Szenariosammlung (PSI)

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</div><ignore><includeonly></ignore><ignore></includeonly></ignore></root> Hier werden einzelne Szenarien als Bestandteile unserer IF entwickelt. Grundlage dafür sind die Big-Picture-Überlegungen, die aus der Block-Session von 03.04.2009 hervorgehen, in der wir den groben Rahmen unserer IF diskutiert und festgelegt haben. --Andyk 19:57, 3. Apr. 2009 (UTC)


Skoraste holt Gyges ins Schloss

Wir dachten uns, dass mehrere Optionen das Spiel interessanter machen, deshalb haben wir mehrere Entscheidungsmöglichkeiten eingebaut. Ob sich das alles umsetzen lässt oder die Sache nur unnötig verkompliziert, können wir leider beide nicht einschätzen. Deshalb bitten wir um Rückmeldung!!!

Skoraste schreibt an ihrer Diplomarbeit zum Thema „Gerechtigkeit“. Sie will dafür ein Experiment machen, um ihre These (= die Grundannahme der Politeia: Gerechtigkeit führt zu Gerechtigkeit) empirisch zu überprüfen. Mit der Arbeit erhielte sie den Titel einer Philosophin, wäre qualifiziert, das Buch zu lesen und könnte sodann Herrscherin an Notalps Seite werden. Da sie eine Bürgerin des Schlosses ist, sieht sie die dort herrschenden Umstände als gerecht an, wie jeder andere, der dort lebt. Ob ihre Hypothese, dass ein Ungerechter durch gerechte Behandlung gerecht werde, sich erfüllt oder nicht, kann erst nach der Schlussentscheidung des Gyges herausgestellt werden. Am Ende des Spiels wird sie also ihre Arbeit einreichen können. Skoraste will Gyges nicht in das Experiment einweihen und beschließt, ihn mit der Aussicht auf eine Bleibe in das Schloss zu locken.

[Ich habe mir diesen Hintergrund nur überlegt, weil ich die Entscheidung Skorastes, Gyges in das Schloss zu holen, irgendwie begründen wollte. Ich fände es zu einfach, diesen Zug mit moralischen Motiven zu erklären, indem sie Gyges entweder wirklich helfen will (und völlig naiv handelt) oder ihn zur Umerziehung holt (woraus sich wieder die Schwierigkeit ergibt, dass es eine Vorgeschichte braucht, eine Verhaftung o.ä. und außerdem einen triftigen Grund, warum sich Gyges dann wider Willen so interessiert in die einzelnen Geschichten engagiert). Die Diplomarbeit nebenbei zu erwähnen, dürfte den Spielablauf nicht beeinflussen und auch die Wertung des Spiels nicht. Ich habe aber vollstes Verständnis, falls ihr das überflüssig oder unpassend finden solltet und kann auch gern auf diesen Zusatz verzichten.--Sinn 17:18, 3. Jun. 2009 (UTC)]


DIE SITUATION IM SPIEL Gyges merkt, dass er verfolgt wird (der Spieler/die Spielerin bekommt eine Meldung, dass ihn/ sie eine junge Frau beobachtet und verfolgt). Gyges kann sie entweder

Ansprechen und fragen, was sie will oder

Ignorieren. in diesem Fall müsste dann eben Skoraste diesen Schritt machen.

Im Folgenden sind die Fragen des Gyges in Klammer gehalten. Für die zweite Option sind diese Fragen einfach zu ignorieren, weil Skoraste von sich aus erzählt.

(G: Wer bist du?)

S: Hallo! Ich heiße Skoraste. Ich komme von dem Schloss. (G: Warum folgst du mir?)

S: Ich habe dich beobachtet. Du hast keine Bleibe und schläfst auf der Straße. Willst du nicht in das Schloss kommen und dort wohnen? Es kostet nichts. Man kann dort sehr schön leben. Wenn du möchtest, kann ich dich dem Schlossherren dort vorstellen.

Für den Fall, dass Gyges nein sagt, versucht ihn Skoraste noch einmal zu überzeugen. Wenn das fehlschlägt, ist das Spiel für Gyges zu Ende:

1. Du bietest mir eine kostenlose Unterkunft an? Da sage ich nicht nein!

2. Ich traue dir nicht. Da gibt es sicher einen Haken an der Sache.

S: Du kannst es dir ja einmal ansehen, es ist nur ein gutgemeintes Angebot. Es passiert nicht oft, dass Zimmer frei werden. Ich kann natürlich auch einen anderen fragen, es würden sich sicher viele über so ein Angebot freuen.

a) G: Ok, schon gut, ich will dir einfach mal glauben. Ich werde es mir also ansehen.

b) G: Ich brauche keine Wohnung und kein Zimmer. Ich lebe hier ganz gut. Außerdem ist mir das Schloss zu weit weg.

Gyges und Skoraste fahren mit der U- Bahn zum Schloss. Das Schloss hat einen prunkvollen Vor- Garten, in dem alles peinlich genau und symmetrisch angelegt ist, ähnlich wie in Schönbrunn. Über ein hohes, eisernes Eingangstor gelangt man in diesen Garten und muss wirklich ein paar Minuten lang auf dem Kiesweg geradeaus gehen (Schritte knirschen), bis man die Eingangspforte des Schlosses erreicht. Das Schloss ist in griechisch- klassischem Stil gebaut. Die marmornen Säulen und Hallen sind mächtig, aber kalt (Schritte widerhallen). Von der Vorhalle aus sieht man schon in den Hauptteil, von dem aus unzählige Treppen in verschiedene Richtungen hinauf führen.

S: Ich führe dich gleich zu Notalp, dem Schlossherren, damit er mit dir alles bespricht, was wichtig ist für deinen Einzug.


G: In Ordnung.

G: Nein, zeig mir zuerst das Schloss.

Falls Gyges zuerst das Schloss sehen will, lernt er Notalp erst nach den vier Episoden kennen und erfährt erst da, dass er für den Aufenthalt arbeiten muss (ist das eigentlich noch relevant für die Geschichte?). Man kann aber auch getrost die zweite Option tilgen.

Skoraste und Gyges gehen eine der Treppen hinauf, doch diese windet sich und bald verliert Gyges die Orientierung. S: Halte dich an mich, sonst wirst du dich verlaufen. Erst wenn du als Mieter akzeptiert worden bist, wirst du fähig sein, dich hier zurechtzufinden. G: Warum? S: Dies hier ist ein Zauberschloss. Alles läuft nach den Regeln Notalps ab. Er beherrscht dieses Schloss durch sein Wissen. G: Wie? S: Notalp ist Philosoph. Er hat das Buch gelesen, das nur für Philosophen verständlich ist. G: Was ist das für ein Buch? S: Die Politeia, die Grundlagen unserer schlossinternen Gesellschaftsordnung. G: Hast du dieses Buch gelesen? S: Noch nicht. Notalp aber lehrt mich einiges daraus. Sobald ich mich diplomiert habe, werde ich es aber selbst lesen dürfen. Jetzt sind wir angekommen. Dies ist Notalps Gemach. Sag mir deinen Namen, damit ich dich vorstellen kann. G: Ich heiße (Name des Spielers). [Wäre toll, wenn man das so machen könnte, dass der Spieler seinen Namen hinschreibt und Skoraste dann diesen Namen benutzt, um ihn vorzustellen. Kann man das programmieren? … sonst kann man das auch weglassen.]

Skoraste öffnet die Tür zu Notalps Zimmer. Gyges tritt ein.

S: Ave, Notalp. Ich stelle dir (Name des Spielers) vor. Ich habe ihm/ ihr das freie Zimmer angeboten, denn er/sie hat keinen Schlafplatz. G: Guten Tag. N: Servus, (Name des Spielers). Du möchtest hier wohnen? G: Skoraste sagte mir, es sei kostenlos. Stimmt das? N: Ja, das stimmt. Keiner, der hier wohnt, bezahlt etwas dafür. Was allerdings nötig ist, ist, dass du eine Arbeit verrichtest. Tu jene Arbeit, die du am besten kannst. G: Ich soll arbeiten? N: Ja. Hast du eine Arbeit erlernt? Du kannst auch als Lehrling beginnen.

G: Nein, habe ich nicht. Aber ich möchte gerne hier wohnen, also werde ich schon etwas erlernen.

G: Nein. Ich will auch gar nicht arbeiten. Das war ja wohl ein Reinfall! Ich hätte gar nicht herkommen sollen. S: Du wirst aber sehen, dass es sich lohnt! Hier zu leben ist etwas Besonderes! G: Was ist besonders daran? S: Dieses Schloss ist nicht ein einfaches Schloss. In jedem Raum, den du betrittst, wirst du ein anderer sein. Du kannst dir bei deinem Einzug frei aussuchen, welche Rolle du übernehmen willst. Lass dir doch erst einmal das Schloss zeigen, bevor du dich entscheidest! G (neugierig): Na gut. Dann zeig mir das Schloss.

Hier muss man dem Spieler fast die Möglichkeit nehmen, doch nein zu sagen. Oder man lässt ihn nein sagen und das Spiel ist zu Ende, bzw. er verläuft sich hoffnungslos im Schloss.

Skoraste führt Gyges in einen Raum des Schlosses, in dem er zu einem Händler wird. Kaum ist die Tür hinter ihnen zugefallen, schwinden die Wände und sie finden sich wieder auf einem Marktplatz. [Falls Gyges keinen Einwand gegen das Arbeiten erhoben hat, kann man die ersten drei Sätze von Skorastes Überzeugungsrede („Dieses Schloss…- ...übernehmen willst.“) an dieser Stelle als zusätzliche Erklärung anbringen.]

S: Durch diesen Raum erlebst du unser Schloss als ein Händler. Versuche, etwas zu kaufen, denn dann lernst du die anderen Bewohner des Schlosses am besten kennen. Da drüben ist eine Zimmermannswerkstatt!

…weiter zum ersten Szenario: Tische.

--Sinn 17:18, 3. Jun. 2009 (UTC) und --Arif Aslan 17:19, 3. Jun. 2009 (UTC)

Arbeitsgruppe: Eugenik

Die Tische

People: SKORASTE, TRADER (Gyges), CARPENTER, SHOEMAKER, GUARD.


Skoraste leads Gyges into the first room of the castle, where he becomes a trader. She tells him to look for something to buy, because by acting in his role he would best get to know the other renters of the castle. So Gyges, now a trader, saunters by the market and then enters a carpenter’s shop on the edge of the street.

Scene 1

TRADER: Carpenter, I want to buy a nice table from you. Can you offer to me such? CARPENTER: In this castle we have no tables. I will have to make one for you. Till when do you need it? TRADER: By midday I would come and fetch it. However, tell me, is it true that you don’t use tables in this town? CARPENTER: It is true. What should we need tables for? However, straight away I will come along to the work, so that the table will be ready by midday. TRADER: Nevertheless, one needs tables! How should one dine, otherwise, in noble manner? CARPENTER: It misbecomes to overload tables with dishes and drinks in order to fill your belly with all kinds of lusciousness, and to afterwards throw away what is left. And then, got tired by the meal, one won’t be able to do his work. Moderate food only, from the hand to the mouth, strengthens body and soul. TRADER (angry): Do you want you to taunt me for the fact that I dine on tables, as if it would mean to lead an unrestrained life?! CARPENTER: Unrestrained, and much more badly still: injurious. And who is not healthy and with forces, is of no use. TRADER: Shame on you! You shall make five tables to me instead of one! We’ ll see how powerful you are with your moderate food! CARPENTER: I am a competent carpenter. You shall have your five tables.

The trader leaves the workshop. Skoraste tries to calm him and to explain, why tables are not allowed in the castle.

SKORASTE: When you come back by midday, try to be more polite. The carpenter only follows the rules. It is very nice of him that he is willing to make the tables for you. He is making an exception, because he knows that you are a trader and do not know the rules of this castle yet. TRADER: He offended me! SKORASTE: You offended him even more. If you like to live in this castle, you must follow the rules and be fair to the others. TRADER: I see. I will do my very best and behave better than before.

Scene 2: It is midday. The trader comes back into the workshop of the carpenter. The carpenter is totally exhausted, because he had never made tables before. He has finished four of it, and also chairs in addition. By the moment he is taking measure of the fifth one.

TRADER: Here I am again. And I see that your ability is proved. Three tables would already have persuaded me of it. CARPENTER gets up, breathes hard, coughs, falls and remains lying exhausted. TRADER: Zeus! Possibly, it’ s been too much for you although! I better go and get a doctor. CARPENTER (groans): I do not need a doctor. Yesterday already I felt quite ill bodily. However, now this weakness hinders me even in my work. If I do not come to forces on my own again, it is not a pity about me.

The trader looks helplessly to Skoraste, who is just incredulously shaking her head.

SKORASTE: Look what you have done! Now look how to get out of this. I will not move a finger to help you. Go and learn something!

ACTION OPTIONS:

I. The trader hurries to the shoemaker next door and asks him for advice how he should go forward.

II. The trader tries to find a doctor and to lead him to the carpenter.

Option I

TRADER: Shoemaker, I need your advice! SHOEMAKER: Always to services, my friend. Which shoe size do you have? TRADER: I want no shoes. Thus hear, the carpenter is ill! And he wants to let no doctor come! However, I say, he should be treated, because very badly his state looked to me. An envelope must be made to him. SHOEMAKER: If a carpenter is ill, he can probably like to swallow medicin from the doctor to get rid of the illness, or let himself clean from below, or also burning and reaping to get rid of them. But if the docotor would try to prescribe him a petty- minded life, order him to lay envelopes around the head and more of that kind, he says indeed soon enough, that he has no time to be ill, and it does not help him to live if he should always neglect his present business because of the illness. TRADER: Quite right, that was the way he spoke to me. SHOEMAKER: If he becomes healthy, he will live on in his business further, if however the body cannot endure it, he will die and be single of all business.

The trader is outraged about this speech. He leaves the workshop of the shoemaker and hurries on the street to search a doctor: (go on to option II) (Oder man entwirft hier ein anderes Ende. Skoraste holt den Händler ab und es geht weiter zum nächsten Raum.--Arif Aslan 20:22, 18. Mai 2009 (UTC))

Option II

The trader hurries on the street to search a doctor. Between the market stalls he finds a guard to whom he directs the word. TRADER: Tell me, guard where do I find a doctor? GUARD: What do you need a doctor for? Are you possibly ill? You seem to me very much confused and angry. TRADER: I have no time for explanations. It is urgent. Now, nevertheless, show me the way to the doctor! GUARD: It is probably better if I keep an eye on you. If you don’t come soon to your senses, I will stop you with my dagger from spreading restlessness and from donating evil (packs the trader on the upper arm). TRADER: (gets frightened, cries out in fear): Thus hear! I am of sound mind, all I need is a doctor for the carpenter! GUARD: What is with the carpenter? And what has a fool like you to do with him? TRADER: I have ordered tables from him. However, the work was too difficult to him, it seems. Now he lies on the ground of his workshop and struggles for air. GUARD: Tables? Has he really made tables for you? Your insanity has stuck on him! Now he is ill because he has made the tables. TRADER: Totally exhausted he is. GUARD: Thus it is the punishment of the gods for his offence. It will appear whether they award him. TRADER: Nevertheless, he needs quickly a doctor right now, so that he makes an envelope to him! Then he will become healthy again. GUARD (pushes the trader off himself): Be quiet! You sissy! Take your tables and shove off before I spear you! We have no use for weaklings like you in this castle!

The trader flees scaredly. He runs straight ahead and tries to get out of this room. Suddenly Skoraste reappears and shows him the way out.

SKORASTE: Well, my dear, the people here are not used to such behavior as yours. They all have a strict sense of justice and fairness. TRADER: What will happen to the carpenter now? SKORASTE: Don't worry about the carpenter. Let us go on to the next room. Have you ever been a soldier? TRADER: No, but I think I am able to fight. SKORASTE: We' ll see. Follow me over here (opens another door).

von Arif Aslan und Helga Sinn

Der Text vereinigt viele interessante Aspekte. Worüber man allerdings noch nachdenken könnte, ist die Auswahlmöglichkeit. Wenn man an eine solche Aufgabe herangeht, muß man sich immer fragen, wie fundamental die Auswahl ist, d.h. wie groß der Unterschied zwischen den beiden Alternativen ist. Mir fallen jetzt zwei Fragen ein, um an diese Sache heranzugehen: a) Worin unterscheiden sich die Auswirkungen der beiden Handlungen? und b) Worin unterscheiden sich die Maximen, nach denen die Handlungen gewählt werden? Wobei zu a) anzumerken ist, daß die Spielerin die Auswirkungen antizipieren können muß, oder sie kann keine informierte Entscheidung treffen. Das wiederum bedeutet, die Gesetze zu verstehen, nach denen die Welt aufgebaut ist. Zu b) ist zu sagen, daß wir es hier tatsächlich mit einer interessanten Unterscheidung zu tun haben: In einem Fall wendet sich der Händler an einen Laien in der Nähe, im anderen sucht er nach einem Experten, und um einen zu finden, ruft er die Staatsgewalt um Hilfe. In diesem Fall haben wir also die Wahl zwischen Nachbarschaftshilfe und Sozialstaat. --H.A.L. 09:03, 28. Apr. 2009 (UTC)

Soldat und Richter

Soldat.jpg

Soldat und Richter im Gespräch (PDF)

Im Zusammenhang mit Platons Gesundheitspolitik ist mir ein Text des Soziologen Peter Marsh eingefallen, in dem er übertriebene Sorge um die Gesundheit als gesellschaftliche Norm kritisiert. Zitate: "Kern der Gesundheitsreligion ist der Versuch, Risiken zu minimieren. 'Risiko' ist heute gewissermaßen das weltliche Gegenstück zur Sünde." "Der Hausarzt soll eben nicht ein Lifestyle-Lehrer sein, der seinen Patienten die Gesundheitsgebote des Staates predigt, und erst recht soll er nicht die Behandlung derjenigen ablehnen, die angeblich selbst schuld sind an ihrer Krankheit. Ein Arzt ist ein Arzt und kein Priester." Ein Arzt soll akute Störungen der Körperfunktion beheben, aber den Patienten keine Handlungsnormen auferlegen. Dasselbe sagt auch Platon. Das Spannende daran ist, daß es bei Platon eine notwendige Eigenschaft nützlicher Mitglieder der GEsellschaft ist, ihre Handlungsgewohnheiten nicht nach ihrer Gesundheit auszurichten, weil sie sich nur so nicht über Gebühr um ihre Krankheit kümmern. Marsh dagegen argumentiert mit den Rechten der Patienten - hier muß man sich nicht um seine Gesundheit kümmern, gerade weil man der Gesellschaft in dieser Sache nichts schuldig ist. Eine Verbindung zwischen der Verpflichtung auf Gesundheit und der Leistungsfähigkeit als gesellschaftliches Ideal wäre leicht zu ziehen, auch wenn ich jetzt nicht mehr weiß, ob Marsh das sagt. --H.A.L. 13:31, 4. Mai 2009 (UTC)

Arbeitsgruppe: Kreativer Ausdruck

Ein Rohentwurf unserer Story-Idee, die mit dem betreten eines bestimmten der stadt-staaten beginnt und mit seinem verlassen endet.


Plot: einer der stadt-staaten ist bekannt für hochqualitative kriegsmusik, natürlich hat er eine dementsprechend tapfere armee. musik ist auch außenhandelsware. Die Journalistin hört davon und begibt sich dort hin. Sie möchte mehr über diese wundersame Musik hören und darüber berichten.

Geschichte: Sie wird von einem Wächter empfangen (diese option erschien uns praktikabler-als journalistin und kulturkundige person könnte sie willkommen für einen austausch sein. es bleibt zu diskuteren, ob das realistisch ist), dieser ist ihr zu geteilt und soll sie durch die Stadt führen. Sie ist nicht allein, eine Assistentin die ausserdem Fotografin ist begleitet sie. Der Wächter führt sie durch die Stadt und zeigt ihr die wundervollen Errungenschaften seiner Zivilistation, wie gut alles in einander greift und wie gut der Staat sich im seine BürgerInnen kümmert. Die Strassen sind sauber, die Menschen gebildet. Es wird großen Wert auf Erziehung gelegt. Die Assistentin hält uns (den Spielenden) immer eine Spiegel vor. Sie fragt: "Wieso werden die Kinder von ihren Eltern getrennt? Wieso läuft die Erziehung über Musik ..." Sie wird vom Wächter in ein Musikgeschäft gebracht, Bekommt dort seichte friedliche musik zu hören. Das ist nicht wirklich interessant und alles ziemlich ähnlich. Sie erfährt, dass es zwei arten von musik gibt. An die wirklich interessante weil wirkmächtige musik kommt sie nicht so einfach ran.

Entscheidung: a) Sie möchte darüber möchte mehr erfahren. b) Sie nimmt es so hin.

Fortgang: b) sie läßt sich weiter führen und zieht weiter und schreibt einen langweiligen Artikel a) Sie geht zum Wächter und sagt sie will mehr darüber erfahren, er meint das sie dass nur kann wenn sie sich würdig erweist und eine Prüfung besteht. Dazu muss sie ein aufnahme verfahren absolvieren. Sie muss in einem Gespräch die richtigen Antworten geben, damit sichergestellt ist, dass ihre seele nahe genug am schönen, wahren und guten ist um nicht von ev. Gefährlichen musiken geschädigt zu werden und somit auch dem staat schädigend sein kein. Tut sie dass, so wird sie aufgenommen in den kreis der hinreichend gefestigten erwachsenen, unter denen eine freiere kreativität gewährleistet ist. Bei kindern und gewissen schichten der erwachsenen ist der genuss von musik ganz streng reglementiert. Die Assistentin kann sich nicht verkneifen auch bei diesen Fragen nachzubohren.

Zum zweck dieses psycho-tests muss sie jemanden finden, der ihr einen crash-kurs in platon-konformen ansichten über die götter, über die herrscher, über tugenden und untugenden gibt. Auf dem offizielen Marktplatz, wo sich leute tummeln, gibt es Menschen die diese Dienste abieten. Das erfährt sie vom Wächter.

(einwand: informant müsste illegal sein. schließlich geht es um einen schwindel - den psychotest umgehen indem man rausfindet, wie man antworten muss, damit man als gefestigt gilt)


Entscheidung: c) Sie will das tun, sie will mehr wissen d) Es ist ihr zu mühsam

Fortgang: c) siehe b) d) Sie muss sich zu einem bestimmten menschen durchfragen (dieser war früher mal Wächter und hat das Wächtertum aufgegeben), zum Informanten. Dieser will eine gegenleistung für seine dienste, geld hat sie keines-bietet ihm ungesunden Junk-Food an – der Informant ist einigermaßen verstört über dieses essen, es entspricht nicht den vorstellungen einer vernünftigen nahrung im platonischen sinn. Sie soll brot besorgen. sie geht in die bäckerei – womit bezahlt sie den bäcker? er fragt sie nach ihrer kunst, was ist sie? Was kann sie denn am besten? sie ist journalistin, kennt viele länder und kulturen – sie ist sich zwar nicht sicher ob das schlau ist, aber erzählt ihm geschichten aus anderen kulturen-etwas aufregendes für den bäcker. Sie bekommt brot. Bringt es dem menschen, der ihr einen crashkurs in platonischer werte-kunde gibt.

Sie absolviert den test. (wie kann man das umsetzen? multiple choice aussagen..) Wird (unter strengen sicherheitsmaßnahmen – mann kann das ähnlich wie einen medikamententest sehen) für ein probekonzert ausgewählt und hört es – anschließend wird sie nach ihren emotionen, wünschen und affekten befragt('haben sie lust in den krieg zu ziehen?'; 'sind sie nun zufriedener mit ihrem leben?'...), damit die zuständigen behörden herausfinden können, wie diese musik einzustufen ist. Ist sie gefährlich für bürger? Ist sie geeignet für krieger? lehrt sie die kinder? Ist sie für gar nichts gut?


Zusätzliche Möglichkeiten:

-Entscheidung am Schluss: Welche Aussagen macht sie über die gehörte Musik? Dadurch könnte sich die Reaktion der Wächter beim Verlassen des Staates bzw. ihr Platoniker-Score ändern.

-Der Bäcker ist so aufgewühlt worden durch die Geschichte der Journalistin, dass er nicht mehr dem Staat treu bleiben kann. Er zieht mit ihr mit, wird NPC-Begleiter. In diesem Fall könnte man Entscheidungsmöglichkeiten bei der Geschichte, die dem Bäcker erzählt wird, einbauen, harmlosere oder gefährlichere.

Die Art der Musikauswahl scheint mir im Widerspruch zu Platon zu stehen, was aber wiederum einen interessanten Kontrast ergibt. Seichte, nicht wirklich interessante Musik klingt mehr nach unserem musikalischen Mainstream. Es wäre interessant, sich dazu gesellschaftskritische Untersuchungen anzuhören (was bedeutet das Konzept der Musik als "angenehmes Hintergrundgeräusch" für ihre Rolle in der kapitalistischen Gesellschaft etc.). Platon hat sich das meinem Eindruck nach eher so vorgestellt, daß das ganze Volk mit charakterfestigender Musik aufgezogen wird, die Wächter sowieso und bei den Bürgern kanns auch nicht schaden. Eher sind es (Platon sagt das im Zusammenhang mit der Dichtung, aber es dürfte bei der Musik so ähnlich sein) die "schädlichen" Erzählungen, die nur im Geheimen und nur den geprüften Charakteren zugänglich gemacht werden. Wir könnten eine Kunstpolitik a la Platon mit einem solchen Konzept kontrastieren. Außerdem stellt sich hier natürlich die Frage, wie das mit dem Privileg auf Lüge zusammenzudenken ist. --H.A.L. 08:40, 30. Apr. 2009 (UTC)
Natürlich soll jede Musik charakterfestigend sein, was sich aber glaube ich darauf beschränkt, gewisse messages auszuschließen ("i hate myself and want to die"). Was als charakterfestigende Message durchgeht wird in Musik für Krieger und Musik für den Frieden unterschieden. Es gibt nur zwei Tonleitern, deshalb 'klingt alles ziemlich gleich'. Unsere Überlegung war, dass jede interessante Musik irgendwelche Affekte auslösen muss, bei der Friedensmusik darf dass, so wie ich es verstanden habe, nicht passieren. Alle starken Affekte sind schädlich. Sie muss gemäßigt sein, deshlalb die Paralelle zu unserem Radio. Affekte auslösen kann nur die Kriegermusik, deshlab ist sie die eigentlich interessante (jakobk)
Ja, aber der Punkt ist, daß beide Musiken öffentlich sind. Ich sehe bei Platon keinen Grund, die aufrüttelnde Musik zu zensieren. Ich habe ihn immer so gelesen, daß es für die Bürger nicht so essentiell ist wie für die Wächter, zur Tapferkeit erzogen zu werden, aber erstens nutzt es ihnen persönlich, zweitens schadet es ja dem Staat nicht, drittens steigen ja manchmal Bürgerkinder auf, und dann ist es besser, sie sind gleich gut erzogen, und vielleicht stärkt eine einheitlichere Mentalität ja auch das Zusammengehörigkeitsgefühl. Und was die Wächter betrifft, so möchte Platon nicht nur, daß sie von den einen Musiken ferngehalten, sondern auch, daß sie von den anderen konditioniert werden. Bei uns dagegen hört man nur die Hintergrundmusik. Gut, Widerspruch ist dafür wohl ein zu harter Ausdruck. --H.A.L. 14:23, 13. Mai 2009 (UTC)

Arbeitsgruppe: Frauen- und Eigentumsteilung

1. Szene
Ein junger Mann verschafft sich illegaler Weise Zugang in Platons Staat und erblickt, als er durch die Straßen irrt, ein junges Mädchen, deren Schönheit ihn sofort in ihren Bann zieht. Er folgt ihr.
Sie verschwindet in einer Türe. Vorsichtig tritt er an die Türe und lugt durch einen Spalt. Es offenbart sich ihm der Anblick einer Schar nackter Frauen und Männer, die der Leibesertüchtigung frönen. Eine starke Männerhand fasst ihn an der Schulter. Es ist ein Wächter.

Wächter: Kann ich dir helfen mein Junge?

Handlungsoptionen:

  • Junge: „Verzeiht, ich bin nur etwas verwirrt, ich habe noch nie so etwas gesehen. Frauen und Männer die so selbstverständlich gemeinsam Gymnastik treiben. Könnt ihr mir erklären was es damit auf sich hat?“
  • Junge: „Ich schaue nur, nichts weiter.“ (sprachs, und läuft davon)
  • Junge: „Ich würde gerne den Turnsaal betreten, allein ihr steht mir im Weg.“


Weiterführung:

  • Wächter: „Wisst ihr denn nicht, dass dies eine den Wächtern vorbehaltene Einrichtung ist? Solltet keiner sein, was ich nun annehmen muss, so will ich euch raten zu verschwinden, bevor ich mich vergesse. Und überhaupt, wieso seid Ihr nicht bei der Arbeit. Zeigt mir euren Ausweis.“
    Junge: „Ich muss ihn wohl zuhause gelassen haben. Lasst mich ihn schnell holen, guter Mann.“ - Der Junge bemüht sich schnell aus dem Blickfeld des Wächters zu verschwinden.
  • Der Junge verschwindet hinter einer Hausecke.
  • Wächter: „Da ich euch nicht kenne, wisst Ihr wohl, dass es meine Pflicht ist, eure Identität zu prüfen. So zeigt mir bitte euren Ausweis.“
    Junge: „Ich muss ihn wohl zuhause gelassen haben. Lasst mich ihn schnell holen, guter Mann.“ - Der Junge bemüht sich schnell aus dem Blickfeld des Wächters zu verschwinden.


2. Szene
Der Junge hält sich in einiger Entfernung versteckt und wartet darauf, dass das Mädchen die Turnhalle wieder verlässt. Die Sonne ist bereits untergegangen, als sie schließlich aus der Halle kommt. Er folgt ihr abermals.

Sie betritt ein großes, einstöckiges Gebäude. Vorsichtig tritt der Junge an eines der Fenster, die allesamt durch Gitter geschützt sind. Seine Hände tasten sich durch die Dunkelheit an die kalten Gitterstäbe und er gewinnt Einblick ins Innere des Gebäudes.

Drinnen sitzt das Mädchen inmitten einer Menge von Menschen, Männer und Frauen, alle in Lumpen gehüllt, auf dem nackten Boden sitzend und speisend. Sie trinken Wasser und essen Fleisch, ohne ein Wort zu sprechen, bevor sie sich alle schließlich, an derselben Stelle, an der sie vorher noch aßen, hinlegen und einschlafen. Auch der Jüngling wird von seiner Müdigkeit übermannt und schläft unter dem Fenster ein.

Das Knarren, der sich öffnenden Türe weckt ihn schließlich aus seinem Schlaf. Es ist das Mädchen, das aus der Türe tritt und in Richtung der Stadtmauern aufbricht. Es ist noch mitten in der Nacht. Eine Kerze leuchtet ihr den Weg. Der Junge folgt ihr dicht um sich nicht in der Dunkelheit zu verlieren.

Vor einem hohen Wachturm bleibt sie stehen und öffnet eine Türe, hinter der sich die steilen Stufen nach oben in den Turm befinden. Sie steigt hinauf, ohne die Tür abzuschließen; vorsichtig schlüpft der Junge hindurch und steigt die Treppen hinauf.

Er findet das Mädchen oben im Turm an der Mauer lehnend wieder. Sie schluchzt leise in sich hinein.

Er nähert sich ihr behutsam. Als er schon direkt vor ihr steht und sie ihn immer noch nicht bemerkt hat, fasst er seinen Mut zusammen und spricht zu ihr.

Junge: „Verzeih mir, es bricht mir das Herz ein so junges Leben so in Trauer aufgelöst zu sehen. Was bedrückt dich?“
Mädchen (erschrocken): „Wer seid Ihr Fremder? Was erlaubt Ihr Euch mir hier aufzulauern? Ihr wisst, dass es mich nur ein Wort kostet und Ihr werdet festgenommen.“
Junge: „Bitte, ich führe nichts Böses im Sinne. Ihr habt recht, ich bin fremd, ein Reisender, aber gebietet es Euch die Sitte nicht, mir Reisendem mit Sanftmut zu begegnen?“
Mädchen: „Dies bedeutet nicht weniger, als dass ich meine Pflichten vernachlässigen muss. Wer glaubt Ihr zu sein, dies von mir verlangen zu können?“
Junge: „Es steht Euch frei jederzeit Alarm zu schlagen, doch ich bitte Euch, sprecht mit mir, lasst mir Euch helfen, Ihr könnt mich immer noch später ausliefern.“
Mädchen (nach kurzem Zögern): „Was soll mir das nutzen? Wie könntet Ihr mir helfen? Niemand kann mir zurückgeben, was ich verloren habe... aber ja... ich bin immer allein und kann mit niemandem reden... die anderen Wächter, die mit mir leben, sind so kalt und zurückhaltend… niemand von denen würde mich verstehen...“
Junge: „So sprecht! Erzählt mir, was euch quält. Was habt Ihr auch zu verlieren, ich bin nur ein Eindringling in eurer Welt. Ihr seht, ich bin kaum älter als Ihr und doch will ich tun was in meiner Macht steht, um Eure Trauer zu lindern.“
Mädchen: „Also, seht. Ich bin jetzt 19 Jahre alt. Mein Leben war sehr unbeschwerlich und ruhig, oder zumindest war dies, was ich dachte. Ich fühlte mich von meinen Freunden geliebt und – ich war davon ganz überzeugt – mir fehlte nichts. Aber dann, am Tag meines sechzehnten Geburtstages, ist ein Bote der Regierung zu mir gekommen, um mir mitzuteilen, ich sollte Mutter werden. Zunächst war ich – ehrlich gesagt – sehr gespannt. Ich wusste natürlich nicht im Geringsten was ich zu erwarten hatte.
Junge: Deinen Mann hast du ja vorher gekannt, oder?
Mädchen: Ich habe ihn nie wirklich kennen gelernt. Es geschah alles in Eile, in einer Nacht und wenig später, stellte ich fest, dass ein Kind begonnen hatte in mir heranzuwachsen. Mit einem Male änderte sich mein Leben, es war mir Freud und Leid zugleich. Mit einem Mal aber stand mir eine Frage im Kopf, die ich mir nie vorher gestellt hatte, und ließ mir keine Ruhe mehr: Wer war meine Mutter? Ich war zugleich Mutter und Waisenkind: Was würde mit meinem Kind geschehen?
Junge: Das kann ich nicht verstehen: Kennst du denn deine Mutter nicht?
Mädchen: Niemand hier kennt seine Mutter. Wir wurden alle von Ammen aufgezogen. Und so auch mein Kind. Als ich es gebar, wurde es mir sofort entrissen. Ich war erschöpft, entmutigt, verletzt, fühlte mich beraubt. Nach nur wenigen Tagen wurde ich wieder zum Dienst geschickt. Seitdem finde ich keinen Trost. Nacht für Nacht sitze ich in diesem Turm und weine, bis mein Wachdienst zu Ende ist, und ich zumindest wieder für einen weiteren Tag die Kraft aufbringe, mein Leben weiterzuführen. Seit drei Jahren lebe ich so und niemand weiß davon, du bist die erste Person, der ich mich anvertrauen kann.
Junge (hält kurz inne, schließt sie dann in die Arme): Du Ärmste, was für ein schreckliches Schicksal. In meiner Heimat wäre es undenkbar einer Mutter so etwas anzutun. Komm, Flieh mit mir von diesem unsäglichen Ort.

Er nimmt sie an der Hand und sie eilen die Treppe hinunter. Es tagt bereits.


Handlungsoptionen:
Hier sollte sich wieder ein Punkt ergeben, an dem der Spieler die Möglichkeit hat den Handlungsverlauf zu bestimmen. Mögliche Szenarien wären etwa, dass der Jüngling sich eine zeitlang im Staat verbirgt, während sie die gemeinsame Flucht und so die Realität im platonischen Staat kennen lernt, oder aber dass das Mädchen sich zunächst weigert mit ihm zu fliehen, ihm trotzdem aber nicht abgeneigt ist, wodurch sich Dialoge ergeben, in denen die Lebenssituation einer Wächterin erörtert wird, worin der Jüngling aus der Fremde immer als individualistischer Gegenpol auftritt. Ein solch klassisches Romanzenszenario ist natürlich schon per se recht verbraucht, aber als Möglichkeit die Frauen- und Warengemeinschaft darzustellen erscheint es doch geeignet.

(Stephan Berger und Giuseppe Ganarini)

Eine Spannende Geschichte, aber eine Anmerkung muss ich mir erlauben: Ihr scheint eine recht klare moralische Position gegenüber Platons Idee des Wächterlebens einzunehmen. Wenn man fies wäre, könnte man sagen, ihr habt in eurer Geschichte das westliche Ideal der Kleinfamilie verabsolutiert. Eine Abweichung in Richtung kommunenartiger Familien erscheint hier als Gewalttätigkeit gegenüber der menschlichen Natur. Natürlich ist der Mensch ein Wesen, dass intensive Brutpflege betreibt, trotzdem würde ich auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Platons Idee funktioniert und tatsächlich die ganze Gemeinschaft "Mutter" für ein Kind sein kann. (jakobk)

Arbeitsgruppe: Qualitätsmanagement bei Wächtern

Fragment

AGATHON, GYGES, SKORESTA

Gyges: Guten Tag Agathon. Skoresta hat mir gesagt, dass Du ein Sprecher der Regierung dieses Staates bist. Kann ich Dir ein paar Fragen stellen?

Agathon: Einen schönen Tag wünsche auch ich Dir, Gyges. Du kannst gerne fragen, aber ich muss gleich zu Beginn sagen, dass Du Dir vermutlich unter Regierung etwas Falsches vorstellst. Wir sind nicht durch eine Volksversammlung bestellt und müssen uns nicht immer wieder vor der Bevölkerung rechtfertigen. Unsere Machthaber sind sorgfältig aus den Schutzmännern ausgewählt. Wir beobachten die Mädchen und Burschen schon früh und nur die standhaftesten und intelligentesten machen Karriere. Darum brauchen wir keinen periodisch wiederkehrenden Schönheitswettbewerb der politischen Eitelkeiten.

Gyges: Darum also werden die Kandidatinnen streng erzogen und dürfen keine sentimentale Musik hören oder von schönen Jungen schwärmen? Und darum holt ihr Euch die bestmotivierten Jugendlichen und erzählt ihnen faszinierende Geschichten von Sportstars und anderen Erfolgstypen? Aber mir scheint, dass dabei vieles unter den Tisch fällt.

Skoresta: Meinst Du, dass ihnen "Pulp Fiction" und "Reservoir Dogs" entgehen? Oder die Journalistenjagd auf Natascha Kampusch und die Familie Fritzl? Was hat man davon, dass ein paar Ministranten sich über einen Bischof beschweren? Wer frühzeitig lernt, seine Sachen in Ordnung zu halten, ist später ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft.

  • Müßte es nicht heißen "daß sie ihnen abgehen"? Daß sie ihnen nicht "entgehen", hieße ja gerade, daß sie sehr wohl Zugriff darauf haben.

Agathon: Ja, wir haben uns an die Kritik von Skoresta gehalten. Die meisten Menschen wollen interessante Dinge hören, die unterhaltsam sind und die eigenen Vorurteile nicht in Frage stellen. Sieh Dir an, was in der Zeitung über Prinzessinnen, Lehrerinnen und Krankenschwestern steht. Und was den Staat betrifft, reagieren sie sofort, wenn ein Politiker in einen Skandals verwickelt ist. Sein Charakter ist nicht so wichtig. Darum sehen wir uns die jungen Leute genau an, bevor wir sie zu Schutzmännern ausbilden und nur, wenn ihre moralische Standfestigkeit garantiert ist, werden sie zu höheren Aufgaben zugelassen.

  • "'die die eigenen Vorurteile bestätigen'? Sagt gerade jemand, der alle Geschichten, die nicht seinem Gottesbild entsprechen, als Verleumdungen verbieten will?"
  • "Und wo genau ist jetzt der Unterschied zwischen euch, die ihr eure Schutzmänner auf ihre moralische Standfestigkeit hin prüft, und der Menge, die aufschreit, wenn ein Politiker seinen Mangel daran offenbart?"
  • "Wie meinst du das, sein Charakter ist nicht so wichtig? Ich habe uaf meinen Reisen einige Volksversammlungen gesehen, und dort reden die Leute tagaus, tagein darüber, welcher Parteiobmann wie charmant ist und wer ein bißchen zu schnell grantig wird und wer bei der Wahlveranstaltung am besten Stimmung machen kann, und auf dieser Grundlage werden dann ganze Parteiprogramme gewählt." - "Ja, vielleicht müßten wir genauer darüber reden, was als 'Charaktereigenschaft' qualifiziert und welche davon für die Lenkung eines Staats entscheidend sind." --H.A.L. 08:26, 11. Mai 2009 (UTC)

Gyges: Ich verstehe, was Du sagst. Die Mehrheit der Bevölkerung ist zum Beispiel schnell bereit, hohe Schulden zu machen, wenn ihnen die Gelegenheit geboten wird und wenn das alle tun, wird eine Wirtschaftkrise provoziert. Ein wohlorganisierter Staat muss Vorkehrungen dagegen treffen. Wie bereitet ihr denn Eure Führungselite auf solche Herausforderungen vor?

Skoresta: Ja, diese Geldversessenheit finde ich wirklich eine Plage. Ich sehe ein, dass Handwerkerinnen und Händler einen fairen Preis für ihre Produkte verlangen. Aber dann sind die Persönlichkeitstrainer und Politikberater aufgetreten und haben Wissen gegen Bezahlung angeboten. Als ob das Wohl des Staates und seiner Bürgerinnen mit Geld zu fördern wäre. Das führt doch nur dazu, dass jene Clans die Macht behalten, die sich die nötige Expertise leisten können.

Agathon: Das wird bei uns sehr strikt gehandhabt. Schutzmänner dürfen kein persönliches Vermögen besitzen. Das ist der sicherste Weg, Korruption zu verhindern und den Schmeichlern das Handwerk zu legen. Man hat uns vorgeworfen, das sei unfair gegenüber der Führungsschicht. Wie kommt die dazu, auf die Annehmlichkeiten des Privatbesitzes verzichten zu müssen? Unsere Antwort ist: der Staat muss insgesamt richtig organisiert sein. Er ist keine Institution zur Vermehrung des Wohlbefindens einer Gruppe. Jeder muss an seinem Platz das Beste tun, dann stimmt das Ganze zusammen. Es ist schon richtig, dass die charakterlich gefestigten klugen Männer und Frauen wenig Anreiz verspüren, die Staatsgeschäfte zu übernehmen. Aber zum Wohl der Allgemeinheit müssen auch sie ihre Eigeninteressen hintan stellen.

Gyges: Jetzt würde mich allerdings interessieren, nach welchen Kritierien ihr die Kandidatinnen genauer aussucht. Sie sollen verläßliche, gut erzogene und aufmerksame Persönlichkeiten sein - aber was heißt das im Einzelnen? Es gibt verläßliche Mafiabosse und aufmerksame Finanzspekulantinnen. Wenn Du sagst, dass die Erziehung von Kindheit an auf die Einübung des Schönen, Anständigen und Wahren ausgerichtet ist, klingt das wie eine Phrase. Worin soll Erziehung denn sonst bestehen? Unsere Feinde im Osten, die uns die Knabenliebe vorwerfen, halten sich auch für gut erzogen. Habt ihr ein Staatsexamen, das festlegt, welche Fähigkeiten eine Machthaberin besitzen muss?

Agathon: Das wäre viel zu bürokratisch. Wir richten uns nach einem einfachen Test. Wir rechnen damit, dass die Mehrzahl der Staatsbürgerinnen diverse Interessen verfolgt und unterschiedlichen Zielen nachgeht. Ihre Aufmerksamkeit gilt wechselnden Themen, sie konsumieren gerne Informationen, aber sie fragen selten, was dahintersteckt. Dagegen gibt es aber auch Personen, welche die Wahrheit im Auge haben. Sie wollen wissen, wie es wirklich ist. Ihr Bezugspunkt ist das Wahre, das Schöne und die Gerechtigkeit selbst, nicht diese oder jene Details, die eventuell zutreffen oder schön anzusehen sind. Unsere Erziehung ist darauf angelegt, diese Fähigkeit zu fördern. Wenn wir eine Person finden, die sie erlernt hat, nehmen wir sie in den Führungskreis auf.


Hier endet das Fragment vorläufig. Ich habe absichtlich nicht weitergeschrieben, weil sich nun die wichtigen philosophischen Weichenstellungen ergeben. Da wollte ich nicht vorgreifen. Ich habe das Problem versuchsweise platonfreundlich exponiert und würde mich interessieren, wie ihr die Fortsetzung seht. --anna 14:29, 5. Mai 2009 (UTC)


Ganz spannend und finde ich die Frage, die bei, Global Mindset V2 eingebracht wurde: „Was ist das für eine "Tugend", die nichts mit Deinen Handlungen zu tun hat, oder daher entsteht, dass Du gar nicht anders handeln kannst? Da fehlt doch etwas." Das sollte man die Beteiligten an diesem Dialog vielleicht diskutieren lassen (jakobk)


Formulierungen Politeia

  • daß uns die Wächter, von aller sonstigen Dienstleistung befreit, ganz vollkommene Diener der Unabhängigkeit des Staates sein müssen
  • tapfere, besonnene, fromme, freie Männer
  • das Unfreie aber dürfen sie weder tun noch nachzuahmen geschickt sein, ebensowenig sonst etwas Schimpfliches
  • nicht gestatten, als Männer eine Frau nachzuahmen, eine junge oder eine ältere, die auf ihren Mann schmäht oder Göttern gegenüber streitet
  • daß es einen solchen Mann in unserem Staat nicht gebe und nicht geben dürfe, und wir werden ihn in einen anderen Staat schicken, nachdem wir Salbe über sein Haupt gegossen und es mit Wolle bekränzt haben
  • das Bild der guten Sitte in ihren Dichtungen darzustellen oder überhaupt nicht bei uns zu dichten
  • Künstler suchen, die mit schöner Begabung die Natur des Schönen und Anständigen aufzuspüren imstande sind, damit die Jünglinge, wie an gesundem Orte wohnend, Nutzen aus allem ziehen
  • einem Luftzug ähnlich, der aus heilsamen Gegenden Gesundheit bringt und schon von Kindheit auf unvermerkt sie zur Ähnlichkeit, Freundschaft und Übereinstimmung mit dem Schönen treibt
  • der Gott, der euch formte, hat denen, welche zu regieren geschickt sind, bei ihrem Werden Gold beigemischt, und deswegen haben sie vorzüglichen Wert
  • eine Wissenschaft, die nicht über irgend welches Einzelne in dem Staate berät, sondern über ihn selbst im Ganzen, in welcher Weise er am besten mit sich selbst und mit den andern Staaten verkehren würde ... die der Bewachung, und bei diesen Regierenden da, die wir soeben vollkommene Wächter genannt haben

Formulierungen Gorgias

  • ...Schmeichelei. Diese Bestrebung nun scheint mir viele andere Teile zu haben, wovon einer auch die Kochkunst ist, welche für eine Kunst zwar gehalten wird, wie aber meine Rede lautet, keine Kunst ist, sondern nur eine Übung und Fertigkeit. Von derselben nun betrachte ich als einen Teil auch die Redekunst, und die Putzkunst, und die Sophistik: vier Teile für vier Gegenstände.
  • In die Heilkunst nun verkleidet sich die Kochkunst, und stellt sich an zu wissen, welches die besten Speisen sind für den Leib, so daß wenn vor Kindern oder auch vor Männern, die so unverständig wären als die Kinder, ein Arzt und ein Koch sich um den Vorzug streiten sollten, wer von beiden sich auf heilsame und schädliche Speisen verstände, der Arzt oder der Koch, könnte der Arzt Hungers sterben.
  • ...Schmeichelei... weil es das Angenehme zu treffen sucht ohne das Beste. Eine Kunst aber leugne ich, daß es sei; sondern nur eine Übung, weil sie keine Einsicht hat von dem was sie anwendet, was es wohl seiner Natur nach ist, und also den Grund von einem jeden nicht anzugeben weiß; ich aber kann nichts Kunst nennen, was eine unverständige Sache ist.
  • Nicht wahr, der rechtschaffene Mann, der um des Besten willen sagt was er sagt, der wird doch nicht in den Tag hinein reden, sondern etwas bestimmtes vor Augen habend ... nicht auf Geratewohl zugreifend jedesmal etwas neues an ihr Werk anlegen, sondern damit jedem das, was er ausarbeitet, eine gewisse bestimmte Gestalt bekomme.
  • Wie wenn du die Maler ansehn willst, die Baumeister, die Schiffbauer, alle andere Arbeiter welche du willst, so bringt jeder jedes, was er hinzubringt, an eine bestimmte Stelle, und zwingt jedes, sich zu dem Andern zu fügen, und ihm angemessen zu sein, bis er das ganze Werk wohlgeordnet und ausgestattet mit Schönheit dargestellt hat.
  • So diese Künstler, und so auch jene andern, von denen wir eben sprachen, die es mit dem Leibe zu tun haben, die Arzte und die Turnmeister, bringen doch so den Leib zu Ordnung und Anstand. Nehmen wir an, daß es sich so verhalte oder nicht? ... Ein Hauswesen also, in welchem Ordnung und Anstand anzutreffen ist, das wäre ein vollkommenes, in welchem aber Unordnung, das ein schlechtes?

Formulierungen "Qualität in der Lehre"

  • Neugierde wecken, selbsst forschend tätig werden, Schwierigkeiten der Forschung erfahrbar machen, richtige Fragen stellen, Studienanfängerinnen sind Suchende, Diskurse schärfen, von Anfang an in kleine Forschungseinheiten, Kompetenzerwerb in der Orientierungsphase beginnen
  • Diskussion zu Forscherinnenprofil und Fakultätsprofil, Forschungsprofil als Wettbewerbsfaktor, Förderung von Studierfähigkeit und Abstraktionsfähigkeit durch Wissenschaft, Gefahr in Berufsausbildung: Finanzierung des Forschungsprofils vs. längerfristiges Curriculum
  • Argumentationen, Kompetenz; Analyse und Synthese, wissenschaftlicher Habitus, metafachliche Kompetenzen, Aktualisierungskompetenz, Umgang mit Informationsquellen, nicht nur Wissensrepertoire, Innovation, Kreativität; Hinterfragen, Verbindung von Fachlichem und Softskills; lernen, Fragen zu stellen,
  • klare Informationsstrukturen erforderlich, Popularisierung des Studienangebots, Erreichbarkeit internationaler Studierender
  • inhaltliche und organisatorische Effizienz, Raum für Diskurs geben, schrittweiser Kompetenzaufbau, gegenseitige Verbindlichkeit, Erwartungen klären
  • anerkannt für unsere Lehre auf allen Stufen lebenslangen Lernens und für unsere Forschung in ausgewählten Gebieten großer gesellschaftlicher Relevanz, in dem sich Menschen ihren Fähigkeiten entsprechend zu verantwortungsbewussten Persönlichkeiten entwickeln, Studierende gewinnen, die ihre Begabungen und ihre Leistungsfähigkeit nicht nur für ihren persönlichen Erfolg, sondern auch gesellschaftlich verantwortungsvoll einsetzen
  • Verbindung wissenschaftliche Ausbildung – Persönlichkeitsbildung ("Fordern und fördern") – Praxisbezogenheit • Integrative (interdisziplinäre) Managementlehre • Frühe Prüfung auf der Grundlage eines hohen Anspruchsniveaus selbstorganisiertes Lernen im Team + neue Medien Kontextstudium: Handlungs-, Reflexions-, Kulturelle Kompetenz •
  • Straffe, klar strukturierte Studienorganisation, Selektionseffekt, Valide Selektionskriterien in Prüfungspraxis? (Memorieren vs. Problemlösekompetenz – hidden agenda: Durchhaltevermögen, Widerstandsfähigkeit, Belastbarkeit …), Persönlichkeitsförderung ausbaufähig, Lehrkompetenzen der Lehrenden heterogen, Gefahr des "studentischen Dreikampfs" (sammeln – abladen – vergessen); Erledigungsdenken; Blick für Zusammenhänge zu schwach • Formatives Assessment nur partiell
  • Zielperspektive: Arbeit an der Förderung von überfachlichen Kompetenzen Soziale Kompetenzen Leadership Selbstreflexion Selbstverantwortung, Persönlicher Coach für ein Jahr Workshops & Seminare zu Kernthemen Studienreise Assessment-Tag
  • Qualität von Studienprogrammen, Systematische Lehrveranstaltungsevaluation, Angebot Prüfungs(vor)check, Follow-up, insb. bei Problemmustern: Studentische Fokusgruppen Critical Friend, Ansatz Informelle Einwirkung mit Kaskade, Veranstaltungscheck als Studierendenprojekt, Externe Peer-Reviews der Programme (alle 4-5 Jahre), Anreize für selbstgesteuerte Weiterentwicklung der Programme (Indikatorenkonzept, Leuchtturmkonzept)


Motivation

Die Wächter Platons sind sorgfältig ausgebildet. Die Aufmerksamkeit gilt ihrer möglichst hochwertigen Erziehung mit klaren Zielvorgaben und weitreichenden sozialen Folgen. Die Kriterien sind hervorragende Motivation für anspruchsvolle Leitungspositionen unter starkem Selektionsdruck. Ausgeprägtes Verantwortungsbewußtsein erfordert eine staatsdienliche Grundeinstellung. Heute nennt man das Exzellenz.

Damit entsteht eine zwiespältige Situation. Der Forderungskatalog der "Exzellenzinitiative" Platons etabliert eine starke Hierarchie, basierend auf asketisch begründeten Machtansprüchen. Das erregt Widerspruch und erinnert an jene käuflichen Herrschafttechnologien, die Plato in seiner Kritik der Sophisten selber vorbringt. Andererseits ist Platons Idealvorstellung durch die Sophismuskritik gegangen. Sie plädiert für Vernunft und (im Prinzip) Gleichberechtigung.

Diese Zwiespältigkeit kann man auch in der gegenwärtigen Bildungsdiskussion finden.

Das Workshop "Qualität in der Lehre" hat mit einer modernen Strategie zur Gruppenarbeit Posters produziert, in denen die Beiträge der Teilnehmerinnen zu Themen wie "forschungsgeleitete Lehre" und "Studieneingangsphase" gesammelt und dargestellt wurden. Sie wirken gleichzeitig legitim und phrasenhaft. Diese Debatte scheint von akademischen Idealen und zweitens von Effizienzdenken geprägt zu sein. Die höchste platonische Bildungsstufe verkörpert Weisheit und Erfolg.

In der platonischen Tradition laufen Aufstieg zur vernünftigen Selbst- und Weltgestaltung und Herrschaftsanspruch parallel. Das sollte man in einem Szenario darstellen. Günstig wäre vielleicht, Sokrates einzuführen, der auf dem Markt einen Philosophen-König trifft und auf bewährte Art ausfragt.

Wir haben irgendwann das Thema Subversion gestreift. Ich sehe zwei Grundformen der Kritik an einer gesellschaftlichen Verfassung: Entweder ich will die gegenwärtigen Zustände abschaffen und durch etwas anderes ersetzen, oder ich sehe mich selbst als eine notwendige Korrekturinstanz in einem mehr oder weniger wohlgeordneten System. Natürlich kann man beides kombinieren: Man kann sich eine andere Lösung vorstellen, in der es immer noch Instanzen gibt, die das Gegebene kritisch hinterfragen. Platon nimmt an, daß das eben nicht notwendig ist: Wenn die Machthaber richtig erzogen werden, werden sie selbst sich hinreichend kritisch hinterfragen (bzw. betont Platon nicht das Konzept des kritischen Feedback, sondern eher so etwas wie "Einsicht in das Gute", d.h. evtl. allgemeingültige Maximen, aus denen Einzelentscheidungen auch ohne Rückkoppelung deduziert werden können), also wird eine Funktion "Kritik an den Mächtigen", für die eigene Leute abgestellt werden, nicht notwendig sein.
Das fällt mir ein, weil Sokrates in diesem Vorschlag als qualifizierter Außenseiter auftritt. Ich habe vor längerer Zeit einmal in der Wikipedia etwas darüber gelesen (ich glaube, es war in Soziale Gruppe, aber da finde ich es jetzt nicht mehr), dort wurden Propheten des Alten Testaments als klassische Beispiele genannt. Der Prophet steht meistens dem König gegenüber. Der König steht an der Spitze der Hierarchie, der Prophet steht außerhalb davon, er hat kein Amt und keine nachweisbaren Qualifikationen. Seine Rolle ist es meist, zu hinterfragen, ob das Staatswesen noch im Einklang mit seinen Prinzipien funktioniert, denn auch ein nach den besten Idealen geformtes soziales Getriebe kann verschleißen (sofern es überhaupt jemals nach dem besten Modell geformt war). Vermutlich sind alle Staatswesen für das Problem anfällig, eine solche Rolle zu formalisieren. --H.A.L. 08:06, 30. Apr. 2009 (UTC)

Anknüpfend an die obigen Entwürfe könnte die Journalistin die Rolle des Sokrates übernehmen. Analog zu den frühen Sokrates-Dialogen wäre die Leitfrage: Was ist ein guter Herrscher? In die Frage gehen Motive der vorigen Episoden ein. Die Antworten des Philosophen-Königs erklären die Liebe zur Weisheit als die höchste Qualifikation für diesen Job, entsprechend der platonischen Gedankenführung. Die Journalistin verfolgt zwei Kritikpunkte:

  • die Philosophenherrschaft ist ein Exzellenzprojekt: ein kompetitives Auswahlverfahren, geleitet durch tautologische Kriterien. Die Aufmerksamen, Intelligenten, Guten sollen ausgewählt werden. Aber was ist die Aufmerksamkeit etc.
  • der qualitative Umschlag von der Vielheit zur Einheit, zum "Sehen der Wahrheit", ist eine "Konversion", ein Glaubensakt. In dieser Stadt glaubt man, dass die Wahrheit von ausgewählten Personen gesehen werden kann. --anna 07:39, 30. Apr. 2009 (UTC)
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Schlussgespräch mit Skoraste

(Ich habe teilweise die Antworten von Skoraste direkt aus der Politeia übernommen.)

Spieler: SKORASTE; GYGES

SKORASTE: Ich habe dir nun vier Räume dieses Schlosses gezeigt. Jedes Mal hast du unsere Lebensweise durch andere Augen gesehen. Sag, wie ist dein Eindruck?

GYGES: Ich habe noch nie zuvor solche Sitten erlebt. Ich verstehe nicht, wie es möglich ist, so zu leben. Es gibt vieles, auf das ihr hier verzichtet.

SKORASTE: Wie du gesehen hast, verzichten wir auf übermäßigen Luxus. Wir tun das, um unseren Geist gegen ungerechte Gedanken zu schützen.

GYGES: Ist es denn übermäßig oder schlecht, auf Tischen gemütlich und festlich zu speisen?

SKORASTE: Das kann man schon bei Homer lernen. Im Feld lässt er, wie du weißt, bei den Mahlzeiten die Helden nie mit Fischen bewirten – wobei sie doch am Hellespont lagern – noch auch mit gekochtem Fleisch, sondern nur mit abgebratenem, was für die Soldaten am leichtesten zu beschaffen ist. Denn fast überall können sie sich leichter des Feuers bedienen als das Kochgeschirr mittragen. Aber auch Gewürz erwähnt Homer niemals; und dies wissen doch auch die Athleten, dass auf all das verzichten muss, wer einen gesunden Körper haben will.

GYGES: Ist es verkehrt, seine Kinder selbst aufzuziehen?

SKORASTE: In der Gemeinschaft der Bürger und Bürgerinnen erkannten wir das größte Gut für einen Staat. Wenn weder ein Vater weiß, wer sein Sohn ist, noch der Sohn seinen Vater kennt, kann da irgendeiner einen anderen als verwandt oder aber als fremd ansprechen?

GYGES: Nein, natürlich nicht.

SKORASTE: Deshalb kann er in jedem Menschen, den er trifft, einen Bruder, eine Schwester, einen Vater oder eine Mutter, einen Sohn oder eine Tochter oder deren Enkel und Vorfahren anzutreffen glauben und sie alle als zu sich gehörig empfinden. Durch diese Gemeinschaft von Mein und Nichtmein stiften wir die innigste Gemeinschaft in Leid und Freud. Auf diese Weise hält der Staat zusammen wie ein einziger Körper.

GYGES: Warum erhalten Kranke keine ausreichende Pflege?

SKORASTE: Wir folgen dem Beispiel des Asklepios. Er lehrte die Heilkunst für die Menschen, deren Leib von Natur aus und infolge der Lebensweise gesund war, die aber an einer bestimmten Krankheit litten. Mit Heilmitteln und Operationen vertrieb er die Krankheit und trug ihnen dann ihre gewohnte Lebensweise auf, um nicht das Leben des Staates zu stören. Aber er versuchte nicht, durch Diätbehandlung innerlich ganz sieche Körper bald etwas zu schröpfen, bald wieder zu füllen und dadurch den Menschen ein langes, aber elendes Leben zu geben, ja noch Nachkommen zu zeugen, die ihnen, wie anzunehmen ist, ähnlich würden; sondern wer in dem ihm bestimmten Leben nicht zu leben vermochte, den glaubte er nicht heilen zu müssen, weil er weder für sich selbst noch für den Staat einen Nutzen bedeutete.

GYGES: Was ist falsch daran, neuartige Musik zu spielen?

SKORASTE: Unsere Bürger dürfen nicht an Bildern der Schlechtigkeit erzogen werden. Die Erziehung durch Musik ist so überaus wichtig, weil Rhythmus und Harmonie am tiefsten in die Seele eindringen, sie am stärksten ergreifen und ihr edle Haltung verleihen. Solch edle Haltung erzeugen sie, wenn man richtig erzogen wird, wenn nicht, dann die entgegengesetzte.

Ionische und lydische Tonarten, die schlaff sind, eignen sich für Trinkgelage und sind für kriegerische Männer nicht zu gebrauchen. Ebenso gefährlich für die Erziehung sind die myxolydischen und syntonolydische Tonarten, die zu Klagen und Jammern anregen. Deshalb gibt es nur die Lyra und die Kithara in diesem Schloss. Mit ihnen kann man die dorische und die phrygische Tonart spielen, die aufrüttelnde und die milde, die den Ausdruck der Männer in Unglück und Glück, der besonnenen wie der tapferen, am besten wiedergibt.


OPTIONEN

1. GYGES: Ich sehe wohl, dass ihr euch etwas dabei gedacht habt, doch finde ich keinen Gefallen an so einem Dasein. Es gibt keine Unterhaltung, nur Eintönigkeit. Hier kann man keinen Spaß haben! Lieber verzichte ich auf ein sicheres Quartier, als mich hier zu Tode zu langweilen. Ich ziehe es vor, mein altes Leben wiederaufzunehmen.

2. GYGES: Ich sehe, hinter all diesen Gesetzen und Regelungen steckt reichlich Überlegung. Doch wollt ihr Gerechtigkeit damit erreichen oder bloß einen friedfertigen Umgang? Denn wahrlich gerecht ist nur der, welcher sich frei dazu entscheidet, gerecht zu sein. Das habe ich aus dieser Führung gelernt: Hier bleiben will ich nicht, aber zurück in mein altes Leben will ich ebenso wenig.

3. GYGES: Ich sehe, ihr habt an alles gedacht. Niemand hier würde jemals auch nur etwas Ungerechtes denken. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als für immer hierzubleiben. Sag mir nur, welche Arbeit ich verrichten soll, und ich werde fortan ein treuer Mieter sein.


...auf englisch (die Übersetzung ist ziemlich wörtlich und deshalb mit Sicherheit an vielen Stellen schlichtweg falsch. Aber ich habe mir Mühe gegeben):


SKORASTE: Now I have shown you four rooms of this castle. Every time you have seen our life-style from a different point of view. Let me know, how is your impression?

GYGES: I have never before experienced such customs. I do not understand how it is possible to live in that way. There is a lot which you renounce.

SKORASTE: As you have seen, we renounce excessive luxury. We do so in order to protect our mind against unfair thoughts.

GYGES: Is it excessive then or bad to dine on tables comfortably and festively?

SKORASTE: One can learn this already by reading Homer. In the field he stores the heroes not with fishes – despite their being in the Hellespont –but with cooked meat, which is most lightly to be procured for the soldiers. Since almost everywhere they can easier help themselves of the fire than with the carrying of the the cooking dishes. But also spice Homer never mentions; and the athletes also, nevertheless, know that he who wants to have a healthy body must renounce all this.

GYGES: Is it wrong to draw up his children independently?

SKORASTE: The community of the citizens we recognised as the biggest property for a state. If neither a father knows who is his son, nor the son knows his father, can he respond then of any one others than relatedly or, however, than strange?

GYGES: No, of course not.

SKORASTE: Therefore, he can believe to find in every person whom he meets, a brother, a sister, a father or a mother, a son or a daughter or their grandson and forefather, and feel them all as severely to himself. By this community of mine and notmine we donate the most tender community in grief and joy. In this manner the state holds together like one single body.

GYGES: Why do sick people not receive sufficient care?

SKORASTE: We follow the example of Asklepios. He taught the remedial art for the people whose body from nature and as a result of the life-style was healthy and who suffered, however, from a certain illness. With remedies and operations he expelled the illness and then applied to them her usual life-style, so they would not disturb the life of the state. But he did not try to bleed internally infirm bodies by diet treatment and to soon fill them again and to give thereby a long, but wretched life to these people, to generate descendants still who would become similar to them, as is to be expected; but who was not able to live his life, he simply did not use to heal, because he meant a use neither for himself nor for the state.

GYGES: And what is wrong in playing alternative sorts of music?

SKORASTE: Our citizens may not be educated in pictures of the wickedness [???]. The education by music is so exceedingly important because rhythm and harmony penetrate most deeply into the soul, they strongest seize and lend her noble position. They generate such noble position if one is properly educated, if not, then the opposite occurs. The ionic and lydian keys which are floppy are suited for carousal and are not to be used for warlike men and warriors. As dangerously for the education are myxolydian and syntonolydian keys which stimulate to complaints and moaning. Therefore, allowed are only the Lyra and the Kithara in this castle. With them one can play the Doric and the Phrygian key, the rousing one and the mildly, which reflects best of all the expression of the men, sensible like courageous, during misfortune and luck.


OPTIONS

1. GYGES: I see. There might have been some thinking behind these rules, however, I do not like such an existence. There is no entertainment, only monotony. Here one cannot have fun! I prefer to resume my old life instead of having a safe but boring accommodation here in this castle.

2. GYGES: I see, behind all these laws and regulations there is much consideration. However, do you want to reach really justice in this way, or only an uncomplicated way of living? Since really fair is only that who decides freely to be fair. I have learnt this from this guidance: I do not want to stay here, but I do not want to go back into my old life neither.

3. GYGES: I see, you have thought of everything. Nobody here would ever even think unfairly. I can fancy nothing better than to stay here for good. Just tell me which work I should do, and I will be from now on a loyal tenant in this castle.

--Sinn 13:44, 24. Mai 2009 (UTC)