Benutzer:Alex Plank/Politeia 3. Buch (PSI): Unterschied zwischen den Versionen

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'''Zusammenfassung des III Buches der Politeia'''
 
'''Zusammenfassung des III Buches der Politeia'''

Aktuelle Version vom 11. Februar 2009, 18:27 Uhr

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Anm: In den eckigen Klammern sind die Seitenzahlen ausgewiesen. Die erste Zitation ist die platonische. Nach dem Strichpunkt folgt die Seitenangabe der Reclamausgabe zitiert nach: "Platon: Der Staat (Politeia.) Stuttgart: Reclam. 2000"


Zusammenfassung des III Buches der Politeia

Fortsetzung des zweiten Buches: A) ERZÄHLUNG

Inhalt

Weitere Kriterien, die Erzählungen inhaltlich erfüllen müssen:

  • Tapferkeit und keine Todesfurcht: In Erzählungen muss das Jenseits positiv dargestellt werden, damit Wächter sich dieseitiger Repressionsmechanismen mehr fürchten als den Tod. [387b;162] Ein weiterer Effekt dieses Kriteriums ist, dass die Wächter keine Angst vor dem Tod haben, ist, dass persönliche Unglücksfälle, wie der Tod eines Sohnes oder der Verlust von Geld, ihren Charakter nicht aus dem Gleichgewicht bringen können. [387e-388a;163]
  • zuviel lachen ist untersagt
  • Besonnenheit: Ein besonnener Mensch zeichnet sich dadurch aus, dass er sich, einerseits, dem Herrscher gegenüber stets untertänig verhält und andererseits, seine eigenen Begierden und Lüste kontrolliert. [389d,e;166]
  • Unbestechlichkeit und keine Habgierigkeit: Ein Wächter soll für seine Dienste nichts Übermäßiges fordern, weil er weiß, dass der Andere keine Wahl hat als seiner Forderung nachzugeben. [390d;167]

Sokrates merkt noch an, dass der Gebrauch der Lüge nur den Staatsführern zum Nutzen des Staates erlaubt ist. Sowohl gegenüber den Bürgern, als auch gegenüber den Feinden.

Form

3 Grundformen der Erzählungen

Sokrates unterscheidet drei Grundformen der Erzählungen:

1. DRAMA & KÖMODIE – unmittelbare Rede

2. LYRIK - mittelbare Rede

3. EPOS – Mischung der beiden Redeformen [394b,c;172f]

Die Unterscheidung der einzelnen Formen erfolgt entlang der Art und Weise der Wiedergabe oder Nachahmung der Redeweise. In der unmittelbaren Rede ahmt der Dichter die Redeweise einer Figur nach. In der mittelbaren Rede ahmt er keine andere Person nach, sondern spricht in seinen eigenen Worten. [392d,e;170; Vgl. Anmerk. 30, S511f]

Nachahmung (Mimesis)

Das zentrale Prinzip der Erzählform ist die Nachahmung. Sokrates überlegt sich nun, wie die Figuren beschaffen sein sollen, die die Wärter nachahmen. Andere Figuren, als tapfere, vernünftige, ehrfurchtsvolle und freie Männer, sollen in den Erzählungen nicht enthalten sein. Diese Forderung beruht wiederum auf dem Leitgedanken des sokratischen Staates, das jeder Mensch eine bestimmte Fähigkeit besitzt. Deshalb sollen nicht zu viele verschiedene Rollen in den Erzählungen vorkommen, damit die Wächter nicht abgelenkt werden.[395c;174]

Die unmittelbare und mittelbare Rede unterscheiden sich in ihrer Rhythmik und Tonart. Der Dichter verwendet in der unmittelbaren Rede alle Tonarten und alle Rhthmiken, die ihm bekannt sind. Während er in der mittelbare Rede, die einem Vortrag gleicht, eine Tonart und eine Rhythmusform verwendet. [397b,c;177]

B) GESANG & LIED

An dieser Stelle des Dialogs übernimmt Glaukon, der sich als Musikexperte ausweist, für kurze Zeit wieder einen aktiven Part im Dialog.

Die 3 Bestandteile des Liedes

1. WORT

Für die Liedtexte gelten die zuvor für Erzählungen aufgestellten Kriterien. [398d;179]

2. TONART oder HARMONIE

Hierbei liegt das Hauptaugenmerk des Sokrates darauf die schwächlichen, weiblichen Tonarten zu identifizieren und auszuschließen. Zentral ist, dass die Tonarten a) kriegsgeeignet sind, um die Wächter „aufzurütteln“ und b) friedensgeeignet sind, um die Besonnenheit der Krieger in Friedenszeiten zu fördern. Am Ende des Auswahlverfahrens erweisen sich die dorische und die phrygische Tonart als die einzig zulässigen Harmonien. Weiters sind nicht alle Instrumente dem Charakter eines jungen Wächters zuträglich. Erlaubt sind die Lyra, die Kithara und die Syriux. [398e-399e;179f]

3. RHYTHMUS

Der Rhythmus ist in der Antike in Bezug auf das Leben der Menschen zu denken, das durch ihn eine gewisse Ordnung erhält. Ein guter Rhythmus zeichnet einen guten Stil aus, während ein schlechter Rhythmus auf einen schlechten Stil hindeutet. In diesem Zusammenhang ist die Prämisse zu verstehen, dass Rhythmus und Wort, also Stil und Inhalt, imme aufeinander verweisen und in einer guten Erziehung aufeinander abgestimmt sein müssen. Aus dem Zusammenspiel dieser beiden Komponenten des Liedes lässt sich der Charakter der Seele ablesen. Wobei ein guter Charakter, der das Ziel des auszubildenden Knaben ist, das Resultat eines guten Rhythmus und einer edlen Haltung ist. [399e-401a;181f]

Die musikalische Erziehung ist außerordentlich wichtig, da über die Musik Einfluss auf die Seele genommen werden kann. Der Rhythmus und die Harmonie gelangen durch sie in die Seele und formen in ihr den Geschmack. Durch die musikalische Erziehung lernt der Jüngling nämlich bereits vor der vollen Entfaltung der Vernunft zwischen dem Guten und dem Schlechten zu unterscheiden. [401d-402a;183]

2. Eckpfeiler: Gymnastik

Dies ist der zweite Eckpfeiler der Erziehung. Der Körper muss wie der Geist seit dem Kindesalter trainiert werden. Der Körper wird als die Basis angesehen, die ein guter Geist vervollständigt. Ohne einen gut ausgebildeten Körper ist die musische Erziehung wertlos. [403d;186]

Neben der körperlichen Fitness umfasst dieser Bereich der Erziehung noch die richtige Ernährung und den Geschlechtsverkehr. Das zentrale Prinzip in diesen beiden Gebieten ist die Askese. Die Ernährung soll einfach und besonnen sein, wobei stets darauf zu achten ist, dass Krankheiten vermieden werden. Weiters sollen sich die Jünglinge in sexueller Enthaltsamkeit üben. [403e-404e;186ff]

Abschließende Anmerkungen zur Erziehung der Wächter

  • Das Ziel der gesamten Erziehung ist die Ausbildung der Seele. [410b;195]
  • Die Harmonisierung von musischer und gymnastischer Erziehung bildet einen besonnen und mutigen Menschen aus.[411e-412a;197]
  • Öffentliche Veranstaltungen, wie Tänze oder Wettkämpfe, müssen an die Grundsätze der Erziehung angepasst werden. [412b;198]

Das Verhältnis zwischen Herrscher und Beherrschten

Die Herrscher des Staates gehen aus dem Wächterstand hervor. Die Kriterien für ihre Auswahlt sind a) ein angemessenes Alter und b) ein Verantwortungsgefühl gegenüber den Interessen des Staates. Es qualifiziert sich derjenige für die Herrscherposition, der die Staatsinteressen zu seinen eigenen macht. Ein Auswahlkriterium ist also die vollständige Identifikation mit dem Staat. [412c,d;198]

Um die am besten geeignete Person auszuwählen werden die Wächter von ihrer Kindheit an beobachtet. Die gesamte Erziehung kann also auch als Eignungstest verstanden werden. [412d-413d;199f]

Jene Wächter, die nicht zum Herrscher ernannt werden, sind die Helfer des Herrschers und vollstrecken seine Befehle. Ihre Funktion ist mit jener einer Leibgarde zu vergleichen. [414b;201]

Unterkunft und Versorgung der Wächter

Der Wächterstand ist innerhalb des Staatsgefüges eine besonderer Gesellschaftklasse, weil er nichts zur Befriedigung der Grundbedürfnisse der Bewohner beiträgt. Wächter erzeugen also nicht, wie zum Beispiel Bauern oder Schuster, ein bestimmtes Produkt und erhalten im Tausch dafür andere Produkte. Die Leistungen der Wärter sind nicht materiell bewertbar, was es für sie unmöglich macht am Handel teilzunehmen. Die Frage die Sokrates nun aufwirft ist, wie die Wärter zu Unterkunft, Nahrung, Kleidung, etc. gelangen. Verschärft wird diese Problematik noch dadruch, dass die Wächter als perfekt ausgebildete Soldaten die eigene Bevölkerung unterwerfen können. Damit dies nicht geschiet und sie ihren Zorn nur gegen die Feinde richten ist es notwendig, dass die restliche Bevölkerung ihnen die zum Überleben notwendigen Güter zur Verfügung stellt.

Die Ausstattung, die sie erhalten, soll maßvoll sein. Genug um nicht vom Reichtum von ihren eigentlichen Aufgaben abgelenkt zu werden und genug um nicht über die eigenen Bürger herzufallen.

Die Wächter dürfen über keinen eigenen Besitz verfügen, auch Geld dürfen sie keines besitzen. [415d-417b;203ff]

Ärzte und Richter

In Zusammenhang mit der Thematik der Enthaltsamkeit kommt Sokrates auf den Berufstand des Arztes und jenem des Richters zu sprechen, da sich ein schlechtes Erziehungsmodell daran zeigt, dass Zügellosigkeit und Krankheit im Staat vorherrschend sind.

Zusammenfassung des Themas

Das Thema des letzten Teils des III Buches der Politeia sind die verschiedenen Formen der Entartung. Hierbei sind Ärzte für die Pflege des kranken Körpers und Richter für die Pflege des kranken Geistes verantwortlich. Anzumerken ist, dass in einem gesunden Staat Ärzte niemals überflüssig werden, weil selbst der gesündeste Körper krank werden kann, es aber für Richter im perfekten Staat aufgrund der tadellosen Lebensweise der Bürger keine Verwendung mehr gibt.

Kritik an den Ärzten

Sokrates kritisiert den Berufsstand der Ärzte scharf, da er der Ansicht ist, dass viele von ihnen Krankheiten noch verschlimmern anstatt sie zu heilen. Generell spricht er sich gegen das langwierige Auskurieren von Krankheiten aus. Diese Kritik basiert wiederrum auf den Leitgedanken des sokratischen Ideals, dass jeder Büger innerhalb des Staates eine bestimmte Funktion zu erfüllen hat. Somit ist es unzulässig, dass sich ein Subjekt sein gesamtes Leben lang mit der Heilung seiner Krankheit befasst, da dies dem Allgemeinwohl nicht dienlich ist. Sokrates denkt seine Vorstellung von einer asketischen Lebensweise radikal zu Ende und sagt, dass ein Kranker, der keine Hoffnung auf eine schnelle Heilung hat, den Tod einer langfristigen Behandlung jederzeit vorzieht. [405e-406c;189f]

Die Geschichte vom Zimmermann

Ein Beispiel für Sokrates Vorstellung vom idealen Umgang mit Krankheiten ist die Geschichte des Zimmermanns: „Wenn ein Zimmermann krank ist, antwortete ich, dann bittet er den Arzt um ein Heilmittel, das er austrinken will, um die Krankheit loszuwerden, oder er will es durch Abführen, Schneiden oder Brennen erreichen. Wenn man ihm aber eine lange Kur vorschreibt, etwa einen Filzhut auf den Kopf zu tragen oder derartiges mehr, dann würde er rasch sagen, er habe keine Zeit für die Krankheit und keinen Vorteil von solch einem Leben, immer nur auf die Krankheit zu achten und seine eigentliche Arbeit zu vernachlässigen. Und dann jagt er den Arzt davon, kehrt zur gewohnten Lebensweise zurück und lebt, wenn er gesund wird, sein Leben weiter; übersteht es aber sein Körper nicht, dann stirbt er und ist aller Sorgen los!“ [406d,e;190]

Tötungsgebot

„Ärzte und Richter sollen die Bürger, die an Leib und Seele wohlgeraten sind, betreuen, die anderen aber nicht. Wer siech am Körper ist, den sollen sie sterben lassen, wer an der Seel mißraten und unheilbar ist, den sollen sie sogar töten!“ [410a;194]

Charakterisierung eines guten Arztes

  • Er muss sein ganzes Leben dem Studium der Heilkunst widmen
  • Er muss über einen wachen Geist, aber einen kränklichen Körper verfügenn um die Beschwerden der Patienten nachvollziehen zu können. Um einen Menschen heilen zu können muss der Arzt über eine gute Seele verfügen, diese muss gesund bleiben. Sein Körper spielt nur eine sekundäre Rolle.
  • Er muss die Gesellschaft von Kranken suchen.

Charakterisierung eines guten Richters

  • Er muss, im Gegensatz zum Arzt, der praktischer Erfahrung bedarf, über eine reine, gerechte Seele verfügen, die unvoreingenommen ist.
  • Der erste Punkt ist deshalb so wichtig, weil die richterliche Seele ein Urteil über eine andere Seele fällt.
  • Da Richter meist naive Menschen sind, dürfen sie erst im hohen Alter diesen Beruf ausüben. Als junge Menschen ist ihre Seele noch nicht erfahren genug, um zwischen Betrug und Wahrheit zu unterscheiden.