Benutzer:Anna/WS08-OSP-E09-19 12 08: Unterschied zwischen den Versionen

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= Open Source Philosophie – Einheit 9: 19.12.2008 =
 
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* Vortragender: Herbert Hrachovec
 
* Vortragender: Herbert Hrachovec
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== Organisatorisches ==
 
== Organisatorisches ==

Version vom 19. Februar 2009, 22:16 Uhr

Open Source Philosophie – Einheit 9: 19.12.2008

Organisatorisches

Die Forderung nach den mp3-Downloads

Ich möchte zu Beginn eine Sache erwähnen, die sich in der letzten Woche entwickelt und auch etwas mit Entwicklungsprozessen gemeinschaftlicher Sachen zu tun hat, wie diejenigen über die wir hier insgesamt reden, und zwar speziell mit dieser handgreiflichen Transkriptionsaktion, welche wir haben und ich für außergewöhnlich und in meiner eigenen Erfahrung als noch nie dagewesen betrachte. Ich habe Ihnen die Mitschrift vom 05.12.08 noch einmal zur Erinnerung projiziert. Es hat mit solchen Initiativen das folgende auf sich, dass, wenn es sie gibt, ist jeder oder sind viele begeistert und wenn dann die Realität gesetzt ist, und diese Möglichkeiten da sind, steigen plötzlich die Erwartungsniveaus. <br\>Ich habe das selber mit dem Streaming und mit dem mp3 Download erlebt und Ihnen auch schon am Anfang der Vorlesung mitgeteilt, dass es das geben wird. Kaum hat man diese Idee gehabt, die mp3s zugänglich zu machen und ist ihr gefolgt, kommen in der zweiten/dritten Woche schon die ungeduldigen Fragen, wo diese sind und dass man sie schon braucht. Etwas das man niemals gehabt hat, womit man nicht gerechnet hat, wird plötzlich etwas, das man gerne hat, und auf die richtige absehbare Art und Weise vorhanden sein soll -und ich rede jetzt nicht darüber, was die Logik davon ist und was man davon meinen soll- aber jetzt ergibt sich mit den Transkriptionen ein ähnliches Szenario.

Die Qualität der Transkriptionen

Ich selber bin bisher einfach davon ausgegangen, dass das wunderschön ist, dass wir solche Transkriptionen haben, dass das gut für Sie ist und dass man damit zufrieden sein kann. <br\> Es haben aber in letzter Zeit einige Leute darauf aufmerksam gemacht, dass, wenn sie sich die Transkriptionen anschauen, diese von unterschiedlicher Qualität sind. Das ist mir auch schon aufgefallen. Das ist aber genau jetzt so eine Beobachtung, die man in unserem Kontext nicht als Konkurrenz im Qualitätskampf betrachten sollte, sondern die sich einfach dadurch ergibt, dass verschiedene Leute an derselben Arbeit dran sind und diese Arbeit zur Verfügung stellen, dass verschiedene Leute mit einem verschiedenen Hintergrund, mit einer verschiedenen Expertise und auch vermutlich mit einem verschiedenen Zeitbudget an diese Arbeit herangehen, und das sieht man einfach. <br\> Das führt dazu, dass einige Fragen deutlich werden, die man explizit machen, zurückspeichern und mit der Bitte verbinden sollte, auch hier weiterzuhelfen. Also auch hier das Prinzip der gemeinschaftlichen Arbeit anzuwenden und die Sachen, die explizit zu machen sind, sind die folgenden: Transkriptionen sind sozusagen nicht Tonaufnahmen und vor allem können Transkriptionen nicht verstanden werden in glatter Analogie zum Überspielen, beispielsweise von einem Tonband auf eine CD oder auf eine DVD, etc. Das würde eine 1 zu 1 Abbildung sein, die man zum Beispiel von einer Maschine in die andere Maschine reintun kann. Transkriptionen sind ein Wechsel des Mediums, vom Gesprochenen zum Geschriebenen und enthalten damit auch eine sehr interessante Lehre über Medienvielfalt. Insbesondere heißt das, dass jemand, der sich hinsetzt und einfach das, was ich hier zum Teil stotternd oder hustend verkünde, getreulich in eine Schriftform bringt, weder mir, noch den LeserInnen, noch der Schrift was Gutes tut. Hier muss ein Filter eingebaut werden. Alle Transkriptionen haben das auch aufgegriffen. <br\> Der Andreas Kirchner hat das auch in den ersten beiden Transkriptionen ausgesprochen vorbildlich gezeigt, dass es zum Beispiel Überschriften geben soll und muss, weil ich hier nicht mit Überschriften arbeite, aber für das Lesen einer solchen Sache Überschriften mehr oder weniger unerlässlich sind. Sie kennen vielleicht mittelalterliche Korpora Texte, die völlig ungegliedert sind und über Seiten lang dahingehen, und das wollen wir doch jetzt hier nicht zum Vorbild machen, es gehören also Gliederungen. Und es heißt auch so, dass im Redefluss manches einmal schief geht, manche Sätze hängen bleiben, manche Erläuterungen ein bisschen umständlicher ausfallen oder bezogen sind auf die jeweiligen Situationen, die in der Schrift dann nicht so rüber kommen. <br\> Kurz um, es gibt hier einen großen Reorganisationsbedarf in den Transkriptionen und ich wollte Ihnen das an diesem Beispiel hier eben zeigen; an der Transkription vom 05.12.08. Hier hat sich der Andreas Kirchner ein bisschen hilfreich betätigt. Ich zeige Ihnen einmal den Vergleich, da können Sie auch eine neue Option vielleicht für Sie im Media-Wiki entdecken. Sie können Änderungen und Seiten vergleichen die auch möglicherweise zeitlich auseinander liegen. Das hier ist die letzte Version vom 17. Dezember und ich vergleiche sie mit der gegenwärtigen aktuellen Version und hier sehen Sie zum Beispiel, was meinem doch etwas stotterndem Text: Das "First Monday" gibt’s seit 1999 in etwa und ist im Prinzip eine online, eine freie Zeitschrift, in der entscheidende, wichtige Beiträge zur Open Source Entwicklungsthematik finden lassen, folgt. Da fehlt ein sich wahrscheinlich. Das sich fehlt vermutlich in meiner Darstellung. Man sollte es eben aber freundlicherweise in der Transkription mit hineinschreiben. Der Herr Kirchner hat aus dieser Transkription was Lesbares gemacht. Er hat die Aufzählung der unterschiedlichen Artikel eben hier entsprechend strukturiert und verlinkt, so dass man das hier sehen kann und das ist einfach unterschiedlich von dem, wie es zu dem vorherigen Zeitpunkt war. Das war einfach unschön, es ist jedoch leicht es schöner zu machen. <br\> Also ich bitte Sie, wenn Sie selber eine Transkription gemacht haben, diese noch einmal mit dem Augenmerk darauf durchzuchecken, und vielleicht auch, wenn Sie sich in der Weihnachtsferienzeit auf die Prüfung am Ende des Jänners vorbereiten und solche Sachen finden, das auch selber auszubessern. Ich glaube, es ist nicht nur eine rein technische Bemerkung.

Nur eine formale Geschichte?

Da bin ich an einer Stelle, die ich mehrfach schon erwähnt habe. Man könnte natürlich der Auffassung sein, dass die Tatsache, ob das jetzt in einem großen Blockparagraphen steht oder ob es in einer schönen Listenpräsentation ist, für den Inhalt nicht soviel ausmacht. Das ist aber nicht einfach eine formale Geschichte. Das ist einfach eine formale Geschichte ist irgendwie so hochnäsig, wie wenn man sagt, ein Programm ist ein Programm, egal ob ich jetzt eine gute Bedienungsanleitung habe oder nicht. Es stimmt wohl, dass Leute, die wissen worum es geht und einen entsprechenden harten Willen haben, sich auch ohne Bedienungsanleitung in einem Programm irgendwie zurechtfinden können, aber die Effektivität des Programmes, der Benutzung, der gesamten Geschichte und auch der Rückmeldungen, wird nicht unwesentlich beeinflusst von solchen Effekten. Schärfer noch gesagt, man kann eben nicht genau zwischen den essentiellen und den peripheren Effekten in solch einem Fall unterscheiden. Es ist in der Logik von Gemeinschaftsproduktionen, die mit unterschiedlichen Niveaus und unterschiedlichen Fähigkeiten arbeiten, dass hier durch Neues in Gebrauch nehmen überraschende Effekte entstehen können, und dass die Möglichkeit neuer Verwendungsweisen dadurch gesteigert wird, dass so etwas zugänglicher gemacht wird ist, so glaube ich, einsichtig. Soviel zu den Transkriptionen.

Kurze Wiederholung der letzten Vorlesung am 05.12.08

Audio:
1.Teil: http://audiothek.philo.at/fileadmin/mp3/Open_Source_Philosophie08a.mp3
2.Teil: http://audiothek.philo.at/fileadmin/mp3/Open_Source_Philosophie08b.mp3
und Transkript: http://philo.at/wiki/index.php/Benutzer:Smarti/WS08-OSP-E08-5_12_08#Open_Source_Philosophie_-_Einheit08:_5.12.2008

Ich komme jetzt zu dem Thema des heutigen Vorlesungsprogramms und erinnere daran, dass der letzte Punkt Theoretisches Potential war. Ich hatte die Open Source-Bewegung kurz auch länger skizziert, ich bin dann auf die Stallman/Raymond - Debatte eingegangen und ich habe das letzte Mal dann eine ganze Reihe von Artikeln ins Gespräch gebracht, in denen mal deutlich wird, was da alles angestoßen wird, und die Diskussion das letzte Mal war an der Stelle, so glaube ich, auch sehr hilfreich, um solche Punkte wie User Innovation und Partizipationnoch deutlicher zu machen.

Die Ökonomie

Als vorletzten großen Inhaltsblock dieser Vorlesung möchte ich Ihnen Bereiche kurz vorzustellen, in die hinein diese Entwicklungen wirken, die andererseits von sich selber her auch schon mit ähnlichen Problemen beschäftigt und die in bestimmten Fachdisziplinen zugespitzter sind, sodass Sie sehen können, in welche möglichen Richtungen dieses theoretische Innovationspotential zu spezifizieren ist, wenn man sich tiefer in die Sache hineinarbeitet. Und für heute soll das die Ökonomie sein. Vorgesehen sind dann noch, der Eigentumsbegriff, also die Eigentumsordnung Copyright, Patente und Innovationsforschung. Diese drei Sachen will ich ansprechen.
Und für die Ökonomie möchte ich zwei repräsentative Positionen aus den unterschiedlichen ökonomischen Traditionsrichtungen vorstellen. Das eine aus der Richtung der politischen Ökonomie, die sich über Adam Smith, Marx kritischer Theorie in eine gegenwärtige Diskussion der Wissensgesellschaft fortentwickelt hat, das ist hauptsächlich Andre Gorz und das ist -also wenn sie wollen- der linke Zweig der Ökonomie, der auf eine sehr aufgeschlossen positive Art und Weise diese Impulse der Open Source Bewegung aufgegriffen hat. <br\>Das ist mir besonders wichtig, Ihnen gleich jemanden anderen zu präsentieren, der nur für Fachökonomen in bestimmten Zusammenhängen eine bekannte Person ist, der sonst in der Philosophie keine Rolle spielt, der aber Beiträge geleistet hat, die an vieler Stelle analog zu dem sind, was der Andre Gorz geschrieben hat und der aus dem sogenannten neoklassischen Ansatz kommt, der also zur Hälfte Mathematik und zur anderen Hälfte analytische Theoriebildung ein Vertreter der Grenznutzenwert der Lehre Paul Romer ist. Die Beiträge, die er ebenfalls über das gegenwärtige Wirtschaftsystem unter dem Aspekt von Ideenproduktion als Wirtschaftsfaktor vorgelegt hat, diese Beiträge möchte ich Ihnen als zweites vorstellen, um Ihnen also von diesen beiden Flanken her, einen Eindruck zu vermitteln, welche Aussichten man unter diesen beiden Aspekten gewinnt.

Adam Smith: Die klassische Ökonomie

Die erste Sache ist Andre Gorz, also ein kleines Büchlein das er geschrieben hat: 2004; „Wissen, Wert und Kapital. Zur Kritik der Wissensökonomie“, das ist sein letztes Buch, da er, so glaube ich, vergangenes Jahr, mit seiner Frau Selbstmord begangen hat. <br\>Um das zu verstehen, was er macht ist es sinnvoll, eine kurze Rückblende zu machen, und auf die Basics der klassischen Ökonomie von Adam Smith einzugehen, die sich als Beschreibung der Entwicklung des kapitalistischen Systems in Großbritannien ausnimmt. Die Ausgangsvoraussetzungen für die Explosion ökonomischer Produktivkraft, die uns letztlich in der Neuzeit den Kapitalismus gebracht hat, ist die Beobachtung, dass man dazu die folgenden Ingredienzien braucht: man braucht Land, man braucht Arbeitskraft und man braucht Kapital. Es lassen sich soziale Größen finden wie der Adel, der über Ressourcen verfügt, wo er einerseits Bodenschätze aus dem Land haben und wo er Fabriken hinbauen kann, er legt diese Fabriken so an, dass eine Arbeitsteilung eingeführt wird und in dieser Arbeitsteilung -das sind die Analysen von Adam Smith - in solchen Fabriken wird durch die Segmentierung von bestimmten Arbeitsschritten und durch ihre Mechanisierung und ihre Verteilung auf verschiedene Leute ein viel höherer Output erzeugt. Es kann also mehr produziert werden, wenn Arbeiter dazu gebracht werden, mithilfe von Maschinen die verschiedenen Teile halbautomatisch zu erzeugen, und damit einen zusätzlichen Wert zu erzeugen und dieser zusätzliche Wert ist dann das, was von den Kapitalisten abgeschöpft wird. <br\>Diese Erinnerung an den Adam Smith-Ansatz habe ich jetzt deswegen reingebracht und ist notwendig, weil es in diesem Ansatz hauptsächlich um greifbare Werte geht. Also Land, Kapital und Arbeitskraft, menschliche Arbeitskraft, die einzelne menschliche Person, die dort aufmarschieren muss, die dort verfügbar ist, das sind alles Sachen, die man in eine Liste schreiben kann, die man quantifizieren kann, die man in einer Kalkulation wie viel man investieren soll, einigermaßen gut behandeln kann.

Intelectual Capital- Die geistige Kapazität macht den Wert aus

Das sagt jetzt noch nicht der Andre Gorz, aber das sag ich, als ein Zwischenschritt, um dort hinzukommen, wo er beginnt, das führt dazu, dass sich in unseren klassischen ökonomischen Betriebsaufstellungen, Bilanzen, Abrechnungen, etc., zeigt, dass eine Firma, wenn sie zum Beispiel an die Börse geht, sich so ausweist: Wir besitzen so und so viele Fabriken, wir besitzen so und so viele Häuser, wir haben diese und jene Materialien aufgestapelt, sozusagen unser Eisenbestand oder Papierbestand, wenn es eine Papierfabrik ist, etc. (was immer der Rohstoff ist), der ist so und so, und dass können wir in der Weise taxieren, und der Wert der Firma ergibt sich dann aus den ausstehenden Rechnungen, aus den Schulden und aus dem Wert des ganzen Betriebsvermögens, was die Firma hat, eben inklusive dessen Werts, woraus die Firma ihre Produkte macht.
Das ist schön und gut, und hat im gegenwärtigen Zustand der letzten 20 Jahre zu einer ausgesprochenen Anomalie geführt. Wenn Sie jetzt nicht General Motors oder General Electric oder Coca Cola vor der Krise -das sind die Firmen, von denen ich hier geredet habe- nehmen, sondern solche Firmen wie Microsoft, oder Sun, oder Siemens und mal schauen, wie diese Firmen ihre Bilanzen legen, und wie die bewertet werden auf der Börse: Das ist ein völlig positivistischer, purer Hinblick auf das, wie es mit solchen Firmen ausschaut, es stellt sich nämlich heraus, dass eine Firma wie Microsoft einen gigantisch hohen Wert im Vergleich zu einem Betriebsvermögen, einem greifbaren Betriebskapital hat, das gänzlich vielleicht lächerlich ist, im Vergleich zu General Motors, oder einer anderen Firma, die Waschmaschinen erzeugt, etc. Das wiederspricht der Logik vom Adam Smith, in einer relativ deutlichen Art und Weise. Bei Microsoft haben Sie nichts. Sie haben natürlich in Redmond ein wahrscheinlich sehr schönes schlossartiges Betriebsgelände, aber das ist gänzlich lächerlich im Wert zudem, was die Firma wert ist. Und die Frage stellt sich jetzt: Warum ist die Firma verdammt so viel wert? Wo kommt der Wert her? <br\>Sowas ist nicht vorgesehen, von Adam Smith. Das ist nicht etwas, was sich sozusagen an Produktionseinheiten messen lässt. Der Terminus der Antwort ist einfach; man spricht eben von „Intelectual Capital“, Wissenskapital, Potenzial zur Erzeugung von Produkten, das ist das, worum es da geht. Die Kenntnis eines Betriebssystems - wie Microsoft es besitzt - so umsetzen zu können, dass man weiß, dass es sich millionenmal verkaufen wird. Diese Kenntnis ist es, was die Firma so wertvoll macht. Also eine geistige, nicht eine materielle Kapazität.

Die treibenden Faktoren der Wirtschaft in einer postindustriellen (Wissens-) Gesellschaft

Und das wiederum hängt damit zusammen -da komme ich jetzt zum nächsten Schlagwort, das in ganz anderen Beobachtungszusammenhängen auch schon deutlich ist- dass wir in einer Postindustriellen Gesellschaft leben, das heißt in einer Gesellschaft, in der es nicht mehr darum primär geht, das wir Hochöfen und andere große rauchspuckende Produktionsstädten haben, die viel Beton, Zement und anderes produzieren, sondern dass die treibenden Faktoren unserer Wirtschaft die sind, die mit kognitiven Kapazitäten zu tun haben, die mit Veränderung, mit neuen Produkten, mit besseren Produkten, mit Kommunikationsformen zu tun haben, entscheidend viel natürlich mit Internet- und auch Softwarekompetenz. Und alle diese Kapazitäten sind nicht in der konventionellen Weise erfassbar. Und in sofern ist die Wissensgesellschaft -als der Rahmen; als das Ambiente, in das hinein jetzt wirtschaftlich zu produzieren ist- das Environment, in dem wir zu wirtschaftlichen Analysen auch hineinzupassen haben.

Einwand: In Hinblick auf die Gewinnerwartung: Vergleich von geistigen und materiellen Potenzial möglich

„Man kann aber, glaube ich, schon wieder diese Unternehmen vergleichen. Also wenn man jetzt einfach sagt, der Börsenwert ergibt sich aus einer Gewinnerwartung heraus und es spielt halt keine Rolle, was da jetzt dahintersteckt. Sozusagen die Aktionäre, die erkennen das geistige Potenzial eben genauso an, wie das materielle und wenn man einfach von Gewinnerwartung spricht, dann kann man die beiden trotzdem ganz gut vergleichen.“

  • Paul Romer: Das Mirakel des Marktsystems

Selbstverständlich, Geld kommt in beiden Fällen raus. Was das Schöne an der Ökonomie als theoretische Wissenschaft ist, ist nicht einfach die Beobachtung des Börsengeschehens, sondern die stellen sich so eine Frage, wie: Wir haben in der Industriegesellschaft bestimmte Formeln und bestimmte theoretische Ansätze gehabt, die uns gestattet haben, vorauszusehen bzw. vorauszusagen, unter welchen Umständen Preise zum Beispiel entstehen, wie Preise funktionieren; und diese Umstände funktionieren jetzt nicht mehr ganz so.

Ich werde beim Paul Romer dann weiter unten noch drauf kommen, der sagt eines und das ist sozusagen ein wunderschönes Beispiel für das, was Sie auch ansprechen, glaube ich: Die Schönheit der klassischen Theorie des Marktes, der durch Preise reguliert wird, ist die, dass ein Preis zwei Aufgaben gleichzeitig erfüllt. Und zwar nehmen wir einen Bauern, der sich fragt, ob er Weizen oder Soja anbauen soll. Dann schaut sich der Bauer an, wie viel kostet der Weizen am Markt. Je nachdem wie viel der Weizen am Markt kostet, entscheidet er sich, ob sich das auszahlt für ihn. The miracle of the market system is that for objects, especially transformed objects, there's a single price which does two different jobs. It creates an incentive for somebody to produce the right amount of a good, and it allocates who it should go to. Er macht hier einen Unterschied zwischen Ideen und Objekten. Ideen sind diese geistigen Inputs in dem Wirtschaftsprozess. Also die Produktion der Ware in der richtigen Menge und die Verteilung der Ware, auf diejenigen, die es sich, unter den jeweiligen gegebenen Umständen leisten können, werden durch den Preis reguliert. A farmer looks at the price of a bushel of wheat and decides whether to plant wheat or plant corn. The price helps motivate the production of wheat. On the other side, when a consumer has to decide whether to buy bread or corn meal, the price allocates the wheat between the different possible users. One price does both jobs, so you can just let the market system create the price and everything works wonderfully. Er nennt es also ein bisschen ironisch auch das miracle, aber im Prinzip verstehen Sie, worum es geht. Sie wissen, was Sie sich leisten können. Und diejenigen, die das produzieren, was sie gerne haben wollen, orientieren sich in der Entscheidung über die Menge, dessen was sie produzieren, an dem was sie sich leisten können. Und in dem Moment, in dem überproduziert wird, sinkt sozusagen der Preis, die Menge derjenigen Personen, die sich das leisten können, steigt, aber die Frage ist offen, ob bei gesunkenem Preis die Produzenten noch immer bereit sind, das zu produzieren. Wenn sie das nicht sind, dann werden sie aufhören zu produzieren, damit steigt der Preis wieder. Das sind die schönen Hydraulik Voraussetzungen in der klassischen Ökonomie.

  • Die Folgen und der Wert einer „kostenlosen“ Idee

Und der Punkt ist jetzt der, worauf der Romer hinweist, dass das nicht mit Gedanken und Ideen geht, weil der wesentliche Faktor ist der, dass es die Knappheit nicht gibt. Was wir das letzte Mal angesprochen haben, schon als die non rival, non excludable-Kategorie, also ich kann eine Idee mit vielen anderen teilen, und ich kann auf die Dauer nicht verhindern, dass die Idee sich verbreitet und überspringt. Ich kann sie nicht gänzlich für mich selber reservieren. Das führt dazu, dass es an dieser Stelle keinen abnehmenden Ertrag gibt, der eine Sache weniger und weniger effektiv macht, je mehr ich das pusche -eine Idee kann ich vergleichsweise unbeschränkt in die Welt verkünden, das kostet nicht mehr, wenn ich beispielsweise die Erdölförderung ansehe-, dann ist es so, je mehr Erdöl ich haben möchte, desto teurer wird auf längere Zeit dann auch die Fördermethode. Also wenn ich die simpelsten Methoden, Erdöl zu bekommen ausgeschöpft habe, dann stehen mir immer weitere, teurere Mittel zur Verfügung, das heißt die nächsten und nächsten und nächsten Tonnen Erdöl werden immer teurer. Die Idee des Neoklassizismus ist ja unter anderem, die, dass dort an der Stelle wo jedes nächste Unit teurer wird, irgendwann einmal in diesem Bereich die Entscheidung fällt, dass sich das nicht mehr rentiert. Und damit wird Erdöl nicht mehr produziert, weil es zu teuer ist, um auf dem Markt unter zu kommen. <br\>Die Besonderheit von Ideen ist, das sie das nicht haben. Und da bringt Romer jetzt das wunderschöne Beispiel der Oralen Rehydration. Das ist eine simple chemische Entdeckung für Durchfall. Es ist wichtig und interessant, vor allem für Kinder in Afrika, wenn du ein vom Durchfall geplagtes Kind hast, dann ist es praktisch tödlich, wenn du ihm was zu trinken gibst. Man hat herausgefunden, dass ihm mit einer Lösung im Prinzip von Salz und Zucker, also wenn man statt nur Wasser zu geben, in das Wasser komplett simple, billige Chemikalien in dieses Wasser reintut, dann entsteht der negative Effekt nicht, und die Kinder überleben. Also als ein wirklich klassisches Beispiel dafür, dass eine simple Idee, die anzuwenden praktisch nichts kostet, eine riesige Menge von positiven Effekten hat und zahllose Leben rettet. <br\>Und wenn man sich jetzt das ansieht, -das ist weit weg von Adam Smith, ja, das ist nichts, was in der klassischen Ökonomie je besprochen worden wäre-, aber was deswegen in der Ökonomiejetzt eine Rolle spielt und wichtig wird, weil die Einsicht darin, dass wir als Wirtschaftsfaktor Ideen haben, die jetzt funktionieren, das ist ja ein großer Wert für eine Volkswirtschaft, wenn die Kinder nicht sterben, und dieser Wert sind nicht die Tabletten, die Anti-Aids Tabletten, zum Beispiel, die ja eine eigene ökonomische Logik haben. Es ist nicht der Wert, des Hausbaus und solcher materiellen Werte. Man kann natürlich sagen, Kinder sterben auch weniger, wenn das Sanitätssystem funktioniert, wenn es die nötigen hygienischen Voraussetzungen gibt, und so weiter. Das sind eher diese handfesten Sachen, aber an dem Beispiel ist deutlich; sie sterben einfach deswegen weniger, weil jemand die richtige Idee gehabt hat.

  • Wer hat eine „nicht-profitgewinnende“ Idee?

Das ist jetzt das Resultat dieser langen Auseinandersetzung und die Frage ist jetzt: was ist diese Idee wert? Ich finde das so attraktiv, die Wirtschaft hier mit rein zu nehmen, weil es so ein reality-check ist, weil man normalerweise als Philosoph in einer Welt lebt, wo man sagt: ja Ideen sind großartig, aber Kosten sind gerade deswegen großartig, sie hängen deswegen mit der Wirtschaft nicht zusammen, Wirtschaft ist ganz was anderes, die rechnet nach Börsenberichten. In diesem Kontext kann man das sozusagen aneinander testen und -das ist jetzt der Punkt, warum ich jetzt darauf gekommen bin als Antwort Ihrer Frage, es gibt hier nicht einen Preis, der den Effekt hat, dass solche Ideen erzeugt werden und gleichzeitig den Effekt hat, dass die Leute diese Ideen verwenden, weil in dem Moment, in dem es da ist, verwenden es alle, oder können es alle verwenden, die es brauchen, weil es praktisch nichts kostet. Aber wenn es nichts kostet, wer hat die Idee? Wenn man eine Vorstellung davon hat, dass solche Ideen erzeugt werden sollen, dann ist das vom ökonomischen Standpunkt her quasi nicht realistisch zu sagen, dass die nur aus großer Freundlichkeit der Menschheit gegenüber erzeugt werden. Also ökonomisch werden sie nur erzeugt, wenn ein Profit drinnen ist. Und das würde einen Preis einen sehr hohen Preis implizieren, der aber wiederum kontrastiert mit dem, dass die Leute sich das dann gar nicht leisten können, wie man bei Aids sieht.

Einwand: Thomas Pogge: Die Idee des Health Impact Fund

"Also dazu vielleicht ein Hinweis, ich war bei dem Vortrag von Thomas Pogge wo es genau um diese Problematik gegangen ist, eben wie man Pharmakonzerne motivieren kann, Sachen zu erfinden und auch herzustellen, die im Endeffekt dann keinen hohen Preis und einen hohen Impact, also diesen Health Impact haben. Und von wem das gefördert wird, oder wie man das verhindern kann, dass das nicht leistbar für die Menschen ist.
Er hat ein Programm, er nennt das 'Health Impact Fund', das ist ein riesiger Fond, wo jetzt in erster Linie die reicheren Länder der Erde einmal einzahlen sollen. Es werden dann sozusagen Projekte gefördert, weil die Pharmaindustrie irrsinnig lange Zeiträume hat, wo sie ein Produkt oder ein Medikament entwickelt, und es wird Geld für Medikamente zur Verfügung gestellt. Die haben eine ganz bestimmte Methode erfunden, um eben diesen Impact zu messen. Nämlich zum Beispiel Krankheiten, die vernachlässigt werden, oder das es konkrete Auswirkungen hat, dass die Leute das Medikament dann auch bekommen bzw. dass es eben auch ankommt. Es gibt da so einen Kriterienkatalog, den dieses Medikament dann erfüllen muss, damit diese Firma über diesen Fond das Geld wieder zurück bekommt. <br\>Das ist hier die Idee. Also eine gemeinschaftliche Förderung von Medikamenten, die jetzt vielleicht nicht unbedingt so produziert werden würden, weil sie eben zu wenig Profit abwerfen."

  • Mir ist natürlich auch der Pogge-Vortrag aufgefallen; ich konnte nicht hinkommen.

Die Idee und ihre Belohnung

Also die Konsequenz vom Romer ist hier jetzt dann auch vorhersehbar. So what price should you charge people for using it? Und wir können -wenn wir sozusagen dabei sind- dieses Kapitel vorwegnehmen, weil wir hier jetzt eben extra auch den Verweis auf das, was ich das letzte Mal erwähnt habe, auf die tragedy of the commons, haben. Jeder kann die Idee zur selben Zeit verwenden. Darum gibt es keine tragedy of the commons im intellektuellen Bereich. Es gibt kein Problem der Übernutzung einer Idee. Wenn man eine Idee frei zur Verfügung stellt, hast du keines von den Problemen, die du hast, wenn du Objekte frei zur Verfügung stellst. Das effektive Verfahren für eine Gesellschaft ist es, wirklich eine hohe Belohnung für Wissenschaftler zur Verfügung zu stellen, die so etwas, wie die Orale Rehydrationstherapie entwickeln. Aber dann passiert das Folgende: But then as soon as we discover it, we give the idea away for free to everybody throughout the world and explain "Just use this little mixture of basically sugar and salt, put it in water, and feed that to a kid who's got diarrhea because if you give them pure water you'll kill them." So with ideas, you have this tension: You want high prices to motivate discovery, but you want low prices to achieve efficient widespread use. You can't with a single price achieve both, so if you push things into the market, you try to compromise between those two, and it's often an unhappy compromise.<br\>In diesem letzten Satz ist viel von dem, worüber wir uns jetzt beschäftigen, mit enthalten. <br\>Wenn man das jetzt auf Linux und auf die Open Source Entwicklungen bezieht, kann man sagen, die Entwicklung -die ich nachgezeichnet habe, wie es dazu gekommen ist, dass so ein Betriebssystem oder auch ein einzelnes Programm in dessen Rahmen erzeugt worden ist-, hat auf dem Ideenbereich stattgefunden. Sie hat nicht diese Form von materiellen Ressourcen gebraucht. Das ist ein wesentlicher Punkt einer Netzgesellschaft, dass in der Internetgesellschaft die Kommunikationskosten und Planungskosten für solche Prozesse drastisch minimiert werden. Es ist nicht nur so, dass es Güter sind, die nicht aus Materialien bestehen, sondern aus Strukturen. Sondern die Entwicklung dieser Strukturen wird wiederum durch Informationsstrukturen die keine Flugreisen oder sonstige Sachen brauchen praktiziert, weil das jeder zu Hause machen kann. Alles das liegt im Ideenbereich, hat aber damit ein Gut von hohem Wert für die Gemeinschaft erzeugt, dass die Leute, die das erzeugt haben, eigentlich mit einer großen Belohnung ausgestattet werden sollten. Das ist ja etwas, wovon viele Leute sehr sehr viel haben. Worin liegt jetzt diese Belohnung? Worin liegt die Belohnung ist die große Gretchenfrage, die Ökonomen an die Open Source Bewegung stellen; wie gibt es das, dass Leute ein solches Produkt erzeugen, ohne dass sie dafür bezahlt werden? Das ist natürlich etwas, was die Ökonomen sehr interessiert. Das darf es ja eigentlich nicht geben. Das ist irgendwie eine Jungfrauengeburt. Und hier gibt es schon mittlerweile eine ganze Reihe von Untersuchungen.

Lerner/Tirole: The Simple Economics of Open Source

Die erste Untersuchung, die da prominent geworden ist, ist die von Josh Lerner und Jean Tirole: The Simple Economics of Open Source, wo sie sich das einmal ein bisschen genauer anschauen und einen sehr differenzierten Befund vorschlagen, was für Motive es da überall gibt, dass sich das doch auszahlt. Es gibt also genügend Konstellationen und genügend Interessen, die damit im Spiel sind, die erklären können, warum Ideen, wenn ihre Produktion sozusagen vergleichsweise doch ziemlich billig und auch obwohl ihr Wert vergleichsweise hoch ist, dann produziert werden. Aber das wollte ich jetzt hier so nur nebenbei ansprechen.

Markteinführung und Patentschutz billiger geistiger Produkte

Das zweite, was eben auch für Open Source eine Rolle spielt ist, wenn ich jetzt diese hochwertigen und billigen geistigen Produkte habe, dann ergibt sich auch die Frage: Wie werden die in den Markt eingeführt? Wie funktioniert das, wenn die in eine Marktsituation eintreten, die nun genau die Eigenschaften (nämlich dass da was gezahlt und Geld verlangt wird) haben. Und das ist der Punkt, den der Romer hier anspricht mit dem unhappy compromise. <br\>Auch ein Punkt der angesprochen wird, ist natürlich der mit den Pharmafirmen, um auf das nochmal zurückzukommen. Denn die Sache ist klar, bei den Pharmafirmen handelt es sich auch um sowas ähnliches wie die Geschichte mit dem Salz und dem Zucker, weil nämlich, wenn man die Tabletten im Einzelnen anschaut, und schaut, was da drinnen ist, dann sind das chemische Bestandteile, die nicht im Entferntesten das wert sind, was für die Medikamente zu zahlen ist. Und man hat an dieser Stelle eben greifbar die Situation, dass man Wissen zahlt. Aber ein Wissen, dass im Fall der Pharmafirmen, anders als bei Open Source, eben beansprucht wird als Cash Cow, dass das Geld reinbringen soll und von der Gesellschaft durch Patente geschützt wird. Insbesondere, da sind wir dann beim Thema von nächsten Mal, also die Eigentumsrechte; -um es an der Stelle nochmal so zu sagen, und um Paul Romer aus einem anderen Artikel zu zitieren-: Geistige Werte haben die Qualität der non-rivalness, und der teilweisen Ausschließbarkeit: partial excludability. Also Ideen sind einerseits teilbar, und andererseits nur teilweise privatisierbar bzw. bei sich zu behalten. Und er sagt in diesem Artikel, dass die Qualität der non-rivalness an der Sache selber liegt, das liegt am Unterschied zwischen Materie und Ideen, das haben Ideen einfach so. Die excludeability hat etwas mit sozialen Regelungen zu tun. Zum Teil ist die non-excludeability natürlich auch eine Beschaffenheit von Ideen als kognitive Produkte, die sich einfach fortpflanzen; aber diese Fortpflanzung findet unter bestimmten gesellschaftlichen Kontexten statt. Und diese gesellschaftlichen Kontexte sind durch das u.a. Patentwesen gekennzeichnet. Warum haben wir das Patentwesen? Weil so jemand wie ein Erfinder an die Gesellschaft tritt und sagt: Ich bringe euch etwas Gutes, ich mache für euch etwas, womit viele Leute gesund werden können bzw. woran viele Leute Freude haben. Das heißt, ich verbessere euer Leben, aber ich sage euch eines: Ich möchte dafür schon auch eine einen Nutzen haben. Und das heißt, ich hätte das gerne als Patent, die ersten zehn Jahre, oder wie lange das ist, bin ich der Einzige, der das machen kann. Ihr bekommt es, aber nur, wenn ihr mir garantiert, dass die anderen es nicht machen dürfen.

  • Die Idee als Wirtschaftsgut

Die für materielle Wirtschaftsgüter selbstverständliche Knappheit (Holz, Erdöl,…) gibt es nur in bestimmten Dosen. Bei Ideen, Vorschlägen,… -insbesondere Ideen- gibt es diese selbstverständliche Knappheit nicht; diese Knappheit wird künstlich hergestellt. Und zwar dadurch, dass man den anderen Leuten verbietet, das zu machen. Das man den anderen Leuten verbietet, diese Ideen anzuwenden. Damit macht man aus der Idee ein Wirtschaftsgut. Und Wirtschaftsgüter sind sozusagen nur machbar auf der Basis von Mangel. Weil nur dann, wenn es zu wenig davon gibt, kann man es um einen Preis anbieten und verkaufen. Und damit hat man einen Preis für eine Idee.
Und die damit verbundenen Probleme, werde ich das nächste Mal vielleicht auch noch dann länger beschreiben. Hier wollte ich nur sagen, das ist einer der Gründe, warum das sogenannte geistige Eigentum, das Patentwesen, eine derartig zunehmende Bedeutung im Rahmen der Wissensgesellschaft bekommt, weil es darum geht, die intellektuelle Produktion, an der der Wirtschaftsfortschritt hängt, in ein ökonomisches System einzubauen, das verantwortlich ist, derer Volkswirtschaft. <br\>Als kleine Nebenbemerkung möchte ich mal sagen, dass der in der Philosophie oft genannte Vorwurf des ökonomistischen Denkens, dass die ökonomische Betrachtungsweise pragmatistisch ist und nur etwas mit Geld, Zahlen und mit Profit zu tun hat, ausgesprochen kurzsichtig ist und eine Handelsmentalität mit dem verwechselt, was in der Ökonomie versucht wird: in der Volkswirtschaftslehre geht es darum, nach bestimmten Prinzipien Gedanken darüber zu produzieren, was das Allgemeinwohl bzw. Volkswohl ist, und wie bestimmte Interventionen gesetzt werden müssen, damit für die gesamte Bevölkerung etwas Produktives herauskommt. Es ist nicht die Aufgabe der ökonomischen Theorie, sich mit Maximierungsbedingungen für Kapitalisten zu beschäftigen.

Einwand: Die Problematik beim Ideenmarkt

"Also ich möchte zwei Sachen zu diesem Ideenmarkt anmerken, den Sie angesprochen haben. Also zum Ersten glaube ich, dass es da eine große Problematik bei diesem Ideenmarkt gibt, was eine gewisse Blasenbildung anbelangt. Also das Ganze wird gefüllt mit, im Endeffekt, mit nichts und wird aufgeblasen. Teilweise gründet sich ein ganzer Industriezweig auf solchen Ideen, der innerhalb von kürzester Zeit wieder verschwinden kann. Diese Blase kann ganz schnell platzen, weil kein Inhalt da ist; keine Substanz da ist. Es bilden sich beispielsweise irgendwelche Firmen, die Klingeltöne für Handys oder irgendwelche Handyspiele entwickeln, und sie sind dazu verurteilt, kurzlebig sein zu müssen. Es ist auch diesen Firmen im Vorhinein klar. Und dahingehend sehe ich ein Problem.
Das zweite ist vielleicht ein bisschen zynisch. Diese Idee mit dem Durchfallmittel war vielleicht nur ein Marketinggag von irgendwelchen Zucker- und Salzherstellern. Man kann ja nie wissen, wer dahintersteckt."

  • Die Idee des one-click-Shops: patentierbar?

Die Blasen sind, glaube ich, völlig real; das ist richtig. Das ist aber ein peripheres Phänomen und nicht das zentrale Phänomen. Es gibt einen Unterschied zwischen der gloriosen Idee, Klingeltöne zu produzieren, und der Idee, (um etwas zu nennen): Wenn man bei Amazon, etwas bestellt, wird gleichzeitig aufgerufen: Leute die dieses Buch gekauft haben, haben auch dieses Buch gekauft. Wenn Sie bei Amazon ein Buch bestellen, kriegen sie sozusagen zur Ansicht und zur Orientierung die Interessen von Leuten, die so eine ähnliche Kaufentscheidung schon getroffen haben. Das ist eine klassische Idee. Diese Idee ist ein sehr schönes Beispiel. Das ist nichts als eine Idee. Das kostet praktisch gar nichts, und ich bin überzeugt, dass das das Geschäftseinkommen von Amazon bedeutend multipliziert. Für nichts. Also was heißt für nichts? Für ein paar zusätzliche Datenbankabfragen. Ich habe ja die Sachen sowieso in meiner Datenbank. Ich meine, Goggle AdSense ist ja so ein ähnliches Problem, aber ich habe das alles in meiner Datenbank und ich brauche das nur zur richtigen Zeit an der Stelle noch einmal zu produzieren, das ist alles vorhanden, das wird hier drauf gemacht und die Person sieht das, -also sie kann es auch völlig ignorieren-, aber es ist einfach eine neue Form dessen, dass man in eine Buchhaltung geht und dort unter F wie Franz Faneau nachschaut und dann sieht man noch zusätzlich alle Bücher von Franz Faneau oder über Franz Faneau. Und wenn man schon dort hinschaut und einmal Franz Faneau angeschaut hat, dann nimmt man vielleicht das nächste auch dazu. <br\> Diese Idee nur viel viel breiter, -in einer Buchhandlung ist das lächerlich begrenzt, nach den Kategorien, die dort vorgegeben sind- also das als Angebot an die KonsumentInnen zu machen, ist ein wirkliches geschäftspolitisches Meisterstück und kostet nichts und man kann sich sozusagen die Frage stellen: Ist so etwas patentierbar? Und da gibt es sofort Diskussionen. Der one-click-Shop - ist das patentierbar? Und an der Stelle sieht man auch sehr gut, dass das nun echt nicht patentierbar ist. Das ist eine Idee, das kann jemand anderer auch machen. Das ist ein typischer Fall von non-excludeability. Non-rival und non-excludeable. Und aber viel Cash wert. Das würde ich als die zentrale Sache nehmen, also ich leugne nicht die Bubbles, aber das sind, glaube ich, obwohl es geistige Sachen sind, schon substanzielle.

  • Effekt bleibt gleich: für wenig Geld, ein hoher Wert

Und mit der zynischen Bemerkung würde ich sagen -ich weiß nicht, selbst wenn das der Fall und somit ein Werbegag ist-, ist eigentlich der Effekt damit nicht abgewertet. Weil wenn es so ist, dass man ein komplettes Hausmittel verwenden kann, -früher hat man dazu Hausmittel gesagt dazu-, dass jemand ein solches Hausmittel verwenden kann, um tatsächlich den Durchfall eines Kindes zu heilen, dann bleibt, glaube ich, der Punkt nach wie vor vertretbar, das damit für praktisch kein Geld ein hoher Wert erzielt ist. Wenn ich jetzt ihren Einwand richtig verstanden habe.

Diskussion: Ökonomische Wachstumstheorie
  • Einwand: Person 1: Ein Missbrauch, der kein Problem mehr darstellt

„Also vielleicht nur ein bisschen ein drastischeres Beispiel: Ich könnte dann genauso gut ins Internet schreiben: naja, es gibt sicherlich sehr viele Leute, die haben sehr viel Stress, die müssen arbeiten, müssen sehr fit sein, die brauchen ab und zu mal sowas wie eine kleine Stärkung. Na fangt einfach zum Rauchen an. Nikotin wirkt super. Das haut einen kurzzeitig nach vor. Und natürlich ist die negative Wirkung von Nikotin schon bekannt, aber ich kann auch das für Mittel machen, wo es eben noch nicht bekannt ist, und die als Fabrikant anpreisen. Hab natürlich diese Wirkung, die ja offensichtlich auch vorhanden, jedoch natürlich auch ein Rattenschwanz von anderen Sachen dabei ist, welche ich nicht beurteilen kann.“

„Ganz abgesehen davon, dass es mich persönlich schon extrem stört, wenn ich zum Beispiel irgendwelche Threads in Foren lese, dass ich wirklich nicht weiß, von wem die kommen. Wenn ich beispielsweise- das geht jetzt in eine andere Richtung- einen Städtetripp mache, und ich schaue mir die Hotels an und habe in dem Forum dann Einträge dabei von Leuten, die schon dort gewesen sind, dann weiß ich nicht: naja, welche Einträge sind jetzt von irgendwelchen Leuten, die dafür bezahlt worden sind, dass sie was Gutes reinschreiben, oder Einträge von den Hotelbesitzern selbst, oder was auch immer. Also ich möchte nur auf diesen Missbrauch hindeuten, der sehr einfach wird. Der quasi kein Problem mehr darstellt.“

  • Antwort: Das ist ganz richtig.
  • Einwand: Person 2

„Wobei man ja sagen muss, dass diese Idee, die da beschrieben ist, ja völlig ohne Internet oder ohne sämtliche Zusatzsachen, die wir diskutieren, funktioniert. Also das ist schon was Grundlegenderes, finde ich.“

  • Einwand: Person 1

„Das Internet ist für die Verbreitung da, damit es jeder weiß; in dem Fall jetzt, quasi.“

  • Einwand: Person 2

„Ja, wobei also jetzt in dem Fall reicht es, sozusagen, dass mit Mundpropaganda zu verbreiten, oder was weiß ich, in irgendeiner Zeitung zu veröffentlichen, oder also da braucht man nicht unbedingt das WWW dazu.“

  • Antwort: Die Effektivität von geistigen Produkten: brainpower

Ja, das ist ein sehr hilfreicher Hinweis, denn der Romer bezieht sich auch nicht auf das Internet, und gar nicht auf Open Source. Den Romer habe ich genommen, um deutlich zu machen, wie man im Neoklassischen Wirtschaftsansatz versucht die Effektivität von geistigen Produkten aufzugreifen. <br\>Ich habe den Überschriftenbegriff noch nicht genannt, unter dem das sozusagen läuft, und das ist Wachstumstheorie. Also ökonomische Wachstumstheorie; Wachstum, das abhängig ist von solchen geistigen Faktoren. Und da sollte ich jetzt dann vielleicht doch auch gleich ergänzen: Er sagt eben, dass menschliche Kreativität und Wachstum etwas damit zu tun hat, dass wir Ingredienzien und Rezepte haben. Und wir sind nun mal Wesen, die nicht immer mit denselben Ingredienzien immer dasselbe machen, sondern wir finden neue Rezepte mit den bekannten und mit neuen Ingredienzien neue Sachen zu machen. Und die Rezepte sind es, die uns zu expandieren gestatten. Und die Rezepte sind das, was wir nicht so behandeln können, wie die Ingredienzien. Und -um das noch dazuzusagen und diese Linie zu ziehen-, dann sagt er noch was sehr sehr Wichtiges: Die klassische Theorie hat menschliche Arbeitskraft als Ingredienzien sehr wohl gesehen. Das sind die Leute, die in die Fabrik gehen, die ihre Arbeitskraft investieren. Und so fern Menschen mit ihrer Arbeitskraft am Fortschritt arbeiten, gehört das in den klassischen Rahmen. Das reicht aber nicht. Weil das, was den Fortschritt erzeugt, ist jetzt nicht die Tatsache, dass ein Mensch seine Arbeitskraft investiert, sondern dass ein Mensch seinen Verstand investiert. Und zwar die richtigen Lösungen findet. Das macht das Wachstum aus. Also sehr wohl der Einsatz des menschlichen Potentials, aber nicht jetzt von Muskeln; nicht von Muskelpower, sondern von brainpower. Und die brainpower hängt zwar am Menschen, aber funktioniert nicht so, wie der Mensch. Man ist tatsächlich vom Menschen abhängig; wenn man zum Beispiel Rechenleistungen vollziehen soll, dann braucht man Menschen dazu. Und diese Menschen als Arbeitskraft, die muss man bezahlen. Ganz im klassischen Sinn. Die Alternative dazu, das andere ist, dass jemand die Idee hat, dass man Rechnungen anders formuliert. Dass man Rechnungen anders durchführt, sodass das leichter geht, sodass es automatisch geht. Und das ist ein Wirtschaftsfortschritt, der aber nicht an der Arbeitskraft liegt, sondern an der Idee.

Ein anderes Beispiel will ich noch sagen, das mir auch besonders attraktiv zu sein scheint, und ganz simple ist. Ich liebe ihn wegen seiner zum Teil sehr schlüssigen und simplen Beispiele, und zwar Coffee Cups; Kaffeebecher. Bis 1995 war es so, dass es drei verschiedene Größen von Kaffeebechern bei take away Kaffeegeschäfte gibt. Jeder von diesen Bechern hat einen Deckel darauf, sodass man also drei Größen von Deckeln hat. Dann ist irgendjemand darauf gekommen, dass das eigentlich ein Blödsinn ist, drei verschiedene Größen von Deckeln zu haben, und hat die Becher und die Deckel so entwickelt, dass für die drei verschiedenen Größen von Bechern ein einziger Deckel ausgereicht hat. Und das bringt einfach Ersparnisse. Sozusagen ganz simple. Und diese Form von Ersparnis, die gleichzeitig ein Wachstumspotential enthält, ist nicht von der Muskelpower abhängig. Für die Person, die die Deckel darauf setzt oder nicht spart diese Form von Ersparnis vielleicht ein bisschen Zeit und Mühe ein, aber in Wirklichkeit hängt es nicht an der menschlichen Arbeitskraft, sondern es hängt an jemanden, der diese Idee hat.

Andre Gorz: Der Wertschöpfungszwang der kapitalistischen Industrieprodukte

Hier möchte ich noch einmal zurück auf den Andre Gorz kommen, mit dem ich begonnen habe, weil nämlich diese jetzt genannte Besonderheit angesprochen wurde. Nämlich die der geistig angestoßenen Wirtschaftsproduktivität, weil die eine Perspektive darstellt, welche für den Gorz auch ausgesprochen wichtig ist und welche er jetzt in einem anderen Rahmen sieht. <br\>Der Andre Gorz nimmt diese Beobachtung auf, die der Romer auch macht: Dass es nicht mehr der Mensch in seiner Arbeitszeiterfüllung ist, der den Wert schöpft, sondern, dass es die richtig eingesetzte Idee der Menschen in diesen Arbeitsprozessen ist, die den Wert schafft. Gorz fusioniert diese Beobachtung mit einer marxistischen Analyse. Diese sagt: indem der Mensch zur Arbeitskraft in dem industriellen Kapitalismussystem geworden ist, ist vom Menschen das abgespalten worden, was ihn eigentlich ausmacht: Seine Kreativität, seine Selbstverständnissfähigkeit, seine Spontanität, und man hat ihn zum Fließbandarbeiter degradiert. Es gibt den Prozess indem die Menschen hineingezwungen werden, in den Wertschöpfungsmechanismus bzw. Wertschöpfungszwang der kapitalistischen Industrieprodukte. <br\>Die Forschungsentwicklung wird zunächst einmal als von außen kommend und als ein Faktor, der die Fabriken reguliert, gedacht. Sozusagen als angewandte Wissenschaft, die mehr Produktivität aus dem Menschen herausholen soll. Es gibt eine Tendenz, dass auch diese Wissenschaft nun selber dem kapitalistischen Verwertungszwang unterworfen wird, und als Wissenschaft nur mehr aus derselben Logik (nach der Sachgüter produziert werden sollen) produziert werden soll: eine automatisierte Entwicklung von Erkenntnissen, die man sinnvoll einsetzen kann, um Geld zu machen bzw. um Wert zu schöpfen.

Die neue Betriebsplanungs- und Personalentwicklungslehre

Und da ist es nun so -da komme ich jetzt wieder zurück zu Romer und zu dieser Verbindung, dass mit solchen einfachen Beispielen wie der Hydratiostherapie oder der Deckelgrößenangleichung deutlich wird-, dass unter solchen Umständen der größte Effekt nicht durch Steigerung von Arbeitsstunden, Steigerung von Arbeiterpotential,… entsteht, sondern diese wirtschaftsföderlichen Effekte entstehen, wenn die Leute sich entsprechend locker entfalten können. <br\>Das sagt jetzt nicht der Romer, aber es ist impliziert in ihm.

Der Andre Gorz sagt das, aber nicht aufgrund von idealistischen „die Welt soll schön sein“-Vorstellungen, sondern er belegt es mit der neuen Betriebsplanungs-, und Personalentwicklungslehre. Er hat eine ganze Reihe von schönen Zitaten, wo drinnen steht: wir schätzen unsere Mitarbeiter, wir fördern die Motivation unserer Mitarbeiter, wir machen Betriebsausflüge, Weihnachtsfeiern,…, wir geben ihnen die Möglichkeit selber was vorzuschlagen“,… Wir betrachten unsere Mitarbeiter als unsere besten Freunde und Kritiker gleichzeitig. Das ist eine Rhetorik, die sich immer immer neu und immer verstärkt findet. Und diese Rhetorik ist nicht nur Rhetorik, sondern die hat als Basis die Beobachtung, dass unter solchen Umständen es tatsächlich für den Betrieb wichtig ist, dass die Leute sich mit dem Betrieb identifizieren und dort etwas tun, womit sie sich identifizieren können. Nur wenn sie selber was tun, was ihnen sinnvoll erscheint, kommt was raus, was in dem Betrieb produktiv werden kann. <br\>Und das wird dann jetzt vom Andre Gorz in Beziehung gesetzt zur Ich-AG, also jede Person ist sein eigener Unternehmer. Das könnte man natürlich auch wieder sehr zynisch sehen. Aber, -das ist die andere Seite dieser Ich-AG Rede- auch als ich bin ich selbst, indem ich arbeite. Andre Gorz sieht die Möglichkeit unter diesen genannten Bedingungen eine Renaissance, eine neue Belebung der Idee einer postkapitalistischen auf Interesse Selbstverwirklichung, kommunikationsaufbauenden Wirtschaftstätigkeit.

Ökonux = Ökonomie und Linux

Und die Konsequenzen zieht daraus eine Gruppe, die sich Ökonux nennt, also Ökonomie und Linux. Das ist eine seit längerer Zeit schon aktive, linke Theoriegruppe, die die Konsequenzen für fortschrittliche Ökonomie aus der Open Source – Bewegung im Rahmen einer marxistischen Theoriebildung weiterentwickeln. Beispielsweise, um nur einen typischen Titel zu nennen: Die GPL Gesellschaft Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft und Eigentum und Produktion am Beispiel der freien Software. Hier gibt es eine größere Anzahl von Texten, die Sie sich ansehen können. Franz Narada, ein Wiener ist vielleicht manchen bekannt. Die Ökonux-Gruppe hat wieder im März nächsten Jahres einen Kongress. Der letzte Kongress von Ökonux war hier in Wien, unter anderem genau in diesem Hörsaal.



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