Benutzer:Anna/Badiou: Unterschied zwischen den Versionen

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== L'un et le multiple ==
 
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Badiou beginnt, nach einer Einleitung, seine erste "Meditation" mit einem brillianten Entwurf. Er verbindet eine (innerhalb der klassischen Philosophie) hohe Plausibilität mit einer suggestiven Zuspitzung des Problems. Es ist allerdings wichtig, die angesprochene Intuition von ihrer ''Zuspitzung'' in Badious VBersion zu unterscheiden.
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Badiou beginnt, nach einer Einleitung, seine erste "Meditation" mit einem brillianten Entwurf. Er verbindet eine (innerhalb der klassischen Philosophie) hohe Plausibilität mit einer suggestiven Zuspitzung des Problems. Es ist allerdings wichtig, die angesprochene Intuition von ihrer ''Zuspitzung'' in Badious Version zu unterscheiden.
  
 
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Version vom 22. August 2012, 17:54 Uhr

Diese Badiou-Seiten beziehen sich auf Andreas Kirchners Vorarbeiten: Benutzer:Andyk/Badiou und versuchen, die dort entwickelten Gedanken aufzunehmen und weiterzuentwickeln.

L'un et le multiple

Badiou beginnt, nach einer Einleitung, seine erste "Meditation" mit einem brillianten Entwurf. Er verbindet eine (innerhalb der klassischen Philosophie) hohe Plausibilität mit einer suggestiven Zuspitzung des Problems. Es ist allerdings wichtig, die angesprochene Intuition von ihrer Zuspitzung in Badious Version zu unterscheiden.

BadiouEtreEvent1.jpeg

Die "Erfahrung der Ontologie", so kann man sicher sagen, hängt mit einer Fragestellung zusammen, die neutral so formuliert werden kann:

Wir finden uns innerhalb einer Vielfalt von Gegebenheiten vor und überlegen, was die Einheit des Gegebenseins ausmacht.

Gäbe es nämlich eine solche Einheit nicht, würden die Gegebenheiten quasi auseinanderfallen. Wir hätten keine Vielfalt, sondern ständigen Verlust.

An diesem Motiv hängt tatsächlich ein bedeutender Teil der philosphischen Tradition. Badiou schärft es terminologisch zu einem handfesten Dualismus. Dazu formuliert er die oben absichtlich unscharf gehaltene Überlegung pointiert in zwei hochabstrakte Aussagesätze. Ihre grammatische Struktur sieht so aus:

  • Etwas erweist sich als vielfältig
  • Etwas ist eins

In dieser markanten Fassung kann die Fragestellung nun unabhängig von der begleitenden Intuition sozusagen sprachtechnisch weitergetrieben werden. etwas wird durch die grammatisch passende Flexion von sein ersetzt, schließlich bewegen wir uns in der Ontologie. Das kommentiere ich hier nicht. Unerläßlich ist allerdings, das semantische Schillern zu beobachten, das eintritt, wenn die Nominalform dieses Auxiliarverbs in eine Reflexivkonstruktion eingesetzt wird. Andreas Kirchner kommentiert:

... Sein ist seit jeher das, was (sich) zeigt, präsentiert, vorstellt, darstellt - weshalb es sich nicht erschöpfend darstellen lässt. Warum eigentlich nicht? Das eingeklammerte 'sich' scheint mir aufschlussreich zu sein. Benutzer:Andyk/Badiou/M1

Es ist tatsächlich ein entscheidender Faktor. Die vergleichsweise harmlose Fragestellung wird dadurch zu einem dialektischen Exerzitium (einem "livelock" A.K.). Denn durch die Klammer ETWAS --SICH kommt eine Präsentation ins Spiel, also ein Darstellungsverhältnis. Das ist ein handliches Instrument, die anfängliche Intuition zu fassen, aber damit begibt Badiou sich auf einen speziellen Weg, den er noch dadurch ausbaut, dass er die Abstufung, die in diesem Verhältnis angelegt ist, durch einen zusätzlichen Schachzug ausser Kraft setzt, nämlich seinen Verweis auf Leibniz.

Leibniz dit : "Ce qui n’est pas véritablement un être n’est pas non plus véritablement un être. On a toujours cru que l'un et l'être sont des choses réciproques" (Correspondance avec Arnauld, avril 1687) [1] [1]

Das "esse et unum convertuntur" durchkreuzt das Darstellungsverhältnis. Anders ausgedrückt: Badious livelock wird dadurch produziert, dass

  • etwas1 etwas2 präsentiert
  • etwas1 eins ist
  • etwas1 aber auch etwas2 ist: das ist der Sinn von "sich"
  • und somit auch etwas2 eins ist
  • was dazu führt, dass etwas2 als präsentierte Vielheit sich nicht mit etwas1, das es doch selbst ist, verträgt

Ist es das wert?

Anmerkungen

  1. Leibniz spricht von einem Seienden und nicht vom "Sein".