"Handle und lebe ihm gegenüber (dem Anderen) so, wie nur du und niemand anderer an deiner Stelle es könnte."

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Es fällt mir nicht leicht, hierin eine "Umformulierung" des Kategorischen Imperativs zu sehen. Eher eine radikale Neuerfindung mit gänzlich anderen Implikationen. Zumal auch Ricoeur von der Rolle der Jemeinigkeit schreibt, gibt dieses Zitat Gelegenheit, auf Unterschiede hinzuweisen. Auffallend sind zunächst die fehlenden Verweise auf eine Allgemeinheit, auf ein Gesetz, auf eine universale Gültigkeit. Statt dessen tritt uns eine Konzeption entgegen, in der Einmaligkeit, Einzigartigkeit und Ereignishaftigkeit die gesamte Last der Aufgabe der Regelung von zwischenmenschlichen und institutionellen Verhältnissen in einem nicht näher beschriebenen Allgemeinwesen zu tragen haben. Ich habe den Text nicht vor mir, beziehe mich also nur auf das vorhandene Zitat (und bitte um entsprechende Hinweise, wenn ich durch Nichteinbeziehung des Kontextes falsche Schlüsse ziehe). Eine Frage und eine Anmerkung erlaube ich mir dennoch: Wäre nicht gerade die Tötung des anderen in höchstem Maß kompatibel mit einem solchen Imperativ? Anzumerken ist, dass die psychoanalytische Theorie des Objekts mit seiner Austauschbarkeit mit der ekstatischen Denkweise von Beziehung, wie sie in diesem Zitat anklingt, schwer zusammengedacht werden kann.