit ist, dann bist du den verschiedenen Interviewpartnern ausgeliefert." Das ist eine entscheidende Grundbewegung des frühen Platons in der Frage hin zur Philosophie. Die Frage "Was ist die Gerechtigkeit, von der wir reden, wenn wir sagen: „Das ist nicht gerecht oder das ist gerecht, was da passiert." Auch die Philosophie unterliegt in einem gewissen Sinn dieser Art von Diskrepanz, von Klischeebildung, dass wir Platonismus in zwei verschiedenen Weisen sehen: nämlich auf die eine Art und Weise, die ich Ihnen jetzt gerade so gesagt habe und die in den Bildwelten vorhanden ist: Platonismus ist Höhle, ist Höhlengleichnis, sind gewisse kulturprägende Bewegungen, die wir in die Philosophie so einführen können wie das Österreichbild in die Fremdenverkehrswerbung. Ganz falsch ist es ja nicht, dass in Österreich grüne Wiesen stattfinden und auch dramatische Bergwände und dass viele, viele Leute am Stephansplatz stehen und dieses schöne Ding bewundern. Das ist ja nicht falsch. Und wenn jetzt jemand fragt: "Worauf kommt denn Österreich raus?". Dann entsteht die Herausforderung für die Leute, die so gefragt werden zu sagen entweder: "Geh lass mich in Ruh mit der Frage, das gibt es nicht diese Art von Frage, worauf Österreich rauskommt, das ist eine alte Frage, darauf antworte ich nicht". Oder aber wenn man sich auf die Frage einlässt, dann werden Sie nicht den Rest Ihres Lebens damit verwenden können, zu erzählen, was in Österreich alles eine Rolle spielt, sondern dann werden Sie das zusammenfassen müssen und es wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben als irgendetwas Typisches für Österreich vorzubringen und in dem Moment in dem Sie in diesem typischen Sinn - was Sie noch gar nicht mit Wesen verbinden müssen - aber in dieser Typologie, in diesem paradigmatischen Sinn, in dem Moment, in dem Sie da drinnen sind, haben Sie sich in eine platonische Strategie hineinbewegt, denn genau das ist das, was Platon erfunden hat: Die Spannung zwischen Einzelfall und Typologie als die Grundspannung, aus der erstens die Philosophie entsteht - das sind Sachen, die ich in früheren Vorlesungen expliziter gemacht habe, wir werden darüber auch sprechen können - und zweitens auch als etwas, was weit über die Anwendung in der Philosophie hinaus eine Rolle in unseren Denkstrukturen trägt. Und wenn das dem Platon selber so passiert, wie ich es jetzt gerade beschrieben habe, dann ergibt sich daraus auch für Platon eine Situation, die vergleichbar ist mit dem, was ich Ihnen vorher jetzt an dem Beispiel gesagt habe, in Hinblick auf die vielen Erfahrungen, die Sie mit Österreich machen können.

Die Situation angewandt auf Platon ist, dass auch Platon, was anderes ist als die paradigmatische Form von Platonismus, mit der wir da operieren, sondern Platon hat viele Bücher geschrieben und in diesen Büchern gibt es verschiedene Ansätze, verschiedene Ideen, Entwicklungen, Widersprüche, interne Spannungen. Und die Philosophie in einer speziellen Ausprägung ist damit beschäftigt - abgesehen von dem Blueprint, der Platonismus ist, also abgesehen von dieser speziellen Form – sich genauer anzuschauen "Wie sieht es denn beim Platon aus?". Es gibt eine in der Philosophie sehr verführerische Tendenz, die vielleicht ein bisschen abgenommen hat, aber man findet sie durchaus sehr lebendig und immer wieder, gerade im deutschsprachigen Raum, die sieht folgendermaßen aus: analog zu dem, wenn ich mit den ÖsterreicherInnen rede und das nur genau genug und sorgfältig genug mache, dann kriege ich heraus, worum es geht in Österreich. Ich muss vor Ort mir das ganz genau anschauen und der Typus Österreicher muss sich herauskristallisieren aus den Erfahrungen, aus der Detailuntersuchung in dem österreichischen Bundesgebiet. Und ähnlich gibt es die Tendenz zu sagen: "Worum es bei Platon in Wirklichkeit geht, das kann ich nur feststellen, wenn ich ihn Wort für Wort genau lese, wenn ich alle seine Argumente teste, wenn ich das ansehe, was er tut, was er sagen wollte, Platon selbst ist letztlich die Instanz, auf die wir uns richten müssen, die wir interpretieren müssen, damit wir sagen können, worum es beim Platonismus geht und das geht nicht anders, als dass Sie zwei Jahre lang einmal genau Platon lesen. Und alle diejenigen, die nicht zwei Jahre Platon gelesen haben, sind in Wirklichkeit zu oberflächlich wie diejenigen, die Österreich und Australien daran unterscheiden, dass die einen ein Känguru haben und die anderen einen Lipizzaner. Das wird der dritte Strang in der Vorlesung sein, dass wir uns auch wirklich bei Platon die Sachen ansehen. Allerdings nicht unter der Vorraussetzung, dass uns das die Lösung der Dinge bringen wird. Das wird ein zusätzlicher interessanter, wichtiger Aspekt sein und wird sich aber in einem Spannungsbereich befinden, zu dem was wir in den anderen mehr klischeeorientierten Betrachtungsweisen sehen werden - weil ich jetzt durch die Darstellungen mich auf das so schon eingelassen haben und sich das hier schön ergibt als Hinweis: Wenn Sie dieselbe Strategie, die Sokrates mit den Interviewpartnern am Marktplatz macht, steht als Problem heutzutage noch immer auf der Tagesordnung, wenn Sie sich, wie ich gesagt habe, eine solche Formulierung vorstellen, dass man sagt: „Um zu wissen, worum es in Österreich geht, muss ich die einzelnen Leute fragen, die einzelnen Erfahrungen erheben und nur dann kann ich etwas inhaltlich Vertretbares, Fundiertes, empirisch Überprüfbares sagen über das, was in Österreich der Fall ist, anders als Hirngespinste.“ Wenn Sie dieser Auffassung sind, müssen Sie von philosophischer Seite her jetzt mit einem Einwand rechnen und diesen Einwand finde ich von der Methode, von der Strategie her doch sehr wichtig. Das ist der einfache Einwand: Wen fragen Sie unter dem Titel Österreicher? Was sind Ihre Kriterien, dafür dass Sie Leute aussuchen, die Sie fragen wie es Ihnen geht, um eine Antwort auf die Frage zu kriegen, was Österreich ist. Sie brauchen eine Vorentscheidung. Sie brauchen eine Kategorie, Sie brauchen eine Typologie in irgendeiner Art und Weise, um in die Einzeluntersuchung einzugehen. Sie würden sich verlieren - das ist wirklich sehr plastisch auszumalen im Moment unter dem Stichwort multikulturell - wenn Sie nicht Vorentscheidungen treffen darüber, was der Bereich überhaupt sein soll, wie der aussehen soll, den Sie untersuchen. Wenn Sie solche Vorentscheidungen - die treffen Sie bevor Sie sich die Sache im Einzelnen ansehen - nicht treffen, dann werden Sie dort nicht hinkommen, dann werden Sie sich verlaufen, dann wird die Sache eine nicht-fokussierte Sache sein. Ich sage das deswegen, um nochmals darauf hinzuweisen, dass auch bei der Platonlektüre - Sie können im Prinzip Platonlektüre betreiben und sich damit beschäftigen, wie oft und in welchen Kombinationen kommt das Wort ‚und‘ bei Platon vor. Es spricht überhaupt nichts dagegen und Sie haben eine großartige Fallstudie über den Gebrauch des ‚und‘ im Griechischen. Sie reichen das ein in der Fakultät für Philosophie "Das Wort ‚und‘ bei Platon". Und wenn dann drinsteht, in wie viel verschiedenen Kombinationen von ‚und‘ bei Platon zu rechnen ist, dann ist es möglich - sogar sehr wahrscheinlich - dass Ihnen jemand sagt: "Wollen Sie Sprachstatistik machen oder wollen Sie Philosophie machen?". Und wenn Sie Philosophie machen wollen, dann reicht das Wort "und" bei Platon nicht. Es sei denn, Sie bringen etwas philosophisch Interessantes heraus. Und da haben Sie es schon wieder: Sie brauchen eine Vorentscheidung. Sie müssen irgendwie wissen, in welche Richtung das gehen soll. Und an der Stelle sind Sie wieder beim Paradigma, bei der Verkürzung, bei der Typologie.


Fragen

Frage: Inwiefern ist das ein infiniter Regress? Inwiefern kommt man aus dieser Schleife nicht mehr heraus?


Antwort: Man könnte sagen, da wir immer wieder Untersuchungen haben, die irgendetwas feststellen, z.B. nennen wir es soziologisch, wenn ich schon Österreich genommen habe: Es wird doch niemand leugnen, dass man eine Untersuchung machen kann über die Unzufriedenheit im 7. Wiener Gemeindebezirk oder über Einstellungen zur Migration in Niederösterreich. Das sind ganz zentrale und entscheidende Aktionen einzelner Wissenschaften. Wenn ich jetzt unangenehm sein möchte als Philosoph und sage: "Wie verstehst du Niederösterreich? Ist Niederösterreich diese Grenze und wenn da jemand gerade mit dem Flugzeug drüberfliegt, muss ich den im Flugzeug interviewen, weil er grad in Niederösterreich ist? Ist das relevant?“ Ich kann sozusagen tüfteln. Für Sokrates ist das ein durchaus legitimer Weg, der macht an der Stelle oft etwas sehr Provokantes und lässt sich alle möglichen unmöglichen Optionen einfallen, darum, um die Selbstverständlichkeit in Frage zu stellen, die jemand - sagen wir eine Soziologiestudentin - hat. Die sagt: "Wenn ich das über Niederösterreich mache, dann weiß ich was Niederösterreich ist." Und wenn da jemand gerade mit dem Auto auf der Autobahn durchfahrt, gehört er nicht zu Niederösterreich, obwohl er in Niederösterreich ist. Und jemand, der gerade in Wien arbeiten ist für vierzehn Tage und zurückfährt ins Traisental, der ist ein Niederösterreicher, obwohl er nicht in Niederösterreich ist." Oder sowas ähnliches. De facto lassen sich solche zum Teil weit hergeholten Einwände immer ausschließen oder bearbeiten und man könnte sagen: Der Weg aus dem Zirkel heraus besteht einfach darin, dass man sich in das, was ich gerade genannt habe, nicht reinlässt, aus dem Zirkel irgendwie rausspringt und sagt: "Willst du diskutieren oder etwas untersuchen?". Das ist, so wie ich das jetzt gesagt habe, allerdings tatsächlich ein entscheidendes Diskussionsthema zwischen einzelnen Untersuchungen und dem, was die Philosophie seit Sokrates unternimmt. Mein liebstes Beispiel diesbezüglich, um Ihnen das nur vor Augen zu bringen: Sokrates geht am Marktplatz und möchte wissen, was Tapferkeit ist. Wen fragt man, was Tapferkeit ist? Natürlich den Chefgeneral. Es kommt ihm ein Chefgeneral von der athenischen Wehrmacht, Laches, entgegen und Sokrates fragt ihn: "Du kannst mir sicher sagen, was Tapferkeit ist, du bist der Experte." Laches sagt: "Selbstverständlich weiß ich, was Tapferkeit ist: Sich hinstellen in einer Schlachtreihe und sich nicht feige verdrücken, sondern in voller Kraft die Schlachtreihe aufrechtzuerhalten. Das ist tapfer. Unter dem Einfluss des Feindes nicht zu weichen." Dann sagt Sokrates: "Da gibt es doch die Leute, die haben die Strategie, dass sie aufmarschieren und wenn die Feinde kommen, dann drehen Sie sich um mit Ihren Pferden und fliehen. Aber sie fliehen nur anscheinend, weil kaum dass? sie fliehen, marschieren und laufen die Schlachtreihen ihnen nach, relativ ungeordnet, um sie in der Flucht noch zu erwischen. Damit hat sich die Schlachtreihe aufgelöst und die Reiter drehen um, schließen sie ein und machen sie nieder. Ist doch auch ganz schön tapfer?" Das ist ein schönes Beispiel dafür, warum das eine Konfrontation ist, die subversive Tätigkeit des Philosophen, der bestimmte Selbstverständlichkeiten an der Stelle aufzubrechen versucht und auf der anderen Seite die Redlichkeit derer, die unter bestimmten Umständen bestimmte Arbeit zu machen haben. Also eine Untersuchung über Niederösterreich machen müssen oder aber in der Armee halbwegs vernünftige Soldaten zu sein. Die Redlichkeit, nach einer solchen Regel zu gehen und die Subversion der Philosophen und Philosophinnen, diese Ordentlichkeit in Frage zu stellen. Das, was ich jetzt gesagt habe, enthält eine Antwort auf Ihre Frage. Wenn man die Redlichkeit und die Subversivität auf eine geeignete Art und Weise verschaltet, dann kommt man tatsächlich aus dem Kreis nicht mehr heraus. Das kann schon passieren. Die wichtige Pointe und was ich Ihnen zeigen möchte - weil das die Frage war - ist, dass wir mit diesen beiden Momenten konfrontiert sind, dass wir mit Redlichkeit, Regel-Folgen, Verständnis-Voraussetzen und Typologien konfrontiert sind, dass aber wenn wir das nicht mit einer Fragestellung kreuzen, die zu tun hat mit Alternativen und damit, dass viele Einzelrealisierungen oft überkonkret genommen werden und man nicht kleben kann und soll an dem Konkretismus von einzelnen Vorraussetzungen und Regeln, sondern eine allgemeinere Frage stellen kann. Wie z.B. die Frage bei der Tapferkeit - es ist ein Konkretismus, sagt Sokrates, dass Tapferkeit zusammenfällt mit diesem einen bestimmten Verhaltensmuster. Seit Sokrates und Platon gibt es diese These und dieses Wort, dieses Motiv. Wir haben einen Begriff von Tapferkeit. Wir haben ein Konzept, einen geistigen Inhalt, ein Muster von Tapferkeit. Und Sokrates weist in seinem Beispiel darauf hin, dass es unterschiedliche Verwirklichungsweisen von Tapferkeit gibt, dass man nicht konkretistisch hängen bleiben darf an einer von diesen Verfahrensweisen. Und das ist der Beitrag, den das philosophische Aufreißen, des Themas bringt.


Frage: Wobei Sie uns unterstellt haben, dass bei jedem infiniten Regress intellektuelle Redlichkeiten, die Subversion eine Endlosschleifen sein soll. Denn wenn die Subversion funktioniert, dann kann das keine Endlosschleife sein. Wenn ich Suchen und Finden richtung Wahrheit rückführe, dann eben nicht mehr nach Suchen und Finden geht, sondern nach Aushalten, Experimentieren. Deswegen kann es kein infiniter Regress sein, deswegen hab ich die Antwort nicht ganz verstanden. <00:57:16>


Antwort: Ich habe eine ganze Reihe von Sachen ausgeblendet an der Stelle. Das Erste, wovon Sie beginnen, war: Was passiert wenn die Subversion funktioniert? Das ist in sich eine schwierige Geschichte, weil wenn ich das wörtlich nehme, was Sie sagen, heißt das: Ich habe die Nadel, die nimmt die Luft aus jedem Ballon. PhilosophInnen verstehen sich hin und wieder ganz gerne so, dass sie was immer die gängige Meinung ist, was immer man glaubt, dass man tun muss, um den Gegebenheiten, den Standards zu entsprechen durch Subversion entmythologisieren, dekonstruieren kann. Und es gelingt immer wieder. Dann kann man von dieser Tätigkeit durchaus ein bisschen berauscht werden. Und man kann an der Stelle das immer neu machen. Was immer einem vorgelegt wird, kann man diese Strategie fahren und das ist nicht nur einfach eine theoretische Möglichkeit. Sokrates, der in den frühen Schriften von Platon vorkommt und der mit einiger Wahrscheinlichkeit nahe an dem ist, was Sokrates wirklich gemacht hat. Diese Schriften bewegen sich genau immer dort: Sokrates macht das mit Wahrheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Frömmigkeit. Überall piekt er in die Blase hinein und nun sind wir beim zweiten Schritt in Richtung Positivität: Wenn es darauf kommt: "Und jetzt Sokrates sag uns, warum tust du das eigentlich? Was willst du uns eigentlich sagen, indem du diese Blase aufpiekst?" Dann kommt: "Ich weiß, dass ich nichts weiß!".

Das ist der Purzelbaum mit dem der Philosoph paradox versucht, statt in den Zirkel in eine selbstverwaltete Stabilität zu kommen, dass er sagt: "Ihr alle wisst nichts. Das hab ich dadurch nachgewiesen, dass ich euch subvertiert habe und ich selber weiß aber auch nichts, außer dass ich subvertieren kann und dass meine Tätigkeit die des Subvertierens ist." Was ich jetzt sagen will ist: Man kann mit der Subversion zu effektiv sein. Man kann, wenn die Subversion gelingt an der Stelle, durchaus Philosophie betreiben und man kommt dann nicht in den Zirkel, aber man kommt auch nicht zu etwas Haltbaren außer dieser Purzelbaumkonstruktion. Das ist der Grund - und ich hoffe, wenn ich so darauf antworte, werden Sie verstehen, warum ich im ersten Durchgang nichts gesagt habe - warum Platon selber, der das sieht und der die sokratische Strategie weiterverfolgt und weiterentwickelt in den späteren Schriften dem Sokrates etwas unterstellt, würde man vermuten, eine Doktrin heranbringt an das genannte Problem, die jetzt etwas Positives hat. Und das ist genau die Doktrin der Idee, der Begriffe. Nämlich wenn ich nach der Gerechtigkeit frage und diese Frage nach der Gerechtigkeit beginnt mit der Subversion von einzelnen kursierenden Konzepten der Gerechtigkeit, dann bin ich geleitet so etwas wie die Idee der Gerechtigkeit anzunehmen. Diese Idee ist etwas womit sich PhilosophInnen beschäftigen, diese Idee ist ein zentrales Stück in der platonischen Philosophie. Und mit dieser Idee, die ich umbenannt habe in Typologie, Paradigmen sind wir bis zum heutigen Tage entsprechend beschäftigt. Ich habe pädagogisch strategisch einen nicht ganz sinnvollen Kurzschluss gemacht, indem ich in meiner Darstellung - und das hat zur Frage nach dem Zirkel geführt - die Problematik dieser Ideenhypothese schon mal vorausgesetzt habe. Also vorausgesetzt habe, dass das, was der Platon als Antwort auf die Aporie-Situation bringt, selber nicht die letzte Weisheit ist, sondern dass wir heutzutage mit dieser Spannung zwischen Einzeluntersuchungen und Typologien und Ideen noch andere Themen verbinden als es die sind, die bei Platon stattfinden. Aber nehmen Sie das, was ich gesagt habe als eine Vorauszahlung für das, was noch kommen muss.


Frage: 3:36 Dass die Subversion, der Begriff dann in Verwendung kommt, wenn das Ganze aufgeht. Weil Sokrates fragt nach den Universialen, was die Leute in der Kategorie antworten: Natürlich müssen sie scheitern. Das weiß er im Vorfeld und sagt ihnen: "Das wird dem Großen nie gerecht." ??? funktioniert wirklich die Subversion, in dem Sinn, dass die Leute neue Flächen geschaffen haben und leere Räume. <01:04:04>


Antwort: Ja, Und ihn umbringen. Das ist der Punkt. Das ist seit es das gibt die Auseinandersetzung zwischen den Philosophinnen, die sagen: "Wir haben die neuen freien Flächen geschaffen. Wir haben euch etwas eröffnet und ihr, was habt ihr gemacht? Ihr ward nicht dazu in der Lage, ihr habt ihn verurteilt wegen Volksverhetzung." Und was folgt daraus für die Philosophie? Wir in der Philosophie beanspruchen durch die Jahrtausende diese wunderschön befreiende Leistung im Appell an unseren Ursprungsmärtyrer das - ich sage mal es absichtlich aggressiv - gegen das normale Verfahren der Philosophen. Auf das wollte ich nicht ganz einsteigen. Ich wollte sagen: Da gibt es einen Konflikt. Und ich bin in diesem Konflikt für die Subversion. Ich bin genau auch dafür, dass hier Subversion stattfindet. ich bin aber nicht bereit die Heiligenerzählung, die seit Platon zugunsten der Philosophie aus diesen Events gemacht wird und die Art von kulturkonstitutiver Heiligenerzählung, die nicht nur im Platonismus liegt, die dann vom Christentum übernommen worden ist, indem Sokrates ein Vorläufer von Christus gewesen ist als der Märtyrer für die Wahrheit. Als der, der von der verstockten Menge umgebracht wird - diese Linie möchte ich doch mit einem starken Fragezeichen versehen, ohne zu leugnen, dass das nach wie vor unsere Linie ist.


Bildwelten

Also weil ich hier das Bild genommen habe, um das zu erläutern. "Die Schaffung Adams" von Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle ist zweifellos eine Ikone für das europäisch, humanistisch, abendländische Selbstverständnis und das habe ich Ihnen deswegen hier an den Anfang gestellt, weil man daran bestimmte Spannungen und Schwierigkeiten des ins christliche gewendeten Platonismus sehen kann. Und ich werde gleich ein bisschen was drüber sagen, inwiefern das so zu verstehen ist: das ist nämlich - um es auf Ihre Frage zu sagen - wie die Subversion produktiv wird. Das meine ich ganz neutral, gar nicht zynisch. Das ist eine Form der Produktivwerdung der Subversion, von der ich gerade gesprochen habe. Aber vorher noch, warum ich das hier genommen habe, um die Parallele dazu zu zeigen. Das ist aus einer Werbung für eine Maus (logitech) und es ist nicht zu leugnen, dass die Fingerhaltung, um die es da geht, durchaus etwas mit Mausverwendung zu tun hat. Und da gehen wir als zweites hin: Wenn sie diese Fingerhaltung ansehen - das ist es, worum es geht. Aber jetzt will ich, wenn es recht ist, das was wir hier jetzt gerade diskutiert haben, in Beziehung setzen zu diesem zentralen Ding und das ist ein guter Punkt, um nochamls in diesen circulus vitiosus reinzugehen und sich da etwas zu sagen. Wenn man von dem ausgeht, was ich Ihnen kurz gesagt habe, mit Einzelfällen, Partikularien in der täglichen Erfahrung. Sie können ein Event sehen, auf der Straße gehen und irgendwas miterleben, eine kleine Szene und Sie sagen "Das ist unfair" oder "Das gehört sich nicht" oder Ähnliches. Da fragen Sie sich nicht weiter. Das ist in einer Weise in der sozialkonditionierten Lebensform drinnen, dass es Situationen gibt, in denen sowas passiert. Und wenn Ihnen jetzt jemand erklärt "Nein das ist nicht wirklich, das schaut nur aus, dass es unfair ist, in Wirklichkeit ist das in Ordnung", dann sind Sie automatisch drinnen in einem solchen Spannungsverhältnis, wo Sie sich entweder überzeugen lassen oder nicht überzeugen lassen, dass so etwas fair oder unfair ist. und auf diesem Weg wollen PhilosophInnen wie Sokrates Sie dazu einladen, über das Partikulare hinweg zu fragen: Was ist eigentlich Fairness? John Walls hat ein Buch geschrieben "Justice as Fairness", daher kommt mein Punkt: Um zu wissen was Fairness ist, müssen Sie eigentlich wissen, was Gerechtigkeit ist, Sie brauchen einen Begriff von Gerechtigkeit. Und wenn Sie auf diese Weise unterwegs sind und nicht nur auf die Subversion schauen, sondern auch eine positive Antwort davon haben wollen, dann kriegen Sie einen Begriff von Gerechtigkeit, der abstrakter, allgemeiner, prinzipieller, definitorischer in dem Sinn klischeeartiger hingeschrieben ist, als alle partikulare Fälle, die vielleicht drunter fallen würden - also einen Begriff von Gerechtigkeit. Wenn Sie das mit der Frömmigkeit und der Tapferkeit genauso machen, kommen Sie drauf: Sie erzeugen lauter solche Begriffe, kognitive Inhalte, die alle die selbe Beschaffenheit haben, dass Sie nämlich etwas vorgeben an Gestalt, an Struktur für einzelne Anwendungsfälle. Sie sagen: "Das gefällt mir!", wieso gefällt Ihnen das? Weil es schön ist. Was ist schön? usw. Dann kommen Sie drauf, Sie bewegen sich an dieser Stelle in einem Bereich des begrifflichen Fassens und Erfassens und dieser Bereich des begrifflichen Erfassens ist gekennzeichnet nach platonischen Vorgaben: durch Vernunft und dadurch, dass die Welt der Vernunft, indem dass diese Art von Begriffen und Inhalten stattfinden, in sich selber geregelt und geordnet ist. Bei Platon hat das einen höchsten Fusionspunkt, einen Punkt auf dem alle kognitiven Inhalte zukommen: die Idee des Guten. Das höchste Gute ist das, worunter die anderen geistigen Inhalte entsprechend fallen. Und Sokrates, um diese Sache nochmal aufzugreifen, war unterwegs zur Erkenntnis dieses höchsten Bezugspunktes des Guten und weil dieser Bezugspunkt eine Form von geistiger Anstrengung, sich Aussetzen der Subversion, die Sokrates produziert, bedeutet, ist das nicht anerkannt worden von seinen Landsleuten und darum ist er als Märtyrer, als Opfer auf dem Weg zur Findung des Guten hingerichtet worden. Das ist ganz klar die Aussage, die Message des Sokratesschüler Platons in den mittleren Dialogen.


Übertragung des "Ursprungsmärtyrers" ins Christentum

Das hat nun eine willige Aufnahme, eine gewisse Template, ein Gedankenmuster, dessen sich das Christentum sehr schön bedienen konnte, indem das Christentum aus der jüdischen Tradition die Existenz eines persönlichen Gottes jenseits der Welt positioniert hat und anschließend an diese jüdischen Tradition hat dieser transzendente Gott, der jenseitige Gott, den es gibt, der eine Person ist, einen Sohn und hat, diesen Sohn auf die Erde geschickt, um mit den Menschen einen Bund zu schließen. Diese jüdisch-christliche Vorstellung, überblendet mit der platonischen Vorstellung, in der es einen Graben gibt zwischen den Partikularias und den Ideen, also die Frage: Wie sind Ideen und wie realisieren sich Ideen in wirklichen Dingen? Das ist die sogenannte [Methexis http://de.wikipedia.org/wiki/Methexis] , die Teilhabe von einzelnen Dingen mit Ideen. Diese Teilhabesituation, die bei Sokrates eine aus der Praxis der Philosophie am Marktplatz entstandene Mustergestaltung gewesen ist - der Zwiespalt zwischen der Sonne und dem was die Sonne beleuchtet, zwischen dem, was wir in der Höhle sehen und dem, was wir außerhalb der Höhle sehen - dieser Musterzwiespalt ist jetzt inhaltlich besetzt worden an vielen Stellen mit dem jüdisch-christlichen Formenmaterial und dieses jüdisch-christliche Formenmaterial hat zunächst nicht das Problem des großen Zwiespalts, denn wenn Gott eine Person ist, wie im jüdisch-christlichen Verständnis, und wenn Gott seinen Sohn gesandt hat, dann habe ich eine Kontinuität, dann brauch ich nicht diskutieren, wenn ich daran glaube, dass Gott, der eine Person ist, seinen Sohn gesandt hat, wenn ich daran glaube, als Basisvoraussetzung für meinen Glauben, dann werde ich keine starken Zweifel darüber haben, wie denn das möglich ist. Das kann ich im Nachhinein schon fragen, wie das möglich ist, aber zunächst mal glaub ich das. Stammesgötter haben diese Verfassung, dass geglaubt wird, dass sie mit dem Stamm zusammen sind und dass sie so funktionieren. Die Schwierigkeit, die sich in dieser lokalen stammesgeschichtlichen Deutung ergibt, ist natürlich, dass man jemanden, der nicht in diesem Stamm drinnen ist, der nicht den Glauben an Gott und den Glauben an einen Sohn Gottes als Religion automatisch aufgegriffen und rezipiert hat, wenn eine solche Religion, in der das alles zunächst einmal gut funktioniert, eine solche Religion eine Migrationsreligion ist, in einen Migrationszusammenhang kommt und migriert vom Nahen Osten in den Bereich der Euro-Zone - die gab es damals noch nicht, aber es ist ja die Stammesreligion in die Europazone migriert - dann trifft die dort auf eine gedankliche Voraussetzung, ein Verständnis in der hellenistisch, römischen Welt, auf ein Verständnis dafür, worum es geht, wenn wir religiös sind, was Götter sind, wie man umgeht mit Göttern und ähnlichen Dingen. Jetzt habe ich diesem Glauben einer Stammesreligion, dass ein Erlösungsgeschehen adressiert an eine bestimmte Gruppe von Leuten nämlich uns Juden, uns Christen ist, indem das Ding zu einer Einheit ist und dieses Event, dieses Erlösungsgeschehen wird jetzt verkündet, wird exportiert und muss in der exportierten Umgebung, damit es sich verständlich macht, damit nicht das Folgende passiert, dass zu einzelnen Juden, die in Rom und Saloniki und bei den Kolossern gewesen sind - da gab es ja Juden, die hatten die jüdische Religion noch traditionell an sich und mit sich - und zu den Judengemeinden in der hellenistischen Welt die christlichen Aposteln hin sind und haben gesagt: "Habt ihr schon den neuesten Update? Der persönliche Gott an den ihr glaubt, hat jetzt auch seinen Sohn geschickt!". Und diese Updatefunktion hat sich zunächst einmal gewendet an die Leute, die schon jüdische Vorraussetzungen gehabt haben, aber das war nicht alles. Das hätte, wenn es dabei geblieben wäre, hätte es nur dazu geführt, dass die einzelnen Sprachinseln und lokalen Ethnien, die Judengemeinden in den verschiedenen römischen Städten etwas damit anfangen hätten können. Die Entwicklung ist über das hinausgegangen und zwar so, dass sich das Christentum ausgebreitet hat in einem intellektuellen Kontext, der nicht der jüdische Stammesreligionskontext war und sich in diesem Kontext verständlich machen musste. Und was war an der Stelle das Angebot? Das Angebot war - und dessen haben sich christliche Theologen reichhaltig bedient: Das Angebot war Platonismus. Die Struktur des platonischen Denkens, die unabhängig vom Christentum in der griechischen Welt weiterentwickelt worden ist, die war vorhanden als ein Verständnismotiv und an der Stelle - ich habe es schongesagt mit der Überblendung - hat sich diese Überblendung ergeben zwischen der Stammesreligion und einer platonischen Vorstellung vom Guten, das man anstrebt und auch riskieren muss, dafür zu leiden. Und die Situationen in die man der Stelle hineingerät, ist jetzt zu sagen: "Für jemanden, der nicht aufgewachsen ist in der jüdischen und christlichen Einheit des personalen Gottes mit dem Bund mit dem Volk, ergibt sich dann die Frage: Wie steht die Welt - jetzt nicht die Welt, die wir erleben nicht zu den Ideen, sondern an die Stelle dieses obersten Gutes ist Gott gesetzt worden. Der jüdisch-christliche Gott, der ein Stammesgott gewesen ist, rückt rein in die Position des platonischen Guten und wird von den Kirchenvätern als das oberste Gute, das noch dazu die platonischen Eigenschaften der Vernunftwelt, die ich gerade gesagt habe - Gerechtigkeit, Wahrheit, Schönheit - sind alles geistige Inhalte, die eine bestimmte Typologie haben. Dieses Ensemble der geistigen Inhalte, die maßgeblich sind für die Einzelausprägungen des Gerechten, Wahren, Schönen usw., dieses Ensemble der geistigen Inhalte rückt jetzt in den Kopf Gottes und damit werden die platonischen Ideen zu Gedanken Gottes, die er gehabt hat, wie er die Welt designt hat. D.h. Gerechtigkeit ist dasjenige, woran Gott gedacht hat wie er die Welt geschaffen hat. Da wollte er eine gerechte Welt schaffen. Diese Gerechtigkeit, so wie Gott sie geplant hat, ist dasjenige worauf wir uns konzentrieren, wir hinorientiert sind in unseren eigenen Fragen nach Gerechtigkeit. Das ist jetzt eine sehr oberflächliche Darstellung, das ist mir klar, dass ich das mit Belegen untermauern sollte, aber allzu viel will ich in die Kleinlektüre Kirchenväter dann doch nicht reingehen, aber Sie können mir glauben, das ist eines der Hauptfeatures in der Verchristlichung des Platonismus und was wir hier jetzt haben, ist der nächste Schritt: Wir wissen, weil wir christlich sozialisiert sind - viele uns, also die Nation hat diese christlich-platonische Einstellung - wissen wir, dass es mit diesem Bild eine doch sehr bemerkenswerte Bewandtnis hat. Nämlich, dass auf eine ganz ungenierte Art und Weise hier zwei Figuren nebeneinander gestellt werden, die gleichzeitig kategorial total verschieden sind. Das eine ist Gott, den man eigentlich gar nicht darstellen kann und von dem man immer wissen muss, dass er auch ein ganz anderer ist, dass er zumindest so anders ist, wie die platonische Lehre von der Wahrheit im Gegensatz zu einzelnen Fällen der Wahrheit es uns sagt. Das ist etwas Geistiges, etwas das wir nicht körperlich fassen dürfen, wo wir immer konfrontiert sind mit einem Sprung in eine andere Sphäre und gleichzeitig ist das ein Bild, das vom Sprung in die andere Sphäre - abgesehen davon, dass das hier die Erde und der Himmel ist, was man auch nicht sieht - jeweils der Sprung in die andere Sphäre ist kaum wahrzunehmen.

Bild Michelangelo

D.h. dieses Hauptlogo der beginnenden Neuzeit greift die Schöpfung des Christentums, die Trennung zwischen Erde und Himmel auf. Das muss man darin sehen, das kann man darin sehen als Qualitätsdifferenz, um diese Qualitätsdifferenz in der Fingerstellung einfach auch aufzuheben und zu sagen: du musst die Qualitätsdifferenz sehen, du musst aber auch sehen, dass Menschen so sind, dass sie gemeinsam mit Gott ungeniert dargestellt werden können. Es gibt diesen Übergang zwischen der Welt der Sinnlichkeit und des Körpers und der Welt des Geistigen, des Religiösen, des Glaubenden und aufgrund dieses Überganges erhalten die Menschen ihre Würde, die ganze Schönheit und Großartigkeit der menschlichen Körperlichkeit, der menschlichen Figur, die hier ist, wird dadurch unterschrieben , dass jemand, der eine höhere Instanz ist, der ins Leben ruft gleichzeitig auch so ausschaut, wie das, was er da schafft. Wir sind Bilder Gottes.

Bild logitech werbung

Das ist eine Situation, die aufgegriffen wird im Cyberspace. Hier schaut das so aus: Das ist auch noch ein bisschen die Erde und - hier im ganzen Bild sehen Sie es besser - wenn Sie es genau anschauen, gibt es da Menüstrukturen. In Wirklichkeit sind das zweidimensional verfremdete gedrehte und manipulierte Desktopstrukturen, die es hier gibt. Und ich ende vielleicht damit, Ihnen das noch zu sagen: Die Idee, in der Menschen mit ihrer Fingerbewegung die Maus haben und mit ihrer Fingerbewegung die Maus steuern und auf der anderen Seite in den Desktop hineinagieren, welcher Desktop eine neue Form von Wirklichkeit ist anders als die Maus. Das(Cursor) ist das Zeichen der Inkarnation im Rahmen des Cyberspace. Das ist die Repräsentanz meines Fingers in der Welt, die Sie hier finden. Es ist nicht das selbe, aber trotzdem von mir abhängig, also das Hineinagieren über die Schnittstelle, die Sie hier sehen, von einer Körperlichkeit in eine Geistigkeit, die jetzt an der Stelle nicht die Geistigkeit der Religion ist, sondern die Geistigkeit des Bildschirms und über den Bildschirm hinaus gewisser cybertheoretischer Konstruktionen. Das ist die Linie, die ich Ihnen in weiterer Folge noch genauer zeigen möchte. Danke.